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Die dreifältige Göttin   Teil I

Yvonne hat sich das Bild der dreifältigen Göttin ein bisschen näher angesehen und Anufa erlaubt ihre Gedanken für die WeiberCraft zu übersetzen. Herzlichen Dank, Yvonne!
Janet Stewart (Witches Way)

Die meisten Leute werden wohl, wenn die „Dreifache Göttin“ erwähnt wird, an „Maiden, Mother und Crone“, die Archetypen "Mädchen, Mutter und alte Frau" denken. Diese Archetypen können jedoch sehr beschränkend sein und es gibt viele andere dreifache Göttinnen, die es sich lohnt zu erforschen: Göttinnen des Landes und der Landesherrschaft, Göttinnen mit vielfältigen Fähigkeiten und Rollenmodellen, Göttinnen, als eigenständige Frauen, nicht Rollenmodelle im Bezug zu einem Mann.


Warum der „Maiden, Mother, Crone“-Archetyp nicht hilfreich ist

Ich empfinde diesen Archetypen aus mehreren Gründen als nicht hilfreich. Einer davon ist, dass er essentialitisch ist. Im grundlegendsten Sinn bezieht es sich auf die Jungfrau, eine Frau, die geboren hat und die Frau nach der Menopause. Ja, biologisch betrachtet ist das wichtig, weil es das ist, wie wir uns verkörpern aber Kultur, Persönlichkeit, Kreativität und Temperament sind ebenfalls wichtig.
Dieses biologisch essentielle Modell schließt Trans-Frauen aus, Frauen die niemals Kinder geboren haben und Frauen, die sich nicht als den mütterliche Typ bezeichnen würden. Es kann für Frauen grundlegend verstörend sein, wenn sie keine Kinder bekommen können oder für diejenigen, die abgetrieben haben. Ich habe einmal eine Veranstaltung besucht, in der zwei ziemlich bekannte Heidinnen auf der (umgemein irrigen) Vorstellung herum ritten, dass „man keine richtige Frau wäre, wenn man keine Kinder geboren hätte“. Das hat zwei Frauen wirklich beleidigt und mich verärgert. Ja, viele Frauen werden Mutter und das ist eine wunderschöne Sache aber das ist nicht der einzige Archetyp, der für erwachsene Frauen zur Verfügung steht.
Auch sind die Leute vom Archetyp der Jungfrau verwirrt. Manche sehen die Interpretation des Mädchens oder der Jungfrau als sexuell unabhängige Frau (nicht die einer Frau, deren Hymen noch intakt ist) an. Für Feministinnen ist die Idee einer sexuell unabhängigen Frau eine wesentlich stärkendere  Idee als die einer Frau, mit intaktem Hymen. Die Idee, dass eine Frau ihrem Vater „gehört“ und von ihm ihrem Ehemann „übergeben“ wird, ist zutiefst patriarchal und unterdrückerisch und hat im Heidentum keinen Platz – es tut mir leid (es tut mir nicht leid), dass ich hier dogmatisch bin, aber das glaube ich wirklich. Die Vorstellung, dass eine Jungfrau eine Frau ist, in die noch kein Penis eingedrungen ist, ist hoffnungslos patriarchal und überbetont Penetrationssex.

Die Vorstellung, dass eine sexuell aktive Frau auch gleichzeitig Mutter sein muss, erscheint mir ebenfalls patriarchal. Das legt nahe, dass die letztendliche Rolle der erwachsenen Frau die Mutterschaft wäre und dass jegliche sexuelle Aktivität zur Mutterschaft führt. Einige Leute haben konstatiert, dass „Maiden, Mother, Crone“ matriarchal wäre, aber ich will genauso wenig in einem Matriarchat leben, wie in einem Patriarchat. Die Idee eines Matriarchats ist gender-essentialistisch und für diejenigen potentiell unterdrückerisch, die in das binäre Geschlechtermodell nicht hinein passen.
Die alte Frau ist vielleicht ein wenig stärkender weil es die Beschäftigung mit dem Tod beinhaltet und auch die Weisheit des Alters begrüßt. Warum aber muss die Linie zwischen Mutter und alter Frau die Menopause sein? Das schließt wieder Trans-Frauen aus, auch genderqueere Frauen und so weiter – und wieder ist das biologisch essentialistisch. Nur um sicher zu gehen: Die Menopause kann für viele Frauen eine tiefgreifende und kraftvolle Erfahrung sein und das ist wunderbar; wir sind aber mehr als nur Biologie.

Die Idee von Jungfrau, Mutter, alter Frau lässt einfach viele andere Archetypen aus - wie die Priesterin, die Hexe (Schwarzmond), die Kriegerin, die Dichterin, die Architektin, die Schreiberin und viele, viele andere.

Wie   aufzeigt, sind die Attribute, die „Maiden, Mother, Crone“ zugeschrieben werden selber schon limitierend. Warum wird nur die Alte als die Verkörperung von Weisheit angesehen? Warum wird nur die Jungfrau als Muse angesehen? Warum kann sie nicht selbst Lyrik und Kunst aus sich heraus erschaffen anstatt herum zu hängen und darauf zu warten, einen Mann mit ihrer Schönheit zu inspirieren? Können Frauen in ihrer Jugend nicht auch weise, inspiriert und kreativ sein?
Sogar Robert Graves, der mehr oder weniger den Archetypus „Maiden/Mother/Crone“ erfunden hat, beschrieb die dreifache Göttin anders. Als Mutter/Braut/Leichenfrau und Mädchen/Nymphe/Hexe. Graves scheint diese Rollen noch immer in Bezug auf einen Mann gesehen zu haben, aber zumindest sind es andere Archetypen.
John Halstead entdeckte, dass Sigmund Freud über eine dreifache Göttin der Geburt, der Liebe und des Todes geschrieben hatte und diese mit den Schicksalsgöttinnen, den Jahreszeiten, der dreifachen Artemis-Hecate und Mutter Erde, die die Toten aufnimmt, vergesellschaftet.

Ende Teil I


Yvonne


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