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Magie wirken – das Patriarchat zerschmettern   Teil II

Geschrieben wurde dieser Artikel von Jedidjah de Vries
und übersetzt von Distelfliege.

Dieser symbolische Widerstand (der genauso real ist wie die symbolische Gewalt, die ihm gegenüber steht) wird durch die feministisch-spirituelle quasi-historische Mythologie unterfüttert.

Wie oben beschrieben, ist ihre Unsichtbarkeit ein Schlüsselmerkmal symbolischer Gewalt. Dies trifft auch auf Sexismus zu. Das ausbeuterische sexuelle Kastensystem konnte nicht ohne die Einwilligung seiner Opfer fortgeführt werden. (Daly, 1977, S.2) Daher ist es ein wichtiger Teil des antipatriarchalen Widerstands, die symbolischen Strukturen des Sexismus sichtbar zu machen. Während einige Feministinnen dies mit detaillierten wissenschaftlichen Analysen tun, bekämpfen feministische Hexen Symbole mit Symbolen, in Form von Mythen, speziell dem Mythos der „Burning Time“. (Zeit der Hexenverbrennungen). Mythen sind nicht einfach nur Geschichten, sondern sinngebende Systeme, die können als Referenz für eine ganze symbolische Struktur angesehen werden. (Barthes, 1972). Man kann es so sehen, dass etablierte soziale Mythen als vereinendes geistiges Konstrukt funktionieren, das garantiert, dass die kosmische Ordnung im Einklang mit der Ordnung steht, die die Gesellschaft tatsächlich schon etabliert hat. (Debord, 1983) Feministisches Hexentum hat einen Gegenmythos: Es bezieht sich auf die Hexenjagden der frühen Neuzeit als die „Burning Time“. Der Mythos der „Burning Time“ beschreibt die Hexenjagden als gezielte Verfolgung von Frauen (und speziell Hexen) durch eine patriarchale, kirchendominierte Gesellschaft, die sich vor der Macht von Frauen fürchtete (Klassen, 2008).

Man kann diese Erzählung nur als mythisch bezeichnen, denn ihre Behauptungen stehen bestenfalls auf historisch sehr wackligen Beinen. Dennoch wird die Erzählung dadurch nicht weniger effektiv als ein Mittel der Opposition. Der Mythos dient als konkretes Bild von Frauenunterdrückung und macht sie sichtbar. Auf der Basis dieser sichtbaren Form von Sexismus haben Frauen das Konzept der Hexe zurückgeholt und zu einem Symbol weiblicher Macht umgedeutet, die sich gegen das Patriarchat stellt (Magliocco, 2001, S.3). Aufgrund dieser Unsichtbarkeit, mit der symbolische Gewalt an Frauen verübt wird, kann ihr nur auf der mythologischen Ebene entgegengewirkt werden. Ich habe zwei Schlüsselsymbole herausgearbeitet (Die Göttin und der Mythos der „Burning Times“) die Feministinnen als Antwort auf das Patriarchat verwenden. Trotzdem kommt dazu, dass Hexentum keine dogmatische Religion ist, sondern eine Reihe von Praktiken, speziell magische Praktiken. Es sind diese magischen Rituale, die das wirklich mächtige Instrument des Widerstands gegen das Patriarchat darstellen.


Das Ritual

Feministisches Hexentum ist bei weitem nicht die einzige Religion, bei der sich alles um magische Rituale dreht. In „Elementary Forms of Religious Life“ betrachtet Durkheim australische Ureinwohner und ihre religiösen Praktiken, die sich, obwohl sie inhaltlich unterschiedlich zu feministischer Spiritualität sind, ihr in der Form hinreichend ähneln, um als Rahmengerüst gesehen zu werden, dafür wie Magie generell „funktioniert“. Bei dem Versuch zu verstehen, wie diese Magie funktioniert, (…) ging Durkheim über die angeblichen physischen Effekte von Ritualen hinaus (z. B. den Erhalt einer totemischen Tierart zu erwirken) und befasste sich mit der Macht von Ritualen und ihren Einfluss auf das Bewusstsein. (1995, S.364). Dabei argumentiert er folgendermaßen:

Die wahre Daseinsberechtigung religiöser Praxen liegt nicht in den augenscheinlichen Zielen, die sie verfolgen, sondern in deren unsichtbaren Einflussnahmen auf das Bewusstsein und in ihrer Art, unsere Geisteshaltung zu beeinflussen. (1995, S. 364)

Dies ähnelt auffallend der verbreiteten Definition von Magie bei feministischen Hexen als „eine Kunst, das Bewusstsein willentlich zu verändern“ (Dion Fortune zitiert von Starhawk, 1999). Was Durkheim hier betrachtet, ist die Kraft von Ritualen, Gruppen und das Individuum moralisch neu zu konfigurieren und die wichtigsten Elemente des kollektiven Bewusstseins und des Gruppengewissens mit neuem Leben zu erfüllen (1995, S. 374, 379). Von Durkheims „kollektivem Bewusstsein“ zu Bourdieu's „symbolischer Struktur“ ist es kein weiter Weg mehr. Tatsächlich fährt Durkheim fort und sagt, dass das Ritual notwendigerweise sozial ist, und sich auf das Gruppensetting stützt, aus dem es sein Recht bezieht, eine Geisteshaltung im Individuum hervorzurufen (1995).

Damit können wir sehen, wie für Durkheim Rituale wirken, indem sie nämlich eine erwünschte Symbolstruktur schaffen. Jedoch waren die Rituale, die Durkheim untersucht hat, dazu da, um eine symbolische Ordnung zu reproduzieren, während die Rituale des feministischen Hexentums darauf aus sind, ein unterdrückendes und herrschendes System in Frage zu stellen. In diesem Punkt sind sie eher mit Volksmagie und der Teufelsverehrung lateinamerikanischer PlantagenarbeiterInnen verwandt, die Taussig erforscht hat:

Es gibt eine Myriade von unwahrscheinlichen Arten, wie Magie und Ritual das kritische Bewusstsein stärken kann, das eine sehr feindselige Realität den Minen- und PlantagenarbeiterInnen aufzwingt. Ohne das Vermächtnis der Kultur und ohne ihre Bilder, Fabeln, Metaphern und andere imaginative Schöpfungen kann dieses Bewusstsein nicht arbeiten (1980, S. 232).


Ende Teil II


Jedidjah de Vries


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