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Pflanzen der Göttin: Der Mais

Ende letzten Jahres erschien in der WeiberCraft ein Artikel über Weizen als Pflanze der Göttin. Ich habe mich besonders gefreut, dass meine Freundin Esmerelda etwa zur gleichen Zeit im Rundbrief für Göttinnenspiritualität "Schlangengesang" einen Artikel über den Mais und die Göttin veröffentlicht hatte. Ich habe mich daher sofort bemüht, den Artikel auch hier im WurzelWerk veröffentlichen zu dürfen und freue mich, dass es geklappt hat.

Als Kind habe ich bei meinen Großeltern, die erste Bekanntschaft mit dem Mais gemacht. Er stand da, beutelweise, und war als Futter (neben Weizen, Kartoffeln, Haferflocken und Brotresten) für die Hühner gedacht. Doch ich liebte es, diese Körner zu knabbern. In meiner Familie, ja in meinem Umfeld überhaupt wurde kein Mais als Gemüse gegessen, das habe ich erst viele Jahre später kennen gelernt, und seit dem mag ich ihn sehr.

 
Mais - italienische traditionelle Sorte
Foto: Distel

In vielen indigenen Völkern gilt Mais als Göttergabe, z.B. die oberste Gottheit der Maya hieß Hun Nal Yeh (Hun=Eins, Nal=Maiskolben, Yeh=anbieten, zeigen). In Peru und Mexiko sind Maiskolben noch heute eine beliebte Opfergabe, hängt man sie über das Bett von Kranken, besonders kranken Kindern, vertreibt der gute Geist des Maises die schlechten Energien. Die mexikanischen Schamanen, Curanderos, nutzen den Mais u.a. als Orakel. Durch die verschiedenenfarbigen Körner, können sie z.B. Krankheiten erkennen..

Im Tal von Tehucán (Bundestaat Puebla, Mexiko) gab es Ausgrabungen, durch die sich die Geschichte des Maisanbaus dort rekonstruieren lässt. Funde, die ca. 7000 Jahre alt sind beweisen, dass schon die damaligen Bewohner des Tales, halbsesshafte Jäger und Sammler, Teocinte (ein Wildmais) aßen. Weiterhin fanden sich bei Ausgrabungen verkohlte Reste von 4,5 cm langen, abgenagten Maiskolben, diese sind ca. 5.500 Jahre alt. Man geht davon aus, dass die Bewohner dieser Gegend schon damals mit dem Anbau von Nutzpflanzen, wie Mais, begonnen haben. In der gleichen Höhle, nur an einer anderen Stelle, fanden sich Maiskolbenreste, die aus einer ca. ein Jahrtausend späteren Ernte stammen, und schon eine Länge von 11 cm hatten. Noch ein Jahrtausend später, etwa 1500 vor unserer Zeitrechnung hatte der Mais dann die heutige Größe und das heutige Gewicht erreicht.

Mit dem Mais haben die Ureinwohner eine Wunderpflanze gezüchtet. Er wächst in feucht-heißen Küstengegenden am Golf und am Pazifik genauso gut wie im trockenen Hochland. Im Laufe der Zeit entwickelten sich ca. 40 verschiedene Maissorten, welche sich in Form, Größe und Farbe total unterscheiden. Ja, selbst die Wachstumsbedingungen sind unterschiedlich.
Es gibt weiße, gelbe, rote, orange, blaue, schwarze und gesprenkelte Sorten.

Der Mais und der Mensch förderten sich gegenseitig in ihrer Entwicklung, denn je höher die Maiserträge waren, desto größer wurde der Maisanteil in der Ernährung, und da reichte es dann nicht mehr aus, nur sporadisch den Mais anzubauen. Die Menschen mussten dazu sesshaft werden, so rodeten sie Flächen, legten Felder an, entwickelten Werkzeuge und Methoden um ihre Felder be- bzw. je nach Lage, zu entwässern. Sie bauten Höhlen oder Hütten um den Mais zu lagern und wohnten, meist bis heute, mit dem Mais zusammen.

  Maisbrot aus Portugal: Broá - Foto: Distelfliege
Teig für ein Maisbrot aus Portugal: Broá
Foto: Distelfliege

Bis 1521, als die Spanier kamen, war der Maisanbau eine harte Arbeit, denn die Bauern kannten keine Werkzeuge aus Metall, keinen Pflug, keine Egge und keinen Karren. Mit einem Holzstab drückten die Bauern Löcher in die Erde und legten die Saat einzeln hinein. Bei der Ernte dann, wurden die reifen Maiskolben abgebrochen und in Kiepen (Rückenkörben) nach Hause getragen. Bevor wieder neu gesät werden konnte, wurden die inzwischen vertrockneten Pflanzen abgebrannt und die Asche vergraben. Die Anbaumethoden haben sich bis heute, in armen Bergregionen, kaum verändert, nur dass die Bauern statt eines Holzstabes jetzt einen Eisenhaken benutzen und das manche einen Esel haben, der ihnen die Körbe trägt.


Entstehung des Menschen und der Mais

Das heilige Buch der Quiché-Maya, das Popul Vuh, erzählt die Geschichte wie die Götter aus Maisbrei die Menschen formten:
Die Götter wollten jemanden haben, der sie anbetet und verehrt. Nachdem sich herausstellte, dass die Tiere das nicht tun, begannen sie mit der Schöpfung des Menschen. Beim ersten Versuch nahmen sie Schlamm, doch das erwies sich nicht als haltbar genug, denn sowie es feucht oder gar nass wurde, wurden sie wieder zu Schlamm.
Jetzt nahmen sie Holz, doch diese Wesen hatten keinen Verstand und keine Gefühle. Ihren Fehler erkennend schickten die Götter eine große Flut, die die meisten dieser Geschöpfe vernichtete. Die Überlebenden gelten als Vorfahren der Affen.
Doch die Götter gaben nicht auf. Sie nahmen Maisbrei und vermischten ihr Blut damit, und erschufen so den Menschen. Die verschiedenen Farben des Mais gelten als die verschiedenen Hautfarben des Menschen.

Chicomecóatl ist die Göttin der Nahrung und der Fruchtbarkeit, Maisgöttin - die Frau von Tezcatlipoca, sie ist die aztekische Maisgöttin. Vor Erntebeginn wurde von den Azteken ein Fest zu Ehren von Xilonen (eine Namensvariante von Chicomecoatl) gefeiert, welches mehrere Tage dauerte. Als Höhepunkt wurde der Göttin ein Mädchen geopfert.

Auch in der Kunst hat der Mais seinen Platz. Riesige Marienbilder werden zu Volksfesten aus buntem Mais gelegt und auch Diego Rivera hat in fast jedem seiner Wandgemälden Maiskolben verewigt.

Inzwischen ist der Mais aber auch zum Politikum geworden. Große Konzerne wie z.B. Monsanto lassen sich den Mais, der von den Ureinwohnern Mexikos gezüchtet wurde, patentieren und entwickeln Sorten die sich nicht mehr zur Wiederaussaat eignen. Das bedroht die Artenvielfalt des Mais sehr.

 
Vielfalt: Maissorten aus Rumänien.
Foto: Distelfliege

Mais als Rohstoff

Aber Mais wird nicht nur als Nahrungsmittel. genutzt, er ist Lieferant für Stärke und Öl, er ist Basis für Alkohol, Biosprit und Antibiotika. Die Blätter, Stängel und Wurzeln können als Tierfutter oder auch als Bodendünger dienen.
In Europa und in den USA machen Treibstoffhersteller aus Mais Biosprit. Durch die so leergekauften Märkte steigen die Preise.

Mit den Pflanzenblättern und denen des Kolbens werden Zigarren umwickelt und sie dienen zur Herstellung von Papier, ebenso kann man damit Nahrungsmittel einpacken. Einen harntreibenden Tee kann man aus den Maishaaren kochen. Olotes (entkernte Maiskolben) können als Brennmaterial dienen, man kann mit ihnen aber auch den Maisteig für die Tortillas verlängern. Aus den Olotes kann man auch Werkzeuge herstellen, z.B. Maiskentkörner, Glättgeräte für Töpfereien. Aus ihnen kann auch Toilettenpapier hergestellt werden.
Die Christusfiguren aus Michoacan werden aus Maisstängel hergestellt. Kinder basteln aus den unterschiedlichsten Teilen des Mais Flugzeuge, Vögel, Drachen, Autos und Puppen.

In vielen Gemüsegerichten ist Mais, ebenso in Suppen, Nachspeisen, Keksen und in Brot. Im Museo Nacional Cultura Populares gibt es ein Buch in dem mehr als 600 Maisrezepte stehen. Wahrscheinlich ist die Anzahl der Maisgerichte unendlich. Am bekanntesten sind die Maisfladen, die Tortillas. Es heißt die Tortilla ist das mexikanische Brot. Man kann sie in Öl backen und mit verschiedenen Zutaten belegen, dann heißen sie Tostadas, rollt man sie dann sind es Tacos und gefüllt nennt man sie Quesadillas. Werden sie in Öl gebacken und in eine Salsa getunkt sind es Enchiladas und bisschen dicker Gordas.
Aus Mais lassen sich auch Getränke herstellen, z.B. Atole, das besteht aus Wasser und wird mit Maisstärke angedickt. Durch Zusätze wie Kräuter, Fruchtpüree bekommt Atole einen süßen oder scharfen Geschmack.
Das ist nur ein Miniauszug aus den Möglichkeiten, die Mais in der Küche bietet.

Quellen:
http://www.natuerlich-leben.ch/fileadmin/Natuerlich/Archiv/2003/05-03/52-57_Ernaehrung_Mais.pdf
http://mexicoya.wordpress.com/2009/04/08/menschen-aus-mais/
http://www.mexiko-lexikon.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_weiblichen_Gottheiten


Esmerelda


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