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Die kleinen Arme
Die kleinen, fast schon lächerlich wirkenden Arme der Statuette
müssen dem Beobachter ebenso auffallen wie das Fehlen der
Füße.
Wozu brauchen wir die Arme und Hände?
Die Hände brauchen wir, um etwas zu "handhaben".
Um etwas zu tun, um uns mit
der Umwelt zu be-"fassen", sie zu er-"fassen". Und
wozu brauchen wir die Arme? Nun, einesteils ebenfalls
zur Kommunikation mit der Umwelt. Ohne Arme wären
die Hände unbrauchbar. Aber dann kommt noch ein wichtiger Faktor hinzu: Mit den Armen
können wir
andere Menschen umarmen. Kinder können wir in den Arm nehmen,
sie hegen und
pflegen, sie trösten, ihnen Geborgenheit und Liebe geben.
Dies sind die urweiblichen und mütterlichen
Eigenschaften! Mutterliebe ohne Umarmung? Gibt es das überhaupt???
Wie könnte diese Frau Liebe und Geborgenheit geben können,
wenn sie nicht einmal fähig ist, ihre
Kinder in den Arm zu nehmen? Statt dessen hält sie ihren dicken
Brüste fest.
Sie ist ganz auf sich selbst ausgerichtet, nicht auf andere. Somit
ist sie
nicht das Urbild des Weiblichen, sondern das Gegenteil: Sie ist
das Urbild des
Egoismus. Sie zeigt eine Frau, die nur konsumiert, die so viel
Nahrung in
sich hineinstopft, dass sie nicht einmal mehr gehen kann und nicht
einmal
mehr fähig ist, andere Menschen zu umarmen. Statt dessen hält
sie sich an
ihren Brüsten fest. Ist das nicht ein typisches Merkmal unserer
heutigen
dekadenten Gesellschaft?
Auffallend ist ferner die Körperhaltung dieser Frau. Wenn
man die Figur von hinten und von der Seite betrachtet, dann sieht
man, dass der Kopf nach vorne geneigt ist. Dies ist keineswegs die Körperhaltung
einer selbstbewussten und starken Frau, sondern genau das Gegenteil.
Ebenso
ist die Haltung der Beine mit dem Zusammenpressen der Knie typisch
für eine
verschämte Frau. Also auch hier nicht das Kennzeichen von
bewusster
Weiblichkeit. Die Knie sind zusammengepresst, was fast einen ungeschickten
Eindruck hervorruft. Die Körperhaltung rundet somit den oben
beschriebenen Eindruck noch ab.
Wenn die Venus von Willendorf
und andere Statuetten aus dieser Zeit kein Fruchtbarkeitssymbol
darstellen
und auch nicht das Ur-Weibliche – was
bedeuten diese Frauenfiguren dann?
Da gäbe es die Möglichkeit,
dass die Weisheit des Alters dargestellt werden sollte.
Dies ist jedoch unwahrscheinlich, denn die Fettleibigkeit verträgt
sich wohl sehr schlecht mit Weisheit. Dass Übergewicht ungesund
ist, das Leben verkürzt, den Betroffenen und denen, die sie
pflegen müssen, weil sie sich nicht mehr selbst versorgen
können, nur Mühe bereiten, dürfte doch sicher damals
ebenso bekannt gewesen sein wie heute.
All die vielen in diesen
Statuetten hineingedichteten positiven Eigenschaften treffen sicherlich
nicht zu. Beim Betrachten dieser
Figuren wird man über deren groteske Formen nicht hinwegsehen
können. Etwas Positives hierin zu erkennen fällt tatsächlich
schwer. Die zuerst ins Auge fallende Eigenschaft ist sicherlich
die Fettleibigkeit. Somit kann man rückschließen, dass etwas über
die Fettleibigkeit ausgesagt werden sollte.
Schauen wir uns mal Naturvölker näher an. Wir werden
bei diesen Völkern kaum extrem dicke Menschen finden. Denn
die Arbeit mit einfachen Werkzeugen ist zu anstrengend, der Nahrungserwerb,
die Nahrungszubereitung, die Sorge um Behausung, Kleidung oder
Brennmaterial nimmt zu viel Zeit und Kraft in Anspruch, sodass
Fettleibigkeit bei diesen Völkern nicht bekannt ist. Sie tritt
jedoch dann auf, wenn die Menschen mehr haben, als sie unbedingt
zum Leben brauchen. Dieser Wohlstand kann natürlicherweise
durch ein gutes Klima oder sonstige günstige Umstände
gegeben sein. Trotzdem ist Fettleibigkeit unwahrscheinlich bei
Menschen, die mit Steinwaffen und Steinwerkzeugen arbeiten und
jagen müssen, die in Höhlen oder Erdhäusern leben
und deren Lebensumstände extrem einfach sind. Möglich – und
sogar wahrscheinlicher – ist es jedoch, dass Reichtum dadurch
entsteht, dass Menschen andere Menschen ausbeuten und auf deren
Kosten einen gewissen Wohlstand erreichen. Diese Ausbeutung kann
sich auf andere Stämme oder Völker beziehen. Es kann
jedoch auch sein, dass diese Ausbeutung innerhalb eines Volkes
auftritt, indem Klassen erstellt werden und die „einfachen“ Arbeiter
für eine „höhere“ Klasse arbeiten müssen.
Diese höhere Klasse kann es sich dann leisten, dick zu werden.
Ja, die Körperfülle kann dann sogar ein Statussymbol
werden und kann deshalb angestrebt werden.
Vor 25.000 Jahren zogen noch große Herden von Mammuts durch
Europa. Fleisch war reichlich vorhanden, denn ein Mammut bot für
lange Zeit Nahrung im Überfluss. Als die Mammutherden verschwunden
waren (vor etwa 10.000 Jahren), tauchten auch diese extrem fettleibigen
Statuen nicht mehr auf. Die fettleibigen Darstellungen wurden alle
in der Zeit der Mammutjagd gefunden.
Es ist also denkbar, dass diese Figuren den Wohlstand andeuten
sollten. Warum aus dieser Zeit keine fettleibigen Männerabbildung
vorhanden sind, wird noch eine offene Frage bleiben. Allerdings
ist die Frage berechtigt, ob die Männer, die sich immer wieder
als Jäger bewähren mussten, überhaupt dick werden
konnten? War die Körperfülle somit ein Privileg der Frauen?
Auch diese Frage ist schwer zu beantworten. Dass allerdings die
Frauen besonders geehrt wurden und dass die Gesellschaft damals
matriarchalisch war, ist unwahrscheinlich. Denn der Lebensunterhalt
lag ganz in den Händen der Männer. Ohne ihre Jagdfähigkeiten
wäre das Volk verhungert. Dass die Männer unter diesen
Umständen nicht mindestens ebenso geehrt und geachtet waren
wie die Frauen ist mehr als unwahrscheinlich. Die Frauen wurden
sicher auch geehrt wegen der Fähigkeit, Kinder zu gebären
und auch wegen ihrer besonderen Fertigkeiten (Weben, Nahrungszubereitung
etc.). Dass sie jedoch wichtiger waren als die Männer, das
ist bei einem Volk, das fast nur von der Jagd lebt und zudem von
der Jagd von Großwild, das besonderen Mut und Können
erfordert, mehr als unwahrscheinlich.
Eine andere Antwort auf die Frage der Bedeutung dieser Figuren
könnte sein, dass sie magische Bedeutung hatten und vor etwas
schützen sollten. Ist es nicht naheliegend, dass sie gegen
Fettleibigkeit schützen sollten und für die damit hervorgerufene
Unfruchtbarkeit und Nutzlosigkeit eines Menschen? In einer Gesellschaft,
die alle Kräfte und jeden gesunden Menschen benötigte,
um in einer immer härter werdenden Umwelt zu überleben
ist Fettleibigkeit eine ernsthafte Gefahr. Diese Statuetten waren
also höchstens ein magisches Mittel für Fruchtbarkeit,
indem man vor Völlerei und ihren Folgen sich zu schützen
suchte. Oder vielleicht auch eine Warnung, eine Abschreckung. Die
Statuetten waren also ein Mittel zum Abwehren der Unfruchtbarkeit
und der Fettleibigkeit. Also genau das Gegenteil von dem, was auf
unerklärliche Weise viele Forscher annehmen.
Eine Erklärung, warum viele Menschen so hinter dem Gedanken
stehen, diese Figuren seien Fruchtbarkeitssymbole, könnte
sein, dass sie selbst zur Gewichtszunahme neigen und dies mit diesen
alten Figuren, denen sie göttliche Kräfte andichten,
rechtfertigen wollen.
Eines ist für mich jedoch sicher: Ein Fruchtbarkeitsidol
kann die „Venus“ von Willendorf nicht gewesen sein!
Wenn sie schon ein Idol war, dann das Idol für Wohlstand und
für den Materialismus. Und somit eigentlich ein sehr aktuelles
Symbol für unsere Zeit. Allerdings in negativer Weise! Und
ist es nicht erstaunlich, dass erst in den letzten 100 Jahren diese
Statuen gefunden wurden? In einer Zeit also, in der das Konsumdenken
und der Materialismus in extremer Weise zugenommen hat? Kann dies „Zufall“ sein
oder wollen uns diese Figuren etwas mitteilen?
In diesem Zusammenhang ist es zusätzlich noch interessant
zu wissen, dass die Präzession der Erde, also ihre Kreiselbewegung,
rund 26.000 Jahre benötigt. Also genau das Alter, das diese „Venusfiguren“ haben.
Wir stehen heute im Zyklus der Kreiselbewegung der Erde an derselben
Stelle wie vor 26.000 Jahren, als diese Figuren geschaffen wurden!
Die Frage drängt sich auf, ob diese Figuren heute nicht genau
dieselbe Bedeutung haben wie damals. Nämlich zu warnen vor
dem Konsumverhalten, dem übertriebenen Materialismus.
Könnten diese Statuen aus längst vergangenen Zeiten
somit nicht auch eine Botschaft und Warnung für uns sein?
Vielleicht waren sie damals schon eine Warnung, als man das Fortschreiten
der Eiszeit bemerkte und intuitiv wahrnahm, dass die Jahre der
Fülle, welche die Mammuts den Menschen bescherten, nicht ewig
anhalten würden? Stehen uns heute nicht ebenfalls schwierige
Zeiten bevor, in denen nur die Gesunden und Starken überleben
werden? Und insbesondere solche Menschen, die sich wieder bescheiden
können und auf das übertriebene Konsumverhalten verzichten
können?
Einen wichtigen Gedanken über das Gegenteil der Fettleibigkeit
möchte ich noch anfügen:
Ob bewusst oder unbewusst, es gibt in unserer Gesellschaft Menschen,
die zum Gegenteil neigen und durch krankhafte Magersucht auffallen.
Auch die superschlanken Models auf den
Laufstegen sind ein Beispiel für das Gegenteil dieser fettleibigen
Venus von
Willendorf. Aber auch diese extreme Umkehrung zeigt
nichts anderes als ein krankhaftes
Verhalten. Denn die Verherrlichung des unterentwickelten Weiblichen
ist
ebenso ein Fehlen des Gleichgewichts wie es die Fettleibigkeit
ist. Nur eben
in die andere Richtung!
Zur Weiblichkeit gehören rundliche Formen. Aber keine Fettleibigkeit! Wie schwer ist es doch, das rechte Maß zu halten!
Aufgrund der Diskussionen über diesen Artikel im Forum möchte
ich
folgenden Hinweis geben:
Dieser Artikel ist keine wissenschaftliche
Abhandlung und auch keine "gewollte" oder pseudo-wissenschaftliche
Hinterfragung dieses Themas. Der Artikel war provokativ
gedacht mit der Absicht, bestimmte Meinungen, die viele Menschen
unüberlegt von Anderen übernehmen,
zu hinterfragen.
Dieses Hinterfragen möchte ich sogar auf einige wissenschaftliche
Aussagen anwenden, insbesondere wenn es so schwierige - oder gar
nicht -
zu beweisende Themen wie Deutungen aus so lange zurückliegenden
Zeiten
betrifft. Man mag zwar wissenschaftliche Rückschlüsse
ziehen, jedoch
sollte man immer offen lassen, dass es auch andere Möglichkeiten
geben
kann und dass diese unter Umständen sogar das Gegenteil sein
könnten.
Die Betonung liegt auf "könnten".
Auch
möchte
ich zu bedenken geben, dass es selbst wissenschaftliche und
anscheinend ausreichend untermauerte Erkenntnisse gibt und gab,
die in
einigen Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr haltbar sind, denn neue
Erkenntnisse haben die alten als unrichtig erkennen lassen.
Somit sollte dieser Artikel zur Kritik anregen - nicht nur über
den
Inhalt dieses Artikels, sondern grundsätzlich zur Hinterfragung
eingefahrener und zementierter Ansichten auch in anderen
Lebensbereichen. Er sollte zur Offenheit führen und nicht
zu einem
Gefecht, welche Meinung nun die richgtige und welche die falsche
ist.
Anmerkung der Redaktion:
Ein Beispiel
dafür,
wie wir uns im
WurzelWerk die Kommunikation - auch über problematische
Themen
- vorstellen: Forums-Diskussion
zu diesem Thema
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