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Die Vorbereitungen
Am Nachmittag von Samhain fing ich an die Spiegel zu verhängen
und im Hausgang meinen Ahnenaltar aufzubauen mit den Fotos meiner
Toten und all den Fotos von meinen toten Haustieren. Mein
Freund rollte mit den Augen, schüttelte den Kopf und sagte
zu unserem Sohn: „Oh Emilian… Deine Mama!!“
Emilian stand neben mir und sah mir zu, wie ich die kleinen, roten Grablichter anzündete und sie aufstellte. Ich erzählte ihm zu jedem Foto, wer darauf zu sehen war… „Milian ausblasen?“ fragte mich mein Sohn…“Nein, nicht die Kerzen aufblasen! Die müssen wir brennen lassen!“
Emilian drehte sich um, lief zu seinem Bobbycar und fing an den Flur rauf und runter zu fahren.
Aha! Sein Interesse an meinem Altar und den Fotos schien vorbei zu sein. Naja….
Ich gehe in die Küche und hole die schon bereit gestellten Kekse und die warme Milch mit Honig. „Komm Emilian! Wir gehen jetzt raus in Garten!“ „Sandkasten spielen?“ fragt dieser zurück. “Nein, wir stellen den Naturgeistern Kekse und Milch hin, dann freuen sie sich… und wer weiß, vielleicht legen sie für Dich ein Geschenk an Jul unter den Holunder“. Emilian bekam den Teller mit den Keksen, ich nahm die Milch. Beides stellten wir in den Garten unter den Holunder.
Ritual für Mutter ... und Sohn
Am Abend nach dem Abendessen, verabschiede ich mich voller Vorfreude und ziehe mich in mein Zimmer im oberen Stock zurück. Der Papa wird heute den Kleinen ins Bett bringen, damit ich einmal für mich sein kann…Doch bald höre ich Geschrei und Geplärre von unten aus dem Bad. Meine Augen verengen sich und ich muss tief einatmen. “Verdammt!“
Ich geh raus vor die Zimmertür und rufe nach unten: „Was
ist denn da unten schon wieder los?“
Papa: “Emilian will sich nicht ausziehen lassen.“
Ich: “Warum nicht?“
Papa: “Er will nicht ins Bett sondern zu Dir ins Hexenzimmer
sitzen.“
Ich will schon nach unten rufen „Nein, der geht jetzt ins Bett“, dann denke ich: „Halt! Ist ja eigentlich ganz toll, wenn der Kleine von sich aus mitkommen will“ und ich rufe stattdessen nach unten: „ Ok, dann laß ihn zu mir hoch kommen“
Freudestrahlend kommt Emilian die Treppen hoch und zu mir ins Zimmer. Grinsend und mit großen Augen steht er vor meinem Altar, auf dem die Kerzen brennen und lauscht den Klängen aus dem CD Player. „Setz dich schön hin und sei ganz leise“ sage ich zu ihm. Emilian nickt und setzt sich auf das Schaffell.
„Das da machen!“ mein Sohn zeigt auf die Räucherschale. „Du willst räuchern? Ok!“ Ich entzünde die Kohle und zermörser den Weihrauch. Schließlich darf Emilian das Pulver auf die glühenden Kohlen streuen. Er steht auf und versucht den aufsteigenden Rauch zu fangen und zu verwedeln… Ich möchte wieder Ruhe reinbringen und säusle“ Magst Du eine Rune ziehen? Aber nur eine rausnehmen!“ und halte ihm den Runensack hin. Mein Sohnemann zieht Raido aus dem Sack und gibt sie mir…
Jetzt zeigt der Kleine auf meine am Boden liegende Trommel und sagt:“ Sollen wir das spielen?“ „Klar“ Ich geb Emilian den Knochen in die Hand, lege meine Hand über seine Hand und zusammen trommeln wir ein Weilchen. Es macht ihm viel Spaß… nach ein paar Minuten scheint er dann allerdings die Lust verloren zu haben, denn er will wieder nach unten gehen. Auch recht…
Gedankenfutter für die Mutter
Ich sitz da, mit der Rune in der Hand und schaue nachdenklich auf Raido:
Alles kommt in Zyklen, und wenn Sie diesen Zyklen folgen, machen Sie schnelle Fortschritte. Passen Sie sich den Jahreszeiten an, indem Sie Nahrung der Jahreszeit essen und dem Jahreswechsel feiern. ..Alles im Leben ist zyklisch. Alle Dinge haben einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Sobald Sie das erkannt haben, können Sie "im Strom schwimmen", anstatt sich gegen alles zu wehren. Alle Reisen und Lektionen haben einen Anfang , eine Mitte und ein Ende. Denken Sie daran, dass schwere Zeiten vorübergehen. Wenn Sie ihre Lektionen gelernt haben, brauchen Sie nicht mehr zu leiden. Jedes Ereignis ist eine Lektion. Je schneller Sie lernen, desto schneller kommen sie voran. Freuen Sie sich also über alles, was kommt - Sie können daraus lernen…
Tja, alles kommt in Zyklen… Als ich noch schwanger war, hab ich mir meine heidnische Kindererziehung anders vorgestellt… ich dachte, es geht schneller voran. In meinen Gedanken waren die Fortschritte größer und es war alles einfacher und leichter… Ich habe gelernt, dass dem nicht so ist. Es braucht mehr Zeit und Ungeduld ist völlig fehl am Platz. Auch hatte ich nicht mit eingerechnet, dass Emilian seine eigenen Interessen und Vorlieben haben könnte…. In meinen Vorstellungen gab es nur den Wald, den Mond, die Tiere und die Pflanzen. Und keine Fahrzeuge, Bohrmaschinen und Carrera Rennbahnen…. Mein Sohn ist erst drei Jahre alt, da kann man noch nicht viel erwarten…
Mittlerweile habe ich meine Erwartungen an meinen Sohn also zurück
geschraubt und denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin, einfach
dadurch, dass ich mein Leben so lebe, wie ich es bisher auch getan
habe, und Emilian daran teil nimmt. (Ganz so, wie es Morgan einmal
irgendwo geschrieben hat) Es reicht, wenn mein Sohn mit
den Jahrkreisfesten, den Naturgeistern und der Kusshand für
den Vollmond aufwächst. Es reicht, wenn ich ihm erkläre,
dass wir keine Blumen raus reißen und keine Ameisen
zerdrücken… jedenfalls für den Anfang.
Im Juni 2010 wird unser zweites Kind kommen. Die Karten sagen,
dass es ein Mädchen wird…und wer weiß, vielleicht
sind da die Interessen schon gleich von vorne weg ganz anders angelegt….
Man wird sehen!
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