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Dieses Jahr sollte es einmal nicht die sonst übliche Flugreise nach Wohin-auch-immer werden, sondern wir wollten uns mal ganz legère und unauffällig unter die Camper mischen. (Das Campen soll ja grad für kleine Kinder ganz toll sein, sagt man ...) Wir kauften uns einen neuen Wohnwagen, suchten uns Istrien als Ziel aus und nach ein bisschen Planung ging es los.
Mit dem "Unauffällig" war es dann aber spätestens
beim gemeinsamen Vorzelt Aufbau vorbei, denn dasmitgelieferte Gestänge passte nicht zum Vorzelt. Nach einer Stunde Schwitzen und Fluchen in der prallen Sonne waren wir Eltern um eine Erfahrung, - und unser fast dreijähriger Sohn um etliche neue Wörter, die er nicht sagen darf, reicher.
Zum weiteren Campingurlaub möchte ich nicht viele Wörter verlieren, nur soviel: Man muss sich erst daran gewöhnen und man darf das Essen, dass bei einem selber auf dem Grill liegt, nicht mit dem ägyptischen Abendbuffet vergleichen …. Dann geht’s schon.

In den Höhlen
Bei der Heimreise planten wir in Slowenien, genauer gesagt in Postojna, über Nacht einen Zwischenstopp einzulegen. Bei dieser Gelegenheit wollten wir uns auch gleich die „Höhle von Postojna“ anschauen.
Kurz zur Höhle: Es handelt sich um die zweitgrößte
Tropfsteinhöhle der Welt. Der erste Besuch der Höhle
wird, so steht es bei Wikipedia, auf das Jahr 1213 festgelegt.
1818 wird in dem bis zu zwanzig Kilometer langen Höhlensystem
das erste Licht installiert. 1884 wird das Licht elektrisch. Das
Höhlensystem
besteht aus drei Hauptebenen, - auf der Untersten fließt
noch heute der Fluss Pivka. Der tiefste Punkt der Höhle ist
120 Meter unter der Erdoberfläche, und es herrschen
konstante acht Grad Celsius. Im Naturhistorischen Museum in Wien
ist in der mineralogischen Abteilung eine Tropfsteingruppe aufgebaut,
die man aus der Höhle
von Postojna entnommen hat.
Die Übermutter in mir, ließ mich auch bei 30° C im Schatten nicht vergessen, für unseren Kleinen genügend warme Sachen einzupacken. Bei mir war ich da eher sparsam, aber kalt erhöht ja bekanntlich den Grundumsatz und macht schlank ...
Die
ersten drei Kilometer lief mit unserem Nachwuchs noch alles problemlos.
Die Fahrt mit dem Zügle fand er sehr spannend und interessant.
Vielleicht hätte es für ihn ein bisschen schneller
sein dürfen…
Als wir ausgestiegen sind, um mit unserer englischsprechenden
Führerin die eineinhalb Kilometer durch die Höhle zu
Fuß zu
gehen, war es allerdings aus mit Lustig. Alsbald fing das Genöhle
und Gequengle an. Unser Zureden half nicht viel, und Emilian fing
an, nicht nur uns zu nerven. Aber so ist das halt, wenn die Führerin
viel zu leise spricht und an den Stalagmiten und Stalaktiten keine
Poster von Bob, der Baumeister hängen. Andere Eltern werden
jetzt wahrscheinlich wissend nicken!
In einer Sprechpause als unsere Gruppe weiter lief, kam die Führerin zu uns und fragte ob der Kleine etwas brauche. Ich erklärte ihr, dass er des Englischen noch nicht so mächtig sei und die Führung deshalb langweilig für ihn ist. Die Höhlenführerin (irgendwie hab ich ein Problem mit dem Wort Führerin) meinte, ich soll meinem Sohn erzählen, dass in dieser Höhle ein Drache wohnt, was ich auch sogleich tat. Da stand nun unser kleiner Sohn, fast wie angewurzelt, ehrfürchtig und mit großen Augen flüsterte er: „Drache!“ „Ja mein Schatz, ein Drache wohnt hier. Komm! Lass uns mal mit den Menschen da vorne mitgehen und den Drachen suchen!“ Meine durch den Quengelstress aufgestellten Nackenhaare fingen langsam an sich wieder zu legen und ich grinste den Papa von Emilian an.
Von nun an sah unser Sohn in jedem größeren Loch den Drachen, oder zumindest Teile von ihm. Mal nur den Fuß und mal den Schwanz. Auch war unser kleiner Drachenkundler ganz leise und flüsterte nur, damit der Drache keine Angst kriegt und wegläuft!
Wieder daheim vom Urlaub
... ließ der Drache aus der Höhle unserem Sohn keine Ruhe. Immer wieder war der Drache, oder auch die Drachen im Allgemeinen, Thema auf dem Wickeltisch. (Wir machen die Töpfchenhysterie ab einem Jahr nicht mit. Unser Sohn wird trocken wenn er will).
Ich freute mich natürlich sehr. Red ich doch viel lieber über
Drachen als über V8-Motoren und Zylinderkopfdichtungen. Weil
die Mama und Emilian Bücher lieben, kaufte ich ihm natürlich
auch eines über Drachen "Expedition in die geheime Welt
derDrachen "von
Ernest Drake.
Das kann ich sehr empfehlen, - ist seither sein neues Lieblingsbuch, das wir jeden Abend im Bett anschauen müssen. Immer wieder und wieder.
Eines Abends, kurz bevor ich die Salzlampe im Schlafzimmer ausschalten wollte, setzte sich der Kleine im Bett auf, hob den Zeigefinger und sagte mit hochgezogenen Augenbrauen: „ Milian Drache im Garten!“ Ein nur innerliches Lachen durchfuhr mich, und ich fragte ernst zurück: „Aha! Dein Drache sitzt im Garten! Was macht er denn da?“ „Milian aufpassen“ antwortete mein Sohn. „ Ach wie schön“ freute ich mich, „der Drache passt auf dich auf wenn du schläfst? Aber warum kommt er denn nicht ins Schlafzimmer rein?“ „ Ist zu groß“ kam dann von Emilian zurück.
Von diesem Tag an reden wir jeden Abend nach dem Abendgebet
„Müde bin ich geh zur Ruh, schließe meine Augen zu.
Sag Dank den Göttern für den Tag, weil ich sie so
mag.“
über den Drachen, der im Garten sitzt und auf Emilian aufpasst während er schläft.
Vor ein paar Tagen war unser kleiner Mann schon morgens um fünf Uhr wach und wollte aufstehen, was noch nie vorgekommen ist. Als ich ihn nachmittags in der Kinderkrippe abgeholt habe meinte seine Gruppenleiterin zu mir: „ Der Emilian hat heute ganz lange geschlafen!“ „Kein Wunder“ sage ich, „er ist ja auch schon um fünf aufgestanden“. „Ja, er sagte irgendwas von der Drache habe ihn geweckt“ sagte die Gruppenleiterin, „können Sie damit was anfangen?“ Ich nehme mein Kind auf den Arm, lache und sage beim Weggehen:“ Das ist der Schutzengel von Emilian, ein großer Drache der bei uns nachts im Garten sitzt!“
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