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Am Mittwoch, dem 19. März 2008 um 20.00 Uhr waren wir im Schönbrunner Tiergarten
Wir begannen unsere Führung bei der Lieferanteneinfahrt des Tiergartens, dem Wirtschaftshof in der Maxingstr. Unsere sehr nette Führerin erwartete uns schon und da wir sechzehn Leute waren, erhielten jeweils zwei ein Nachtsichtgerät, im Wert von etwa 5.000 Euro.
Entstanden ist der Zoo unter Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan von Lothringen. Der ebenfalls aus Lothringen stammende Architekt Jadot de Ville-Issey wurde mit dem Bau einer Menagerie in der neuen Sommerresidenz Schönbrunn beauftragt. Ursprünglich bestand die Anlage aus 12 Gehegen mit gleich großen Häusern für die Tiere. Es kamen ein Teich dazu und 2 Höfe mit weiteren Gebäuden. Alles war vom übrigen Schlosspark und den Nachbargrundstücken durch eine Mauer abgetrennt. Nach einem Jahr war der Bau abgeschlossen, die ersten Tiere einquartiert und die Besucher konnten kommen.
Es gibt den achteckigen Pavillon, der als Frühstücksraum und Salon diente. Heute ist ein Restaurant drinnen. Bis zum Ende der Regierungszeit von Maria Theresia war der Zoo nur für die kaiserliche Familie geöffnet. Schulklassen jedoch zählten bald zu gern gesehenen Gästen.
1770 kam der erste Elefant an und 1781 zogen die Wölfe und Bären ein. Nun hatten wir erstmal „Raubtiere“ im Zoo. Um 1800 kamen die Eisbären, Großkatzen, Hyänen und Kängurus dazu. Die Leute gingen gerne in den Tierpark. Es kamen immer mehr Tiere dazu, Österreich erhielt 1828 von Ägypten eine Giraffe geschenkt. Es war etwas besonders, ganz sicher, und ihre Ankunft wurde im Kunsthandwerk und der Mode aufgegriffen. Kleider, Handschuhe und Gegenstände des tägl. Gebrauchs wurden mit Giraffenmotiven geschmückt. Neue Frisuren entstanden und auch eine Giraffentorte wurde kreiert, ein kleines Gebäck, die „Giraffeln“ wurde geschaffen und waren bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges noch bei den Wiener Bäckern zu finden. Es wurden Theater- und Musikstücke komponiert, die Noten sind noch erhalten. Im Laufe der Zeit wurden die Gehege zu eng und es entstanden neue „Tierhäuser“. Vieles wurde in den Weltkriegen zerstört und musste neu aufgebaut werden. Aber im Interesse der Tiere wurden die Gehege immer geräumiger und bequemer. So, damit es nicht langweilig wird, genug von der Historie.
Tiere live
Die ersten Tiere, die wir sahen, waren die Waldrappen, Diese Vögel werden auch „Europäischer Ibis“ oder Schopfibis genannt und gehören zur Familie der Ibisse. Einst war er in Europa ein sehr häufig vorkommender Vogel. Im 17. Jahrhundert starb er in Mitteleuropa aus, er wurde zu sehr gejagt. Heute laufen viele Wiederansiedlungsversuche um ihn als Brutvogel in Europa wieder heimisch werden zu lassen. In freier Wildbahn lebten im Jahr 2005 etwa 450 Tiere, in Gefangenschaft wurden 2.000 Vögel gezählt.
Die erwachsenen Tiere haben ein nacktes, rotes Gesicht und einen ebenfalls roten, langen, nach unten gebogenen Schnabel. Am Hinterkopf und Nacken haben sie längere Federn. Das Gefieder ist schwarz und schimmert ein wenig grün-metallisch und auch rötlich. Er wird bis 1,4 Kilo schwer und ist ca. 65 bis 67 Zentimeter groß. Der Waldrapp kann zirka 15 bis 20 Jahre alt werden und ist ein geselliger Vogel. In den Kolonien können bis über hundert Vögel leben. Besonders imponierend ist ihr „Gruß-Ritual“. Die Vögel wenden den Kopf mit aufgestelltem Schopf in den Nacken und verbeugen sich voreinander. Dazu rufen sie „chrup-chrup“. Das Gegenüber sieht die Kopfzeichnung des anderen. Das Verbeugeritual wird mehrmals wiederholt und wenn ein Pärchen grüßt, dann löst dies in der gesamten Waldrapp-Kolonie das Grüßritual aus. Die Nahrung besteht aus Insekten, Schnecken, Heuschrecken, Spinnen und seltener aus kleinen Säugetieren, Reptilien und Amphibien, sowie pflanzlicher Nahrung. Waldrappen brüten nur 1-mal im Jahr von März bis Juni und in ihrem Nest finden sich 2 – 4 Eier. Nach ca. 27 Tagen schlüpfen die Kücken und sind nach etwa 50 Tagen flügge. Sie bleiben noch einige Zeit bei den Eltern, um die Nahrungssuche zu erlernen. Erwähnt werden die Waldrappen schon bei „Plinus dem Jüngeren“ um 86 n. Chr. Auswilderungsversuche sind nicht einfach. Da der Waldrapp ein Zugvogel ist, muss er die Flugroute von den Eltern erlernen, dies ist in Gefangenschaft nicht möglich, die Pfleger fliegen in einem Leichtflugzeug voraus und die Vögel folgen dem Flugzeug. Einmal die Route geflogen, finden sie diese immer wieder von selbst. Der Waldrapp war wahrscheinlich das Vorbild für die klassische Karnevalsmaske in Venedig, da diese mit dem langen, roten und gebogenen Schnabel sehr an diesen Vogel erinnert. Natürlich schliefen die Waldrappen in ihrem Käfig. Wow, war das interessant.
Und wen besuchen wir jetzt? Nun kamen wir zu den Weißhandgibbons. Sie sind eine Primatenart aus der Familie der Gibbons und der Weißhandgibbon ist sehr oft in Zoos zu sehen. Ihr Körperbau ist schlank, die Arme stark verlängert und sie haben keinen Schwanz. Schwer werden sie ca. 5,5 Kilo. Das Fell kann sehr verschieden gefärbt sein. Es gibt neben schwarzen und dunkelbraunen Tieren auch hellbraun-sandfarbene Äffchen. Hat ein Weißhandgibbon einmal sein Weibchen gefunden, bleibt er ihr ein Leben lang treu. Sie ernähren sich von Früchten, Blätter, Knospen und Insekten. Die Weißhandgibbons haben eine 7-monatige Tragezeit und bekommen ein Junges. Es wird 2 Jahre lang gesäugt, bleibt dann aber bis es so ca. 8 Jahre alt ist bei seiner Familie.
Sie sind leider auch bedroht, mancherorts werden sie wegen ihres Fleisches gejagt, andererseits werden die Elterntiere getötet, um die Jungtiere als Haustiere zu halten. Ihre natürliche Umgebung, der Wald wird zunehmend gerodet, ich finde das grausam. Dennoch ist der Weißhandgibbon weniger bedroht als die anderen Gibbonarten. So ein Tier kann in freier Natur rund 25 Jahre alt werden. Die Affen waren so lieb, ich konnte mich kaum satt sehen aber ich wurde weiter gezogen zum „Herrn Stachelschwein“.
Das Tier versteckte sich immer wieder und ich sah es fast nicht. Das Tier im Schönbrunner Zoo ist schon ein alter Herr und ziemlich grantig. Außerdem war er nachtaktiv. Die Stachelschweine sind Nagetiere. Sie haben die längsten Stacheln, die Säugetiere haben können. Die einzelnen Spieße können bis zu 40 cm lang werden und einen Durchmesser von 7mm haben. Autsch! Lass Dich bloß nicht mit einem Stachelschwein ein. Die Stacheln sind sehr scharf und können außerdem auch noch Entzündungen verursachen. Ich möchte hier mit einem Aberglauben aufräumen: „NEIN, Sie schießen nicht mit ihren Stacheln.“ Aber als Abwehr setzen die Tiere sie sehr wohl ein.
Auf dem Weg zu den Flusspferden und den Flughunden kamen wir bei den schlafenden Löwen vorbei. Zu den Löwen brauche ich denke ich, nicht viel erklären, sie sind Raubkatzen, die Männchen tragen eine schöne Mähne und gefährlich sind sie auch, und trotzdem kuschelten sie so miteinander, dass ich nicht weitergehen wollte, aber die nächsten Schläfer warteten schon. Zuerst sahen wir die Flughunde, die schliefen natürlich nicht, und flatterten munter im Flusspferdhaus herum. Übrigens Flughunde sind keine Fledermäuse. Sie sind nämlich größer als Dracula und Co. Sie werden als Fledertiere bezeichnet und haben keine Echoortung so wie die Fledermäuse. Auch ist die größte Fledermaus wesentlich kleiner als der kleinste Flughund. Die größte Art erreicht eine Flügelspannweite von 170 Zentimetern. Dann endlich erblickten wir die Flusspferde. Mama, Papa und Sohn. Zuerst dachte ich das wären ganz harmlose Tiere. Im Gegenteil, sie sind gefährlich, weil sie schneller laufen können als wir. So ca. 50 km/h. Kaum zu glauben, oder? Danach kamen wir zu den Tigern. Einer lag ganz nah bei der Glasscheibe. Er wachte kurz auf und als ich auf die Scheibe griff, legte er seine Pfote aufs Gesicht, so als ob er sagen wollte: „Lasst mich schlafen, Ihr Verrückten!“. Ach ja, sie sind keine Schmusetiere. Auch wenn diese Großkatze ein Weibchen war und so richtig zum Streicheln einlud. Sie sind Raubtiere und für uns Menschen gefährlich. Wir ließen die Tigerin und ihren Gefährten weiterschlafen und gingen weiter zu den im selben Haus beheimateten Jaguaren.
Die Tiere waren putzmunter, sie spielten mit einem Ball. Unsere in Wien gehaltenen Jaguare sind Brüder, 3 an der Zahl. Nicht alle Jaguare sind gelb, es gibt auch schwarze Tiere. Ein Puma und ein Jaguar sind verschiedene Tiere und sie gehen sich aus dem Weg. Außerdem sind die Jaguare die drittgrößten Raubkatzen der Welt Die Weibchen wiegen ca. 70 Kilo und die Männchen bis zu 110 Kilogramm. Wie beim Leoparden werden die schwarzen Tiere als „schwarzer Panther“ bezeichnet. Habt Ihr gewusst, dass Jaguar auch ein königlicher Titel für Prinz, Prinzessin oder Herrscher bei den Maya’s war und vielleicht noch heute ist? Dann kamen wir zu den Bisons, die stehend schliefen. Auch sie sind vom Aussterben bedroht. Die Bisons sind Wildrinder. Es gibt zwei Vertreter, den Amerikanischen Bison und den in Europa heimischen Wisent.
Habt ihr gewusst, dass Pinguine 12 bis 15 Jahre alt werden können? Einer dieser befrackten Gesellen bewegte sich in der Dunkelheit. Die Anderen schliefen wie die Bisons stehend. Die Pinguine sind flugunfähige Seevögel. Wir schauten bei der Schneeeule vorbei, die uns neugierig beäugte und ihr „Huh-Huh“ klang unheimlich in der Stille der Nacht. Wir mussten weiter, ich wollte so gerne noch bei der Eule bleiben, aber die Wölfe waren auch sehr interessant. Ein Wolf lag direkt beim Haus, wäre nicht die Glasscheibe gewesen, hätte man ihn „streicheln“ können. Es war ein weißer Wolf und das Alphatier. Übrigens haben Wölfe auch eine strenge Hierarchie. Das stärkste Tier führt das Rudel an.
Dann war die Führung auch schon zu Ende
Wir gaben die Nachtsichtgeräte zurück. Unsere Gruppe hätte die Geräte fast nicht gebraucht, denn der Mond leuchtete in dieser Nacht groß und fast rund. Es hat mir und den Anderen sehr gut gefallen. In den nächsten Ferien habe ich vor, wieder eine Nachtführung durch den Schönbrunner Zoo zu machen.
Wäre das nicht auch für Euch etwas?
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