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Zu viele Menschen auf der Erde haben vergessen, das die Geburt
eines Kindes ein spirituelles Erlebnis ist. Es werden medizinische Untersuchungen gemacht und Geburtsvorbereitungskurse
besucht - aber wir gebären nicht nur mit dem Körper, sondern auch
mit unsrem Geist.
Unsere Emotionen und Gedanken haben die Macht, die Geburt zu
verzögern
und Wehen zu schwächen, wenn wir Angst haben oder uns nicht
wohlfühlen. Und noch immer wird kaum spirituelle
Geburtsbegleitung angeboten.
Viele Frauen spüren - das da mehr
sein muss, Geburt ist mehr als nur Vorsorgeuntersuchung
und Wehenatmung. Und so machen sie sich auf die Suche – und
finden Göttinnen – Aspekte
für die werdende Mutter, überlieferte Geburtsrituale verschiedener
Kulturen und Erfahrungsberichte von Frauen, die spirituell geboren haben.
Geburtsberichte sind wichtig
Sich mitzuteilen, ob traurige Geschehnisse
oder glückliche
Erinnerungen, bringt den alten Kreislauf in Fluss. In dem Moment,
in dem wir unsere Geburt mit anderen Frauen teilen, spüren
wir die Zusammengehörigkeit. Wir dürfen uns feiern lassen,
wir die an unsere Grenzen gegangen sind und so gute „Arbeit“ geleistet
haben – aber wir bekommen auch den Trost, das mitfühlende
Verständnis, wenn es nicht so gelaufen ist, wie wir es gewünscht
hätten.
Wir brauchen in dem Augenblick, in dem wir unsere erlebte
Geburt „verarbeiten“ keine
fachmedizinischen Kommentare, keine gutgemeinten Ratschläge
oder ablenkenden Gedanken – wir müssen die Freude oder
den Schmerz in uns fühlen um zu akzeptieren und weiterzuleben...
Unsere Zeit braucht Frauen, welche die Kraft des Gebärens
in sich spüren und den Anfang eines neuen Lebens wieder zum
rituellen Fest werden lässt – und Väter, die über
diese Augenblicke wachen.
Sassa´s Geburt
Einem spontanen Impuls folgend saß ich am Samstagabend (13.September)
im Wohnzimmer und formte aus rotem selbsttrocknendem Ton eine Figur,
die ich bei der Geburt meines Sohnes mit in die Klinik nehmen wollte.
Die kleine Statue sollte die Ägyptische Göttin Toeris/Taweret
mit ihrem Nilpferdkopf und Krokodilsschwanz darstellen (diese Göttin
beschützt als eine Art göttliche Hebamme Frauen in der
Schwangerschaft und bei der Geburt). Ich konzentrierte mich voll
und ganz auf die Arbeit und bat Toeris, sie möge mir bei der
Geburt beistehen und dafür sorgen, dass sie rasch und möglichst
schmerzarm ablief.
Entweder war Toeris so erfreut, wieder von jemandem "angerufen" zu
werden oder es gab einen anderen Grund, jedenfalls kam ihre Antwort
schneller als erwartet. Ich hatte die Figur noch nicht einmal zur
Hälfte fertig, als ich plötzlich das Bedürfnis verspürte
auf die Toilette zu gehen. Mit einem "nein nicht jetzt" blieb
ich aber sitzen um weiter zu arbeiten. Auf einmal (etwa um 19:45)
war alles nass, der Stuhl, der Boden, meine Schuhe, mein Mantel..
ich starrte für einen Moment ratlos durch die Gegend und begegnete
dem fragenden Blick von meinem Schatz. "Fruchtwasser?" "Was
denkst du denn?" "???" "Es kann nichts anderes
sein!" Aber es war zu früh, viel zu früh ... 29
Tage vor Termin.
Wenig später lag ich zitternd vor Aufregung und Furcht um
das Baby im Bett, ließ mich anziehen und wartete auf die
Rettung. Liegend wurde ich durch das Haus getragen und in die Semmelweisklinik
transportiert, wo mich eine freundliche Hebamme bei der Aufnahme
begrüßte. Das CTG zeigte keine Wehen an, obwohl ich
mir sicher war, dass die krampfartigen Schmerzen, die nach dem
Blasensprung aufgetaucht und seither immer stärker und regelmäßiger
wurden, Wehen sein mussten. Der Muttermund war für einen Finger
durchlässig, aber der Kopf des Babys saß nicht fest
im Becken und darum wurde mir Bettruhe verordnet. Außerdem
gab es einen Antibiotika-Tropf für mich, um das Baby vor etwaigen
Infektionen zu schützen.
Etwa zwei Stunden vergingen, weitere "Krämpfe" nun
schon im 3-Minutenabstand und ziemlich kräftig, aber noch
immer schüttelte die Hebamme beim CTG den Kopf. Mitleidig
erlaubte sie mir dass mein Schatz bei mir blieb, obwohl das bei
Frauen ohne Wehen eigentlich nicht erlaubt sei. Sie meinte auch
ich solle doch ein wenig schlafen, aber das war mir bei den Krämpfen
einfach nicht möglich obwohl ich schon ziemlich müde
war. Um halb 2 Uhr morgens erklärte ich, dass ich das Gefühl
hätte meinen Darm entleeren zu müssen und dachte mit
schaudern an die Schüsseln für das Bett. Die Hebamme
erklärte, sie würde noch mal CTG schreiben und Muttermund
abtasten. CTG zeigte wieder keine Geburtswehen, aber beim Abtasten
schien sie überrascht und meinte zur Ärztin, dass ich
zwar keine Wehen hätte, aber trotzdem "was weiter gegangen" sei.
Ich bekam einen Einlauf, durfte aufstehen, auf die Toilette gehen
(was bei den regelmäßigen Krämpfen ziemlich mühsam
war) und duschen. Danach ging es ab zum Kreissaal. Um 2 Uhr untersuchte
mich dort die Hebamme und erklärte, der Muttermund sei schon
offen. Mittlerweile verspürte ich schon einen leichten Pressdrang.
Nach einer Weile meinte die Hebamme, der Kleine würde an meinem
Schambein "anstehen" und mit meinen Wehen könnte
das schwierig werden das Hindernis zu überwinden und empfahl
daher einen Wehentropf zur Unterstützung, was dann auch wirklich
half. Einige Wehen später konnte ich schon das Köpfchen
zwischen meinen Beinen tasten, ein unglaubliches Gefühl. Zuletzt
spannte die Haut derart, dass ich kaum selbst erkannte, wann ich
eine Wehe hatte und auf die hilfreichen Kommandos der Hebamme angewiesen
war. Bei der letzten Wehe presste ich mit Hilfe der Hebamme und
einem lauten Schrei das Köpfchen des Jungen nach draußen,
Schulter folgte. Ich werde nie vergessen, welch erleichterndes
Gefühl es war, als der kleine Körper heraus "flutschte" und
unser Sohn mir auf meinen Schrei antwortete (03:37.. nicht ganz
8 Stunden nach dem Blasensprung). Freude und Rührung mischten
sich, als das kleine nackte Bündel endlich auf meinem Bauch
lag ... alles da, alles dran ... unser "kleiner Krieger" Kilian
Mark!
Wir wurden im Kreissaalzimmer nicht gestresst, ich durfte ein wenig
kuscheln, dann wurde der Kleine von meinem Schatz gewickelt und
angezogen und ich konnte ihn das erste Mal anlegen. Glücklich
und zufrieden verstand Kilian sofort was verlangt wurde und nuckelte
fast eine halbe Stunde an meiner Brust, obwohl ich mich fühlte
als würde er mit einem Strohhalm aus einem leeren Glas trinken.
Noch im Zimmer bekam ich eine kleine "Stärkung" serviert.
Meine Müdigkeit war völlig verflogen und wir riefen um
etwa 5 Uhr morgens bei meinen Eltern an, um ihnen mitzuteilen,
dass sie ab sofort Großeltern seien.
Danach bekam ich ein Zimmer zugewiesen und damit ich mich ein bisschen
erholen konnte brachte mein Schatz mit der Hebamme unseren Sohn
ins Kinderzimmer. Ich schlief gerade mal eine Stunde unruhig, ging
dann frühstücken und weil ich es nicht aushielt, ging
ich sogleich Kilian aus dem Kinderzimmer zu mir ins Zimmer holen.
Im Nachhinein muss ich sagen, ich war ziemlich überrascht,
dass ich keine Schmerzen in dem Sinne hatte und wie schnell die
Geburt gegangen war, hört man doch von durchschnittlich eher
längeren Zeiten bei Erstgebärenden. Ich bin überzeugt,
dass ich diese Dinge der Anwesenheit der Göttin Toeris verdanke,
welche Kilian und mich während der Geburt beschützt hat.
Geburtsdaten von Kilian Mark:
Errechneter Geburtstermin war der 12. 10. 2003
Geburt war am 14. 09. 2003 um 03:37 und das
Geburtsgewicht war 2980 Gramm,
bei einer Größe von 52 Zentimetern
und einem Kopfumfang von 35 Zentimetern.
Der Kleine war gleich ganz lebendig und wach nach der Geburt und
offensichtlich gesund.
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