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Der Grund für diesen Workshop war, Eltern und Interessierte
in ihren Bemühungen um eine adäquate weltanschauliche
Erziehung den Rücken zu stärken. Meine Intentionen
dazu waren:
1) bestimmte Gemeinsamkeiten ethisch – spiritueller Natur
als erzieherische Leitlinien heraus zu arbeiten, sozusagen
die Essenz des Heidentums und
2) das Erarbeiten einer praktikablen Grundstruktur, in die
sich je nach religiöser Richtung dann variable Elemente
einbauen lassen ( Feste, Rituale, Lieder etc.).
Das soll ein laufender Prozess sein und kann dann bei Interesse
von eurer Seite eventuell im Forum „Sternenkind – Erdenkind“ aktualisiert
werden.
Grundsätzlich kann man neuheidnische Eltern als Pioniere
bezeichnen, da es ja, ganz im Gegensatz zu etablierten Kirchen
keinerlei Traditionen gibt (soweit mir bekannt ist). Wir und unsere
Kinder werden es deshalb nicht leicht haben, weil als Religion
bei uns nur das Christentum oder bestenfalls die Großreligionen
gelten. Es heißt also, gegen den Strom zu schwimmen. Dazu
bedarf es aber vor allem anderen einmal die Verankerung in der
eigenen Überzeugung. Unsere Zeit fördert den Individualismus.
Wir müssen nicht, wie die Menschen früherer Zeiten, einem
vorgezeichneten Weg in einem Stammes – oder Sippenverband
oder einer sozialen Klasse folgen und können auch unseren
religiösen Weg frei wählen. Am anderen Ende des Spektrums
aber steht Vereinzelung und eine gewisse Beliebigkeit. Kinder aber
verinnerlichen Wissen und Werte nur über befriedigende, emotionale
Bindungen an verlässliche Erwachsene. Das Tun und Erleben
im Kreis einer Familie kann niemals durch noch so gute Institutionen
ersetzt werden. Der Leitsatz über allem aber heißt:
Authentizität! Kinder übernehmen
nur, was echt ist an unseren Werten!
In der Erziehung, heidnisch, christlich oder sonst irgendwie, geht
es immer um die Weitergabe von Werten. Wir können aber nur
weiter geben, was wir wirklich glauben. Selbstklärung tut
also Not, genau so wie Selbsterziehung.
Beispiel : Respekt für Mitlebewesen. Wie sieht es damit bei
uns selbst aus? Wie gehen wir selbst mit unserer Umwelt um? Genügt
es, am Sonntag einen Baum zu umarmen, wenn wir am Montag nicht
unser Konsumverhalten so gestalten, dass Bäume generell eine Überlebenschance
haben?
Wir müssen uns auch fragen, wie es grundsätzlich um
unser Heidentum bestellt ist. Ist es für uns ein Weg, sich
wirkungsvoll vom Durchschnitt abzusetzen, oder sehen wir in unserer
Religion eine gewisse Relevanz für die Gestaltung der heutigen
Welt?
Frage: Was ist also Religion überhaupt,
oder was kann sie sein?
Mögliche Antwort: der Glaube an die Sinnhaftigkeit des
Kosmos und an unsere verantwortungsvolle Teilhabe daran.
Genau das ist es, was es den Kindern zu vermitteln gilt. Alles
Andere, wie Gottesbilder, Rituale usw. fällt in den Bereich
Religionsausübung und Kult, ist auch wichtig aber nicht das
größte gemeinsame Vielfache. Alle Konfessionen sprechen
metaphorisch in verschiedenen Bildern vom gleichen Inhalt. Das
ist aber kein Grund für Beliebigkeit. Gott muss ein Gesicht
und einen Namen haben, und das ist auch eine Metapher, natürlich.
Worin unterscheidet sich nun aber das Heidentum vom Christentum?
Zentral einmal durch die Auffassung, dass der Mensch nicht das
Gegenüber zur Natur ist, sondern ihr Bestandteil, die Natur
(des Menschen) nicht etwas zu Überwindendes sondern grundsätzlich
gesegnet.
Das Heidentum kennt keine alleinige, allein selig machende Wahrheit
und anerkennt alle anderen Religionen als grundsätzlich gleichwertig
an. Es gibt hier viele Wege, und „alle Götter sind ein
Gott“. Alles ist beseelt und geistig, und alles ist mit allem
verbunden. Dieser neue (alte Geist) ist es, der über sämtliche „Ismen“ und
geschlossenen Systeme hinaus weist, und den wir unseren Kindern
vermitteln wollen.
Ferner: der Mythos
Unserer Lebenswelt ist der Mythos abhanden gekommen. Für den
Einzelnen und die Gesellschaft ist es aber wichtig, das Leben im
Kontext größerer Zusammenhänge und eines letzten
Sinnes zu sehen und das Leben eingebunden in den Kreis von Tod
und Wiedergeburt zu erleben.
Wichtig sind z.B.
Initiationen als Übergang von einer Lebensphase in die andere,
vom Kleinkind zum Schulkind, vom Kind zum Pubertierenden, vom Jugendlichen
zum Erwachsenen. Bei Naturvölkern werden sie häufig sehr
drastisch vollzogen. Die Kirchen kennen und praktizieren Initiationsrituale
seit jeher (Erstkommunion, Firmung). Fehlende Initiationsriten
in unserer Gesellschaft führen u. a. auch zu Erscheinungen
wie gefährlichen Mutbeweisen bei Jugendlichen.
Beispiele für individuelle Inis: das Vergraben einer Locke,
eines Milchzahnes, eines abgelegten Spielzeuges, erster selbständiger
Einkauf, Menstruationsfeier bei Mädchen, Frauentanz, neue
Kleider, Outdoorunternehmung mit dem Vater bei Jungen, div. (beaufsichtigte)
Mutproben, Survivaltraining…
Traditionen bilden
Da es im eigenen Elternhaus hier kaum Vorbilder gibt, müssen
wir selbst tätig werden: immer wieder zu bestimmten Zeitpunkten
geübte Handlungen sind Rituale. Sie geben den Kindern das
Gefühl für Zyklen und Zeitabläufe.
Identifikation mit Tieren und Pflanzen als fühlende Wesen
fördern. Hier können Märchen und Geschichten hilfreich
sein.
Naturerfahrung: das Heidentum ist eine Naturreligion! Geben wir
den Kindern genug Gelegenheit zum Spielen mit Naturmaterialen,
Wasser, Gatsch usw. Kleine Rituale, wie z.B. einen Baum begrüßen,
kleine „Opfergaben“ in die Zweige hängen oder
in Gewässer, „Feenspeisen“ zurück lassen,
Tanzen und Singen auf bes. Plätzen und diesen Ort immer wieder
aufsuchen, ihn pflegen usw. festigen die Verbindung zur Natur.
Eigenen heiligen Platz in Haus oder Garten gestalten, schmücken,
auch zu den Jahresfesten. Dies ist der Ort für kleine Gebete
und Meditationen. Hier kann der Muttergöttin/dem Vatergott
alles anvertraut werden und eine intime Beziehung zum Numinosen
aufgebaut werden. Gerade die Vorstellung einer Muttergöttin
ist Kindern sicherlich nahe, weil sie die Mutter ja als zentrale
Figur ihres Lebens erleben.
Magie entspricht dem kindlichen Erleben und kann Kindern gut vermittelt
werden. Die Kraft des Wünschens und wie man Wünsche wahr
macht wird von jüngeren Kindern ohnehin genützt, weil
sie in einem magischen Bewusstsein leben.
Jahresfeste waren ursprünglich heidnisch und wurden später
christlich überformt. Diese ursprüngliche Bedeutung kann
mit schon bekannten Symbolen deshalb gut verbunden werden. Beispiel:
Osterei, Weihnachtsbaum, Maibräuche, Halloween… Dramatisierungen,
Verkleidung, Lieder, Tänze sind hier gefragt.
Bitte
Bitte, wenn ihr welche kennt, lasst uns brauchbare Lieder, Festvorschläge,
Geschichten, Initiationsfeiern usw. für ein künftiges
Kompendium zukommen!
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