|
Zu Beginn möchte ich euch eine Geschichte erzählen:
Ein Wanderer
kommt zu einem Weisen, der in der Einsamkeit lebt und am Brunnen
Wasser schöpft. „Was tust du da?“ „Wasser
schöpfen.“, hörte er als Antwort. „Nein,
was machst du täglich? Was ist dein Tun?“ Der Weise
lächelt und wiederholt: „Wasser schöpfen!“
Der Wanderer fühlt sich missverstanden und war damit nicht
zufrieden: „Was machst du in deiner Einsamkeit?“ Der
Weise nahm einen Eimer, schöpfte Wasser und zeigt in den
Brunnen: „Schau, was siehst du da?“ Der Wanderer beugte
sich über den Brunnenrand und blickte zu dem Wasser hinunter.
„Ich sehe nichts, nur die graue und bewegte Oberfläche
des Wassers.“ Der Weise schwieg und wartete. Dann wies er
erneut auf das Wasser: „Und was schaust du jetzt?“
Der Wanderer beugte sich weiter und den Brunnenrand: „Ich
sehe mich selbst und wenn ich tiefer schaue, sehe ich den Grund.“
Der Weise blickte ihn lange an und sagte: „Das tue ich jeden
Tag. Ich versuche mich zu erkennen und tiefer und tiefer in den
Grund allen Lebens zu schauen…“ (Autor unbekannt)
Das Erlebnis von Stille ist nicht nur den Kindern, sondern auch
oft uns Erwachsenen, unbekannt. Ja, wir fühlen uns teilweise
von der Stille bedroht und verbinden sie mit Leere und Langeweile,
denen man mit jedem Mittel entkommen muss. Wer aber die Stille als
eine lebensbereichernde Qualität erlebt hat, der wird sie nicht
mehr missen wollen, sondern sie ernst nehmen und so stille Momente
suchen!
Wer aber einmal in der „Stille“ des Waldes oder in einem
ruhigen Zimmer Zuflucht gesucht hat, weiß, dass die Stille
viele verschiedene Geräusche und Töne hat!
Stille verbindet uns mit dem „Wurzelgrund“ unserer Existenz
– das ist auch das Wissen aller mir bekannten Religionen und
erst dadurch kann man auch Erlebtes verinnerlichen.
Stille, wie ich sie meine, ist am besten über den Weg der Sinne
zu erfahren und zu erleben. Geprägt haben mich sicherlich hier
zwei Ausbildungen: die Maria Montessori – Ausbildung und die
Touch for Health-Instructor- Ausbildung. Dementsprechend werde ich
euch auch Übungen aus diesen Bereichen vorstellen!
Warum
Stille / Entspannung für Kinder?
Nicht nur meine eigenen Kinder bestätigen mich
fast täglich darin, dass das Leben schnelllebiger, hektischer,
lauter und reizüberfluteter geworden ist. Kinder reagieren
auf vielfache Weise auf Stress, wie mit körperlichen Symptomen
wie Kopfschmerz, Bauchschmerzen, Schlafstörungen, es nehmen
aber auch immer mehr Auswirkungen emotionaler Natur zu. So häufen
sich die Kinder mit der Diagnose „ADHS“, ich bin kein
Arzt, aber ich denke, dass vielfach eine absolute Überforderung
der Hintergrund ist – im Elternhaus, wie auch in der Schule…
Im Kindergarten und in der Schule häufen sich Interesselosigkeit,
Mangel an Leistungsmotivation, Mutlosigkeit und alle Formen von
Aggressionen ( auch Autoaggression!).
Entspannung ist hier nicht mit Spannungslosigkeit zu vergleichen,
sondern mit dem Abbau von Verspannungen.
Was
bringt nun unseren Kindern die Stille?
Sie begegnen
sich selbst und erfahren dadurch persönliche Kompetenz. Die
eigene Persönlichkeit wird gefördert und erstmals erst
wahrgenommen.
Kinder reden
nicht nur vom Glauben, von den Wurzeln – sondern sie erleben
sie mit allen Sinnen und machen ihre eigenen Erfahrungen. ( Meditationsübungen…)
Konzentrations-, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung
werden verbessert, ausgebaut.
Stärkung der Gesundheit
Spass!!
Einige
„Regeln“ für uns Eltern
Eine gewisse äußere Ordnung sollte da sein –
so ist ein chaotisches Kinderzimmer, in dem man sich schnell mal
auf den Boden legt, nicht gerade förderlich.
Der Raum sollte Sicherheit ausstrahlen und die Kinder sollten
sich wohl fühlen: kuschelig warm eingeheizt oder von der Sonne
aufgeheizt, weiche Unterlagen (wenn man liegt), vertraute Gegenstände
(eventuell ein Kuscheltier im Arm), …
Keinen Druck auf die Kinder ausüben, wenn es nicht
gleich beim ersten Mal ganz still ist.
Ruhige Musik fördert das Ruhigwerden.
Stille immer auch mit Bewegung kombinieren – nie
nur ruhig sein!
Mitmachen schadet auch uns nicht!!
Welche
Übungen, Verfahren und Formen gibt es?
Hier werde ich nur kurz auf die Verfahren eingehen,
sie werden der Reihe nach näher vorgestellt.
Entspannung:
Autogenes Training nach Schulz
Progressive Relaxation nach Jacobson
Biofeedbackverfahren
Eutonie
Meditation
Yoga
Eigene Entspannungsverfahren für Kinder ( sensorisch,
imaginativ und kognitiv)
Als erstes möchte ich euch eine Auflistung von Übungen
aus dem Bereich Stilleübungen mit den Sinnen – Wege nach
Innen geben, es folgen aber noch viele Übungen und Erklärungen
zu den anderen Themen mit einem möglichen Transfer auf den
heidnischen Alltag. Lasst euch überraschen!
Wir
hören...
v Wir sitzen in der Natur oder auch in einem Raum und schließen
unsere Augen. Dann sind wir ganz leise und horchen gespannt auf
das, was wir hören. Es ist oft spannend, was man dann plötzlich
alles hört, vom eigenen Herzschlag bis zum Klappern eines losen
Brettes.
Wir setzen uns in aller Ruhe unter einen Baum oder legen uns
in die Wiese. Dann schließen wir unsere Augen und horchen
auf die Vögel. Wie viele verschiedene Vogelstimmen erkennst
du? Es gibt wunderbare Vogelbücher, die eine Cd mit den Stimmen
dabei haben, dann kann man hinterher auch die Vögel benennen.
So haben wir einmal die Stimme eines Vogels aufgenommen, den wir
nicht kannten. Seine Schnalzgeräusche haben wir dann per Telefon
einer Kollegin von mir vorgespielt – sie identifizierte die
Stimme dann anhand ihrer CD als eine spezielle Drosselart…
In eine Schale wird eine Holzkugel gelegt. Ein Kind oder ein
Elternteil bringt nun die Kugel zum Rotieren. Die Kinder hören
auf das Geräusch und sind dabei ganz leise. Das Kind oder der
Elternteil übergibt die Schüssel einem anderen Kind, wenn
die Kugel vollkommen zum Stillstand gekommen ist. Ein ganz herrliches
Klangerlebnis entsteht, wenn man eine chinesische Klangkugel rotieren
lässt.
Wir
sehen...
Nicht alles in der Welt können wir mit Worten erklären,
anderen begreiflich machen. Vieles erkennen wir im Augenblick nicht,
sondern müssen es erst mit unseren inneren Augen (dem dritten
Auge) erkennen lernen. So öffnen sich manchmal Fenster in eine
„unsichtbare“ Welt und wir erfahren Dinge, die hinter
dem Sichtbaren liegen. Gerade Kinder sehen spielend leicht noch
hinter die Fassaden und entdecken neue, alte Welten!
Stelle in der Mitte des Raumes eine Kerze auf – gerade in
der nebeligen, trüben Winterzeit eine willkommene Abwechslung.
Lasse im Hintergrund eine ruhige, meditative Musik laufen, die auch
den Kindern gefällt, dann verdunkelt den Raum. Nun versucht
alle auf die Kerze zu schauen, und wahrzunehmen, welche Bilder und
Gedanken dann hoch kommen. Nach einer kurzen Zeit ( etwa 2 - 5 Minuten
je nach Alter) darf jeder erzählen, was im so an Gedanken kam..
Mandalas sind ein Bild des eigenen Selbst und ein zur Mitte kommen
durch Bewegung und Sehen. Bei leiser Musik werden Mandalas ausgemalt,
es gibt schon wunderbare Vorlagen im Handel. Anschließend
werden sie im Zimmer aufgehängt.
Ein Apfel wird in der Mitte auseinander geschnitten, in Ruhe angeschaut
und im Kreis weitergegeben. Danach werden die Augen geschlossen
und das Bild des halben Apfels stellt man sich vor dem inneren Auge
vor. Nach einiger Zeit werden die Augen geöffnet und die Beobachtungen
ausgetauscht oder auch gezeichnet.
Mandalas auflegen: Aus Gegenständen der Natur ( Zweige, Blumen,
Blätter, Früchte, ..) wird um eine Kerze ein Mandala gelegt.
Wir
riechen...
Von allen Sinnen ist der Geruchssinn der Ursprünglichste. Beim
Riechen fallen der Geruch, die Geruchserfahrung und der Gegenstand
zusammen und sind gefühlsmäßig nicht mehr zu trennen.
Wer kennt das nicht, dass man etwas nicht riechen kann!
In leere Fotodosen werden verschieden Kräuter, Gewürze,
Baumnadeln, Harze, .. eingefüllt, am Boden wird durch eine
Markierung der Name festgelegt. Ohne zu sehen, was es ist, sollen
die Kinder nur am Duft den „Gegenstand“ erkennen. Eine
spannende Angelegenheit – nur nicht zu scharfe Gewürze
verwenden!
Wir
tasten und fühlen...
Anfassen, berühren, streicheln, kitzeln, abtasten, fühlen,
streicheln, …
Verschiedene Materialien ( Wolle, Federn, Früchte, Spiegel,
…) in die Mitte legen und einzeln begreifen und beschreiben..
Was ist mir angenehm, was unangenehm?
Trockenen, grobkörnigen Sand ganz langsam in die offene Hand
des Kindes
rieseln lassen.
Tastübungen mit den Füßen: Viele Kinder kennen
gar nicht mehr das Gefühl eines Waldbodens, einer abgemähten
Wiese unter ihren nackten Füßen. Wenn man nicht die Möglichkeit
hat, in der Natur selbst mit nackten Füßen über
Tannennadeln, Erde, Steine, Stroh, .. zu laufen, sollte man den
Kindern diese Erfahrungen im Haus ermöglichen. In einem Raum
werden Kästchen / Schüsseln aufgestellt, die mit verschiedensten
Materialien befüllt werden. Die Kinder gehen mit verbundenen
Augen und nackten Füßen über diese Gegenstände
und erfühlen / erfahren so über den Weg des Tastsinns
die Verschiedenheit der Materialien.
Genauso gut kann man auch Gegenstände in ein Säckchen
legen und so erfühlen.
Selbstverständlich stehe ich euch wie immer im Forum für
Fragen und Anregungen zur Verfügung, und ich würde mich
auch freuen, wenn sich auch neue Ideen einfinden würden!
Zu allen Bereichen möchte ich euch ein wenig Hintergrundwissen
vermitteln, einen kleinen Ausschnitt in dieses bücherfüllende
Thema!
|