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| Schiffsetzung 'Tjelvars
Grav' |
Eine Schiffssetzung ist eine aus Steinblöcken gesetzte, meist obertägig sichtbare spitzovale Form die die Grundrisse oder Umrisse eines Schiffrumpfes nachbildet. Bug und Heck sind dabei gleichartig. Während am Mittelschiff die Höhe der Steine am geringsten ist, steigt sie von dort meist gleichmäßig zu den Steven am Bug und Heck wieder an. Viele dieser Schiffsetzungen sind nord-südlich ausgerichtet. Zu einigen Schiffsetzungen gehört ein Runenstein, der aber in späteren Jahrhunderten den Schiffsetzungen zugefügt wurde; er steht mastähnlich auf der mittleren Längsachse.
Dass noch weit mehr als die bisher bekannten Schiffsetzungen vermutet werden,
liegt daran, dass nicht alle dieser Konstruktionen obertägig sind - es gibt auch überhügelte und unterirdische, von denen sicherlich noch nicht alle gefunden wurden. Zudem vermutet man, dass es ähnliche Konstruktionen aus Holz gegeben hat, von denen naturgemäß natürlich
kaum etwas erhalten ist.
Häufig liegen diese Schiffsetzungen in der Nähe von anderen Großsteinkonstruktionen. So liegen die Steinschiffe in Gålrum zwischen, aus kopfgroßen runden Findlingen überhügelten, Gräbern. Auch die größte Schiffsetzung Gotlands, die von Gnisvärd, findet sich in der Nachbarschaft von einigen Grabplätzen aus der Bronzezeit, zudem einem Cairn [einem Hügelgrab, die in dieser Form – einem runden Hügel aus Bruchgestein, der darunterliegende Kammern bedeckt – sonst hauptsächlich in Großbritannien gefunden werden.) und Gotlands einzigem bekannten Dolmen aus der Steinzeit.
Tjelvars Grav (oberes Photo) ist nur wenige hundert Meter von zwei Fornborgar, d.h. vorzeitlichen Befestigungen, entfernt, die dort in der Eisenzeit errichtet wurden.
Nur ein geringer Teil der Schiffsetzungen ist chronologisch sicher einzuordnen: Die ersten Schiffsetzungen stammen schon aus dem Jungneolitikum, ein Großteil wurde jedoch in der Bronzezeit errichtet. Die Schiffsetzungen auf Gotland sind ausschließlich aus der jüngeren Bronzezeit, dh. hier wurden ca. 1500 Jahre bevor dies auf dem Festland geschah, solche Monumente errichtet. Wenige der steinernen Schiffe stammen aus der vorrömischen Eisenzeit. Ob es eine Kontinuität im Kult oder bei der Errichtung gab, ist fraglich - allerdings sind in einigen Fällen Nutzungen – auf die ich noch eingehe - über mehrere Jahrhunderte nachgewiesen.
Die Schiffsetzungen liegen häufig in küsten- und ufernahen Lagen. (Dass man heute auch welche im Inland findet, liegt daran, dass sich die Küstenlinie Gotlands seit dem Neolitikum stark veränderte.) Die Formen der Schiffe variieren sehr: Es gibt richtige „Langschiffe“, aber auch welche, deren Länge und Breite ein Verhältnis von 2:1 haben. Alle Steinsetzungen scheinen jedoch echten Seefahrzeugen nachempfunden – würde man ein Schiff nach den vorgegebenen Maßen bauen, wäre es seetauglich.
Die Länge der meisten „Steinschiffe“ beträgt im Durchschnitt zwischen 6 m und 20 m. Die längste Schiffsetzung auf Gotland – die von Gnisvärd - ist 45 m lang und 7 m breit. Die Steine, die Vorderund Achtersteven bilden sind ca. 1,30 hoch.
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Schiffsetzung von
Gnisvärd,
1100-500 v. Chr. errichtet |
Zur Bedeutung dieser Schiffsetzung
Allem voran dienten sie als Gräber: Die steinernen Umrandungen markieren meist Brand- oder Urnengräber. Die Urnen stellte man in kleine, wie eine Hütte geformte Steinkisten, die sich innerhalb oder neben der Schiffssetzung befanden. Dabei kann es sich auch um Massenbestattungen gehandelt haben. (In Schonen z.B. wurden in einer Schiffssetzung 26 verschiedene Urnen aus mehreren hundert Jahre entdeckt.)
Es gibt jedoch auch Schiffsetzungen die fundleer waren. Hierbei wird vermutet, dass es sich um symbolische Grabsetzung, so genannte Kenotaphe (Erinnerungsstätten) gehandelt haben wird: Vielleicht für einen Menschen, der in der Fremde verstarb und dessen Leiche nicht überführt und zu Hause beigesetzt hatte werden können. Symbolisch kann die Schiffsform der Gräber als ein Hinweis auf die Vorstellung einer jenseitigen Welt jenseits des Meeres gedeutet werden.
Einer weiteren Deutung nach haben die Steine als Barriere gedient: Die Einfassung trennte symbolisch (oder magisch) die Lebenden von den Toten. Die Schiffsetzungen wurden in einem Zeitalter errichtet, als man begann, die Toten zu verbrennen, anstatt sie in einem Massengrab mit Körpergräbern beizusetzen, das dazu hätte geöffnet werden müssen. Möglich ist es, dass ein Grund dafür war, dass man sich vor den Toten und deren möglicher Wiederkehr fürchtete.
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Schiffsetzung im
Gräberfeld Gålrum,
links hinten sieht man mehrere
Grabhügel |
Was gegen diese Vorstellung spricht, ist der Umstand, dass in manchen Schiffsetzungen Herdstellen nachweisbar sind – ein möglicher Hinweis auf den Gebrauch dieser Orte als Ritualplätze.
Eine von der Forschung größtenteils abgelehnte Theorie ist jene, nach der die Schiffsetzungen zu astronomischen Beobachtungen gedient hätten. Anlass zu dieser Vermutung dient der Umstand, dass manche der Monumente tatsächlich in Relation zu astronomischen Ereignissen gesetzt werden können. Bei den Ales stenar bei Kåseberga markiert zum Beispiel der Stevenstein des Bugs genau den Punkt des Sonnenuntergangs an Mittsommer, der Stevenstein achtern den Sonnenaufgangspunkt zur Wintersonnenwende. Vermutlich war es eher so, dass astronomische Beobachtungen zu dieser speziellen Ausrichtung der Steine gedient haben, und nicht umgekehrt, dass man die Steine errichtet hätte, um mit ihrer Hilfe astronomische Berechnungen zu tätigen.
Zudem darf nicht vergessen werden, dass ein Großteil der Schiffsetzungen – wie so viele andere vorzeitliche Monumente – rekonstruiert wurden! Man kann bei den allerwenigsten sicher sein, dass die Steine heute in derselben Position stehen, wie sie es zur Zeit ihrer Errichtung taten.
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