Vom großen "Danach"   Teil II

Obwohl es wohl das Thema ist, über das jeder und jede früher oder später ins Grübeln kommt, hat es sich in 15 Jahren aus irgendeinem Grund nie ergeben, mich darüber mit anderen Praktizierenden auszutauschen. Das Folgende ist demgemäß höchst subjektiv – wobei ich allerdings davon ausgehe dass es einige Gemeinsamkeiten mit den Erfahrungswerten anderer gibt.

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle noch einen weiteren Ort nennen, der allerdings einen explizit germanischen Charakter hat und noch expliziter – meines Wissens – so nur von mir vertreten wird:


Folkvang

Dieser Aufenhthaltsort für die Toten, ist unter germanisch orientierten Heiden als „Folkvang“ geläufig; Der Wohnsitz Freyjas.

Den schriftlichen Quellen zufolge hätte Freyja die erste Wahl bei der Auswahl der „Gefallenen“. Ich bin geneigt dem zuzustimmen, weil ich diesbezüglich folgende....“Theorie“ habe: In der historisch germanischen Weltsicht war die Sippe der Dreh- und Angelpunkt im Leben eines jeden Menschen.
Darüber hinaus wurde die Sippe als Gemeinschaft der Lebenden und der Verstorbenen gedacht. Und nach dem, was ich an diesem Ort gesehen habe, gehe ich davon aus, dass Freyja diejenigen zu sich nimmt, die künftig über das Wohl ihrer Sippe wachen. Die „Disen“ sind in diesem Zusammenhang ein Begriff - die weiblichen Schutzmächte einer Sippe. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen möchte ich allerdings ergänzen, dass diese Aufgabe nicht ausschließlich von Ahninnen wahrgenommen zu werden scheint.

Nunja – ich wollt's mal erwähnt haben. Nehmt's als Denkanregung oder streicht es einfach wieder aus dem Gedächtnisprotokoll... ;-)

Wie gesagt...manche unmittelbaren Erlebnisse in der Anderswelt haben das Zeug, sich als Wahrheit im Bewusstsein festzusetzen. Mir persönlich haben meine diesbezüglichen Reisen geholfen, Unwissenheit zu beseitigen...was jedoch nicht heißt, dass es den Gedanken ans Sterben weniger beängstigend macht.

Nach der Lektüre des Vorangegangenen könnte man den Eindruck gewinnen, der Nachtod würde automatisch einen ... mehr oder weniger ... „vorherbestimmten“ Weg oder Ort nach sich ziehen; Dem ist nicht so.


Genau so und nicht anders?

Was immer Seele ist, sofern man eine solche Idee überhaupt als gegeben annimmt – gibt es je nach Epoche und kulturellem Hintergrund durchaus unterschiedliche Vorstellungen diesbezüglich; Und ich kann dieses Thema auch weder hier noch für mich selbst abschließend beantworten. Daher beschränke ich mich auch auf die Schilderung meiner Erfahrungswerte in der schamanischen Praxis.

In diesem Sinne ... es kann durchaus vorkommen, dass Menschen ihr eigenes Ableben nicht als solches registrieren. Ein konkretes Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung war eine ältere Dame, die nach Schilderung ihrer Angehörigen, zwei Jahre vor ihrem Tod wegen Altersdemenz in ein Pflegeheim gegeben worden war.
Die Demenz war offenbar Ursache dafür, dass sie sich weder ihres Todes bewusst war - noch der letzten örtlichen Veränderung, weg von dem Zuhause, in dem sie die meiste Zeit ihres Lebens verbracht hatte.

Eine weitere Möglichkeit kann meines Wissens ein sehr plötzlicher Tod sein. Und auch die Weigerung den Tod überhaupt zu akzeptieren kann eine Rolle spielen; Ein Loslassen aus verschiedensten Gründe zu verweigern. Selbst ein Suizid durch Erhängen wurde mir mal vom Freund des Verstorbenen  geschildert...weil die Art des Todes den erfahrenen Eindrücken gemäß ein Ablösen vom Körper verhinderte. (wobei mir gerade bewusst wird, dass ich im Lauf der Zeit wohl doch ein paar Erfahrungswerte Anderer erzählt bekommen habe)

In solchen und anderen Fällen kann abseits eines akuten Todesfalls eine Intervention nötig werden, weil es diesen Menschen ja im Grunde nicht gut geht mit der bestehenden Situation. Etwas ist nicht zu dem nötigen Abschluss gelangt. Sie sind „hängen geblieben“ ist diesbezüglich eine saloppe Redewendung. Ähm ... was kein morbides Wortspiel auf den oben genannten Fall sein soll!
Entsprechend werden solche Menschen nach Möglichkeit aus dieser Situation des Stillstands befreit (was mitunter erheblichen diplomatischen Aufwand erfordert) und – zumindest oft – unter Rücksprache mit den eigenen Helfern an den Ort oder zumindest dessen Grenze verbracht, der für sie notwendig ist.

Umgekehrt kann es – daran wurde ich erst jüngst wieder erinnert – sinnvoll sein, zum Beispiel mittels einer oder auch mehrerer Reisen den Hinterbliebenen eine Erleichterung im Umgang mit der Trauer zu ermöglichen. Weil sich im besten Falle infolge dessen eine klar empfundene Überzeugung einstellen kann, dass es der verstorbenen Person, oder durchaus auch dem Haustier, gut geht; Beides habe ich so erlebt und auch geschildert bekommen. Der Trauer ist es egal, auf wen sie sich bezieht ...

Im Zuge der letzten beiden Beiträge bin ich außerdem zu der Entscheidung gelangt, dass es beim nächsten Mal um die Themen Seelenverlust und -rückholung gehen soll – auch weil sie in engem Zusammenhang mit dem Tod stehen können.


Väinäsisu


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