Aller Anfang ist manchmal schwer   Teil II

Wieder einmal freue ich mich ganz besonders einen GastAutor im SchamanenBlick begrüßen zu dürfen - einer, der zwischen den Welten zu Hause ist und deshalb auch mit beiden Beinen fest im Leben steht. Er hat uns einen Blick in seine Anfänge erlaubt ...

Was so sein kann ...

Mein persönliches, zu Beginn häufiger auftretendes, Problem waren teils chaotische Bilder und Symbole, die sich mit den andererseits durchaus sehr plastischen Bildern vermengten und mit denen ich mich schwer tat, sie zu verstehen.

Andere Menschen haben zum Beispiel die Schwierigkeit, dass das Gesehene in unzusammenhängenden oder schlaglichtartigen Bilderfolgen erscheint – oder dass sie womöglich gar nichts zu Gesicht bekommen. Dafür gibt es verschiedene mir bekannte Ursachen – und bestimmt auch noch ein paar, die mir nicht bekannt sind:
Eine der Herausforderungen, mit denen man zu tun bekommen kann – mit der ich es zu tun bekam – war, überhaupt erstmal die eigene innere Bilderwelt kennenzulernen; Also die Symbolsprache, über die das Unterbewusstsein kommuniziert. Das dauert natürlich - sofern man nicht schon auf anderem Wege Gelegenheit hatte, sich damit zu befassen.Umgekehrt habe ich aber auch festgestellt, dass meine Auseinandersetzung mit dem Schamanismus den positiven Effekt nach sich zog, dass ich durch das Kennenlermen dieser Symbolsprache zunehmend besser meine Träume zu deuten lernte.

Auch Träume sind ein veränderter Bewusstseinszustand – und auch da kann es zu Berührungen mit der Anderswelt kommen. Aber davon ein ander Mal mehr... ;-)

Es ist gerade zu Beginn einer „Karriere“ in der schamanischen Praxis durchaus hilfreich, sich einen rituellen Ablauf zu entwickeln, der im Vorfeld einer Reise in immer gleicher Form praktiziert wird. Es sollten keine alltäglichen Handlungen sein, weil man sich ja gerade darauf vorbereitet, dem normalen Leben für eine gewisse Zeit den Rücken zuzukehren. Aber wie das im Einzelnen aussieht – da ist der Kreativität keine Grenze gesetzt: Kerzen...womöglich in bestimmten Farben – eine spezielle Decke als Unterlage, sonstige Gegenstände und (magische) Hilfsmittel in einer bestimmten Anordnung drapieren... what so ever...
Einerseits kann man das als Teil einer heiligen Handlung ansehen... völlig legitim – und im Zusammenhang mit dem Folgenden auch wichtig. Aber an dieser Stelle geht es mir vor allem um einen eher pragmatischen Grund: Mit diesem immer gleichen Ablauf konditioniert man sich auf eine bestimmte Handlung (Pawlow lässt grüßen) – eben die einer Reise in die Anderswelt. Irgendwann registriert das Gehirn, oder sogar der ganze Organismus mit dem Einsetzen dieser ganz spezifischen Handlung: „Ah – gleich geht’s los“ - und stimmt sich schon mal unwillkürlich darauf ein.

Es ist grundsätzlich wichtig, den Alltag und alles, was einen den Tag über beschäftigt hat, für den Zeitraum einer solchen Reise bis zu einem gewissen Grad ausblenden und hinter sich lassen zu können – weil auch das einen Einfluss auf die Qualität der Ergebnisse dieser Reise hat. Nachvollziehbar, oder ?

In diesem Zusammenhang kann es auch zumindest hilfreich sein, spezifische Entspannungsübungen als Teil der Reisevorbereitungen auszuführen. Atemübungen – vielleicht sogar autogenes Training. Alles was zu einer geistigen und körperlichen Entspannung beiträgt, kann nur von Nutzen sein – damit das Bewusstsein sozusagen den Rücken frei hat, um sich auf die Zielsetzung der Reise fokussieren zu können.


Wohin soll´s gehen?

Ein weiterer essentieller Punkt ist, wie stark ein Thema bzw. das Ziel der Reise, über das man sich Informationen oder sogar Klarheit zu verschaffen wünscht, emotional besetzt ist.
„Motivation ist alles“ sage ich immer ! Wer absolut willens ist, etwas zu erreichen, wird sich weder hüben noch drüben von auftauchenden Schwierigkeiten beirren lassen und sich durchbeißen !

Auf der anderen Seite laufen allerdings auch die Ergebnisse einer Reise Gefahr larifari zu werden, wenn man von vorneherein mit der Einstellung „versuchen kann man's ja mal“ herangeht. Wie einst der weise Yoda schon sagte: „Nicht versuchen; Tu es - oder lass es...“ ;-)

Und zu (fast) guter Letzt: Eine kurze, prägnant und knackig formulierte Zielsetzung trägt auch ihren Teil zu einem erfolgreichen Unternehmen bei. Man sollte sich im Vorfeld mit dem zu erreichenden Ziel soweit auseinander gesetzt haben, dass man es in einem einzigen kurzen Satz zusammenfassen kann.
Es gibt der Reise grundsätzlich eine eindeutige Marschrichtung - es kann aber auch hilfreich sein, weil es bisweilen passiert, dass man aufgrund einer Vielzahl von Eindrücken ein wenig das ursprüngliche Ziel aus den Augen verliert oder sich darin verzettelt.
Manchmal wird die Trance auch so tief, dass man an der Grenze zum Einschlafen entlang schrammt. In solchen Fällen ist es dann gut, sich mit diesem "Mantra" wieder zur Ordnung rufen und auf Kurs bringen zu können !

Zusammenfassend sind das alles Elemente, die einen Einfluss auf die Qualität einer schamanischen Reise haben – nebst natürlich und vor allem der zunehmenden Erfahrung im Reisen ansich; sowie dem wachsen müssenden Vertrauen, dass das Wahrgenommene keine Hirngespinste sind.

Ein ganz massives Problem kann es noch als Ursache dafür geben, wenn man so gar nicht vom Fleck kommt – oder gar nichts wahrzunehmen in der Lage ist:


Angst, die Kontrolle abzugeben

Dazu kann ich im Moment nur sagen, dass man das ja im Grunde auch nicht mehr tut als im Hier und Jetzt; Eine Reise in die Anderswelt hat den Sinn und Zweck, etwas auf einem spezifischen Weg erreichen zu wollen, der eine Ergänzung zu anderen Mitteln darstellt – oder weil andere Mittel und Wege ausgeschöpft sind.
Aber ich kontrolliere primär, wohin ich reise und wie lange; Nur – einer solchen Reise liegt ja oft auch der Gedanke zugrunde, andere Wesen um Rat und Beistand zu bitten; Dann wird es sich wohl nicht vermeiden lassen, sich solchen „Einflüssen“ gegenüber zumindest auch zu öffnen. Es ist auch nicht immer der Grund für fehlende Resultate. Ich kenne Menschen, die nur äußerst ungern die Kontrolle abgeben – bisweilen ist das auch bei mir selbst so; Und trotzdem funktioniert's.

Ich vermute, es hat mit dem Ausmaß einer solchen Kontrollangst zu tun – und die ist dann gegebenenfalls nicht nur auf der anderen Seite ein Klotz am Bein...


Väinäsisu


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