Du kommst hier ned rein

"Schutzkreis" ist wohl ein Thema, das jedem magisch Tätigen irgendwann über den Weg läuft. Entweder stellt sich die Frage nach einem solchen oder er taucht auf, weil sich genau diese Frage nicht gestellt
hat. Richard hat seine Erfahrungen mit uns im WurzelWerk geteilt - herzlichen Dank dafür!!

Schutzkreise sind jedem ein Begriff, der mit Magie und Ritualen zu tun hat

Hoffe ich jedenfalls. Der effektive Nutzen so eines Kreises (oder vielmehr der Sphäre, man sollte ja mindestens dreidimensional denken ist unter anderem der, störende Einflüsse draußen zu halten.


Ritualplatz

Je nach Tradition oder Ansicht kann man in diesem Konzept auch die Wichtigkeit der Erzeugung eines geschützten, sakralen Raumes meinen, oder aber die eindeutige (und vielleicht „abergläubische“) Abgrenzung gegen unerwünschte Wesenheiten. Das ist sicher auch abhängig davon, welches Magiemodell (Energie-, Geister-, Psychologisches usw.) man benutzt bzw. verinnerlicht hat. Wie auch immer, Schutzkreise sind so üblich und bekannt, dass ich mir hier weitere Bemerkungen spare sondern gleich zu meinem Bericht komme, einem Schutzkreisereignis der seltsamen Art am 30.4.2013, der Walpurgisnacht.

Zur Erklärung, wir veranstalteten ein Ritual mit etwas mehr als zehn Leuten im Wald. Das Ritual hatte zwei Hauptelemente, den feierlich-rituellen Teil mit archetypischer Maikönigin und Gehörntem (Strohpuppen) und den schamanischen Teil, Bildung eines Trommelkreises und spontane Schamanisierung der Teilnehmer im Kreis durch meine Wenigkeit. Den Schutzkreis zog ich selbst, unterstützt durch einen durchaus machtvollen und geladenen Stab (der jedoch, fällt mir grade ein, frisch war) mit einem Durchmesser von irgendwas zwischen 10 und 15 Metern. Mittelpunkt des Kreises war als Altar ein moosbewachsener, wunderschöner Baumstumpf, dessen Wurzeln in alle Richtungen streben und der (mangels Platz für ein richtiges Walpurgisfeuer) mit vielen Kerzen und Kraftobjekten geschmückt war. Der rituelle Teil lief mit den üblichen kleinen Fehlern relativ geplant und (im positiven Sinne) unspektakulär ab.


Interessant wurde es dann beim schamanischen Teil

Warnung: Was folgt, stammt natürlich rein aus meiner eigenen, von einem mystifizierten Geistermodell getragenen, Wahrnehmung und natürlich auch modifiziert durch den schamanischen Bewusstseinszustand. Bei dieser Art von schamanischer Arbeit trommeln und rasseln die Teilnehmer im Kreis, während ich bei erkennbarem Bedarf kleinere Extraktionen mache, Kraftgegenstände bespreche und teilweise weitergebe u. ä. .

Das lief sich auch relativ normal an, im inneren Kreis entsteht Kraft und Energie, die sich im Idealfall potenziert und die ich für das Ritual und den Schamanenkram kanalisieren kann. Schon bald bemerkte ich aber auch außerhalb des Kreises interessante Vorkommnisse. Dass sich da je nach Örtlichkeit neugierige Geister sammeln oder sogar „der“ Geist des Ortes manifest auftritt, kennt man, aber das hier hatte eher etwas von einer Stampede, von wilden Geistern die wie gehetzt und wild um den äußeren, den schützenden Kreis, rannten und flogen wie die Wilde Jagd höchstselbst. Da meine Aufmerksamkeit aber auf den schamanischen Kram konzentriert sein sollte, kümmerte ich mich nicht weiter darum. Jedenfalls bis ich bemerkte dass an einer bestimmten Stelle der Schutzkreis wie gestört wirkte; visualisiert wie als würde aus einer soliden Energiekuppel eine milchige halbdurchlässige Membran. Vorsichtshalber verstärkte ich an der Stelle den Kreis durch Kraftdinge und machte dann weiter. Bei einem Blick nach „draußen“ hatte sich der Eindruck von wild herumjagenden Walpurgisgeistern noch verstärkt, es wirkte nun eher, im Vergleich wie ein heulendes, ausgehungertes Wolfsrudel das um ein Feuer hetzt, sich aber nicht hin traut. Bei meiner nächsten Runde wurde ich dann doch stark irritiert. An oben beschriebener Stelle drückte etwas mit großer Kraft an die „Außenwand“ des Kreises und begann die Membran nach innen zu drücken. Das war mir vorher noch nicht passiert und das konnte ich natürlich auch nicht dulden. Also drückte ich die Entität zurück und machte die Lücke noch dichter. Damit wäre es vermutlich auch gegessen gewesen, wäre da nicht Murphys Law. In dem Moment verließ nämlich eine Teilnehmerin (ein Kind) den inneren Kreis und zu allem Übel auch noch den Schutzkreis und begab sich mitten ins Geistergetümmel und brach die Integrität des Kreises.
In meiner subjektiven Wahrnehmung sah das dann in Folge so aus, als würde das Kreisviertel zwischen der Stelle an der sich etwas von außen nach innen schieben wollte und der Stelle an der das Kind den Kreis verließ „nebelig“ und grau und einige meiner Verbündeten (die eher territorialen) griffen sofort ein um dort manifest werdende Kräfte zu binden. Nun ist das Verlassen eines solchen Kreises, vor allem an Tagen wie Walpurgis, ein absolutes No-go, aber es war nun mal passiert und mein Schwerpunkt lag nun darauf, schädliche Einflüsse fernzuhalten oder, derb ausgedrückt, ihnen in den Arsch zu treten. Auf für mich interessante Einzelheiten mag ich jetzt nicht detailliert eingehen, im Nachfeld wurde jedenfalls meine Aufmerksamkeit auf die Gefährlichkeit von symbiotischen Beziehungen gelenkt. Jedenfalls passierte dem Mädchen, das den Kreis verlassen hatte gar nichts, aber die unangenehmen Einflüsse, die man eventuell bei so etwas erwarten würde, trafen die Mutter die daraufhin krank wurde und bei einer anderen Teilnehmerin sprang der negative „Funke“ auf ihre Hündin über, die daraufhin todkrank wurde (im Kontext eines Erklärungsversuches von Verbündeten: durch einen Elfenpfeil den sie für ihre Besitzerin angenommen hatte).


Wesen, Wächter - Wächterwesen

Nach Beendigung des Rituals wurde gerade noch das gemeinsame Mahl eingenommen dann wollten alle möglichst schnell weg, was natürlich auch an den unangenehmen Temperaturen liegen mag.

Theorie und Praxis

Soweit dieser „Frontbericht“ der bestätigen soll, dass kein Schlachtplan den „Feindkontakt“ überlebt, um mal ein bisschen martialisch zu werden ;) . Als kleinen Lerneffekt nehme ich mit dass es dringend nötig ist unbeleckten aber auch erfahreneren Teilnehmern die Funktion und Wichtigkeit eines Kreises und der Verhaltensmaßregeln nahezubringen. Und möglichst die Aufgabe zu delegieren, den Kreis zu überwachen und zu stärken, falls nötig. Erspart mir dann im Idealfall auch die tagelange schamanische Nacharbeit und Nachbehandlung.

Bei allem Negativen konnte ich froh sein, dass es sich nicht zum Worst-Case-Szenario entwickelte, denn die Kräfte und Geister, die da unterwegs waren, waren ungewohnt wild, mutig und aktiv. Ich bringe das mal mit Walpurgis in Verbindung aber auch mit diesem besonderen Platz, der vermutlich für diese Art von Ritual nicht sehr geeignet ist, jedenfalls nicht für alle Leute. Interessant auch der absolut übergriffige und aggressive Versuch des Eindringens in den Kreis. Da wollte wer was von der freiwerdenden Energie abhaben und ließ sich auch durch Schutzeinrichtungen nicht sofort abbringen. Interessant war auch bei der Nacharbeit die mangelnde Kooperations- und Verhandlungsbereitschaft der dortigen Ortsgeister.

Nicht der Rede wert war mein Kater am nächsten Tag, weil ich bei Ritualen am nächsten Tag meistens einen Mordskater habe. Eigentlich sollte dieser Artikel auch das Thema Ritualkater haben, aber so ist eben ein kleiner Frontbericht draus geworden ...


Richard Chao


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