Schicksalsfäden durchtrennen und Planetenkräfte befrieden

Ein Thema, das sicher viele von uns betrifft - das Lösen von Verbindungen, geformt durch das persönliche Schicksal. Eine weitere ArtikelSpende, für die sich das WurzelWerk ganz herzlich bei Enrico bedankt!!

Die Seele eines Menschen wird von den Planeten und Sternzeichen beeinflusst. Dies wird z.B. in der Astrologie durch das Geburtshoroskop dargestellt. Wesentlich sind dabei die sieben inneren bzw. persönlichen Planeten. Zusätzlich dazu gibt es noch fünf weitere planetare Kräfte, die auf die Schicksalsgestaltung des Menschen einwirken.
Die Schamanen im Himalaya sehen diese fünf Kräfte als notwendige Balance zu einem wuchernden Egoismus des Menschen. Jeder Mensch kann die nächsten notwendigen Schritte seines Lebens voraussehen oder erahnen. Handelt er nicht in diesem Kontext, kann es zu Verwicklungen und schicksalhaften Verstrickungen kommen. Die eintretenden Schicksalsschläge sind jedoch keine Strafe, sondern zeigen auf, wo der Mensch nicht mehr gemäß seiner individuellen Weisheit und Lebensnatur handelt.
Eine Rückbesinnung auf den individuellen Lebensplan kann dabei Abhilfe schaffen. Manchmal ist aber eine Befreiung der Seele notwendig. In diesem Fall wenden Schamanen verschiedene Rituale zum Durchtrennen der Schicksalsfäden an. Je nach Schwere der Verstrickung können mehr Planetenwesen und Hilfsgeister eingeladen werden. Auch die Ausformung des Rituals kann dabei zunehmen.

Planeten – Kräfte und Wesen

Die Planeten werden in der schamanischen Tradition als Wesen mit archetypischen Kräften betrachtet. Jeder Mensch verfügt über sieben innere und drei äußere Planeten. Die Unterscheidung dahingehend erfolgt nach der Sichtbarkeit mit freiem Auge. Außerdem stehen noch weitere Himmelskörper und abstrakte Rechenpunkte für die Analyse zur Verfügung. Die Konstellationen, die diese untereinander bilden, stellen ihre Kommunikationslinien dar.
Ebenso verfügt jeder Mensch über zwölf Zeichen des Tierkreises und agiert in zwölf Lebensräumen, die traditionell Häuser genannt werden. Somit ist ersichtlich, dass jeder über dasselbe Potential verfügt.
Allerdings unterscheidet sich dieses Potential aufgrund seiner Aspekte und Sichtweisen der Lebensräume. Einige Planeten zeigen ihre Kräfte klar im Leben. Doch manche dieser Archetypen führen ein Schattendasein. Dennoch wirken sie in das eigene Leben herein. Durch Bewusstmachen und Achten dieser planetaren Archetypen werden die bisher verborgenen Kräfte wieder verfügbar.


Einfluss der Planeten

Jeder Tag der Woche ist einem Planeten zugeordnet und verfügt über eine bestimmte Qualität. Der Sonntag wird von Surya, dem Sonnengott, regiert. Dieser Tag ist für Segenszeremonien, Naga-Pujas und allgemein zu Förderung der Harmonie hilfreich. Montag von Chandra, der Mondgöttin regiert, kann ebenfalls für Naga-Rituale verwendet werden. Weiters werden Reinigungsrituale und Ernte-Rituale an diesem Tag durchgeführt. Dienstag wird von Mangal, Mars, beherrscht. Dieser Tag dient dem Segen, dem Glück und wird auch für Wallfahrten an heilige Orte genutzt. Der Herrscher von Mittwoch ist Budha, Merkur. Günstig ist dieser Tag für den Kauf eines Hauses, zum Erwerben von Besitz und zum Durchführen einer Haus-Puja bzw. Erdheilung. Prihaspati, Jupiter, regiert den Donnerstag. An diesem Tag ist es vorteilhaft, zu Jungali – der Königin der Natur- und zu den Nagas zu beten. Venus, Sukhra, entfaltet ihre höchste Wirkkraft am Freitag. Bei den alten Germanen war Freya die Namenspatronin für diesen Tag. Mit dem Bezug zur Urmutter ist dieser Tag hilfreich für Pujas an die Natur und zum Befrieden sozialer Differenzen. Sani, Saturn, regiert den Samstag. Da Saturn der äußerste der inneren Planeten ist, stellt er auch einen Übergang zum transpersonalen Bereich dar. Er kann mit seiner Kraft schlechte Dinge wandeln. Daher ist es günstig, an diesem Tag viele Wesen mit Gaben zu ehren.


Schicksale lösen

Außer diesen sieben Planeten existieren in der Kosmologie der Schamanens noch fünf weitere Himmelskörper. Diese können einen Menschen „besetzen“ und durch vereintes Zusammenwirken von bis zu vier dieser Planeten können schwere schicksalhafte Ereignisse sich einstellen. Wirken alle fünf Himmelskörper zusammen, dann bedeutet dies nach der Sichtweise der Schamanen das Ende des Lebens.
Die fünf negativ beeinflussenden Himmelskörper werden Rahu, Ketu, Sankata, Ulka und Bhamari genannt. Rahu und Ketu führen zu Illusionen. Rahu kann einem alles nehmen und dadurch Armut verursachen. Aber auch die sozialen Bande können von Rahu durchbrochen werden. Er nimmt die Liebe weg und die soziale Welt bricht zusammen. Bei einem Einfluß von Ketu bekommt man negative Gefühle, wird unfreundlich und man glaubt, dass andere schlecht über einen reden. Sankata wiederum verursacht Streitereien. Man trifft immer auf schlechte Menschen. Auch bringt er schwere Krankheiten. Ulka verführt zur Respektlosigkeit. Er zieht negative ruhelose Seelen an. Sankata und Ulka treten häufig gemeinsam auf. Bhamari ist todbringend, wenn er attackiert.
Die fünf Planeten sind jedoch nicht an sich schlechte Einflüsse. Sie sind auch Lehrer und halten die Dinge in Balance. Durch ihre Kraft erinnern sie den Menschen an das, was wirklich wesentlich ist im Angesicht des Todes. Sie schaffen Gewahrsein und Gegenwärtigkeit. Manchmal sind die Planeten weit weg, ein andermal sind sie wieder ganz nah. Jedoch kommen sie nie wirklich gleichzeitig. Sie treten nacheinander auf und warnen einen.
In frühen Zeiten wurden die Kräfte der Planeten personifiziert. Jeder Planet spiegelt sich auf mehreren Ebenen wider. Er zeigt sich in seiner wesenhaften Gestalt, in bestimmten psychischen Ausprägungen, an Hand von körperlichen Entsprechungen und Symptomen. Über rituelle Handlungen – Darbringen von Gaben, Gesänge, Rezitationen und Beschwörungen (Mantras), Gesten (Mudras), magischen Ordnungen (Yantras) etc. – wurden die Planeten-Wesen angerufen. Man lud sie ein, bot ihnen einen Handlungsraum an und setzte sich auf diese Weise aktiv mit deren Fähigkeiten auseinander.


Vom Schicksal zur Kraft

Der Einfluss durch die Planeten hängt vom Schutz der Ahnengeister ab. Wenn bestimmte schicksalhafte Ereignisse im Leben eines Menschen eintreten, dann sollte man sich mit den Planeten und deren Kräften beschäftigen. Aber auch der Bezug zu seinen Wurzeln und zu seiner wahren Natur ist wichtig. Hat ein Mensch wenig Kontakt zu seinen Ahnen und zu seiner inneren Natur, dann wird der Planeteneinfluss stärker spürbar für ihn. Aber auch mangelnder Respekt vor dem Leben schwächt die Kraft eines Menschen ab. Die Planeten bringen einen wieder auf den Boden der Realität zurück.
Die Planeten sind Kräfte in uns selbst. Sie zeigen bestimmte Dinge und Konsequenzen auf. Außerdem machen sie uns den Lauf der Natur deutlich. Die fünf Himmelskörper kontrollieren das Leben. Sie arbeiten mit Yama, dem Totengott, zusammen. Der Tod ist kein negatives Wesen, welches zu bekämpfen ist. Vielmehr ist Yama ein Wesen, welches die notwendige Wandlung bewerkstelligt. Dies ist bedeutet Fortschritt und den Transport von Dingen im Sinne einer Transformation.
Der schamanische Auftrag im Umgang mit den Himmelskräften ist einerseits ein Bewusstmachen der verborgenen Potentiale und das Übereinstimmen von individuellen und transpersonalen Kräften. Wirkt ein Planet ungünstig auf den Menschen ein, verwenden Schamanen auch Yantras in Form eines Amuletts. Auf diesem Yantra sind in einer bestimmten Reihenfolge Zahlen angeordnet, die die Resonanz des Individuums zum jeweiligen Planeten ausgleichen sollen.
Weiters können auch die Planeten befriedet oder die Schicksalsfäden durchtrennt werden. Ein „einfaches Durchschneiden“ (Taro Khadko) oder „siebenfaches Durchschneiden“ (Sapta Khadko) wird zur Klärung und Reinigung der sieben inneren Kräfte verwendet. Das Ritual des Asta Khadko oder auch Yama Khadko genannt, ist ein „achtfaches Durchtrennen“ bzw. ein Abschneiden des Yama. Dies wird verwendet, wenn zwei der negativen Himmelskörper mitwirken. Das große Ritual des Nava Graha-Khadko ist das „neunfache Abschneiden“. Dieses Ritual wird auch Kala Khadko genannt, da es die schicksalhafte Zeit abschneidet. Man kann aber auch den Planetenwesen zu bestimmten Zeiten Gaben darbringen und so sie immer wieder bewusst machen und ihre Kräfte nutzen.

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Enrico Kosmus


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