Walking the Red Road: Respekt, Demut, Ehre   Teil I

Dieser Artikel von Sondra Red Eagle wurde uns vor etlicher Zeit vom damaligen RubrikVerantwortlichen Shadow Viper in Originalfassung zur Verfügung gestellt und von Shina Edea ins Deutsche übersetzt. Obwohl er mittlerweile schon drei Jahre alt ist, wäre es schade diese Sichtweise nicht doch noch an die Öffentlichkeit zu bringen.

Einmal wurde ich von einem native Elder gefragt: „Was meinst du mit “Walking the Red Road“. Die Leute werfen mit dem Begriff locker um sich, aber was verstehst du darunter?“ Ich war überrascht aber musste ihm zustimmen. Viele Leute, die ich kenne, würden den Begriff „Walking the Red Road“ als ein Clichée ansehen, würden aber nicht wissen, was es bedeutet, wenn man sie fragte.
Ich sehe es so, dass wir alle auf einer Reise in die Welt der Spirits sind. Obwohl die anderen Menschen mit uns gehen und mit uns sprechen können, gehen wir den Weg allein. Während ich weitergegangen und gewachsen bin, habe ich drei Dinge gelernt – Respekt, Demut und Ehre – diese gehen Hand in Hand.


Respekt

Fool´s Crow wurde einmal gefragt, was einen Anführer ausmacht. Er dachte eine Weile nach und antwortete:

„Als erstes würde ich sagen Respekt. Respekt vor der Verantwortung und den Menschen.“

Respekt (Mawnawjiwin) ist eine der sieben Hauptlehren der Ojibwa. Es ist ebenso einer der vier Grundpfeiler bei den Lakota. Man lehrt uns Respekt vor den Elders zu haben, vor anderen Menschen, vor den Dingen, die der Schöpfer uns gegeben hat und vor der Welt um uns. Das Leben ist zyklisch, in unseren Handlungen liegen Ursache und Wirkung. Wenn wir andere mit Respekt behandeln, werden auch wir Respekt erhalten, wenn wir aber keinen Respekt haben dann nicht.
Unsere Elders haben unseren Respekt verdient, aufgrund ihres Alters und der Weisheit, die sie angesammelt haben. Wir lassen sie vorausgehen und geben ihnen bei Zusammenkünften Ehrenplätze. Laut dem Midewiwin Code der lebenslangen Weisheit sollen wir „die Alten ehren, denn wenn man sie ehrt, ehrt man Leben und Weisheit.“

Lloyd Shearer sagte:

„Beschließe sanft zu den Jungen zu sein, mitfühlend mit den Alten, sympathisch mit den Strebsamen, und tolerant zu den Schwachen und Starken. Irgendwann im Leben wirst du jeder von ihnen gewesen sein.“

Leider sprechen viele über Respekt, aber nur wenige lassen ihren Worten Taten folgen.
Wir müssen auch die Welt um uns respektieren. Wenn wir am morgen aufstehen, opfern wir unseren Tabak (semah), wenn wir zum See hinausgehen, opfern wir unseren Tabak (semah), wenn wir das Leben eines Tieres nehmen, opfern wir Tabak (semah), weil wir wissen, dass wir für unsere Umgebung verantwortlich sind. Es gibt eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen uns und dem Umfeld.

Wir müssen gut aufpassen, nur das zu nehmen, was wir brauchen, nicht das, was wir wollen. Durch die Jahre sind viele Gebiete ausgebeutet worden, durch die Gier und eingreifende Arten siedelten sich an. Ein klassisches Beispiel von einem „Ökosystem“, das Amok gelaufen ist, ist Lake Michigan. „An der Oberfläche bleibt Lake Michigan einer der weltgrößten und wildesten Süßwasserkörper und eine der bekanntesten Fischergründe. Aber unter Wasser gibt es eine große Auswirkung, die Mensch gemacht wurde... Am bedenklichsten ist die große Wahrscheinlichkeit, dass der See am Rande des „Ökoschocks“ steht, eine Nahrungskette, die kollabiert aufgrund der Invasion fremder Arten.“


Demut

Die zweite Charaktereigenschaft die Fool´s Crow erwähnt ist Demut.

„Erinnert euch, dass der Anführer ein hohler Knochen ist, den der Schöpfer benutzt um seinen Leuten Gutes zu tun. Sein Leben ist für die Menschen. Sein Leben ist ihnen gewidmet und dient ihnen.“

Demut (Duhbuhsaynimoowin) ist ebenso eine der sieben Hauptlehren der Ojibwa. Lao – Tsu hat dieses Prinzip verstanden.

„Ich habe drei wertvolle Dinge, die ich festhalte und ehre. Das Erste ist Güte, das Zweite Genügsamkeit, das Dritte Demut, die mich davon abhält, mich selbst vor andere zu stellen. Sei behutsam und du kannst mutig sein, sei genügsam, dann kannst du großzügig sein, vermeide es dich vor andere zu stellen und du kannst ein Anführer unter den Menschen werden.“

Demut ist eine interessante Charaktereigenschaft, weil sie gegen die menschliche Natur geht. Die Welt um uns wird von Gier gelenkt, vom Wettbewerb und dem Bedürfnis sich zu übertreffen. Wir wollen alles und wir wollen es sofort. Um demütig zu sein, muss man über sich hinaussehen. Wir können uns mit dem Nachbarn vergleichen, davongehen und uns denken, dass wir besser sind als er. Wir können von uns prahlen und uns für etwas besseres als alle anderen halten. Aber wenn wir zum Mond fliegen und hinunterschauen würden auf die Ewigkeit, wären wir nicht mal ein Fleck. Wenn wir unser Leben entgegen der Ewigkeit halten, ist es nur ein bisschen Rauch. Ein serbisches Sprichwort ermahnt uns demütig zu bleiben. „Sei demütig, denn du bist aus Erde gemacht.“

Es gibt viele indianische Länder, zu denen ich respektvoll aufschaue und die ich bewundere für ihr Wissen, aber wenn du mit ihnen gehst, lernst du dass sie eigentlich auf der selben Reise sind wie wir alle, und oft bestätigen sie, dass obwohl es so scheint, als ob sie viel Wissen hätten, sie eigentlich wenig von dem wissen, was es an Weisheit dort draußen gibt. Helen Keller sagte:

„Ich sehne mich danach eine große und noble Aufgabe zu erfüllen, aber meine Hauptaufgabe ist es kleine Aufgaben zu bewältigen als ob sie groß und nobel wären.“

Die Herausforderung ist es klein zu bleiben. Leider gibt es viele die sagen „Schaut mich an, ich bin ein demütiger Mensch.“ Obwohl ein demütiger Mensch nicht Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, indem er auf seine Demut hinweist. Henry Dairlie, ein britischer Autor, sagte:

„Die Basis der Demut ist Wahrheit. Der demütige Mensch sieht sich selbst wie er ist.... Der Mensch, der falsche Demut lebt, das wissen wir aus eigener Erfahrung, ist derjenige der falschen Stolz hegt.“


Ende Teil I


Sondra Red Eagle


«Shaman´s View»:   Articles in English
Schamanöser Beipackzettel 29.04.2017
Mein Murmelgleichnis zum Thema Seelenverlust – oder warum es wichtig ist, seine Murmeln beisammen zu haben 19.03.2017
Die schamanische Praxis ist notwendige spirituelle Selbstermächtigung 21.01.2017
Seiðr, die Schamanentechnik des nordischen Europa - Teil III 26.06.2016
Seiðr, die Schamanentechnik des nordischen Europa - Teil II 11.06.2016
Seiðr, die Schamanentechnik des nordischen Europa - Teil I 28.05.2016
Moderner europäischer Schamanismus - Teil II 07.05.2016
Moderner europäischer Schamanismus - Teil I 16.04.2016
Hausverstand und spirituelle Aneignung 06.02.2016
Der Krieger! Welcher Krieger? 14.11.2015
Schamanismus im Alten Ägypten 02.05.2015
Wie fange ich an … 04.04.2015
Dienst an der Schöpfung – ein Märchen 28.02.2015
Für Ailo Gaup - Gedanken über das Leben und Sterben aus schamanischer Sicht 29.11.2014
Nagas – Die Fruchtbarkeit des Wassers und der Erde 09.08.2014
Der Walpurgisbockl oder Die Wana in der Oberpfalz 24.05.2014
Vom großen "Danach" - Teil II 15.03.2014
Vom großen "Danach" - Teil I 15.02.2014
Aller Anfang ist manchmal schwer - Teil II 04.01.2014
Aller Anfang ist manchmal schwer - Teil I 21.12.2013
Frontschamanismus 17.08.2013
Du kommst hier ned rein 08.06.2013
Schamanismus in der Postmoderne - Teil III 17.11.2012
Schamanismus in der Postmoderne - Teil II 13.10.2012
Schamanismus in der Postmoderne - Teil I 11.08.2012
Going native Seidr – ursprünglicher seiðmaðr werden - Teil III 10.03.2012
Going native Seidr – ursprünglicher seiðmaðr werden - Teil II 24.12.2011
Going native Seidr – ursprünglicher seiðmaðr werden - Teil I 20.08.2011
Schicksalsfäden durchtrennen und Planetenkräfte befrieden 20.11.2010
Schamanenkraft 02.10.2010
Schamanische Seelentherapie 24.07.2010
Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Teil VI 22.05.2010
Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Teil V 01.05.2010
Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Teil IV 10.04.2010
Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Teil III 03.04.2010
Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Teil II 20.03.2010
Auf der Suche nach der europäischen Schamanentradition - Teil I 16.01.2010
Grundsätzliches zum schamanischen Reisen 10.10.2009
Meine Arbeit mit einem traditionellen Kam - Teil III 04.07.2009
Meine Arbeit mit einem traditionellen Kam - Teil II 13.06.2009
Meine Arbeit mit einem traditionellen Kam - Teil I 07.06.2009
Meines? Deines? oder Wer hat´s erfunden? 22.03.2009
Walking the Red Road: Respekt, Demut, Ehre - Teil II 03.01.2009
Walking the Red Road: Respekt, Demut, Ehre - Teil I 27.12.2008
Hilfe von den Ahnen 23.08.2008
Einige Gedanken zum Schamanismus in Europa - Teil II 17.05.2008
Einige Gedanken zum Schamanismus in Europa - Teil I 10.05.2008
Nachrichten aus Anderswelt - Teil II 05.01.2008
Nachrichten aus Anderswelt - Teil I 29.12.2007
Verbündete 25.08.2007
Initiationsrituale - Teil II 05.05.2007
Initiationsrituale - Teil I 28.04.2007
Ahnen und Ahnenverehrung 10.03.2007
Extraktion 06.01.2007
Die weißen Wurzeln der "Peace Gatherings" 02.09.2006
Die Heilige Schwitzhütte - Teil II 11.03.2006
Die Heilige Schwitzhütte - Teil I 04.03.2006
Der Mensch als Einheit von Himmel und Erde 24.09.2005
Schamanismus - eine ganz persönliche Geschichte 16.10.2004
Die Kraft der magischen Ablehnung 15.05.2004
Interview «Schamanismus» 13.09.2003
Stadtschamane 05.04.2003
Heiden für den Frieden - Teil II 22.03.2003
Was ist ein Itako? 10.08.2002
Zeremonien erfordern Respekt 22.06.2002
Etiketten 18.05.2002
Über Spirits und Visionen 11.05.2002
Traditionell oder eklektisch - meine zwei Cents in den Topf 05.05.2002
Heiden für den Frieden - Teil I 10.09.2001






               
                   
                   



    

© WurzelWerk · 2001-2017