Hilfe von den Ahnen

Vor einigen Jahren lebte ich in einer Wohnung, deren vorige Bewohnerin ca. 2 Monate bevor ich einzog darin verstorben war.
Ich hatte die Wohnung mit allem darin übernommen und freute mich, mit meinen drei Katzen, über diese günstige Gelegenheit. Die Vorbewohnerin, eine alte Frau, war ein besonders ordentlicher Mensch gewesen. Durch Erzählungen anderer stellte sie sich sogar als extrem pingelig dar. Pingelig bin ich ja überhaupt nicht, sondern eher das Gegenteil, und ich lass schnell mal fünf gerade sein.

Alles wie es sich gehört?

Beim Einzug hatte ich natürlich die Wohnung schön ausgeräuchert, wie man’s so macht, fühlte mich auch recht gut darin, und auch meine Tiere schienen es ganz in Ordnung zu finden. So gingen zwei Monate ins Land, und mein übliches Wohnchaos begann Einzug zu halten. Dann passierten so Kleinigkeiten, bei denen ich mir anfangs nichts dachte.
Beispielsweise machte ich morgens die Kaffeemaschine fertig, bevor ich duschen ging, damit ich gleich danach frühstücken konnte. Kam ich aus der Dusche, war die Maschine allerdings ausgestellt und kein Kaffee fertig. Da dies zu Beginn nur hin und wieder passierte, schob ich das darauf, dass ich wohl vergessen hätte, eine Handlung zu machen, die ich mir seit 15 Jahren angewöhnt hatte. Man kann ja auch mit knapp über 30 schon solche Aussetzer haben, dachte ich mir. Ins Grübeln kam ich aber dann, als hin und wieder die Maschine zwar nicht aus war, allerdings der Wasserarm so verschoben wurde, dass die Arbeitsplatte unter Wasser stand. Auch passierte es immer wieder, wenn ich kochte und die Küche zwischenzeitlich verließ, dass entweder der Herd abgedreht war oder die Platte höher gedreht war, so dass es mit dem Essen auf jeden Fall nix wurde zu dem Zeitpunkt, zu dem ich es geplant hatte.

Nun, wenn solcherlei Absurditäten öfter vorkommen als hin und wieder, dann fang sogar ich an zu überlegen. Worauf ich dann mal bei meinen Verbündeten nachfragte, was denn da los sein, weil, scheint’s würde ich ja nicht allein mit meinen Katzen in der Wohnung sein. "Tja", hieß es, "die alte Dame findet dich mordsmäßig unordentlich und will dich raus haben." Nachdem ich aber der Meinung war, dass ich jetzt hier wohne, und dass auch tote Vorbewohnerinnen das zu akzeptieren hätten, erklärte ich ihr das laut, und war der Meinung, das müsse doch verständlich sein.
Darauf hin ging’s aber erst richtig los, und es verging kein Tag mehr, an dem nichts passierte. Die Krone der bis dahin noch als "Streiche" zu definierenden Ereignisse machte mir allerdings dann klar, es geht nicht ohne handfeste Handlung. Eine Überschwemmung in der Wohnung, die fast alle Räume betraf, machte klar, dass die alte Dame es ernst meinte. Nachdem ich meine Waschmaschine, die im Bad stand, gefüllt und eingeschalten hatte, wollte ich mir was Gutes tun, und vom gegenüberliegenden Gasthof ein leckeres Fiakergulasch holen. Nachdem ich eh etwas paranoid bin, überprüfte ich vo´rm Rübergehen noch mal, ob auch der Abflussschlauch gut in der Dusche befestigt ist, nichts Zerbrechliches auf der Waschmaschine stand und spurtete nach drüben. Kurz entschlossen aß ich dann aber das leckere Gulasch im Gasthof, weil mir das den Gang zum Teller zurück Bringen ersparte.
Als ich ca. eine Stunde später nach Hause kam, watete ich bereits im Flur knöcheltief in Wasser. Platschend ins Bad stürzend, stellte ich dort fest, dass der Ablaufschlauch hinter die Waschmaschine gestopft war und dort festgeklemmt. Die Maschine war auf Spülen eingestellt und der Knopf saß fest. Nachdem ich unter fortwährenden Beschimpfungen der Hausgeister, speziell dieses, die Überschwemmung beseitigt hatte, war es eindeutig - hier geht’s nur mit harten Bandagen.


Ahnenarbeit

Allerdings war die Vorbewohnerin resistent gegen sämtliche Mittel die ich kannte und ich schon soweit, den Tipp meines Lehrers, auszuschwefeln, in Betracht zu ziehen. Meine Verbündeten grinsten sich eins und taten gar nix zur Abhilfe. Die schienen der Meinung zu sein "Na, das ist doch toller Lernstoff für sie". In die Zeit fiel auch die Sache mit den intensiven Kontakten zu Yemaya, die ich hier schon geschildert habe. Darum beschäftigte ich mich zu der Zeit auch erstmals mit den Ahnen - ja, jetzt kommt sie endlich zum Thema *gg* - und führte mein erstes Ahnenritual durch.
Nachdem ich meine Ahnen gerufen hatte, zuerst die, die ich mit Namen kannte, dann alle die, die mir unbekannt, in meiner Blutslinie waren, begann sich das Zimmer, in dem ich mich aufhielt, zu füllen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Einer meiner Kater saß bei der offenen Zimmertüre und bewegte, mit großen Augen schauend, den Kopf immer hin und her, wie wenn er jede Menge Leute beim Betreten des Raums beobachten würde. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich müsste mich ganz schmal hinstellen, weil kaum noch Platz ist. Die Menge an "Personen" war so groß, dass das Zimmer schier zu platzen schien. Es war ein überwältigendes und eindrucksvolles Gefühl.

Am Morgen danach machte meine Kaffeemaschine den Kaffee genau dann, als ich sie einstellte. Meine Herdplatten blieben so eingestellt, wie ich sie eingestellt hatte.
Es passierte in dieser Wohnung nie wieder etwas Ungewöhnliches.
Außer vielleicht, man sieht es als ungewöhnlich an, das die Katze manchmal Männchen machte und mit der Luft schmuste.


Lucia


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