Verbündete
Wie aus Berichten von Schamanen, Reisenden-in-die-Anderswelt, Zauberern, etc. ersichtlich ist, begegnen sie bei ihrem Kontakt mit dem Nagual (nicht alltägliche Wirklichkeit) auch bestimmten Wesenheiten. Diese Wesen können wohltätig gesonnen sein, oder sie können zerstörerisch wirken. Je nach dem Umgang mit ihnen geht deren Kraft auf den Schamanen über. Er verbündet sich mit ihnen; aus diesem Grund werden diese Wesen oft auch als Verbündete bezeichnet.

Der Umgang mit diesen Verbündeten oder Geistwesen ist eines der herausragendsten Merkmale des Schamanismus, der Zauberei und der Magie. Allerdings ist anzumerken, dass diese Verbündeten auch eine gewisse Faszination auf den Zauberer auswirken können. Vor dieser Art der Anziehung warnen auch die Zauberer. Mystische Traditionen kennen ebenfalls den Umgang mit Gestalten aus der nicht-alltäglichen Wirklichkeit. Gegenüber dem klassischen Schamanismus werden diese Erfahrungen in den Bereich der Siddhis, der Beherrschung bestimmter psycho-physischer Kräfte, eingeordnet. Diese Fähigkeiten wurden von Mystikern immer als Beiwerk auf dem spirituellen Weg angesehen, und nicht, wie viele meinen, als Hauptzweck. Da der Pfad der Tradition ein Weg der Befreiung ist, wurde schon seit jeher vor einer Verhaftung in diesen Welten gewarnt. Dennoch ist es notwendig, diese Stationen auf dem Weg zurückzulegen, stellen doch gerade sie markante Meilensteine der spirituellen Entwicklung, wie auch der Evolution des Lebens dar.

Verbündete können Tiere oder Pflanzen sein, Steine oder auch Ahnengeister.


Krafttiere - Tiergeister
Die Literatur über Schamanismus erwähnt oft Verbündete in Form von Tieren. Diese Art der Beschreibung stammt einerseits aus den ethnographischen Quellen, welche auf Forschungen bei Jägerstämmen beruhen, andererseits auf den Erfahrungen der Vitalkräfte - wahrscheinlich ein Relikt der menschlichen Evolution. Diese tierischen Kräfte wirken in jedem von uns weiter. Die Erfahrung von Tiergeistern ist von mannigfaltiger Natur. Von Tieren aus der alltäglichen Wirklichkeit kann die Palette bis zu Fabeltieren reichen. Die meisten haben nicht nur ein Krafttier sondern mehrere. Manche Krafttiere bleiben ein Leben lang, andere nur eine gewisse Zeit. Krafttiere kommen auf die unterschiedlichste Art und Weise. Manchmal begegnet man ihnen schon als Kind, oder sie treten durch Träume in unser Leben. Man begegnet ihnen insbesondere natürlich auch bei Reisen in die Andere Wirklichkeit. Inwiefern auf diese Weise gefundene Tiergeister/Krafttiere auch Hilfsgeister, Verbündete sind, stellt sich allerdings erst dann heraus, wenn man mit diesen dann arbeitet. Stellen sich keine Ergebnisse ein, wirds wohl eher eine nette Fantasie, böse gesagt, schlichtweg Mindfuck, sein, der da abläuft. In traditionellen schamanischen Kulturen werden Hilfsgeister - worunter ja die Tiergeister/Krafttiere - fallen, jedenfalls nicht gefunden, in dem man im Wohnzimmer auf der Couch liegt und in Fantasiewelten schwelgt.
Dazu sagt der bekannte Ethnologe und Schamanismusforscher Mihály Hoppál in seinem Buch "Schamanen und Schamanismus":

"Die Schamanen wurden bei ihrer Tätigkeit von hilfreichen Geisttieren unterstützt.
Diese Geister mussten erst einmal herbeigeschafft werden, und zwar durch langwierige Selbstkasteiung, durch Fasten, durch Laufen, durch Untertauchen in eisigem Wasser, schließlich durch Warten - nämlich auf den Eintritt der Visionen"

Fazit: Also schon zu Beginn der "schamanischen Karriere" kein Zuckerschlecken für die angehenden SchamanInnen, sondern harte Arbeit, körperliche und geistige Belastungen bis zur Erschöpfung, manchmal sogar bis an den Rand des Todes.


Kraftpflanzen
Die Möglichkeit einer Kraftpflanze wird in der gängigen Literatur sehr wenig bis gar nicht geschildert. Nichts desto trotz besteht diese Möglichkeit genauso. Auch die Kraftpflanze kann bei bestimmten Problematiken sehr hilfreich sein..
Die Kontaktaufnahme mit der Kraftpflanze sollte, wenn möglich, in der Natur stattfinden, d.h. bei einer Reise mit offenen Augen. Hat man seine Kraftpflanze gefunden, oder sie dich :-), assimiliert man sie und integriert sie. Dazu nimmt man Teile von den Wurzeln, dem Stamm, bzw. der Blätter und wenn möglich der Früchte. Während des Integrationsprozesses erhält man Lied und Tanz der Pflanze.
Vorsicht bei giftigen Pflanzen!!!

Kontakt mit Pflanzengeistern gestaltet sich zumeist sehr individuell, und auch die Art ihres Aussehens ist oft an die Vorstellung des Kontaktierenden ausgerichtet. Je offener man sich nähert, umso größer ist dann auch die Möglichkeit einer Überraschung, da Pflanzengeister eigentlich ganz selten das Aussehen der, von der populären esoterischen Licht-Liebe-Fraktion, geprägten Elfchen haben. Wer schon einmal einem dorntentakelbewehrten Hundsrosengeist gegenüberstand, oder den glühenden Augen einer Tollkirsche nachts begegnete, weiß, wovon ich spreche. Das man somit manche Verbündete, auch aus diesem Reich, und nicht nur im Tierreich, manchmal erjagen muss, um sich ihrer Kraft würdig zu erweisen, ist sicher dem einen oder anderen Praktizierenden bekannt. Die Hilfe und die Stärkung der persönlichen Kraft, die dadurch erlangt wird, wiegt die Ängste, die man zu überwinden hat, jedoch um ein Vielfaches auf. Klar sollte auch sein, das der Kontakt, je nach Mensch und Pflanze verschieden ist, und auch sehr sanfte, dennoch starke Verbündete, mit Pflanzen gewonnen werden können.

In einigen Kulturen, besonders im südamerikanischen Raum, wird fast ausschließlich mit Pflanzengeistern gearbeitet.
Am bekanntesten bei uns dürften die so genannten Ayahusceros sein, die mit Ayahuasca, arbeiten.
„ Ayahuasca oder Yajé ist Quichua, alternative Bezeichnungen sind: Natem (Shuar/Achuar); Mii (Huaorani); Iyaona (Zapara); Liana del Muerto (Spanisch), „Seelenranke“ oder „Todesliane“; Caapí, Dapa.“ - Wikipedia


Ayahuasca ist eine Liane, die mit anderen Pflanzen - je nach Tradition und Überlieferung des Ayahuscero - rituell zubereitet wird, um dem Schamanen/Ayahuscero Zugang zur geistigen Welt zu geben und damit die Möglichkeit Krankheiten zu heilen. Die Liane wird auch dazu genutzt, um Pflanzen, um deren Wirkung man nicht weiß, kennen zu lernen. Dazu wird ein Lianensud gemacht, in dem ebenso Teile der unbekannten Pflanze gegeben werden, und „Mutter Ayahuasca“ zeigt dann deren Wirkung.
Von Curanderos wird als Hilfsgeist Salvia divinorum zum Wahrsagen und Heilen verwendet. Ebenso sind Psylocibine, der Cocastrauch und viele mehr Verbündete in der schamanischen Arbeit. Gemeinhin werden diese Pflanzen immer als Persönlichkeiten gesehen, als Wesenheiten, die einem hilfreich oder auch feindlich gesonnen sein können. Als Verbündete sind sie stark und werden dementsprechend geehrt und behandelt.

Der Umgang mit Pflanzengeistern ist in diesen Kulturen auf keinen Fall mit dem westlichen Konsumdenken zu vergleichen, und es ist auch jedem abzuraten, auf dieser Ebene - Konsum - mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Geister schätzen respektvolles Verhalten, auf reinen Genuss reduziert, wissen sie sich zu wehren.


Lucia


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