Die Heilige Schwitzhütte - aus der Perspektive eines Utah   Teil II
Ein Artikel geschrieben von Jerry Buie, einem Utah-Tänzer, ins Deutsche übersetzt von Shina Edea und bearbeitet von Anufa.

Der Aufbau einer Schwitzhütte
Das Aussehen der Schwitzhütte ist nicht schwer zu beschreiben, sie ist eine igluförmige Hütte. Man benutzt Weidenruten, um die Rahmen zu stecken. In jeder der vier Himmelsrichtungen gibt es ein Tor. Die Hütte wird mit Decken verhängt, ebenso mit Schlafsäcken oder Tierfell, damit es darin vollkommen dunkel ist. Wenn wir im Dunkeln sitzen sind wir alle gleich.
Außerhalb der Schwitzhütte gibt es eine Herzlinie. Dies ist die Linie zischen dem Feuer, dass die Steine erhitzt (Steine sind die Grandfathers), bis zur Tür der Hütte. In unserer Tradition ist es verboten die Herzlinie zu kreuzen, weil man dadurch den Energiefluss vom Feuer ins Innere der Hütte stört. Wenn wir um die Hütte gehen, tun wir das im Uhrzeigersinn. Es wird geglaubt, dass die Herzlinie ein Energiekanal ist, der zur Hütte führt. In unserer Tradition wäre es unangebracht die Herzlinie zu überkreuzen, es sei denn man ist der Fire Keeper, denn er gehört zu den Grandfathers.

Der Fire Keeper macht das Feuer. Dies wird auf eine zeremonielle Art und Weise gemacht: Zuerst gibt man an alle vier Himmelsrichtungen Gaben, um einen Platz zu erschaffen, an dem die Grandfathers ruhen werden und das Feuer gebaut wird. Der Fire Keeper nährt das Feuer mit großer Ehrfurcht und erzeugt so schon jetzt den Ton der Absicht, der in der Schwitzhütte genutzt werden wird. Wenn das Feuer gemacht ist, werden die Grandfathers für mehrere Stunden erhitzt, damit sie heiß genug für die Zeremonie sind.
Die Grandfathers werden im Zentrum der Schwitzhütte platziert, wenn alle Teilnehmer sich gesetzt haben. Dann werden sie mit Tabak geehrt und man spricht Gebete, um sie in der Hütte willkommen zu heißen. Durch die Gebete, die gesprochen werden, bitten wir die Ahnen, uns mit dem zu helfen, das wir erreichen wollen. Nun wird Wasser auf die Grandfathers gegossen, und der aufsteigende Dampf segnet die Menschen.

In unserer Schwitzhüttenzeremonie gibt es vier Durchgänge. Der erste, ist jener des Ostens. Dies ist der Durchgang mit dem wir die Medizin vom Adler ehren und ebenso Spotted Deer und die anderen Ahnen, die im Osten wohnen. Es ist die Zeit der Neuanfänge, Geburt und Kindheit. Es ist der Ort, den wir um Reinigung aufsuchen und an dem wir für uns selbst beten. Wir reinigen uns selbst und beten, bitten den Schöpfer und die Ahnen uns zu helfen, bessere Menschen zu werden und unsere Leben in gute und ehrbare Bahnen zu lenken.
Wenn der Durchgang des Ostens komplett ist, gehen wir weiter in den Süden, der Ort von “Bonatsi” oder Beloved Mouse. Zu manchen Zeitpunkten ist dies auch der Platz vom Coyoten. Es ist der Ort der Kindheit, hier bitten wir für unsere Lieben. Wir beten für unsere Familien, Freunde unsere Kollegen, Tanzpartner und Ahnen. Wir bitten den Schöpfer jenen zu helfen, die wir lieben.
Auf den Durchgang des Südens folgt der des Westens, welche der Durchgang von „TuWada“ oder dem Bären ist. Es ist ebenso die Heimat des Wolfs und der Donnerwesen. Hier ist der Platz, an den unsere Ahnen gehen, wenn sie von uns gegangen sind, hier werden ihre Seelen und ihr Geist von der Familie der Wölfe gewaschen. Dies ist der Ort, an dem wir für unsere Feinde beten (meist sind wir selbst unser schlimmster Feind, also sollten wir in diesem Fall für uns selber beten). Der Ort des Westens ist ebenso ein Ort der Introspektion, wo man tief in die Höhle der eigenen Seele hineingehen kann um darin den Schöpfer um Heilung aufzusuchen. Dies ist der Durchgang in dem wir das Weiterkommen im Leben suchen, im physischen, spirituellen, sozialen und emotionalen Sinne.
Der Durchgang des Nordens ist jener des Büffels, der Erkenntlichkeit und Weisheit. Es ist der Ort, an den wir gehen um ein Ergebnis der Fragen zu erhalten. Der Büffel ist meist ein Wesen, das mit Überfluss und Spiritualität assoziiert wird. Nicht nur mit weltlicher Fülle, sondern auch mit geistiger. Dies ist de Punkt, an dem wir die Zeremonie abschließen.

Bevor wir die Hütte verlassen, danken wir den Ahnen und entlassen sie mit Ehrfurcht, damit sie unsere Gebete mit sich nehmen an einen Ort, an dem sie beantwortet werden können. Die Grandfathers, die in der Mitte der Hütte gelegen sind und uns ihr Leben angeboten haben, ihren Dampf geschenkt haben, um uns zu reinigen und uns wachsen zu lassen – werden benachrichtigt, dass die Zeremonie vollkommen ist und wir sie als neue Wesen verlassen.

Wenn wir nun die Hütte verlassen, tut sich uns eine Option auf. Jene Dinge, die wir hinter uns gelassen haben, können in der Hütte bleiben mit den Grandfathers, oder wir können uns dafür entscheiden, sie aufzuheben und sie mit uns zu nehmen. Wenn ich in die Schwitzhütte gehe, weil ich lernen will, wie ich mich von meinen Aggressionen befreie und dafür Wachstum und Fröhlichkeit akzeptieren will, dann ist das meine Entscheidung: Ich kann entweder den Ärger bei den Ahnen lassen oder ich kann ihn aufheben und wieder mitnehmen, wenn ich die Hütte verlasse.

Für mich ist die Schwitzhütte eines der wichtigsten Rituale und Zeremonieakte, das ich regelmäßig praktiziere. In der Schwitzhütte werden die wichtigsten Inhalte des Lebens ersichtlich. Ich glaube an die Kraft der Zeremonie, weil ich Zeuge war, wie diese Kraft in das Leben jener trat, die an der Zeremonie teilgenommen haben, und ebenso selbst diese Kraft erfahren habe. Ich kann mich nicht an einen Teilnehmer erinnern, der die Hütte mit einem guten Willen betreten hat und ohne eine kraftvolle Erfahrung wieder gegangen ist. Die Zeremonie ist für mich eine Möglichkeit, meine Seele zu reinigen und meinen Weg auf ehrbare Weise zu beginnen.
Wie ich vorhin gesagt habe, so nimmt jeder die Schwitzhütte anders war. Durch meine Sicht der Dinge hoffe ich deinen Blick auf die Schwitzhütte erweitert zu haben.


Jerry Buie


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