Die Heilige Schwitzhütte - aus der Perspektive eines Utah   Teil I
Ein Artikel geschrieben von Jerry Buie, einem Utah-Tänzer, ins Deutsche übersetzt von Shina Edea und bearbeitet von Anufa.

Vor wenigen Monaten bat mich mein Lehrer und Freund Clyde Hall einen Artikel über die Schwitzhütte zu schreiben. Ich fand diese Bitte unüblich, da ich die Schöpfkelle erst kürzlich von meiner Lehrerin Carolyn Sanders in die Hand gegeben bekommen hatte. Während ich diesen Artikel schreibe, hoffe ich, der ich weiterhin durch Arbeit mit der Schwitzhütte lernen werde, meine Nachricht auf eine heilige und ehrbare Weise zu verbreiten.
Carolyn Sanders, von der Utah Community, hat über zwanzig Jahre lang eine Schwitzhütte in ihrem Garten beherbergt. Bear Boy, der im August 2004 gestorben ist, brachte Carolyn bei, wie man mit Medizin auf heilige Weise arbeitet. Ebenso schenkte er uns das Privileg viele Elders in unsere Schwitzhütte einladen zu dürfen, die uns vieles über diese Dinge beibrachten, Lehrer wie Clyde Hall, Lanie Thom und auch jener, die der Naraya Community nie vorgestellt wurden.

Vor etwa neun Jahren machte ich Carolyn ein Angebot, überreichte ihr Tabak, eine Decke und andere Geschenke und bat sie, mich in der Schwitzhüttenzeremonie zu unterrichten. Als sie annahm, verlangte sie als erste Aufgabe von mir, ein Jahr lang jeder Schwitzhütte beizuwohnen. Nach diesem Jahr, wenn ich noch immer das Bedürfnis haben würde, es zu erlernen, würde sie mich aufnehmen und meine Bitte erfüllen. Also nahm ich ein Jahr lang an jeder Schwitzhüttenzeremonie teil, die Carolyn aufgoss.
Die nächsten acht Jahre musste ich für Carolyn Holz hacken, Wasser tragen, auf das Grundstück aufpassen und Feuerstellen errichten. Sie zeigte mir, wie man eine Hütte baut, die Weiden ehrt und ebenso das Wasser, das Land und jede Person, die die Schwitzhütte betritt. Durch die Jahre habe ich mich oft gefragt, wann ich endlich lernen würde die Zeremonie zu leiten (Pouring Water) oder am Platz des Water Pourers zu sitzen und das heilige Ritual zu vollziehen. Damals habe ich nicht wirklich realisiert, dass ich durch die Arbeiten gelernt habe, den Menschen zu dienen und dass dieses Dienen, in einer heiligen Art und Weise nicht immer bedeuten muss gesehen und beachtet zu werden, sondern, dass man lernt mit heiligen Dingen sorgsam umzugehen – was eigentlich das ist, was man von seinen Elders gelehrt wird.


Persönliche Sichtweise
Was ich euch hiermit näher bringen will ist meine Perspektive der Schwitzhütte. Ich tue dies im Bewusstsein darüber, dass jede Hütte individuell und einmalig ist, abhängig von jenen die sie nutzen und denen, die aufgießen und auf die heiligen Dinge aufpassen. Ich habe dies von Carolyn Sanders gelernt, die es von Bear Boy gelernt hat. Das Fundament dessen, was wir tun, kommt von der Tradition der Utah, aus ihrer Geschichte und aus ihrem Hintergrund. Was Bear Boy uns gelehrt hat ist eine Reflektion dessen, was er von seinen Elders, seiner Familie und seinen Lehrern gelernt hat. Die Weise, in der ich mich um die Hütte bewege und sie ehre, reflektiert diese Tradition. Was ich gelernt habe, ist, dass jeder Water Pourer von seiner Tradition und Geschichte aus die Handhabung lernt. Du wirst solche finde, die vom Osten aus gießen und manche, die es vom Westen aus tun. Sie mögen vielleicht in einer Weise um das Medizinrad gehen, die dir sehr einmalig erscheint. Deshalb: Wann immer ich in einer Hütte bin, die mir unbekannt ist, versuche ich so gut wie möglich zu beobachten und zu lernen, um den Weg zu verstehen, den die ausübende Person dort benützt. Ich betrete nie die Hütte eines anderen in der Annahme, dass ich genau weiß, was alles in dieser speziellen Hütte passieren wird, da ich es so viele Jahre selbst getan habe.

Wenn jemand eine Schwitzhütte aufsucht, sollte dieser mit Ehrerbietung kommen, unter Achtung seiner Bedürfnisse und der Bedürfnisse der anderen. Hier bedarf es der Anwesenheit eines Fire Keepers, der einige Stunden bevor man die Hütte nützt kommt, das Feuer vorbereitet und anzündet, es überwacht und darauf achtet, dass alles gut eingeleitet wird. Der Water Pourer verbringt die Zeit vor der Zeremonie mit Meditation. Er bereitet Prayer Ties vor und bereitet sich vor, für die Menschen zu arbeiten. Durch diesen Aufwand und die Zeit, die diese Menschen in die Vorbereitung legen, ist es eine gute Sache, sie in den eigenen Gebeten zu erwähnen. Es ist ebenso gut mit heiligen Gaben zu erscheinen. Gaben können alles sein, was vom Herzen kommt. Traditionelle Gaben sind Tabak und roter Stoff, aber man kann auch etwas anderes geben. In der heutigen Zeit braucht es natürlich vieles an Ressourcen, Gaben können daher ebenso dazu dienen diese Ressourcen zu erhalten und jene zu ehren, die an der Zeremonie teilnehmen.
Wenn du um eine Zeremonie bittest, ist es wichtig diese Bitte mit einer sie repräsentierenden Gabe zu ehren. Diese wird dem Water Pourer und dem Fire Keeper überreicht, um den Aufwand, den sie durch die Zeremonie haben, zu ehren. Ich denke ebenso, dass es ein Aspekt der Absicht der bittenden Person ist; Die Gabe stellt die Gebete dar, die diese Person hegt und wird daher auch oft auf den Altar gelegt während man die Zeremonie begeht.

Die Schwitzhüttenzeremonie ist ein Akt der Reinigung. Die Hütte ist ein Ort, an dem man Kontakt mit den Spirits aufnehmen kann, ein Platz der Heilung, der Gebete und Lieder. Und sie ist ein Platz, an dem wir uns selbst und die anderen erkennen. Wir suchen eine Ebene der Ehrlichkeit, die uns zu einem höheren Stadium des Selbst geleitet. In der Hütte habe ich Leute gesehen, die von Krankheiten geheilt werden; Drogenabhängige, die ihre Sucht aufgeben; Alkoholiker, die die Flasche weglegen. Ich habe Agnostiker gesehen, die Vertrauen fassen und starke Männer, die in Tränen ausbrachen. Die Hütte ist ein sehr heißer Ort und oft denke ich, dass unsere dadurch offen gelegten, inneren Kämpfe nichts damit zu tun haben wo man sitzt, sondern wo man im Leben steht.

Ich denke von der Hütte als Ort der Reinigung, der Ehrerbietung der Spirits und Ahnen. Die Hütte hilft mir das heilige Rad und die Wichtigkeit der Balance in meinem Leben zu verstehen.


Ende Teil I


Jerry Buie


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