Heiden für den Frieden   Teil I

Ich hatte erwartet, dass der erste Artikel, den ich im WurzelWerk veröffentlichen würde, ein unbeschwerter, humoriger Blick und eine Klarlegung meiner Definition von Schamanismus an sich, werden würde. In dieser Zeit der Krise ist es allerdings schwer für mich, unbeschwert zu sein - besonders wenn mein Heimatland an der Schwelle zum Krieg steht.

Mein Frohsinn ist gewichen, und ich mache mir Gedanken darüber, was aus dieser Situation entstehen wird... Aber so traumatisch die Ereignisse in New York und Washington DC auch gewesen sein mögen, sehe ich sie als weniger gefährlich an, als das was sich aus den rauchenden Trümmern erheben könnte. So lange ich lebe, habe ich schon viele Veränderungen in der heidnischen Gemeinschaft gesehen. Einiges entwickelte sich zum Guten- aber nun habe ich einige Veränderungen bemerkt, die eindeutig zum Schlechteren zu sein scheinen.

An Stellen, wo ich früher “Bekämpft die Intoleranz”, “Heiden gegen Hass” und “Wir alle kommen von der Göttin” auf Bannern gelesen hatte, finde ich jetzt Dinge wie “Heidnischer Patriot: Wir werden unsere Rache bekommen” und “Heiden, bereitet Euch auf den Krieg vor”.
Ganz offen gesagt, das beunruhigt mich sehr - vor allem, weil das nicht nur in den Vereinigten Staaten passiert, sondern in verschiedener Ausformung auf der ganzen Welt. Wo einst auf Message-Boards Rezepte für Räucherungen oder Öle diskutiert, Sprüche getauscht und Anrufungen geteilt wurden, drehen sich nun die Gespräche um Sorgen, Schmerz, Wut und Rache. Basierend auf der Tatsache, dass ich es gewagt hatte, die Mehrheit durch mein “pathetisches, pazifistisches Geschwafel“ in Frage zu stellen, wurde ich von fünf Message-Boards gestrichen. Anti-Amerikanisch ist nur eine der Bezeichnungen, die ich mir verdiente, durch die Darlegung meiner Meinung, dass DIESES Verhalten in meinen Augen viel gefährlicher wäre, als die Akte des Terrors selbst.
Auch bekam ich mehrere Mails, die mich aufforderten, meine magischen Energien für weltweite Rituale zur Verfügung zu stellen - „Schlagen wir in Vergeltung zurück und zwar jene, die uns zu erst geschlagen haben!“

Meine Freunde, für mich ist das nicht die Lösung!

Ich war immer gelehrt worden, dass es unser Ziel wäre, eine Welt zu erschaffen, die besser wäre, als diejenige die wir vorgefunden hatten. Die Welt für uns selber besser zu machen und sie denjenigen nach uns als einen besseren Platz zu überlassen. Mir war beigebracht worden, dass unsere wahren Feinde das Vorurteil, die Intoleranz, die Angst und das Hass wären. Auch wurde ich gelehrt, dass jedwede Energie, die ich ausschicken würde, dreifach zu mir zurückkehren würde.
Was ist passiert?
Haben sich all diese Ideale mit einem Mal in Rauch aufgelöst, oder sind sie gemeinsam mit dem World Trade Center in sich zusammen gestürzt? War das alles nur Gerede, sinnentleerte Worte, die bei veränderter Gefühlslage einfach weggeworfen werden?
Diese Ideale und Prinzipien wurden in meinen Augen doch nicht einfach während des Frühstücks aus dem Ärmel geschüttelt - sie waren für mich grundlegende Folgeerscheinungen eines befreienden und erfüllenden spirituellen Weges.

Ja, Menschen verletzen sich gegenseitig, ich weiß das. Aber das heißt doch nicht, dass wir die einzigen Dinge wegwerfen sollten, die uns von unseren Gegnern unterscheiden...

Was lehrt das unsere Kinder? Natürlich, indem wir zurückschlagen, bringen wir unseren Kindern bei, stark zu sein, für sich selber einzustehen - allerdings... Ich denke nicht, dass diese Botschaft so verstanden werden wird. Was Kinder sehen werden ist, wenn jemand dich schlägt, dann sollst du zurückschlagen. Kinder werden Hass sehen, und lernen, dass es in Ordnung ist, jemanden zu hassen, der anders ist. Sie werden genau die Dinge von uns lernen, die wir jahrelang versuchten zu bekämpfen - Vorurteile, Intoleranz und Hass.


Shadow Viper



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