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Ich kann nicht für jeden sprechen, der mit dem Konzept von Dualität arbeitet, aber für mich und für die meisten Menschen, die ich kenne und mit denen ich rituell arbeite, entspricht jenes (männlich/weiblich, aktiv/passiv) ganz und gar nicht der sich tatsächlich dahinter verbergenden Idee. Es gibt eine Fülle von Unterschieden zwischen Mann und Frau, hinsichtlich physischem Geschlecht oder Geschlechtsidentität und hinsichtlich Männlichkeit oder Weiblichkeit im Sinne metaphysischer Strömungen oder Energien. Jeder einzelne Mensch, jedes göttliche Wesen oder jeder Geist wird unweigerlich auf vielen verschiedenen Ebenen aus einem sich verändernden Zusammenspiel von zwei Strömungen bestehen. Nichts ist einfach nur das eine oder andere, es ist ein Kontinuum, nicht ein an/aus Schalter.
In der Tradition von Wicca, in welcher ich arbeite, erkennen wir diese Tatsache an, in dem wir zwei Paare von Kerzen auf unserem Altar benutzen: die Säulen-Kerzen an den äußeren Kanten des Altars, welche die Energiepole von Männlichkeit und Weiblichkeit repräsentieren, und die Gott- und Göttin-Kerzen, welche die einzelnen persönlichen göttlichen Wesen repräsentieren, die sich in unserem Leben manifestiert haben.
Es ist leider eine Tatsache, dass die Fülle von flapsigen, oberflächlichen Büchern über Wicca, ganz abgesehen von den flapsigen, oberflächlichen Büchern, die vorgeben, andere Formen des Heidentums zu sein, aber auf Wicca basieren, zu einer explosionsartigen Ausbreitung von Autodidakten und selbstinitiierten Leuten geführt haben, die sich selbst als Wiccas identifizieren, oder welche Ideen unterstützen, die sie für andere als Wiccas kenntlich machen würden, welche aber eigentlich keine traditionelle Ausbildung haben, und denen ein tieferes Verständnis für die wesentlichen Konzepte der Wicca-Theologie und -Kosmologie fehlt. Deswegen gibt es Missverständnisse und Fehlinterpretationen des Wicca-Glaubens im Überfluss.
Dies soll keine Verunglimpfung von Freifliegenden oder Selbstinitiierten sein; viele von ihnen haben eine aufrichtige Berufung, jedoch fehlt ihnen der Zugriff auf ausreichend Information, um viele der Ideen, welche in den Büchern, die sie gelesen haben, dargelegt werden, wirklich zu verstehen. Bis zu einem gewissen Punkt kann dieses Verständnis durch individuelle rituelle Arbeit und Meditation gefördert werden, aber das ist sehr viel schwieriger, dauert länger und es gibt keine Garantie, dass das so erlangte Verständnis überhaupt das gleiche ist wie jenes der Traditionen, die diese Konzepte entwickelt haben.
Teil des Problems ist, dass Begriffe wie männlich und weiblich – und viele andere Begriffe, symbolische und rituelle Praktiken, die von Wiccas genutzt werden – sehr leicht fehlinterpretiert werden können. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Dinge nie für ein Massenpublikum gedacht waren. Wicca ist eine initiatorische Mysterienreligion, und traditionell würde ein Schüler die Techniken und den Sprachschatz eines Rituals auf eine langsame kontrolliertere Art lernen, bei der neue Dinge in Abschnitte aufgeteilt würden, die auf vorangegangener Arbeit und Erfahrung aufbauen, und diese so in einen besseren Kontext setzen. Weiterhin gibt es in einem persönlichen Lehrer-Schüler-Verhältnis die Möglichkeit Fragen zu stellen, wenn du dir unsicher darüber bist, was der Lehrer meint. Das ist etwas, was üblicherweise nicht möglich ist, wenn du aus Büchern lernst.
Ich sage nicht, dass die Popularisierung von Wicca grundsätzlich eine schlechte Sache wäre -- meine Tradition hat in unserer Gegend durch das regelmäßige Veranstalten offener Jahreskreisfeste letzten Endes selbst dazu beigetragen – aber sie führt auch zu neuen Schwierigkeiten und Herausforderungen. Diejenigen von uns, die auf die eine oder andere Art und Weise mit unserer Craft an die Öffentlichkeit treten, haben die Verpflichtung, denke ich, dabei zu helfen, mit diesen Schwierigkeiten umzugehen, in dem sie Missverständnisse dort wo sie auftreten aufzeigen und die Menschen wissen lassen, dass das, was in Büchern erscheint, sogar in den besseren, nur ungefähr zehn Prozent der äussersten Schicht von Wicca ausmacht.
Teil des Problems ist es, dass Leute, die weiterhin und immer wieder Wicca 101-Bücher schreiben, nur sehr selten darüber hinausgehen, zum einen, weil vieles des fortgeschritteneren Materials eidgebunden ist, zum anderen aufgrund von Faulheit oder dem Bedürfnis nach höheren Verkaufszahlen (Bücher, die sich an ein großes Publikum wenden, verkaufen sich besser als solche, die sich an einen begrenzten Markt richten) und teilweise, weil viele von ihnen schlicht nicht mehr wissen als das. Sie haben das, was sie wissen aus einem der anderen 101 Bücher gelernt. Aber ich denke, oder wenigstens hoffe ich, das der Markt dafür ausreichend gesättigt sein wird, und diese Leute in Zukunft höherwertige Bücher werden schreiben müssen. Das, schätze ich, wird der Moment sein, in dem wir herausfinden werden, welcher Autor etwas mehr als die Grundlagen kennt und welcher nicht.
Zur Erklärung: 101 (One o one) Bücher werden diejenigen Grundlagenwerke genannt, die mehr oder minder ausschließlich die rudimentäre Basis dessen enthalten, was der jeweilige Autor unter Wicca versteht.
Many thanks to Lynna who generousely donated her article to WurzelWerk
und vielen herzlichen Dank an Alfröðul für´s Übersetzen!
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