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Der Begriff selbst tauchte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts
auf, damals schon als Reaktion auf Darwins Theorien. In neuerer
Zeit wurde er allerdings von den Kreationisten vereinnahmt,
die der Idee sehr fundamentalistische Züge aufgezwungen
haben. Nicht nur, dass evangelikale Kreise in den USA dies als Argument dafür
sehen, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde und - die Bibel wörtlich
genommen - auch nicht älter als einige tausend Jahre ist, sondern diese Überlieferung
soll in Zukunft ebenso als mögliche wissenschaftliche Tatsache gelehrt werden
wie die Naturwissenschaften, deren Erkenntnisse grundsätzlich in Frage gestellt
werden. Demnach müssten auch die Saurier zeitgleich mit dem Menschen existiert
haben und Vieles mehr, was sich daraus an Ungereimtheiten ergibt.
Inzwischen soll jeder zweite Amerikaner der extremen Auffassung sein, dass die
Bibel wörtlich zu nehmen ist und auch in Europa ist dieser religiöse
Exportartikel bereits angekommen. Selbst der katholische Kardinal Schönborn
hat vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt, als er sich dazu geäußert
hat.
Es geht mir aber nicht darum, innerchristliche fundamentalistische Strömungen
zu erörtern. Ich verfolge die vielen Diskussionen seit Jahren sehr interessiert,
denn mir fällt eines immer wieder und äußerst deutlich auf, nämlich,
dass es sich hier wieder einmal um einen typischen Fall von Schwarz-Weiß-Malerei
handelt. Daher passt diese Thematik meines Erachtens auch sehr gut in die Rubrik Polaritäten.
Der festgefahrene Zank zwischen den Wissenschaftlern, die mit Recht argumentieren,
dass man religiöse Glaubensinhalte nicht als Wissenschaft bezeichnen kann
und den Kreationisten, die den archaisch anmutenden Standpunkt vertreten, die
Bibel sei Gottes Wort und somit per se wortwörtlich zu nehmen und in jeder
Hinsicht wahr. Mit dem wohl allseits bekannten „Exklusivrecht auf die Wahrheit“ der
meisten Religionen will ich mich hier aber ebenso wenig befassen, viel mehr will
ich darlegen, dass auch hier die Wahrheit sehr wohl, und wie so oft, genau
in der Mitte liegen kann.
Der goldene Mittelweg der Wahrheit
Die Wissenschaft kann uns bislang nicht erklären, warum die Welt mittels
circa zwanzig sogenannten Naturkonstanten einer äußerst peniblen Feinabstimmung
zu unterliegen scheint, denn würde sich auch nur einer dieser Werte geringfügig ändern,
gäbe es noch nicht einmal Materie in
diesem Universum. Nun, auch diese Tatsache verleitet wohl zu der Annahme, dass
hier dran gedreht wurde, dass es hier quasi zumindest irgendwo Jemanden geben
muss, der diese Feinabstimmung vorgenommen hat. Interessanterweise legen neuere
Erkenntnisse aber sogar nahe, dass sich zumindest manche dieser „konstanten“ Werte
mit der Zeit verändern.
Für mich persönlich ist ja die für mich fast schon ans Zwanghafte
grenzende
Unterscheidungsucht, ob es jetzt einen „Schöpfer“ außerhalb
dieser Welt gibt, der sozusagen an den Reglern sitzt und alles so einstellt,
dass es passt und alles funktioniert, oder ob ich das
Universum selbst als intelligentes Wesen betrachte, das sich selbst steuert und
aus sich heraus selbst göttlich ist, mehr als überflüssig. Jede
diesbezügliche Frage
wie z.B. „Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?“ bzw. „Hat
das Orchester nun einen Dirigenten oder nicht?“ bringt mich persönlich
nicht weiter, weil es für mich nur noch in der Frage mündet: Was macht
es für einen Unterschied??
Die Überlegungen eines Burkhard Heim, der von Ursachen-Dimensionen im Universum
ausgeht oder aktuell Erwin Lazlo, der ein A-Feld postuliert („A“ wie
Akascha-Chronik), in dem jede Information des Universums wie in einer Super-Datenbank
gespeichert ist, sind auch nichts anderes, als das Unfassbare mit einem Denk-Schema
fassen zu wollen. Wir Menschen und unsere Wissenschaft tappen hier kognitiv
noch völlig
im Dunkeln und haben die Anzeichen auf die Existenz solcher uns verborgener Welten
deshalb auch Dunkle Materie bzw. Dunkle
Energie genannt, denn es sieht ganz so
aus, dass wir nur einen Bruchteil dessen, was DA ist, auch wahrnehmen können,
die sogenannte sichtbare Welt. Dem steht
die umfassende Qualität spiritueller Erkenntnis entgegen, wenn sie nur bloß
auch immer so umfassend wäre, denn auf dem Weg zur Religion scheint auch
die tiefste Wahrheit zum Dogma und zur Teilwahrheit zu verkommen.
Vielleicht ist hier langsam verständlich, dass ich bei diesem Hickhack,
den man ja auch als den ewigen Zwist zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte
betrachten kann, nur noch herzhaft lachen kann. Die Wissenschaft hat bewiesen,
dass es offensichtlich weit mehr gibt „als wir erträumen können,
sperrt sich trotzdem nach wie vor im Elfenbeinturm ihrer eigenen Begrenztheit
ein und hat nichts Besseres zu tun, als das Schildchen „Wahrheit“ vor
die Tür zu hängen. Mein Eindruck ist, es ist nur ein allzu menschliches
Bedürfnis, zu ignorieren, dass verstandesmäßig erfassbare Wahrheit
ein äußerst
wandelbares Gut ist, die Wahrheit von gestern ist der Schwachsinn von heute.
Dem gegenüber haben die Menschen erkannt, wenn sowieso alles relativ
ist, dann kann ich ja auch ruhig davon ausgehen, dass Donar die Blitze vom Himmel
schleudert. Und hier sind wir bei der religiösen, der spirituellen Seite
der Sache gelandet. Denn wenn kognitive Wahrheiten eben zeitgeistiger Natur sind,
dann finden sich im Reich der Religion und der spirituellen Erkenntnis vielleicht
ja zeitlos gültigere
Wahrheiten.
„Permanent Creation“ statt „Intelligent
Design“
Vielen ist bekannt, was ein Fraktal ist – eine Grafik, die sich mittels
der einen oder anderen relativ einfachen mathematischen Formel bis ins Unendliche
verästelt und verfeinert. Auch die Welt kann man als riesiges Fraktal betrachten,
alles ist in ständiger Veränderung begriffen, verfeinert sich, entwickelt
sich weiter - denn darüber hinaus entsteht letztendlich durch den sogenannten
„Zufall“ auch ständig
etwas Neues, etwas, das vorher noch nicht da gewesen ist. Wäre
ICH der Schöpfer dieser Welt (was ich im kleinen Maßstab ja auch bin)
würde ich mich unendlich langweilen, wenn ich alles vorherbestimmt hätte
und nur noch zufrieden (wenn das Werk gelingt) oder erbost (wenn was schief geht)
zu sein bräuchte.
Für mich wäre es viel eher die ultimative
Erfahrung, zu schauen, was sich daraus entwickelt. „Gott würfelt also
doch“ wäre hierzu
die scheinbar passende Sichtweise, wenn auch nicht vollends zutreffend. Man
nennt es letztendlich
„Kreativität“.
Nicht so ganz nebenbei: Warum sollte es in dieser sich ständig
wandelnden Welt nicht auch zwischen dem „All“ und uns
eine Instanz geben, die ein Auge auf einzelne Teilbereiche der
Welt hat, damit sich die zahllosen einzelnen Melodien harmonisch
ineinander fügen, ich denke, man nennt sie nach wie vor „Götter“,
ohne ihr Sein wirklich ergründen zu können.
Abseits der modernen spirituellen Sichtweise,
dass im Grunde alles im Universum belebt ist, ist eines für mich auf keinen
Fall zu übersehen, nämlich dass es eben überall die Tendenz zur
Weiterentwicklung gibt, zur Evolution. Abseits jeglicher Idee eines intelligenten
Designs nehme ich einfach eine allgegenwärtige systemimmanente Intelligenz
wahr, eine Tendenz zum ständigen Gleichgewicht aller Zutaten, die eine simple
Blaupause, der das Universum nur noch zu folgen hätte, wohl an Faszination
weit
übertrifft.
Dumm nur, dass einem hiermit
jegliche Sicherheit genommen wurde, denn wenn nichts mehr determiniert
ist, dann ist einem im Grunde auch
der Glaube „an irgendwas Bestimmtes“ genommen,
denn dann muss ich auch mich selbst uneingeschränkt als den Schöpfer
meiner Welt – insofern im weitesten Sinne auch DER Welt (wie ich sie erlebe)
- wahrnehmen. Diese Erkenntnis ist allerdings für
die meisten sehr schwer zu
akzeptieren, bedeutet es ja auch, selbst die Verantwortung für alles, was
mir wiederfährt, zu übernehmen. So wird es als „magisches
Weltbild“ zum
geistigen Eigentum einer kleinen Minderheit.
Auch das ändert sich
mit der Zeit, ebenso wie alles andere, und letztendlich immer
zum Besseren - zum intelligenteren Design.
Wikipedia-Links:
Intelligent Design,
Kreationismus,
Burkhard Heim,
Ervin László
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