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Doch zurück zur Gentechnologie
Gibt
es für einen naturreligiösen Menschen Kriterien,
die eine ethische Beurteilung oder eine Diskussion zu diesem Thema überhaupt
zulassen?
Ich denke, es gibt sie, denn es geht ja schließlich um die
Gründe, warum entsprechende Verfahren entwickelt werden sollen
und um die Auswirkungen, die diese Techniken auf uns als Menschen
haben. Allerdings müssen wir dabei auf Beispiele oder Modelle
zurückgreifen, die uns die Naturwissenschaft zur Verfügung
stellt.
1. Beispiel: Gentherapie
Aus naturreligiösen Gründen heraus ist diese Art einer
Behandlung von Krankheiten für mich vertretbar. Fakt: Ein
Mensch ist krank, also bekommt er von einem Heilkundigen eine Therapie
verpaßt, die die Krankheit entweder heilt oder aber die Symptome
dieser Krankheit lindern kann, wenn diese Krankheit nicht endgültig
heilbar ist. Die Methoden die für diese Heilung / Linderung
genutzt werden, sind prinzipiell und ethisch-moralisch gleichwertig;
egal ob es sich dabei um ein schamanistisches Heilungsritual oder
eine Gentherapie handelt, denn:
„Wer heilt, hat Recht!“
2. Beispiel: Gentechnische
Veränderungen von Pflanzen zur
Entwicklung einer Resistenz gegen bestimmte
Pflanzenbehandlungsmittel
Sachlich
geht es hierbei darum, dass eine Nahrungs- oder
Nutzpflanze gegen die Auswirkungen einer ganz bestimmte Chemikalie
geschützt ist, die bei der Pflanzung in Monokultur eingesetzt
wird, um Nahrungskonkurrenten (Unkräuter) dieser Pflanze zu
töten.
Dies ist aus naturreligiösen Gründen heraus für
mich nicht vertretbar. Es werden durch diese Manipulationen definierte
Abhängigkeiten zu Chemiekonzernen einerseits und ökologisch
unvertretbare Anbaumethoden andererseits unterstützt, die
letztlich dazu führen, dass das Ökosystem mit einer
speziellen Chemikalie nachhaltig vergiftet werden könnte und
die Abhängigkeit der Bauern vom jeweiligen Chemiekonzern etabliert
wird.
3. Beispiel: Gentechnische
Veränderungen von Pflanzen zur
Entwicklung einer Resistenz gegen bestimmte Pflanzenkrankheiten
Sachlich
geht es hierbei darum, dass eine Nahrungs- oder
Nutzpflanze gegen die Auswirkungen einer ganz bestimmte Krankheit
geschützt ist, die bei der Kultivierung dieser Pflanze auftritt
und eine Mißernte hervorruft.
Dies ist aus naturreligiösen Gründen heraus für
mich vertretbar. Denn es werden durch diese Manipulationen keine
Abhängigkeiten zu Industriekonzernen einerseits und ökologisch
unvertretbare Anbaumethoden andererseits unterstützt - vorausgesetzt,
das Erntegut trägt diese Eigenschaften weiter und ist vom
Bauern direkt zur Saat wiederzuverwenden; und es sich bei den Pflanzenkrankheiten
um solche handelt, die nicht nur in Monokulturen vorkommen.
4. Beispiel : Erzeugung von
Organismen, die extern Produkte herstellen, die Krankheiten heilen
oder aber die Genesung unterstützen
bzw. bestimmte Stoffe substituieren, die ein kranker Mensch nicht
mehr herstellen kann
Dies ist aus naturreligiösen Gründen heraus für
mich vertretbar. Denn es werden durch diese Manipulationen keine
anderen Abhängigkeiten zu Pharmakonzernen hergestellt, die
aus unserem etablierten gesellschaftlichen Kontext heraus nicht
sowieso schon bestehen.
Schlußbemerkungen oder
ethisches Glatteis
Letztlich geht es
bei dieser ganzen Diskussion doch um den Menschen, Machtstrukturen
und den gesellschaftlichen Kontext, in welchem
er sich bewegt. Und um die Provokation und schließlich die
Diskussion ethisch-moralischer Grundsätze die dem Kant´schen
kategorischen Inperativ gerecht werden sollten. Und deswegen möchte
ich an dieser Stelle eine Lunte entzünden,
der eine Explosion an fruchtbarer Diskussionen folgen möge:
Provokation: Je weiter sich unsere Medizin und die Gentechnologie
entwickelt, um so mehr kranke Menschen wird es geben!
Tatsache: Eine bestimmte Art der jugendlichen Diabetes ist vererbbar.
Damit die Menschen, die an dieser Krankheit leiden, nicht sterben,
wird Insulin - welches sie nicht produzieren können - durch
künstliches oder gentechnologisch hergestelltes Insulin substituiert;
die Methoden der Applikation (z.B. durch die Entwicklung von Insulinpumpen)
optimiert oder eine entsprechende Gentherapie entwickelt.
Das heißt als Konsequenz, dass das Überleben der
meisten dieser an Diabetes erkrankten Menschen über das Alter
der Vermehrungsfähigkeit garantiert wird - was bedeutet, dass diese
Menschen ihren berechtigten Wunsch nach eigenen Kindern erfüllen
können.
Diskussion: In wie weit ist die Gesamtpopulation einer Gemeinschaft
berechtigt, über diesen Kinderwunsch ein Urteil abzugeben
oder einen solchen Kinderwunsch per gesellschaftlichen Tabus zu
reglementieren, da die Erfüllung dieses Wunsches einzelner
Individuen ja definitiv die Zahl der an vererbbarer Diabetes erkrankten
Menschen der Gesamtpopulation erhöht?
Analyse: Ein an vererbbarer Diabetes erkrankter Mensch kann nur
dann überleben, wenn die Gesellschaft dies zuläßt,
indem sie die ökonomisch und okölogisch vetretbarsten
Methoden unterstützt, damit Insulin hergestellt werden kann.
Synthese: Ein Recht auf individuelle Entscheidungsfreiheit aller
Menschen kann nur dadurch gewährleistet werden, dass die
Möglichkeiten geschaffen werden, die ein Überleben erkrankter
Menschen gewährleistet - in aller Würde und mit allen
wahrnehmbaren Rechten und wahrzunehmenden Pflichten, die unsere
Gesellschaft ausmacht.
Wer könnte eine etisch-moralische Rechtfertigung dafür
liefern, ein solches Recht auf Individualität, einzelnen Menschen
oder Menschengruppen abzusprechen? Und wer sich als Individuum
für ein solches Recht ausspricht;
egal ob aus religiösen oder rational-mechanistischen Gründen,
sollte auch über die Konsequenzen nachdenken, die dies mit
sich bringt!
Und nicht hergehen und nicht nur über die Gefahren jammern
und zetern, die dadurch entstehen. Sondern versuchen, sich eine
ethische, moralische und gesellschaftliche Grundhaltung anzueignen,
die im Prinzip schon seit Urzeiten begründet ist:
Die eigene persönliche Freiheit wird immer beeinflußt
durch die Freiheit meiner Mitmenschen bzw. steht in einer Rückkopplung
dazu. Wenn ich mich dafür entscheide, dass mein Kind
mit der potentiellen Möglichkeit einer Krankheit geboren werden
kann, dann entscheide ich mich auch für die technischen, ethischen
und moralischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, wenn diese
Krankheit ausbricht und dass diese Krankheit therapiert werden
muss.
Nur wenn Eigenverantwortung und gesellschaftliches Gefüge
in einer harmonischen, menschlichen Rückkopplung miteinander
stehen, kann der Mensch als Art überleben!
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