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Diskussion in naturreligiösem
Kontext
Wichtig ist von Anfang
an für eine solche ethisch-moralische
Diskussion die Tatsache, dass die Methoden einer Veränderung
des Genoms nur bei Bakterien und Viren wirklich effektiv funktionieren.
Bei pflanzlicher Erbinformation potenzieren sich die Schwierigkeiten,
die Erbinformation des Gesamtorganismus tatsächlich und nachhaltig
zu verändern. Bei Tieren sind solche Techniken für embryonale
Zellen nicht anzuwenden und werden es wahrscheinlich auch in Zukunft
nicht sein!
Warum?
Nun, die bakterielle Erbinformation liegt als eine Art linearer
Informationsstrang vor, d.h. die in der Bakterienzelle vorliegende
RNA enthält quasi eine Information nach der anderen, anhand
welcher z.B. Syntheseanweisungen für Enzyme von der Bakterienzelle
abgelesen werden. Dies ist - vor allem in tierischen Zellen - nicht
so. Hier liegen die Gene als eine Art Mosaikstruktur vor, relevante
Informationen und non-sense Informationen liegen zusammen und werden
erst bei der tatsächlichen Synthese, etwa von Enzymen, in
der tierischen Zelle von ihr so voneinander getrennt, dass erst
im zweiten Schritt die Information für die Zelle nutzbar ist.
Das „Human-Genom-Projekt“ erfaßt alle Genstrukturen
der menschlichen Zelle, also die relevanten Informationen ebenso
wie die non-sense Informationen gleichwertig. Ein nächster
Schritt könnte sein, die sense und non-sense Informationen
voneinander zu trennen, und zu schauen, auf welchem Abschnitt der
DNS diese beiden Informationen dann liegen, da sie von der Zelle
immer gleichzeitig im ersten Schritt der Syntheseanweisung (etwa
für ein Enzym) abgelesen werden. Diese beiden Abschnitte oder
Informationen können jedoch räumlich auf der DNS weit
auseinanderliegen, und es ist heute noch nicht möglich, hier
irgendwie technisch-manipulativ in effektiver Weise einzugreifen.
Nicht
zu verwechseln - was aber in der polemisch angehauchten Trivialliteratur
immer wieder getan wird! - ist diese Tatsache
mit der sogenannten Chromosomenanalyse. Hier werden z.B. beim Menschen
embryonale Zellen aus dem Fruchtwasser einer schwangeren Frau entnommen
und die Chromosomen - also die gesamte Erbstruktur - des entstehenden
Menschen analysiert.
Es ist bekannt, das ganz bestimmte Veränderungen der Chromosomen
oder mehrfaches Auftreten von Chromosomen, einen Hinweis darauf
geben kann, ob der heranwachsende Embryo die Anlagen für bestimmte
und bekannte Krankheiten in seiner Genstruktur beherbergt.
Es ist
nicht möglich, dieses Auftreten einer Veränderung
der Chromosomenstruktur oder deren Zahl in irgend einer Art zu
beeinflussen oder zu „therapieren“. Diese Wortschöpfung
ist unglücklich und falsch gewählt, denn eine solche „Therapie“ beschränkte
sich lediglich darauf, die im Vorfeld mögliche Aussonderung
derjenigen befruchteten Eizelle vorzunehmen, die aus einer extrakorporalen
Insemination entsteht und die eine solche Genstruktur aufweist.
Bzw. könnte die Frau - aufgrund der Erkenntnis über diese
veränderten Chromosomenstrukturen - einen Schwangerschaftabbruch
verlangen.
Eine bereits aufgetretene Erkrankung ist mit einer Gentherapie
- wie zu Anfang beschrieben - durchaus therapierbar, stellt jedoch
keinen direkten und nachhaltigen Zugriff auf das Gesamtgenom des
Organismus dar - und kann nicht vererbt werden!
Uff...!
Wie Sie sehen, ist das Thema
insgesamt sehr komplex und kann in diesem Essay - zumindest was
die technischen Möglichkeiten
und Begriffe angeht - nur angerissen werden. Aber, und darum soll
es schließlich gehen, ist eine ethisch-moralische
Diskussion vonnöten, was die Möglichkeiten und Auswirkungen
der Gentechnik angeht; und gerade von solchen Menschen zu führen,
die sich einer Naturreligion zugehörig fühlen
Die Fakten und naturwissenschaftlichen Grundlagen sind jedoch
für eine offene und sinnvolle Diskussion notwendig und dürfen
nicht durch rein polemische Allgemeinplätze ersetzt werden.
Und schon gar nicht, wenn „neu-heidnische“ Ideologen
von „kranken“ und „gesunden“ Menschengenen
sprechen! Damit wären wir beim - zugegeben vordergründigen
und sehr menschlichen - ersten Punkt angelangt: Es gibt keine kranken
oder gesunden Gene!
Näher spezifiziert gibt es zwar Chromosomenveränderungen,
die bestimmte und z. T. bekannte Krankheiten auslösen, deren
Ursache in eben jenen veränderten Chromosomen liegen können.
Und; ja, ein Mensch mit Trisomie 21 kommt mit großer Wahrscheinlichkeit
mit einer sogenannten „geistigen Behinderung“ zur Welt.
Aber wer von uns entscheidet darüber, ob dieses Kind „normal“ ist,
sich entwickeln und geboren werden soll und - kann es eine allgemein
gültige Regel für diesen Fall geben?
Ich bin der festen Überzeugung, dass hier ein klares „Nein!“ gesagt
werden muß! Die Entscheidung darüber, ob ein Kind z.B.
mit Trisomie 21 zur Welt kommt, liegt einzig und allein bei seinen
Eltern bzw. in letzter Konsequenz bei der Mutter; ebenso wie die
Entscheidung bei ihr liegt, überhaupt eine Chromosomenanalyse
durchführen zu lassen.
Aus dieser - für die Zeugung und Geburt eines Kindes - sehr
persönlichen Entscheidungsfreiheit, ergeben sich allerdings
sehr viel globalere Konsequenzen; zunächst und ausschließlich,
was den Menschen angeht. Denn hier geht es darum, wer diese Norm
bestimmt oder besser, wer sagt was „normal“ ist und
was „abnormal“ ist?
Als naturreligiöser Mensch darf ich keine kanonisierenden
Aussagen über diese Begriffsdefinition machen, es sei denn,
ich schränke sie ein, als nur für mich persönlich
gültig! Denn was für mich in meinem persönlichen
sozialen Umfeld als Norm erscheint, kann für eine andere Gesellschaftsstruktur
völlig abnorm sein. Und wer entscheidet darüber, ob „meine“ Gesellschaftsform
die „richtige“ ist?
Ende Teil II
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