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Ist Gentechnologie nicht der Inbegriff eines rein mechanistischen
Bildes vom Menschen, deren Erforschung oder gar Anwendung; auch
in Bereichen der therapeutischen Medizin, prinzipiell ein Tabu
sein sollte?
Bevor ich mich der Frage zuwende, wie für mich eine Beurteilung
der Gentechnologie aussehen könnte, da ich mich zu einer Naturreligion
bekenne, möchte ich zunächst einmal das Schlagwort Gentechnologie
definieren und die entsprechenden Techniken näher erläutern.
Gentechnologie, das wären alle technischen Verfahren, die
zu einer - wie auch immer gearteten - Manipulation der Erbinformationen
angewandt werden können. Welche Techniken stehen heute Wissenschaftlern
zur Verfügung und was ist tatsächlich von dem machbar,
was in journalistisch-polemisch aufbereiteten Pamphleten zu lesen
steht?
Prinzipiell von der tatsächlichen Gentechnologie abzugrenzen
ist das Klonen (Reproduktion bereits vorhandener, natürlich
vorkommendem Erbmaterials in Zellen), die sog. Genanalyse von menschlichen
Embryonen (Untersuchung des Erbmaterials auf Anzeichen defekter
Genstrukturen oder Genen, die eine Krankheit auslösen können),
da dies Techniken sind, die keine direkte Manipulation der natürlichen
Gene bewirkt.
Am Beispiel der in den letzten zwei Jahren prosperierenden
Sparte der sogenannten Gentherapie, möchte ich darstellen,
wie man mit einem naturreligiösen Ansatz mit den ethischen
und moralischen Problemen einer solchen Technologie umgehen könnte.
Wissenschaftliche Definition und Anwendungen der Gentherapie
Bei einer
normalen medikamentösen Behandlung wird dem Körper
ein Medikament in direkter Form zugeführt und damit eine Krankheit
therapiert. Dies können die uns allen bekannten Kopfschmerztabletten
sein aber auch die Verabreichung - etwa einer Spritze - von Antibiotika
als Wirkstoff.
Bei der Gentherapie wird der Körper bzw. die menschliche
Zelle durch von Außen zugeführte Genstrukturen dazu
gebracht, diese Wirkstoffe selbst zu produzieren, vorzugsweise
an dem Ort, an dem die Krankheit ein Symptom auslöst. Darin
liegt auch der Vorteil dieser Therapie, neben den relativ geringen
weiteren Einwirkungen auf die Zellen oder den Gesamtorganismus.
Klinisch
eingesetzt wird diese Gentherapie nur bei bereits ausdifferenzierten
Körperzellen des Menschen und bedeutet nicht! die Veränderung
von Keimzellen bzw. des Genoms7 aller Körperzellen; sondern
nur die spezifische Korrektur einer ganz speziellen Zellpopulation,
die eine Erkrankung oder eine Fehlbildung aufzeigen.
Es gibt verschiedene
Arten des Gentransfers zum Wirkort, die verschieden effizient sind
und natürlich auch verschiedene Gefahren in
sich bergen. Ein weiterer Faktor der bei einer Gentherapie beachtet
werden muss, ist, dass man die ganze Sache ja nicht nur
deswegen macht, um eine kleine, akute Erkrankung, wie etwa eine
Erkältung
zu bekämpfen, sondern bei chronischen oder erblich bedingten
Erkrankungen eine permanente Wirkstoffausschüttung durch die
körpereigenen Zellen erreichen will. Man nennt die verschiedenen
Möglichkeiten des Einbringens
der Genome sogenannte Vektoren. Solche Vektoren können z.
B. verschiedene Virenarten sein, deren eigene RNA oder DNA durch
die
zu transportierende DNA ersetzt wurde, eine weitere Form ist die „nackte“ DNA
oder auch DNA die in Liposomen sozusagen eingepackt ist.
Die Gefahren und Risiken wiegen vom therapeutischen Ansatz her
eigentlich gleich schwer:
Denn ein Genom, welches mittels eines Virus in den Zellkern eingeschleust
wird, sich dort etabliert und permanent einen Wirkstoff ausschüttet,
dieser schließlich dadurch ein Krankheitssymptom lindert
oder für eine Beschleunigung der Heilung sorgt, wird durch
das Risiko erkauft, daß sich etwa genau dieses Virus rekombinieren
kann und nun als potentieller Krankheitserreger im menschlichen
Organismus herumgeistert. Demgegenüber stünde die weniger
gefährliche aber auch therapeutisch weitaus ineffektivere
Methode der „verhüllten“ oder der „nackten
DNA“.
In der therapeutischen Anwendung befinden sich ca. fünf definierte
Genstrukturen bei Patientenzahlen von etwa 500 - 1000 Menschen
in den USA und Europa. Das Hauptanwendungsgebiet sind dabei schwere
Infektionskrankheiten und maligne Erkrankungen, auch Mukoviscidose-Therapien
werden bereits erprobt. Als Ausblick in die Zukunft könnte
die Produktion von maßgeschneiderten
DNS-Strukturen als ganz persönliches Medikament sein, wobei
hier ein Hauptaugenmerk gerade auf die auf den Chromosomen verankerten
und somit vererbbaren Erkrankungspotentiale gelegt wird. Allerdings
nicht - um dies nochmals zu betonen - um das menschliche Genom
selbst zu verändern, weil die Technik für dieses
Verfahren (noch) nicht entwickelt sind und zweitens selbst mechanistisch
denkende Naturwissenschaftler hierin ein großes ethisch-moralisches
Problem sehen!
Ende Teil I
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