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Rot
Altrot…
Blutrot, Bordeaux, Blassrot…
Cyclam…
Dunkelrot…
Erdbeerrot, Englischrot…
Feuerrot, Flammenrot, Fleischrot…
Glutrot, Granatrot…
Hellrot, Hennarot, Himbeerrot…
Jaspisrot…
Kardinalrot, Kirschrot, Knallrot, Karottenrot…
Lachsrot, Leuchtrot…
Magenta, Mohnrot, Mahagonirot…
Neonrot…
Ochsenblutrot, Orientrot…
Paprikarot, Permanentrot, Pink,
Purpurrot…
Rosenrot, Rostrot, Rubinrot…
Scharlachrot, Schwarzrot, Sienagebrannt…
Terrakotta, Tomatenrot…
Venezianer Rot…
Weinrot…
Zinnober, Ziegelrot
Es ist die erste Farbe, der der Mensch einen Namen gab, die älteste
Farbezeichnung in den Sprachen der Welt. Im indoeuropäischen
Sprachraum geht „rot“ auf die Wurzel „rudh“ zurück,
und diese älteste und zugleich am weitesten verbreitete Bezeichnung
für eine Farbe verbirgt sich der indische Sturmgott Rudra,
dem „Roten“, ebenso wie in „ruadh“, dem
keltischen Krieger.
Rot lässt sich in einer männlichen und einer weiblichen
Symbolik betrachten. Von Chevalier stammt die Idee, dass die extrovertierten
Rot-Wirkungen und Rot-Symbole zur männlichen Seite gezählt
werden und die mehr introvertierten zur weiblichen.
Rot und die Weiblichkeit
Weibliche Rot-Symbolik
ist in erster Linie verbunden mit dem Erleben des Körpers,
der ja vom roten Blut, das ihn durchströmt,
seine Farbe hat. Damit wird Rot dann im übertragenen Sinn
die Farbe des Leiblichen, des Irdischen und des Mütterlichen.
Chevalier sagt, wer Beziehung zu Rot hat, wer Rot liebt und vielleicht
auch als Kleidung trägt, der hat auch in irgendeiner Weise
Beziehung zum Körperlichen, Erdhaften und Mütterlichen.
Wer hingegen gar keine Beziehung zu Rot gewinnen kann, wer Rot
ablehnt und es niemals tragen würde, der hat vermutlich eine
belastende Beziehung zur Mutter und zum Mütterlichen; vielleicht
hat er auch den emotionalen Hintergrund von Rot noch nicht voll
erfahren können.
Chevalier bringt Rot auch in Verbindung mit der Verdauung. Rot
enthält eine Speisesymbolik (Blut), eine Symbolik des Kochens
(Feuer) und der Regeneration. Das, was verborgen i Körper
kreist, vor allem das Blut, ist die Bedingung des Lebens. Und so
versteht man Rot auch als die Farbe des Eros, der Verbindung und
der Verbundenheit. Rot ist die Farbe des Lebens.
In ihrem Buch „Die Göttin und ihr Heros“ hat
Heide Göttner-Abendroth die Grundstruktur vieler weiblicher
Gottheiten als eine Triade beschrieben, in der sich zugleich das
Bild der Mondphasen widerspiegelt. Zunächst erscheint die
weiße, jungfräuliche Göttin in der Sichel des zunehmenden
Mondes als Jägerin, als Herrin der Tiere und auch als jungfräuliche
Mutter. Das Zeichen des roten Vollmondes entspricht der Liebesgöttin
und zugleich auch der Mutter der Erde. Im Schwarzmond schließlich,
erscheint die Gestalt einer Greisin die Unterweltgöttin; sie
tötet, zerstückelt ist aber zugleich auch die Widergebärende.
Diese Dreiphasigkeit, deren Höhepunkt die rote Erfüllungsphase
bildet, ist in verschiedenen alten Mythen noch erkennbar.
Im Kretischen Demeter-Mythos, bringt zum Beispiel Kore als weiße
Halbmondgöttin den Frühling, als Persephone vollzieht
sie im Zeichen des Rot mit dem König auf den reifen Feldern
die Heilige Hochzeit. Im Herbst tötet sie ihn, um ihn dann
zugleich zu beklagen und die Suche nach ihm in der Unterwelt zu
beginnen. Dort, im Schwarz des Neumondes, begegnet sie im wieder
als Hekate. Einer dieser Könige ist Dionysios, ein Gott, der
zugleich mit Rausch, Wein und Blut verbundene Gott. Nach der Hochzeit
wird er – vielfach wird ihm der Ziegenbock als Opertier zugeordnet – zerrissen
und getötet. Dieser Mythos und der dazu gehörige Ritus,
innerhalb dessen der König oft genug wirklich getötet
wurde, führen wieder in das Mysterium des lebenserneuernden
Opfertodes. Dieses Blutopfer diente der Stärkung der roten
Göttin der Liebe. Diese Symbolik von Rot ist auf weibliche
Göttinnen der ganzen Welt angewandt worden. Das ist ganz im
Sinne dieses Archetypus, wenn eine Frau in der Mitte des Lebens,
in der sich eine neue Erfüllung ankündigt, von einem
jungen, in Rot gekleideten König träumt, der ihr von
einer hohen Treppe herab entgegen kommt.
Rot und Gewalt
Im Erlebnis des vergossenen Blutes, beginnend schon
mit der Beschneidung des Knaben, bei den Pubertätsriten, in
der Erfahrung von Verletzungen im Kampf, bei der Jagd, beim Schlachten
und beim
Opfern, sieht
Chevalier die männliche Rot-Symbolik begründet.
Rot wird als zentrifugale, impulsive, aggressive und auch als sexuell
aktive Lebenskraft erfahren.
Hierher gehört Rot als Farbe der Kriege, die im alten Irland
die Ruadh, die Roten, hießen. Als Farbe des Eisenerzes, des
Mars, ist Rot auch die Farbe der Tapferkeit im Kampf.
Generäle und Kaiser im kriegerischen Rom trugen Rot. Rot ist
die häufigste Farbe in Fahnen. Als kriegerische Blutfahnen
tauchten sie immer wieder in der Geschichte auf. Zur Freiheitsfahne
erklärten sie die Jakobiner im Jahre 1792. 1907 wurde die
rote Fahne der Arbeiterbewegung zur Fahne des Sozialismus und des
Kommunismus. Rot ist auch eine Erinnerung an das Hitler-Regime.
Hitler wählte sehr bewusst Rot als Grundfarbe des Hakenkreuzbanners.
Er brauchte, um eine Massenpartei zu etablieren, die Sympathien
der Arbeiter: Hitler wählte Rot als psychologischen Bezug
zur Farbe der Arbeiterbewegung.
Rot wird in seinem männlichen Aspekt als die Farbe der Kraft,
der Aktivität und der Aggressivität verstanden.
Als Symbol für verblendete Leidenschaft und Gier steht Rot
im Zentrum des tibetischen Lebensrades in Gestalt des Roten Hahnes.
Rot ist in Tibet generell die Farbe der zornvollen Gottheiten,
die oft eine Schädelschale gefüllt mit Blut in der Hand
tragen.
Die Farbe des Blutes ist die Farbe des Krieges.
Rot und das Feuer
Ebenso alt wie der Glaube an die Kraft des Blutes
ist die Verehrung des Feuers als göttliche Kraft. Das Feuer vertreibt die Kälte, die Mächte der Dunkelheit.
Feuer reinigt, indem es vernichtet. Das Feuer ist Sinnbild für
das Göttliche und ist Gott selbst. In allen Religionen erscheinen
Götter als Feuerwolke. Moses sieht Gottvater als brennenden
Dornbusch. Der Heilige Geist erscheint als Flamme.
Wo die Sonne das Leben bedroht, gilt Rot als die Farbe des Dämonischen.
In kalten Ländern hingegen, wo man sich nach Wärme sehnt
hat Rot eine rein positive Bedeutung. Wotan, der germanische Gott
des Sturmes und der Dichtung gehört in die Rot-Skala. Wotan
hat eine komplexe Symbolik, für unseren Zusammenhang hier
ist vor allem das Stürmische und Feurig-Schöpferische
an ihm von Belang, ebenso wie das zerstörerische Element,
das in ebenfalls mit der Feuersymbolik verbindet. Feuer und Wettergötter
scheinen häufig mit rotem Haar. Rothaarig ist auch der Gewittergott
Donar. Der Blitz entsteht, wenn er in seinen roten Bart bläst.
Rote Tiere gelten als dem Donar heilig und als Sinnbilder des Feuers
und des Blitzes: so das Rotkehlchen, Gimpel, Stieglitz, Marienkäfer,
Fuchs und das Eichhörnchen.
Je nach Zusammenhang schützen sie vor Blitzschlag und Feuer
oder ziehen diese an.
Mit der Einführung des Christentums werden die beiden germanischen
Götter Donar und Wotan abgewertet. Sie verschmelzen, zusammen
mit anderen Einflüssen, zur Gestalt des Teufels, dem deshalb
auch die Farbe Rot zugeschrieben wird.
Rot und Brauchtum
Diese Übertragung der ursprünglichen
Gottesfarbe auf den Teufel spielt auch in den Hexenverfolgungen
eine große
Rolle. Rot oder auch nur rot-umränderte Augen, vor allem aber
rote Haare wecken den Verdacht, eine Hexe vor sich zu haben. Eine
rote Kopfbedeckung tragen auch Zwerge und Heinzelmännchen,
schließlich aber auch der Tod. Leichen werden manchmal mit
roter Farbe oder mit roten Tüchern und Bändern geschmückt:
Zum Einen um den Toten vor Dämonen zu schützen, zum Anderen
um ihn selbst zu bannen.
Als Heilfarbe spielt Rot und das ursprünglich als Heilstoff
angewandte Blut in der Volksmedizin eine große Rolle.
Rote Tücher sollten gegen „rote Krankheiten“,
Fieber und Ausschlag helfen. In Japan bedecken Schwangere Frauen
ihre Brust mit einer roten Schärpe. Rotfärbung, aber
auch das Tragen roter Bänder, Tücher oder Strümpfe
gehören vielerorts zu den Hochzeitsbräuchen. Einen ebenfalls
roten Brautschleier tragen griechische, albanische und armenische
Bräute.
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