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Die Frage nach dem Warum ist wohl der Ursprung und die
Ursache jeglichen menschlichen Forschens und somit seiner Erkenntnis.
Klar
stand
das Wie erst mal immer im Vordergrund praktischer Überlegungen: „Wie
könnte das (besser) funktionieren?“ war wohl der
Ursprung für alles, was uns heute an den so genannten menschlichen
Errungenschaften selbstverständlich ist, wie z.B. das Rad.
Aber auch die Frage nach dem Wie führt bereits in philosophische
Gefilde, spätestens die Frage „Wie entstand das Universum?“
Alle, die Kinder haben, wissen: die Gretchenfrage lautet allerdings
anders, nämlich warum. „Duu Pappi, warum ist der
Himmel blau?“ oder die zahllosen ähnlichen Fragen
werden vielen Eltern bekannt sein, wenn Kinder versuchen, die Welt
kennen
und
verstehen zu lernen.
Oft hat es den Anschein, als hätte Religion tatsächlich
erfunden werden müssen, um Fragen beantworten zu können,
auf die sonst keine Antwort möglich war. Wenn es donnerte,
dann musste das ja eine Ursache haben. Nachdem man ohne Hilfsmittel
nicht einfach so auf die Idee kommen kann, dass es so etwas wie
Elektromagnetismus gibt, musste für alle die Phänomene
in der Natur eine sozusagen unerforschliche Quelle herhalten. Spätestens
hier wird klar, es musste wohl Wesen geben, die unsichtbar und
zugleich ungleich mächtiger als Menschen waren – wir
wissen, man nannte sie Götter. Kleinere, weniger umfassende
Ungereimtheiten wie die plötzliche Erkrankung Einzelner konnten
auf weniger mächtige, unsichtbare Auslöser zurückgeführt
werden, die dann böse Geister oder so ähnlich genannt
wurden.
So weit das alles bis jetzt ja recht plausibel klingt, wir wissen,
dass mit dem Zeitalter der Aufklärung die Kunde die Runde
machte, dass es im Grunde für alles eine einleuchtende Erklärung
gibt. Während die Anfänge der Medizin noch darin bestanden,
den Menschen Löcher in den Kopf zu bohren, damit der böse
Geist, der die Kopfschmerzen verursacht haben musste, entweichen
konnte, begann man, diesseitige Ursachen zu erkennen und zu erforschen.
Schlussendlich
gipfelte diese Entwicklung in der Ansicht, dass alles erklärbar
wäre und im
Newtonschen Weltbild des Mechanistischen Universums, das wie eine
Maschine funktioniert und das halt beständig vor sich hin
tut, gipfelte. Die alten Götter hatten als Ursache des Weltgeschehens
immer weniger zu tun, Zeus brauchte keine Blitze mehr zu schleudern
und Thor kam als Verursacher des Donners auch aus der Mode.
Doch manche Fragen blieben naturgemäß beständig
offen und ungeklärt. Warum gibt es die Welt eigentlich und
da es sie ja schließlich gibt, wer hat sie überhaupt
erschaffen? Oder wiederum auf der persönlichen Ebene, jeder
kennt wohl die Frage, die sich im Fall einer persönlichen
Katastrophe anscheinend unvermeidlich als erste aufdrängt:
Warum ist ausgerechnet mir das passiert?
Die Suche nach dem Sinn
Spätestens hier wird offensichtlich, dass jeder Mensch eine
Art philosophisches Urbedürfnis zu haben scheint, das Bedürfnis
nach Sinngebung. Das Prinzip von Ursache und Wirkung ist relativ
schnell durchschaubar, in jeder Einzelheit des Lebens – nur
aus irgendeinem Grund scheint das dem Menschen zu wenig zu sein,
er scheint eine Art transzendente Zusatzbegründung zu brauchen. „Warum
musste das passieren?“ hat sich wohl jeder schon mal gefragt
und konnte trotzdem mit der Antwort anderer, „es musste wohl
nicht, es passierte einfach“ so gar nichts anfangen. Sonderbarerweise
scheinen auf den ersten Blick eigentlich vollkommen sinnlose Aussagen
wie Schicksal, Karma oder göttlicher Wille mehr Trost spenden
zu können als die einleuchtende Erklärung „weil
der andere bei Rot über die Ampel gefahren ist und du halt
gerade da warst“. Interessanterweise reicht uns auf
der alltäglichen Ebene das Ursache-Wirkung-Prinzip als Erklärung
oft plötzlich nicht mehr aus – und das, obwohl Erklärungen
wie Karma oder göttlicher Wille auch nichts anderes darstellen
als eine Ursache und die Katastrophe als deren Wirkung. Warum?
Hochinteressant zu beobachten war dies wieder mal kurz nach der
Tsunami-Katastrophe Ende 2004. Zahllose Gedanken von „Warum
hasst uns Gott / hassen uns die Götter so?“ bis hin
zu Gerüchten über ein göttliches Strafgericht waren
zu hören und zu lesen. Ich war allerdings sehr beruhigt, als
ich von geistlichen Vertretern mehrerer Religionen die besonnenen
Aussagen hörte, dass die Natur dieser Welt mal Veränderung
sei und dabei eben immer wieder menschliches Leid zu beklagen – aber
auch unvermeidbar sei.
Letztendlich scheint es, als wäre zumindest in diesem globalen
Zusammenhang das sich dem Menschen immer und ewig aufdrängende
Gut und Böse wieder mal als absurd entlarvt worden zu sein,
auch wenn uns diese Erkenntnis emotional so gar nichts nützt,
wenn wir uns wieder mal auf die brennende Frage „Warum?“ nur
die Antwort geben können: „Na weil!“
Der „tiefere“ Sinn
Ganz abgesehen von einem launenhaften göttlichen Willen, dem
sich die Menschen des Altertums unterworfen sahen und so auch keine
andere Möglichkeit sahen, als sich die Götter gewogen
zu machen, um das Schlimmste, möglichst von vorn herein, zu
vermeiden – gibt
es auch einen anderen möglichen Ansatz, dem emotionalen Dilemma
des Warum zu entkommen, nämlich die Erkenntnis, dass alles
was geschieht seinen tieferen Sinn hat.
Selbst Menschen, die nicht sehr religiös veranlagt sind, tendieren
doch auffallend oft, und das nicht nur im Katastrophenfall, zu
der Ansicht, dass alles was in der Welt so vor sich geht, wenn
schon nicht unbedingt einem göttlichen Plan, so doch zumindest
einem unsichtbaren Muster zu folgen scheint. Ob dies alles wirklich
einem so genannten höheren Ziel dient, können wir in
Wirklichkeit meist nicht mal ansatzweise ermessen, aber oft genug
scheint man es irgendwie zu „ahnen“.
Ich persönlich stehe dieser „Sucht nach Sinn“ jedoch
oft genug ratlos gegenüber, spätestens wenn sich
Menschen nach dem Sinn des Lebens fragen. Jede Religion
versucht zu allererst,
diese brennende Frage zu beantworten, scheint sie doch maßgeblich
die geistige Gesundheit des Menschen zu beeinflussen. Die Antworten
sind so mannigfaltig wie tendentiös. Immer scheint es auf
die Aufforderung hinaus zu laufen, ein besserer Mensch zu werden,
zumindest um sich so ein besseres Leben zu verdienen – oder
eben im Extremfall, um sich ein angenehmes Leben nach dem Tode,
ich sag jetzt mal provokant, damit „erkaufen“ zu können.
Wer allerdings nur deswegen versucht, ein guter Mensch zu sein
und meint, so dem Leben einen Sinn verleihen zu können – und
nicht einfach, weil es ihm ein Bedürfnis ist, kein Arschloch
zu sein, hat da meiner Meinung nach gründlich etwas missverstanden.
Dazu mehr im nächsten Teil.
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