|
Das Problem
In Diskussionen über spirituelle Werte und Vorgehensweisen
taucht immer wieder die Frage nach 'Gut' und 'Böse' auf, so
wie auch immer wieder von ungenügend kompetenter Seite her
versucht wird einzelne als magisch zu bezeichnende Phänomene,
Rituale oder Handlungen im Bereich der Grenzwissenschaften nach
zwei sich gegenüberstehenden Wertmaßstäben von 'gut'
und 'böse' zu bewerten.
Bestes Beispiel ist hier selbstverständlich die von vielen
Vertretern der alternativen Religionen verwendete Aufteilung von
Magie in eine 'schwarze' und eine 'weiße' Untergruppe. Wie
verhält es sich aber mit der Frage, ob eine solche Aufteilung
unter Berücksichtigung von alternativ religiösen Prinzipien
überhaupt gerechtfertigt ist?
Die Gegebenheiten
Die Natur kennt kein wertendes Konzept von schwarz
und weiß oder 'gut' und 'böse'. Die Natur kennt überhaupt
keine Dualität oder bipolare Ordnung. Die irdische Natur und
im größeren Rahmen das Universum kennt ausschließlich
die Notwendigkeit von gewissen Gesetzen und Mechanismen, welche
den Fortbestand sämtlicher Abläufe jenseits von menschlichen
Vorstellungen von Wert und Moral regelt und deren Ursache und Wirkung
garantiert.
Mögen diese Abläufe uns Menschen nun angenehm, irrelevant
oder bedrohlich-zerstörerisch erscheinen, die Natur ist, und
wir sind ein Teil von ihr; Baustein und Abfallprodukt, gleichberechtigt
und unterworfen zugleich. Egal, ob wir unsere eigenen Beweggründe
und Taten innerhalb dieser universellen Ordnung als schwarz, weiß,
grau oder ganz nach frivolem Belieben auch als kunterbunt bezeichnen
- die Relevanz all unserer Wertmaßstäbe für die
universelle Ordnung, in der wir leben, sind und bleiben nur auf
uns Menschen beschränkt und haben darum außerhalb unseres
eigenen Mensch-Seins weder Gültigkeit noch Daseins-Berechtigung.
Als solches sind sie immer subjektive, relative und sehr menschlich,
unvollkommene Versuche die 'Wahrheit' zu erfassen; Definitionen,
mit denen wir versuchen unsere anerzogenen oder aus eigener Erfahrung
gewonnenen Ideale von Ethik und Rechtschaffenheit anzuwenden und
unseren Mitmenschen weiterzuvermitteln. Erste Einsichten und Fragen
Tatsache ist: Wir haben nichts Gutes, wir be-inhalten nichts Gutes
und wir sind nicht gut. Wir haben einzig die Wahl Gutes entsprechend
unserer individuellen Auslegung davon zu tun oder nicht - und damit
beginnt die Kontroverse bereits wieder.
'Gute' Handlungen nach Ansicht der einen Person werden von anderen
Menschen immer auch als "unverkennbar böse" bezeichnet.
'Böse' ist natürlich nur das Gegenteil von 'gut' und auch
genauso ein abstrakter Wert; das absolute Böse ist nichts anderes
als ein von Menschen erfundener Name für die absolute Abwesenheit
von Liebe - dieser anderen von Menschen erfundenen Bezeichnung -
ohne aber eine eigenständige, aktiv existierende Macht zu sein.
Mit dem 'Bösen' verhält es sich objektiv wie mit der Dunkelheit,
der Kälte und der Stille. Diese sind allenthalben genauso wenig
existent im Universum. Wenn all diese existieren würden, warum
müssen wir dann unseren Kühlschränken mühsam
die Wärme entziehen anstatt die Milch mit Kälte zu 'bestrahlen'?
Warum können wir nicht mit einem Klick am Schalter einen taghellen
Raum verdunkeln, wie wir es umgekehrt und selbstverständlich
gewöhnt sind? Warum müssen wir - um absolute Stille zu
erfahren - sämtliche Geräusche vermeiden; warum können
wir diese nicht einfach durch Ruhe 'übertönen'? Ganz einfach...
und Stille - besitzt keine Macht!
Folgefragen und sekundäre
Einsichten
Weshalb sollte das 'Böse' die Ausnahme in der
Natur darstellen und tatsächlich eine dem 'Guten' gegenüber
stehende kontraproduktive Macht besitzen, welche uns beeinflussen
kann oder welche man umgekehrt (Stichwort: Satanismus) 'beschwören',
kontrollieren und benutzen könnte?
Tatsache ist: Die 'Mächte des Bösen' und die sogenannte
Hölle sind eine einzige Lüge - Sünde und Verdammnis
sind nichts als Lügen - der Teufel, Luzifer, böse Geister
und Unterwelt-Dämonen oder wie man sie im esoterischen Wortschatz
sonst noch nennen mag, sind ein armseliger Teil des Lügen-Mythos,
welcher nach dem Willen der religiösen Ober-Lügner seit
hunderten oder gar tausenden von Jahren der Einschüchterung
und spirituellen Versklavung dienen sollte und dies erstaunlicherweise
immer noch tut.
Das Erstaunlichste an der ganzen Sache ist, dass diese Taktik sogar
bei den "Ach-so-verschieden-denkenden-Neuheiden" immer
noch Erfolg zeigt. Dies soll natürlich keinesfalls bedeuten,
dass es keine Mächte gibt, die uns Menschen je nach Situation
unangenehm, gefährlich oder sogar lebensgefährlich werden
könnten. Dies soll lediglich bedeuten, dass diese Mächte
einfach existieren und nur in einem rein subjektiven Sinn 'böse'
sind; so 'böse' wie die reine Luft für den Fisch oder
das helle Sonnenlicht für die Wurzeln einer Pflanze.
Ein Fazit-Versuch
Das Dilemma besteht heutzutage vor allem darin, dass
viele Leute zwar echt an einer alternativen Denk- und Lebensweise
interessiert wären, aber nur in den seltensten Fällen
imstande sind, sich bis ins tiefste Unterbewusstsein von den verheerenden,
grundlegenden philosophischen Irrtümern zu lösen, die
ihnen von Vertretern der vorherrschenden Religionen ein Leben lang
eingehämmert wurden.
Der Glaube an 'Götter' und 'Dämonen' sitzt tief in der
Psyche und ist mit einem schlichten Übertritt zu einer alternativen
Religion einfach nicht aus dem Denken weg zu 'programmieren'. Wer
in einem judeo-christlichen, islamischen oder bedingt auch buddhistischen
Umfeld aufgewachsen ist und denken gelernt hat, wird wohl schwer
mit dem echten Verständnis einer Art von Spiritualität
zu kämpfen haben, welche ohne diese Polarisierung der Mächte
des Universums auskommen muss.
Genauso wenig existiert die sogenannte 'Schwarze Magie'. Magie
ist Magie. Was viele Suchende daran als 'Schwarz' bezeichnen ist
ein Paradoxum an sich und eine Perversion höchsten Grades,
weil mit dieser Bezeichnung nur abermals versucht wird, die einzig
wahren und wert-neutralen Mechanismen der Natur in eine dualistische
Zwangsjacke von zwei opponierenden Mächten zu zwingen. Pervers
und paradox vor allem auch, weil man damit das eigene Denken bereits
schon wieder den religiösen Dogmen unterwirft, von denen man
sich unter Einbindung von 'magischer' Arbeit eigentlich befreien
wollte.
Der Jäger wird urplötzlich zum Gejagten und was als spirituelle
Alternative begann, degeneriert sehr bald zu oberflächlich
'mystisch' und 'geheimnisvoll' anzusehenden, aber im Kern plagearisierenden
und deshalb hohlen Ritual-Praktiken. Wer wirkliche 'Magie' praktizieren
will, wer den Kontakt zur Anderswelt nicht ausschließlich,
aber auch zum Wohl des eigenen, reellen Daseins nutzen möchte,
wer bereit ist, die Wahrheit nicht aus dem Mund eines Predigers
und damit aus zweiter Hand zu erfahren, sondern direkt aus der Natur
und dem Universum inklusive aller dazugehöriger Ebenen - materiell
und körperlos - wer spirituell wirklich reifen möchte,
wird früher oder später erkennen müssen, dass sämtliche
moralischen Klassifizierungen in 'gut' und 'böse' in dieselbe
spirituelle Sackgasse führen, in welcher auch die 'etablierten'
Religionen mittlerweile angekommen sind. So ist es denn zutiefst
betrüblich, wie fest der Aberglaube an 'böse Geister'
und 'böse Mächte' auch bei Menschen verwurzelt sein kann,
welche ansonsten exzellent informiert und voller positiver Motivation
wären.
Dies fängt schon beim Dialog an und bei der Art, in welcher
wir uns ausdrücken. Sensible Wortwahl bei Beschreibungen über
spirituelle Werte und Prinzipien ist essenziell für die Klarheit
und Wahrheit der Aussage selbst, und doch tappen auch natur- oder
universell-spirituelle Menschen immer wieder in ideologische Fallen
durch die Verwendung von dualistischer Dialektik.
Ein Beispiel: Diese Arbeit wurde durch diverse Aussagen angeregt,
die sinngemäß lauteten:
Bestimmte Pflanzen (oder Rituale, oder
andere Handlungen) vertreiben böse Geister!
Nun - gewisse Pflanzen können bestimmt hilfreich sein, wenn
wir deren Persönlichkeit und 'Talente' bewusst zu unserem eigenen
Wohlergehen einzusetzen wissen. Mit der entsprechenden Kenntnis
von Ursache und Wirkung steht uns also die Möglichkeit zur
Verfügung bestimmte Aspekte des natürlichen Seins dieser
Pflanzen für uns Menschen wirken zu lassen. Die Eigenschaften
der Pflanze selbst sind natürlich stets wertneutral im universell-objektiven
Sinn, das heißt für uns Menschen sind sie stets als entweder
'positiv' oder 'negativ' zu bezeichnen, je nach dem unter welchen
Gesichtspunkten wir den Einfluss der Pflanze auf unser eigenes Sein
betrachten.
Die tatsächliche Situation ist also diese, dass die vorhandenen,
auf unser Leben einwirkenden Kräfte oft keine unterstützende
Wirkung haben, was wir je nach Situation wiederum als 'nachteilig'
empfinden mögen. Wenn wir aber das Wissen über bestimmte
Pflanzen besitzen und diesem Wissen entsprechend handeln, z.B. durch
das bewusste Anpflanzen von entsprechender Flora an ausgesuchten
Orten, dann profitieren wir tatsächlich von dieser 'magischen'
Handlung. Im prosaischen Sinn könnte man sagen, dass damit
'gute Geister' angezogen wurden. Der Effekt auf unser Leben mag
sich auf dieselbe Art äußern, als wenn wir von der Geisteshaltung
ausgingen, dass damit 'böse Geister' vertrieben worden wären,
nur kämen wir damit in Konflikt mit den vorher erläuterten
Gründen, warum 'böse' Geister logisch überhaupt nicht
existieren.
Um es mit Humor zu sagen: "Bestimmte Pflanzen vertreiben böse
Geister" folgt etwa derselben Logik, als wenn man sagen würde:
"Das gute Wasser in unseren Leitungen sorgt dafür, dass
keine böse Luft zum Hahn herauskommt." Schlicht und einfach
eine Verdrehung der Situation um 180°.
Persönliche Schlussfolgerung
Der Einfluss von monotheistischen Religionen hat
seit deren Auftreten unzählige kleine Wandlungen in Denkweise
und Handeln der betroffenen Menschen bewirkt, aber wohl keine fundamentalere
Wandlung als der spirituelle Bruch mit der Natur und den universellen
Gesetzen selbst; d.h. die Beschränkung aller Spiritualität
von der Gesamtheit des Seins auf den Menschen und seine Beziehung
zum eigenen Gott-Verständnis.
Wenn wir danach streben, uns als neue Heiden von den trügerischen
Irrtümern der sogenannten Welt-Religionen befreien zu wollen
um wieder die Reinheit, Schönheit und Einfachheit der Spiritualität
unserer Ahnen zu erfahren, dann sollten wir zuallererst den Wortschatz
über Bord werfen, welcher auf den begangenen Irrtümern
der Vergangenheit beruht; ein Wortschatz welcher ohne diese Irrtümer
nicht einmal existieren würde.
Das Wort ist Macht
Die Kategorisierung in 'gut' und 'böse' ist
deshalb von vornherein nicht mit Natur- oder universeller Spiritualität
zu vereinbaren, weil eine dualistische Einteilung in 'positiv/gut/nutzbringend'
und 'negativ/bös/schadend' nur rein Mensch-bezogen gelten kann;
eben eine Wertbezeichnung des Dualismus, mit welchem vor allem monotheistische
Religionen stehen oder fallen.
In Natur- oder universeller Spiritualität spielt der Mensch
dagegen 'nur' eine Partnerrolle in der Gesamtheit des Seins und
daher haben Mensch-zentristische Begriffe kein Platz in deren Lehren
und Prinzipien. Wer die Existenz des 'Bösen' im tiefsten Inneren
als reelle, 'zu überwindende' Macht anerkennt, macht sich damit
bereits zum Handlanger von religiösen Prinzipien und Dogmen,
die eigentlich ihrerseits durch Anwendung von 'alternativer' Spiritualität
überwunden werden wollten. Blut, Schmerz, Leid, Trauer - all
dies sind Bestandteile des reellen Lebens und so untrennbar mit
unserem Weg verbunden, wie die höchsten Freuden dieser Existenz.
Wenn ich jedoch nachts durch den Wald gehe, wenn ich zu den Sternen
blicke und kein menschliches Wesen in Sicht ist, dann bin ich mir
zwar bewusst, dass überall da draußen eine echte Gefahr
für mein physikalisches Leben und Wohlergehen lauern mag -
doch 'Böses ' sehe ich beim besten Willen nirgends...
Das WurzelWerk bedankt sich für diesen
Beitrag ganz herzlich bei Dan Felber!
|