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Hier möchte ich euch erzählen, wie ich diese Thematik
sehe.
Wenn wir weit in die Evolution der Menschheit zurückgehen,
dann dürfen wir davon ausgehen, dass die Menschen in vorgeschichtlicher
Zeit sicher keine Vorstellung von Gut und Böse hatten. Sie
lebten zusammen in Horden, gingen gemeinsam auf die Jagd oder sammelten
essbare Pflanzen. Was sie erreichten gehörte allen. Persönliches
Eigentum war so viel wie unbekannt und bezog sich höchstens
auf ein paar Kleidungsstücke. Da gab's also nichts zum Wegnehmen.
Außerdem war man aufeinander angewiesen und hätte sich
nur selbst geschadet, wenn man andere geschädigt oder beleidigt
hätte. Außerdem war die Erde noch nicht so dicht bevölkert,
dass man um ein wenig mehr Land hätte kämpfen müssen.
Die Entwicklung
Dann entwickelte sich der Mensch weiter, erfand Waffen,
baute Häuser. Nun gab es das persönliche Eigentum, nämlich
ein Haus, Waffen, persönlich erworbene Lebensmittel und Vorräte.
Sicher teilte man immer noch mit anderen, insbesondere mit der Familie,
jedoch wurde das Individuum immer wichtiger. Die Menschen erkannten
sich nun auch als Individuum und fühlten sich weniger stark
einer Gruppe verbunden. Die Höherentwicklung des Intellekts
machte diese Entwicklung möglich. Dabei hat sich das Gehirn
kaum zu einer größeren Kapazität entwickelt, jedenfalls
nicht in kurzen Zeitläufen. Vielmehr wurde das Wissen an die
nachfolgende Generation weitergegeben und konnte auf diese Weise
wachsen. Jede Generation fügte neue Erkenntnisse und Erfahrungen
hinzu bis zum heutigen Tage. Wenn nicht jemand das Rad erfunden
hätte, dann hätten wir heute keine Autos.
Die Entwicklung zum Individuum - oder besser gesagt: Die Erkenntnis
des individuellen Seins - erzählt die Genesis mit der Geschichte
des Sündenfalls. Die Menschen - so wird erzählt - hätten
die Erkenntnis von Gut und Böse durch das Essen der Frucht
vom Baum der Erkenntnis erhalten. Im Englischen heißt dieser
Baum jedoch "tree of knowledge", also Baum des kognitiven
Wissens. Dies deutet auf die Entwicklung des Intellekts des Menschen
hin.
Die Geschichte von Adam und Eva ist jedoch zu einfach erzählt.
Was in der Menschheitsgeschichte tatsächlich stattgefunden
hat, ist folgendes: Infolge der Entwicklung des Intellekts können
wir abstrakt denken. Wir können uns Dinge vorstellen, planen
und dann entsprechend der Planung handeln. Wir können ferner
Waffen herstellen, die es uns leichter ermöglichen, andere
Menschen zu bedrohen oder gar zu töten. Wir können also
z.B. Menschen töten, um uns ihr Eigentum anzueignen.
Wir können uns jedoch auch vorstellen (und dann auch diese
Vorstellung in die Tat umsetzen), dass wir Einfluss und Macht über
andere Menschen ausüben. In dieser Wichtigkeit gefallen wir
uns und fühlen uns anderen Menschen überlegen. Diese beiden
Motive - Macht und Anhäufung von Eigentum - sind die hauptsächlichen
Beweggründe, anderen Menschen zu schaden.
Also
gibt es das Böse
doch?
Langsam mit vorschnellen Urteilen! Versetzen wir uns zurück
in die längst vergangenen Zeiten, als die Menschen mit Hilfe
ihres Intellektes und somit des abstrakten Denkens die Möglichkeit
erkannten, böse Taten zu tun, also sich Eigentum von anderen
anzueignen oder Macht über andere auszuüben. Es ist sicher
leicht nachzuvollziehen, dass sie erkannten, wie man - anders als
Tiere, die nicht über diese höhere Intelligenz verfügen
- diese bösen Taten infolge des höheren Intellekts ausführen
konnte. Ein Tier wird sich nicht Eigentum von anderen aneignen.
Es wird gar kein Eigentum anhäufen (außer Wintervorräte
anzulegen, jedoch geschieht dies als instinktive Handlung und nicht
infolge des abstrakten Denkens). Da das Tier über keinen so
hohen Intellekt verfügt, kann es somit nicht bewusst und gewollt
böse sein.
Aber
was hat das alles mit Gott oder dem Teufel zu tun?
Wieder müssen wir ein wenig in die Vergangenheit
zurückblicken. Diesmal nicht so weit zurück, nur so ungefähr
2.500 Jahre, oder auch in einigen Völkern ca. 3.000 Jahre.
In dieser Zeit taucht der Begriff des EINEN Gottes auf. Und wieder
hat diese Entwicklung mit dem Intellekt etwas zu tun. Man erkannte,
dass der Mensch Fähigkeiten besitzt, die den Tieren nicht gegeben
waren. Diese Fähigkeiten waren das Denken und Planen. Man glaubte
gleichzeitig, dass die Welt anscheinend nach einem erstaunlichen
Plan errichtet war. Sie musste von einem übernatürlichen
Wesen geplant und erschaffen worden sein, das über dieses abstrakte
Denken und Planen verfügte, ähnlich wie die Menschen.
Jedoch zusätzlich noch mit übernatürlichen Kräften
ausgestattet. So wie auch wir selbst Pläne machen, so musste
dieses übernatürliche Wesen Pläne zur Erschaffung
der Welt gemacht haben. Dieses übernatürliche Wesen nannten
sie Gott.
Nachdem ihre Intelligenz (ihr "Geist") ähnlich wie
dieser Geist Gottes funktionierte - nämlich planen konnte -
dachte man, beides müsse vom selben Ursprung kommen, nämlich
Geist sein. Alles Übernatürliche, alles Geistige und Spirituelle,
also alles, was nicht Materie ist, wurde diesem "Geist"
zugeordnet. Geist und Spirit wurde somit als ein und dasselbe betrachtet.
Diese Vorstellung dürfte der größte Irrtum der Menschheit
sein. In dieser Denkweise gibt es nämlich keinen wirklichen
Spirit, nämlich etwas, das tatsächlich jenseits von Materie,
also auch jenseits von Denken liegt. Diese Vorstellung hat unsere
westliche Welt bis zum heutigen Tag geprägt. Wir haben immer
noch das gleiche Wort für "Geist" und "Spirit",
wobei wir bei beiden die Gedankenwelt, das Planen, den Logos meinen
("Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott").
Aus eins mach zwei
In dieser Epoche entstanden die dualistischen Religionen,
einschließlich des Juden-Christentums. Sie gehen davon aus,
dass Gott die Personifizierung von dem Guten ist, und als Gegenspieler
gibt es den Teufel (oder böse Dämonen oder sonst eine
"böse" Personifizierung).
Wenn wir den Irrtum in unserer menschlichen Evolution erkennen und
verstehen, was "Spirit" ist, dann werden wir auch verstehen,
dass Spirit weder gut noch böse sein kann. Dann werden wir
von dem Schwarz/Weiss-Denken des Dualismus wegkommen und das Gute
und Böse nicht in einer übergeordneten "geistigen"
Macht suchen, sondern im Menschen. Nur der Mensch kann gut und böse
sein. Er kann anderen helfen oder sie schädigen oder gar töten.
Um uns so zu verhalten, dass wir in der jeweiligen Gesellschaft
oder Gemeinschaft friedlich und glücklich zusammen leben können,
brauchen wir Regeln, die eine Gesellschaft aufstellen und auch auf
Einhaltung dieser Regeln achten muss. Welche Regeln dies sind, wird
je nach Struktur der Gesellschaft verschieden sein. Ohne Einhaltung
solcher Regeln kann eine Gesellschaft nicht überleben! Diese
Regeln können als Gesetze oder auch als moralische Verpflichtungen
zur Anwendung kommen. Oder beides zusammen.
Es gibt also Gut und Böse
nur im menschlichen Verhalten.
Wir verhalten uns gut, wenn wir anderen nicht mehr
als notwendig schaden. Ein wenig werden wir sicher andere alleine
schon durch unsere Existenz beeinträchtigen, auch die Umwelt,
z.B. indem wir essen. Aber dies sind keine wirklichen Schäden,
sonder ein Teil unseres Seins und jedes Wesen das ist, lebt in diesem
Kreislauf. Aber wenn ich bewusst anderen Schaden zufüge, der
sich hätte vermeiden lassen, dann bezeichne ich dies als böse.
Gut ist natürlich das Gegenteil und braucht nicht extra erklärt
zu werden.
Das Gute und das Böse im spirituellen Sein gibt es also nicht.
Gut und Böse sind rein menschliche Eigenschaften, die es nur
innerhalb der materiellen Seinsform gibt.
Nach meiner Meinung gibt es demnach auch keine guten und bösen
Geister, also auch keine Dämonen. Spirits können jedoch
auf unser Verhalten reagieren und das können wir dann als böse
empfinden (oder als gut resp.).
In die Zukunft
Die dualistische Sichtweise von Gut und Böse
als übergeordnetes Prinzip bringt uns nicht weiter in der menschlichen
Entwicklung. In der dualistischen Sichtweise bekämpfen sich
das Gute und das Böse ohne Unterlass. Jedes der beiden Prinzipien
will gewinnen, will dominieren. In der Sichtweise der Polarität
bedingen sich jeweils zwei zusammengehörende Paare. Ein Bekämpfen
ist somit gar nicht möglich, denn die Pole müssen immer
im Gleichgewicht sein. Es gibt hier keine Dominanz des Einen über
das Andere. Die vielfältigen Probleme mit der Umwelt, mit dem
Materialismus, mit Kriminalität, mit gestörten Partnerschaften,
mit egozentrischem Verhalten usw. sind Folgen von der dualistischen
Weltanschauung, die Gut und Böse als Prinzipien hinstellt und
es nicht als einzig und alleine menschliches Verhalten sieht. Wenn
wir diesen Dualismus überwinden, dann werden wir erkennen,
dass jeder Mensch die Entscheidung für gutes oder schlechtes
Verhalten IN SICH trägt. Um als Gesellschaft zu überleben,
müssen wir uns für gutes Verhalten entscheiden. Wenn eine
Gesellschaft nicht mehr überlebensfähig ist, weil sich
die Individuen, die diese Gesellschaft ausmachen, nur noch um sich
selbst kümmern, werden sie mit der Gesellschaft zusammen untergehen.
Niemand kann ohne Gemeinschaft und ohne das Zusammenwirken anderer
Menschen leben. Nur diese Erkenntnis bringt uns zum guten Verhalten,
nicht eine Religion, die das Gute und das Böse als Prinzipien
der Weltordnung erhebt.
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