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Zitat aus "Die
vaterlose Gesellschaft" von M.Matussek (im Skip-Kinomagazin
09/02):
"Es gibt rund eine Million Trennungsväter in Deutschland
[...] Knapp 60 Prozent werden nach der Trennung ihre Kinder nie
wiedersehen. Sicher, es sind verantwortungslose Männer darunter,
die sich nicht kümmern wollen. Aber daneben wächst unbemerkt
ein Heer von verzweifelten Vätern, die als abgeliebter und
ausgemusterter Beziehungs-Restmüll allenfalls alimentieren
dürfen und ansonsten aus dem Leben der Kinder gelöscht
werden wie Unpersonen. [...] Die vaterlose Gesellschaft - eine radikal-feministische
Utopie wird leise und allmählich Wirklichkeit"
Das Zitat erschien im Rahmen der Besprechung des Films "Väter",
und der Regisseur Dani Levy meint "Für mich ist Väter
ein echter Liebesfilm. Ich meine das überhaupt nicht zynisch.
Trennung gehört zur Liebe wie der Tod zum Leben. Aber sich
zu trennen muss man lernen."
Vater-sein heute - eine nette Untergruppe der Rubrik "Mann-sein
heute"
Zunächst mal möchte ich auf "Trennungen
heute" eingehen: Trennungen haben ja die Eigenschaft, extrem
emotionelle Dinger zu sein und leicht auszuarten. Besonders wenn
Kinder im Spiel sind, wird es noch schwieriger. (Ebenso wenn viel
Geld im Spiel ist, aber das ist eine andere Geschichte). Kinder
werden ja oft als eine Art Besitz angesehen, und wer lässt
sich schon gerne etwas wegnehmen.... Da werden bei Scheidungsverhandlungen,
auf die reine Drohung "Ich werde dir die Kinder wegnehmen",
gleich Heerscharen von Anwälten bemüht. Eigentlich komisch,
denn es geht da ja schliesslich um Menschen, die selber wissen sollten,
wo sie sich wohlfühlen, und das werden in vielen Fällen
beide Elternteile sein. Aber nein, das muss heutzutage natürlich
ein Psychologe bestimmen.... Als Vater bist Du erfahrungsgemäß
sowieso der letzte Dreck in den Augen des Jugendamtes und der Psychofritzen,
wenn du "einfach so" deine Familie verlässt.
Einfach so? Habe ich denn nicht das Recht, mein Leben neu zu orientieren?
Da muss ja etwas am alten Leben nicht gestimmt haben, wenn ich mich
so entscheide. So zum Jux strebe ich ja keine Trennung an. Es ist
nun mal eine Tatsache, dass Menschen (auch Männer!) sich weiter
entwickeln, Phasen ihrer Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen,
sich vielleicht ihrer ur-männlichen Werte zu besinnen beginnen
und wieder in die Welt hinaus möchten, wieder Abenteuer erleben,
ferne Länder besuchen, neue berufliche Herausforderungen suchen.
Das "einfach so" scheint eine Entwicklung der heutigen
Zeit zu sein. Im Mittelalter zB ging mann fort, um in den Krieg
zu ziehen, er war (in Friedenszeiten) Bauer und hatte gar keine
Zeit, viel über Weiterentwicklung nachzudenken, weil er ums
Überleben kämpfte, oder er verzog sich in jungen Jahren
in ein Kloster. Aber in der heutigen Zeit, einer relativen wirtschaftlichen
Selbständigkeit (auch der Frau), die noch dazu geprägt
ist vom leichten Zugang zu Informationen (ohne Informationen keine
Weiterentwicklung) ist der Sprung zum "neuen Leben" nicht
mehr so unzumutbar. Wie früher Nomadenstämme durch die
Lande zogen, so zieht es heute die Männer "hinaus".
Vielleicht ist dieses Nomadische etwas, was die Frauen nur schwer
verstehen können? Doch aus der niedergeschlagenen Aussage der
Frauen, sie könnten "das" nicht so einfach machen,
sie hätten ja die Kinder, hört man sehr wohl heraus, dass
sie "es" vielleicht auch gerne möchten - einfach
raus, weg von dem Alltagstrott! Nur kommt dann eben das Argument
von der Verantwortung für die Kinder, das die Männer ja
so leichtfertig ignorieren würden...
Gleich danach kommt im nächsten Satz die Pauschalmeldung "Die
Kinder leiden darunter!" Leiden sie nicht auch, wenn man krampfhaft
beisammenbleibt, obwohl nix mehr in der Ehe hinhaut? Mann sucht
sich dann halt Zerstreuung am Stammtisch oder Kegelclub, oder macht
nächtelang Überstunden, weil man nicht nach Hause will,
und die Kinder haben erst nichts von einem.
Sie haben aber auch nichts von einer Mutter, die eigentlich ebenfalls
anders leben möchte. Klar könnte man jetzt antworten,
"das hättet ihr euch früher überlegen sollen!".
Aber weiss ich mit zwanzig, wie ich mit vierzig denke? Wohl eher
kaum...
Ist es nicht so, dass (wie Regisseur Levy oben meint) die Trennung
genauso dazu gehört wie der Beginn einer Partnerschaft? Wenn
die Trennung sauber vollzogen wurde (manche schlagen ja ein Trennungs-Ritual
vor, analog zum Bindungs-Ritual , nur eben umgekehrt - ich finde
die Idee gut), dann sollte es auch keine Probleme mit den/für
die Kinder geben. Denn die Kinder gehören zum Vater genauso
wie zur Mutter. Das scheint mir in der Natur der Sache zu liegen.
Beide Eltern sind für Schutz und Geborgenheit, für Wärme
und Sicherheit zuständig, wie schon seit Tausenden von Jahren,
auch wenn die Frauen heute von ihren Männern unabhängig
sind (hierzulande und im Idealfall, Ausnahmen gibt es natürlich
immer, aber hier geht es um Grundlegendes, nicht um Aufarbeitung
von Einzelschicksalen).
Väter haben auch noch eine andere Rolle in der Kindererziehung
als Mütter: als Kumpel zum Raufen, als Lehrer in Sachen Entwicklung
der Männlichkeit (für die Buben), als Muster für
die männliche Sicht von Liebe und Partnerschaft. Natürlich
sind da auch noch die archaischen Rollen des Priesters und Häuptlings,
die heute ja leider ignoriert werden, die aber wesentlich sind,
denn der Vater sollte sich noch viel mehr über seine männliche
Qualitäten im Klaren sein als andere Männer, weil er sie
ja weitergeben muss.
Wie sollen Väter das aber tun, wenn ihnen die Kinder vorenthalten
oder nur in kleinen Portionen genehmigt werden? Dies ist eine extreme
Herausforderung, die sicher erst dann gemeistert werden kann, wenn
mann seine ureigenen männlichen Eigenschaften in sich entdeckt
und entwickelt hat. Denn eines kann man gewiss nicht: sich der Verantwortung,
die mann als Mann und Vater den Kindern gegenüber hat, zu entziehen.
Herausforderungen und Prüfungen sind im männlichen Leben
immer vorhanden und auch sehr notwendig. Sich ihnen zu stellen ist
der Weg zur Männlichkeit.
Aus dem Beziehungs-Restmüll wachsen dann Blüten, rote
und gelbe Blüten auf starken Stengeln.
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