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Ich gehe mal davon aus, dass jeder das Symbol hierfür kennt.
Dieses zeigt deutlich, dass zwar eine scharflinige Abgrenzung (also
keine Grautöne) zwischen schwarzem und weissem Feld besteht,
dass jedoch diese Linie nicht gerade ist, sondern schlangenförmig
verläuft. Auch ist ein, wie ein Auge aussehendes, kleines Feld
im weissen und ein gleiches im schwarzen Feld enthalten. Dies zeigt,
dass die Trennung eben doch nicht ganz ist und in jedem Yin auch
ein Teil von Yang und in jedem Yang auch ein Teil von Yin ist. Trotzdem
ist schwarz eindeutig schwarz und weiss ist eindeutig weiss.
In der chinesischen Lehre des Taoismus (ausgesprochen Daoismus,
deshalb auch manchmal so geschrieben) gab es zuerst das Alles und
das Nichts. Wie ist das zu verstehen? Wie kann Nichts gleichzeitig
auch Alles sein? Für unser westliches Denken mag dies
ein wenig schwierig zu verstehen sein. Im fernöstlichen Verständnis
ist jedoch das Nichts nicht die Leere, also nicht das Nichts im
westlichen Sinne. Es ist vielmehr eine Manifestation der kommenden
Dinge (Diese Formulierung ist entnommen aus der Webpage http://medimihi.de/minihp.htm,
die für interessierte Leser eine ausreichend umfangreiche,
jedoch einfach gehaltene Information bieten kann). Dieser Zustand
vor dem Entstehen der Materie wird Tao genannt.
Die Lehre des Taoismus besagt also, dass aus dem Nichts (in dem
jedoch, in unserer westlichen Ausdrucksweise, das Kommende in der
Planung schon enthalten war) die Materie entsteht. Wenn wir diese
Lehre also auf diese kurze Aussage beschränken, dann stellen
wir mit Erstaunen fest, dass die jüdisch-christliche Lehre
so sehr verschieden von diesem Grundgedanken gar nicht ist. Auch
hier wird aus dem Nichts (das man hier allerdings Gott nennt) die
Materie gemacht. Gott hat also den Plan (oder er ist
der Plan) und handelt danach. Am Anfang war das Wort (= die Idee,
der Logos) und das Wort war bei Gott.(Joh. 1/1). Diese Idee ist
nur ein wenig anders, eben westlich formuliert und das Nichts oder
das Alles wird als ein persönlicher Gott interpretiert.
Ob im Fernen Osten oder im Abendland, damals konnten sich die Menschen
offensichtlich nichts anderes vorstellen als dass die Materie mit
einem Beginnen etwas zu tun hat. Dabei ist dies im Osten einfach
ein Entstehen (übrigens auch bei den Kelten, also
unseren Vorfahren) und im christlichen Westen ein Schöpfungsakt.
Aber gleich ist beiden Ansichten, dass die Materie oder die Existenz
der Materie irgendwann einmal begonnen hat, auch wenn der Plan
dazu schon irgendwo da war.
Ich glaube, dass die heutige Menschheit sich ein ganzes Stück
weiterentwickelt hat und dass wir nun anfangen können, diese
Sichtweise weiter auszudehnen. Viele Menschen glauben heute an Re-Inkarnation,
also an ein Wiederkommen, an eine Wiedergeburt. Im Osten, z.B. im
Buddhismus, ist dies eine alte Weisheit. Allerdings ist der Buddhismus
ebenso wie das Christentum, eine lineare Religion.
Es gibt dort einen Anfang und ein Ende, auch wenn viele Inkarnationen
dazwischen liegen. Das Ende ist das Nirwana, also wieder das Nichts.
Nach meiner Philosophie der Polarität ist das nicht so. Hier
gibt es ein endloses Kommen und Gehen. Dies betrifft alles, die
Erde, die Sonne, die Sterne eingeschlossen. Vor dem Tao, also vor
dem Nichts, vor der Entstehung der Materie UND vor dem Nichts war
schon mal Materie und vor dieser Materie war schon das Tao, das
Nichts, und davor die Materie, und so wird es auch weitergehen.
Es wird wieder ein Nichts kommen und dann wieder die Materie entstehen,
usw...
Die Bezeichnung, die ich für dieses Nichts oder für dieses
Tao habe, ist Spirit. Dies ist also das Nichtvorhandensein von Materie,
die jedoch trotzdem schon in diesem Spirit enthalten ist. Yin und
Yang also auch über das Materielle hinaus! Und nun gleich noch
die entscheidende neue Anschauung: Nicht nur im Spirit (Tao) ist
das Materielle enthalten, sondern es ist auch Spirit in der Materie
enthalten. Dies ist das Geheimnis der Polarität! Und nun können
wir auch wieder erkennen, dass ein heute sehr verbreitetes Denken
über die Einheit gleichzeit auch Polarität sein kann,
wenn man dies in der soeben beschriebenen Form sieht. Spirit und
Materie bilden also zusammen eine Einheit.
Aber für heute gibt´s genug zum Denken und Nachdenken.
Ich werde ein anderes Mal noch ein wenig weiterschreiben über
die Abgrenzung und die Nichtabgrenzung der beiden Pole und über
die Einheit.
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