Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer    Teil II

Um das "House of Netjer", einem der größten kemetischen Tempel der Welt, unter der Leitung von Rev. Tamara L. Siuda und die moderne Tradition der "Kemetic Orthodoxy" ranken sich viele Gerüchte.
Thanks to: © Gretchen Sveda

Nisut (AUS) und Priesterschaft

Vielen modernen Heiden sind hierarchische Strukturen natürlich ein Greuel, daher möchte ich hier kurz auf die Organsiationsstruktur des House of Netjer eingehen. Da in der altägyptischen Religion wie auch in der Kemetischen Orthodoxie zwischen Staatskult und privatem Kult unterschieden wird, ist für ersteren eine priesterliche Struktur erforderlich um den entsprechenden Staatskult zu verrichten. Dieser dient dazu das kemetische Volk, dass ja nicht mehr geographisch sondern rein virtuell besteht, zu schützen und mit dem Segen der Götter zu versorgen. Nisut (AUS) -mit diesem Titel wird Rev. Tamara Siuda angesprochen, was soviel wie "Pharaonin" oder "Königin" bedeutet- fungiert dabei als oberste Priesterin, ähnlich wie der Papst für die katholische Kirche. Der Pharao bzw. die Pharaonin ist der Träger des "königlichen Ka" also des Ka des Horus, damit sich die göttlichen Kräfte auf Erden für alle Menschen manifestieren können.

Politische Aufgaben sind damit freilich nicht mehr verknüpft, weil Kemet als Staat nicht mehr existiert. Die Priester und Priesterinnen sind dabei sozusagen der verlängerte Arm der Nisut, denn sie kann ja nicht überall gleichzeitig sein. Man legt auf eine umfassende, jederzeit verfügbare Betreuung größten Wert und diese Aufgabe übernehmen vor allem die Priester und Priesterinnen. Im Tempel in USA selbst gibt es natürlich auch noch Priester die unmittelbar an den Kulthandlungen teilnehmen, die außerhalb des Internets stattfinden.

Die Pharaonin Hatschepsut,
ca. 1473-1458 v.Chr.

Das Amt der Nisut ist also ein rein dienendes Amt zum Wohle aller Kemeten, die sich dem House of Netjer angeschlossen haben. Davon vollkommen unabhänig ist der private Kult. Jedes Mitglied der Kemetischen Orthodoxie kann ganz wie es ihm gefällt Kontakt mit den Göttern aufnehmen und seinen privaten Kult betreiben. Priester wie Nisut, oder auch andere erfahrene Remetj stehen einem dabei über die bekannten Medien jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung oder auch einfach nur zum lockeren Austausch.


Aufnahme in das House of Netjer

Gegen Ende und mit Abschluss des "Beginner's course" wird man einige Male gefragt, ob man nun bereit ist Remetj zu werden. Hierzu erhält man nochmals großzügige Bedenkzeit, füllt nochmals einen Fragebogen aus und spricht auch nochmal persönlich in einem Einzelgespräch mit der betreuenden Priesterin, hat die Möglichkeit Feedback bzgl. des Kurses zu geben, Fragen zu stellen und persönliche Eindrücke zu schildern. Stimmt man nun dem Eintritt zu, werden nochmal alle Bewerbungen von Rev. Tamara L. Siuda geprüft und nach 2-3 Wochen erhält man ein persönliches Willkommensmail als neuer Remetj. Dem folgen noch weitere Mails verschiedener Priester mit interessanten Informationen über Online-Veranstaltungen wie Themen-Chats, abermals neue Forenbereiche oder aktuelle News aus dem House of Netjer, welches sich laufend für die kemetische Gemeinschaft im hohen Maße engagiert und wertvolle Informationen bereitstellt.


Was hat sich für mich geändert seit ich Remetj bin?

Da ich bereits vorher Kemetin war, hat sich in meinem Alltag nicht allzu viel für mich geändert. Ich habe einige neue Rituale aus der Kemetischen Orthodoxie in meine regelmäßige Praxis mit aufgenommen und empfinde es als positiv Teil einer spirituellen Gemeinschaft zu sein, die mich in keiner Weise einengt, jedoch irgendwie trägt. Ich schaue ab und zu in die Foren, was es Neues gibt, versuche an den Themen Chats teilzunehmen, sofern es mein Terminkalender zulässt, feiere unsere religiösen Feste, genieße den "Service" immer rechtzeitig über relevante Zeitpunkte informiert zu werden und halte regelmäßigen Kontakt zu einigen anderen Mitgliedern, die mir persönlich ans Herz gewachsen sind und zu Freunden geworden sind.

House of Netjer,
Illinois/Chicago

Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man eine große Familie in der ganzen Welt verstreut mit vielen entfernten Brüdern und Schwestern. Unsere Nisut ist eine überaus mütterliche, herzliche, liebevolle und engagierte Person, so dass man sich trotz aller Virtualität ein bisschen im House of Netjer zu Hause fühlen darf. Ich glaube, wenn Tamara könnte, würde sie am liebsten für jeden höchstpersönlich da sein und manchmal mache ich mir ernsthaft Sorgen um sie, ob sie sich nicht ein bisschen übernimmt. Aber es sieht so aus, als haben sie die Götter tatsächlich mit einem derart großen Maß an Kraft gesegnet, dass sie ihr Amt als Nisut mit bewundernswerter Hingabe führt. Für jemanden wie mich, die in Deutschland kaum Anschluss an die Heidenszene hat und als Kemetin eher ein Außenseiterdasein fristet ist das wirklich etwas durchweg Schönes.


Fotos: Wikimedia Commons,
Google Street View


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