Betreut von Djehutimes
Das kemetische Jahr   Teil I

Als Neuheiden kennen viele von uns den Jahreskreis unterteilt durch acht Feste.
Aber wer kennt schon die Einteilung des kemetischen Jahres??
Thanks to: © Gretchen Sveda

Der Kalender

Um den aktuellen Kalender Kemets zu erklären, kommt man um einen kleinen Ausflug zu den antiken ägyptischen Kalendern nicht herum, denn schließlich orientiert sich der jetzt gebräuchliche tatsächlich an den alten pharaonischen Kalendern.

Wir unterteilen unser Jahr, wie in allen kemetischen Kalendern üblich, in die drei Jahreszeiten Achet, Peret und Schemu. Die drei Jahreszeiten lassen sich leicht erklären, wenn man einmal die Jahresniederschlagsmenge im äthiopischen Hochland betrachtet. Die dortigen Monsunregenfälle sind für den Wasserpegel des Nils verantwortlich. Damit gruppieren sich die Jahreszeiten um das zentrale Naturereignis Kemets, nämlich die alljährlich wiederkehrende Nilflut. Das zeigt sich auch an der Bedeutung der Jahreszeitlichen Bezeichnungen. Achet bedeutet "Überschwemmung", Peret "Sprießen, Wachstum" also die Zeit des Hervorkommens der Saat und Schemu "Wärme, Hitze" und bezeichnet damit die Trockenperiode.

Die drei Jahreszeiten, sind jeweils in vier Monate aufgeteilt. Im Unterschied zu den alten Kalendern sind die Monate des modernen kemetischen Kalenders aber nicht mehr jeweils 30 Tage lang sondern an die modernen Monate des gregorianischen Kalenders angepasst und unterscheiden sich somit in ihrer Länge zwischen 28 bis 31 Tagen. Auch sind unsere heutigen Wochen an den modernen Kalender gekoppelt und haben somit nicht mehr 10 Tage wie in alter Zeit sondern, genau wie der gregorianische Kalender, 7 Tage. Ein offizielles "Wochenende" gibt es bei uns allerdings nicht. Auch haben die Wochentage keine Namen, sondern werden einfach kontinuierlich durchgezählt.

Eine weitere Besonderheit im kemetischen Kalender ist, dass es eine offizielle fortlaufende Jahreszählung nicht gibt. Dies soll die fortwährende und kontinuierliche Wiederholung des göttlichen Schöpfungsprozesses verdeutlichen. Allerdings hat man in den Archiven der Tempel, um bestimmte Zeiträume einfacher benennen zu können, eine inoffizielle Jahreszählung eingeführt , die sich an der Reichseinigung Kemets im Jahre 3150 v.Chr. orientiert. Das bedeutet dass am 16.Juni des Jahres 2012 das kemetische Archivjahr 5162 beginnt. Die standardmäßige Jahreszählung richtet sich allerdings nach den Amtsjahren des ranghöchsten kemetischen Priesters und beginnt nach einem Wechsel des Amtsträgers beim nächsten Inhaber der höchsten Priesterwürde erneut bei Jahr 1.


Kalendervielfalt im Alten Ägypten

Die ägyptischen Kalender und insbesondere die Bestimmung der Festtage waren schon immer ein komplexes Thema. In pharaonischer Zeit waren tatsächlich bis zu drei Kalender gleichzeitig in Gebrauch. Im antiken Kemet kamen zwei Mondkalender und ein Verwaltungskalender zur Anwendung.

Beim bürgerlichen Mondkalender handelt es sich um ein an das Wandeljahr gebundenes synodisches Mondjahr, das zusammen mit dem ägyptischen Kalender durch die natürlichen Jahreszeiten wanderte. Frühester Beginn war der 1. Achet oder einem Folgetag. Spätestens ab der griechisch-römischen Zeit erfolgte die Einführung eines schematischen Datenzyklus, der nicht mehr mit der direkten Beobachtung des Mondes in Zusammenhang stand.

Für den stellaren Mondkalender (Sothis bzw. Sirius-Kalender) galten ähnliche Bestimmungen wie für den bürgerlichen Mondkalender. Das Mondjahr war an den heliakischen Aufgang des Sirius geknüpft. Die Koppelung an Sirius bewirkte eine relative Konstanz der Jahreszeiten, da Sirius vom Ende des 5. bis Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. nur langsam vom 3. Juni auf den 15. Juni wanderte und nur eine Bandbreite vom 3. – 15. Juni gegeben war. (Mittlerweile liegt der tatsächliche Sothisaufgang Ende Juli / Anfang August.)

Sternbild des Sirius

Das bürgerliche Jahr des Verwaltungskalenders war in 12 Monate à 30 Tage eingeteilt. Die Monate wiederum gliederten sich in drei "große Wochen" mit je zehn Tagen oder in sechs "kleine Wochen" mit je fünf Tagen. Die Epagomenen folgten als Jahresverlängerung nach den zwölf Hauptmonaten. Die Gesamtzahl der Tage im ägyptischen Verwaltungskalender betrug damit 365 Tage und bildete ein sogenanntes Gemeinjahr.


Der moderne Kultkalender

Was nun unseren aktuellen Kultkalender angeht nachdem wir uns richten, ist der eine Anpassung der alten ägyptischen Kalender an den modernen gregorianischen Kalender. Dieser Kalender wurde von der kemetischen Priesterschaft vor knapp hundert Jahren eingeführt um den immer wieder auftauchenden und zu Missverständnissen führenden Umrechnungsfehlern entgegenzuwirken. Auch wurde somit das ägyptische Jahr mit 365 Tagen auf ein Sonnenjahr mit 365 ¼ Tagen verlängert und um das zu verdeutlichen wird genau wie im gregorianischen Kalender alle vier Jahre ein Schalttag eingefügt. Aber dazu später mehr.

Unser Jahr beginnt also am ersten Tag des ersten Achetmonats (Thot), der auf den 16. Juni des gregorianischen Kalenders fällt. Dieser Kalender ist wie schon oben erwähnt eine Annäherung der alten ägyptischen an den modernen gregorianischen Kalender, die es ermöglicht bestimmte Daten einfach und fehlerfrei aus der einen in die andere Zeitrechnung umzurechnen.

Beispiele:
der 16. Juni im gregorianischen Kalender entspricht somit dem 1. Thot, also dem ersten Tag des ersten Monats der Jahreszeit Achet des kemetischen Kalenders. Oder die Wintersonnenwende am 21. Dezember des gregorianischen Kalenders fällt im Kemetischen auf den 6. Phamenat, also den sechsten Tag des dritten Peretmonats.

Um diesen Kalender weiterhin dem Modernen anzupassen ergibt sich die Schwierigkeit des Schalttages alles vier Jahre. Der Schalttag am 29. Februar entspricht laut unserer Rechnung dem 14. Tag des ersten Schemu-Monats Pachons. Dieser Tag gilt um Verschiebungen mit dem modernen Kalender zu vermeiden auch bei uns als Schalttag und er erscheint im Kalender nur alle vier Jahre und ist dem Gott der Zeit Heh geweiht. Im Normaljahr springt der Kalender vom 13. direkt auf den 15. Tag des Monats Pachons weiter. Um es zu vereinfachen merkt man sich folglich nur, dass unsere Monate jeweils am 16. Tag eines gregorianischen Monats beginnen und am 15. des darauffolgenden Monats enden Somit ergibt sich für jeden Tag des gregorianischen Kalenders eine Entsprechung im Kalender Kemets.

Ebenso handhaben wir das mit den Feiertagen. In unserem Kalender sind die Festtage zu Ehren der Götter größtenteils auf bestimmte Daten fixiert und wandern somit nicht mehr den Mondphasen entsprechend durchs Jahr. Einige Festtage richten sich allerdings weiterhin am Mond und werden somit als bewegliche Festtage jedes Jahr auf neue errechnet.

Die oben erwähnten "Epagomenen", (die auf ägyptisch "heriu renpet" - "zwischen den Jahren" - genauer: "die, die über dem Jahr sind" heißen) also die 5 Zusatztage, die das ägyptische Jahr von 360 auf 365 Tage auffüllten haben diese Bedeutung im heutigen kemetischen Kalender verständlicherweise verloren. Sie sind somit nicht mehr die Tage "zwischen den Jahren" sondern die letzten 5 Tage des letzten (also des 3.) Monats der Schemu - Jahreszeit, also die letzen Tage des Jahres. Allerdings ändert das nichts an der hohen kultischen Bedeutung dieser Tage.


Als kleines Extra bieten wir Euch eine fertige Druckversion unseres Kalenders  an.
Einfach unter redaktion[at]wurzelwerk.at anfordern!

Quellen:
Aufzeichnung zum kemetischen Kalender von Merienptah
Jan Assmann, Ma'at – Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten
Hans Bonnet, Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte
Klimadiagramm Addis Abeba, Wikimedia Commons, Hedwig in Washington
Sternbild Sirius, Wikimedia Commons


Ende Teil I


Sat-Ma'at


Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer - Teil II     Sat-Ma´at, 15.04.2017
Kemetische Orthodoxie – Mein Weg in das House of Netjer - Teil I     Sat-Ma´at, 01.04.2017
Altägyptische Symbole und ihre Bedeutungen     Djehutimes & Sat-Ma´at, 11.03.2017
Warum "Jahreskreisfeste" im Alten Ägypten keine Rolle spielten     Sat-Ma´at, 17.12.2016
Bestechen und Bedrohen von Göttern     Sat Ma´at, 21.05.2016
Ma´at im Alltag     Alice, 12.03.2016
Totenfest auf Ägyptisch     Sat-Ma´at, 07.11.2015
Keine lieben Kätzchen - Kemetische Katzengottheiten Teil III     Richard Chao, 19.09.2015
Keine lieben Kätzchen - Kemetische Katzengottheiten Teil II     Richard Chao, 05.09.2015
Keine lieben Kätzchen - Kemetische Katzengottheiten - Teil I     Richard Chao, 08.08.2015
Träume und Schlaf im Alten Ägypten     Sat-Ma´at, 12.04.2015
Von der Weisheit Kemets - Teil III     Merienptah, 17.01.2015
Von der Weisheit Kemets - Teil II     Merienptah, 13.12.2014
Von der Weisheit Kemets - Teil I     Merienptah, 22.11.2014
Vom Tod, der Welt danach und dem Totenkult Kemets - Teil V     Merienptah, 11.10.2014
Vom Tod, der Welt danach und dem Totenkult Kemets - Teil IV     Merienptah, 20.09.2014
Vom Tod, der Welt danach und dem Totenkult Kemets Teil III     Merienptah, 23.08.2014
Vom Tod, der Welt danach und dem Totenkult Kemets - Teil II     Merienptah, 02.08.2014
Vom Tod, der Welt danach und dem Totenkult Kemets - Teil I     Merienptah, 05.07.2014
Vom Ursprung der Dinge - Teil III     Merienptah, 15.06.2014
Vom Ursprung der Dinge - Teil II     Merientptah, 03.05.2014
Vom Ursprung der Dinge - Teil I     Merienptah, 12.04.2014
Von der Schöpfung der Welt - Teil IV     Merienptah, 25.01.2014
Von der Schöpfung der Welt - Teil II     Merienptah, 28.12.2013
Von der Schöpfung der Welt - Teil II     Merienptah, 02.11.2013
Von der Schöpfung der Welt Teil I     Merienptah, 19.10.2013
Heurige Neujahrsansprache von Merienptah     Merienptah, 29.06.2013
Kuhgestaltige Gottheiten in Ägypten     Helmsman-of-Inepu, 09.02.2013
Vom Wesen kemetischer Tempel - Teil IV     Merienptah, 12.01.2013
Vom Wesen kemetischer Tempel - Teil III     Merienptah, 22.12.2012
Vom Wesen kemetischer Tempel - Teil II     Merienptah, 08.12.2012
Kemetische Religiösität, oder: Den Göttern das Ihre geben! - Teil III     Djehutimes, 03.11.2012
Kemetische Religiösität, oder: Den Göttern das Ihre geben! - Teil II     Djehutimes, 20.10.2012
Vom Wesen kemetischer Tempel - Teil I     Merienptah, 29.09.2012
Kemetische Religiosität, oder: Den Göttern das Ihre geben! - Teil I     Djehutimes, 14.07.2012
Das kemetische Jahr - Teil II     Sat Ma´at, 23.06.2012
Das kemetische Jahr - Teil I     Sat Ma´at, 02.06.2012
Die kemetischen Seelenaspekte     Sat Ma´at, 07.04.2012
Ma´at als soziales Prinzip     Djehutimes, 17.03.2012
Ma´at als Schöpfungsprinzip     Sat-Ma´at, 28.01.2012




               
                   
                   



    

© WurzelWerk · 2001-2017