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Da mögen sich die Nägel der Wiccas im Allgemeinen und der Dianics im Besonderen noch so hochkrümmen – als "König der Hexen" fände noch der letzte Grenzdebile ins Fernsehen, und reichten seine Knotenzauberkünste auch kaum aus, sich auch nur eigenhändig die Schuhe zuzubinden. Aber gerade solcherlei Versagen findet ja rasch öffentlichen Beruhigungsbeifall: Keine Bange, Leuts, das sind bloß Spinner... Selbst wenn die nicht "bloß spielen" wollen (man weiß ja nie...) – sie vermögen nichts. Schaut her, wie sie scheitern. Fast ein bißchen sympathisch, nicht wahr?
Das ist die unterschwellige Botschaft von TV-Beiträgen (gemeint sind jetzt hier nur die medienseits gutwillig motivierten), die mit Vorliebe zeigen, wie irgendeine Hohepriesterin ihr Räucherwerk nicht ankriegt oder dem Oberschamanen ein paar Spaziergänger durch den frischgezogenen Schutzkreis latschen. Auf ein grund- und vorsätzlich verunsichertes Allgemeinpublikum haben solche Bilder Beruhigungscharakter – nebst des Trostes, sich beim eigenen Scheiß nicht ganz so deppert fühlen zu brauchen, da es ja anscheinend noch viel beknacktere Gestalten gibt, in unserer schönen Welt.
Auch die dieserart Vorgeführten sind beruhigt, da endlich mal beachtet worden. Mögliche Unzufriedenheiten mit den (zumeist ja entsprechend dürftigen) Ergebnissen sind mittels Schwarzweißdenken schnell der tendenzparanoiden Grundhaltung ("alle haben was gegen Heiden") angepaßt und ohne Selbstkritik verdaut.
Was dabei natürlich permanent auf der Strecke bleibt, ist der Ruf des Heidentums in der Öffentlichkeit. Der bleibt so bodenlos wie seine schlechtesten Vertreter. Vielleicht sollte heid mal betonen, daß die keiner von uns bestellt oder gerufen hat. Und berufen schon gar nicht.
Es geht auch anders
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich habe nichts gegen Goden. Ich bin selber einer. Allerdings spielt Letzteres – und hier liegt der feine Unterschied zu den oben Beschriebenen – überhaupt keine Rolle: außerhalb der überschaubaren Gemeinschaft, die mich dazu gewählt hat. Und selbst innerhalb dieser bin ich in keiner Weise sonderberechtigt oder weisungsbefugt: Mein "Amt" enthält keinerlei Privilegien, sondern ist ein Angebot an diese eine Gruppe, das mich ihr und ihren Mitgliedern (und niemandem sonst) verpflichtet. Voraussetzung dafür war, nach praktischem Probejahr, das einstimmige Vertrauensvotum der Gemeinschaft: Gydhia oder Goði kann bei uns nur werden, wer ausdrücklich von jeder und jedem Einzelnen der Gemeinschaft dazu anerkannt und bestätigt wird. Diese Bindung ist mein Boden, und daher braucht unsereiner nirgends um Anerkennung zu buhlen. Der ganzen großen weiten Welt kann es pupsegal sein und bleiben, was für eine Funktion ich für ein paar Freunde und Vertraute ausübe und wie die in unserem festen Kreis definiert ist. Ich wiederum hätte nicht das geringste Bedürfnis, weiteren, womöglich größeren Kreisen dienen zu wollen: Wie zum Donner sollte ich das bewältigen – und dann noch verantworten?
Freilich will die kleine Gemeinschaft, der ich angehöre, keinen Weltruhm einheimsen oder irgendein Heidentum repräsentieren, sondern eine zeitgemäße Form germanischer Kultur leben. Um die zu schaffen, erforschten wir weniger alte Scherben als vielmehr den Geist, der die einstigen Pötte schuf, will sagen: Zwar fanden auch wir immer ganz interessant, wie Angehörige altgermanischer Gemeinschaften ausgesehen haben mochten – viel maßgeblicher für uns aber war und ist, wie sie dachten: unter welchen Voraussetzungen sie welche Ideen hatten, und was sie daraus machten. Was uns davon sinnvoll anwendbar schien (auch und gerade aus der historischen Distanz: nützen soll man, was man eh schon hat, insbesondere, wenn einem sonst wenig übrigbleibt...), probierten wir aus: an uns selber natürlich. Unsere heutigen Regeln sind eine Mischung aus verschiedenen altgermanischen Ideen, die sich auch in einer Gemeinschaft des 20. und 21. Jh. bewährten, sowie eigenen, die im Laufe 13jähriger Praxis entstanden. Alles zurechtgeschnitten auf die speziellen Erfordernisse dieser Gruppe, in konsensdemokratischer Kleinarbeit.
Das ist sicher nicht die einzige mögliche methodische Alternative zu den weiter oben beschriebenen Zuständen – es ist nur die mir bekannteste, und für mich am besten passendste. Beides liegt daran, daß ich sie seit langem mitgestalte. Das aber hat wiederum nichts damit zu tun, ob oder was für einen Titel ich trage, für wen der gilt und was das bedeutet. Gruppenintern haben wir auch schon mal überlegt, ob wir solche Titel überhaupt brauchen – oder vielleicht abschaffen sollten. Wir werden sehen. Wie auch immer wir das entscheiden: Das geht nur uns an, betrifft auch niemanden sonst.
Undenkbar, solche Gedanken, offensichtlich: für
manch Ganzandere
Denn der Begriff "Gode" ist in Österreich gesetzlich geschützt. Natürlich nicht in Form irgendeiner inhaltlichen, geschweige denn einer historisch auch nur halbwegs korrekten Bedeutung – sondern in einer ausschließlich zeitgenössischen: als Markenname nämlich. Das heißt: Niemand anderes als die Inhaberfirma darf mit dieser Marke Geschäfte machen. Also paßt auf, wenn ihr auf die Mittelalter-, Eso-, Yule- und sonstigen Märkte geht: Kauft und verkauft ja keine Goden, sonst macht ihr euch strafbar. Das Godengeschäft ist fest in der Hand einer Esofirma, die u.a. "ethisch integral naturgeweihtes Seidr" anbietet und vieles mehr.
Vielleicht ist von Euch jemand so wief und läßt sich jetzt mal den Begriff "Seidr" patentieren – was dat meint is´ völlich pups, ich erklär´s Euch gern später – dann können die sich ihren Krampf (was immer die unter Seidhr, wie man´s eigentlich schreibt, verstehen) ganz "ethisch integral geweiht" in den Hintern rammen!
Wär doch ein lustiger Sport: Wer patentiert welchen Schmäh am schnellsten?
Aber auch jenseits des Marktes, und auch wenn Ihr selber gar keine Goden seid, weder integral noch beseiert, und – wer wollt´s Euch verdenken – so ähnliche Voll-Ideoden lieber gar nicht erst kennenlernen wollt: Falls Ihr doch mal welche trefft (die Bodenlosen laufen einem nämlich meistens nach, da braucht man selber gar nicht suchen): Laßt Euch nicht für dumm verkaufen.
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