13.
Das skandinavische Mitwinterfest fand ursprünglich Ende
Januar statt
Gelegentlich wird behauptet, das das skandinavische Mitwinterfest
wäre tatsächlich zur Mitte des Winters, also Ende Januar
gefeiert worden. Damit hätte dieses heidnische Fest nichts mit
dem christlichen Weihnachten zu tun. Diese Interpretation beruht
auf einem Missverständnis der Angaben des mittelalterlichen
isländischen Dichters, Textsammlers und Chronisten Snorri Sturluson
der drei Jahresfeste der vorchristlichen Nordleute nannte: Ein Fest
zu Beginn des Winters, ein zweites Fest zur Mitwinterzeit und ein
drittes im Sommer, wahrscheinlich zu dessen Beginn. Mitteleuropäer
denken bei „Beginn des Winters“ an den Dezember, Island
liegt aber so weit nördlich, dass der Beginn des Winters schon
Anfang bis Mitte November angesetzt werden muss. „Mitwinter“ bzw. „Midvinter“ ist
im skandinavischen Sprachraum noch heute die Mitte der „dunklen
Jahreszeit“, von der ab die Tage wieder länger werden.
Entsprechende wird in Skandinavien heutzutage „Midsommar“, „Mitsommer“,
als Mitte der hellen Jahreszeit, zum Sommerbeginn (21. Juni) gefeiert.
Aus den schriftlichen Quellen lässt sich nur erschließen,
dass das Julfest zwischen Mitte November und Mitte Januar lag. Der
Mitwintertermin ist aber bei weitem der Wahrscheinlichste.
Das Julfest wurde im Jahre 940 vom dänischen König Håkon
dem Guten auf den Tag des Christfestes am 25. 12. verlegt, indem
er gesetzlich bestimmte, dass das jólahald zur selben Zeit
wie das christliche mælisøl zu feiern sei.
14. Knecht Ruprecht ist ein anderer Name des Gottes Wodan
Auch wenn einige Charakterzüge Wodans / Odins in die Gestalt
des St. Nikolaus (und die des Weihnachtsmannes) eingingen: Die
von Jacob Grimm versuchte, wohlweislich hypothetische, etymologische
Herleitung von Ruprecht aus dem althochdeutschen hruodperaht
= Ruhmglänzender, gilt als nicht mehr haltbar. Selbst wenn
sie es wäre, und obwohl hruoperaht durchaus einer der zahllosen
Namen Wodans sein könnte, ist die einfache Gleichsetzung
eines Ruhmglänzenden mit Wodan fahrlässig. Es ist ja
auch nicht jeder Wanderer Wodan.
Heute wird vielmehr mit der Herkunft des Namens auf Brauchfiguren
aus dem Alpenland verwiesen. Die Herleitung aus rûhperht
= rauhe Percht beinhaltet einen Verbindung zu winterlichen Umzugsgestalten,
die vorwiegend zum Erscheinungsfest (Epiphanie, Drei Heilige
Könige) auftreten. Allerdings lassen sich genauere Herleitungen
auf Grund der Quellenlage nicht bestätigen.
15. Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung von Coca Cola
Nein. Wahrscheinlich entstand der Weihnachtsmann während
der deutschen Romantik, als Mischung aus den traditionellen Figuren
Nikolaus und Knecht Rupprecht. Im „Deutschen Wörterbuch“ von
1820 wird der Weihnachtsmann bereits als Synonym für das
Christkind genannt. Durch die Beimengung des holländische
Sinte Klaas, des schwedische Jultompte (eines Wichtels mit roter
Zipfelmütze) und schottischer, griechischer, russischer
und vor allem finnischer Einflüsse entstand im „Schmelztiegel“ New
York der Santa Claus / Weihnachtmann, wie ihn die Welt heute
kennt.
Selbst die rot-weiße Bekleidung geht nicht auf die braune
Brause zurück. Bereits die Darstellung des Nikolaus im weltweit
verbreiteten Struwwelpeter, der 1844 entstand, ist dem heutigen
Bild des Weihnachtsmannes recht ähnlich. Moritz von Schwind,
ein Maler der Spätromantik, gab dem „Herrn Winter“ 1847
eine Gestalt, die dem „modernen“ Weihnachtsmann entspricht:
ein gutmütigen alten Mann mit langem, weißen Bart,
Kapuzenmantel und Geschenke-Sack, allerdings ohne den roten Mantel
des Struwwelpeter-Nikolaus.
Im Laufe der Jahre setzte sich dann mehr und mehr die rotweiße
Robe des Weihnachtsmanns durch. Die New York Times schrieb 1927: „Ein
standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern.
Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht
wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart“.
Dieses Bild wurde von dem aus Schweden stammenden Grafiker und
Cartoonisten Haddon Sundblom aufgegriffen, der 1931 für
die Coca-Cola Company im Rahmen einer Werbekampagne den Weihnachtsmann
zeichnete, mit dem Gesicht eines pensionierten Coca-Cola-Mitarbeiters.
Er zeichnete jedes Jahr bis 1966 mindestens einen Weihnachtsmann
für die Coca-Cola-Werbung und prägte so nachhaltig
die Vorstellung dieses ‘modernen’ Weihnachtsmannes.
Diese Werbung war so erfolgreich, dass dieses Aussehen des Weihnachtsmannes
fälschlicherweise Coca-Cola zugeschrieben wird.
16. Der Rentierschlitten des Weihnachtsmanns ist einer Erfindung
der Werbeindustrie
Das trifft nur – und auch nur zum Teil – auf das
berühmteste Rentier des Weihnachtsmannes zu, auf Rudolph.
1939 schrieb Robert L. May die Geschichte des kleinen Rentieres
mit seiner leuchtend roten Nase, in einem kleinen illustrierten
Buch, das als Werbegeschenk des US-Versandhauses Montgomery Ward
verteilt wurde. Das Buch über Rudolph wurde ein Bestseller.
Der Mythos des Weihnachtsmanns, der mit einem von Rentieren gezogenen
fliegenden Schlitten reist, heimlich durch den Kamin in die Häuser
steigt und dort die Geschenke verteilt, geht zurück auf
das 1823 anonym veröffentlichte Gedicht „The Night
before Christmas“. Der Rentierschlitten geht vermutlich
auf den finnischen Joulupukki zurück, ursprünglich
die finnische Version des nordgermanischen Julbockes.
17. Väterchen Frost
ist eine alte russische Sagenfigur
Väterchen Frost, Djeduschka Moros, ist im Gegensatz zur
in Russland heute allgemein verbreiteten Vorstellung, eine erst
im 20. Jahrhundert eingeführte Abwandlung des Weihnachtsmannes
bzw. St. Nikolaus. Väterchen Frost war ursprünglich
eine Personifikation des Winters, wie der Deutschen Herr Winter.
Als freundlicher älterer Herr, der den Kindern Geschenke
bringt, trat er erst mit dem in 1920er Jahren in der Sowjetunion
eingeführten, in der Silvesternacht gefeierten Jolkafeste
in Erscheinung. Das Jolkafest sollte als atheistische Alternative
das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest am 6. bzw. 7. Januar ersetzen.
Durch geschickte Einbettung in die russische Märchenwelt
etablierte sich die Kunstfigur Väterchen Frost mit der ihm
zur Seite gestellten „Snegurotschka“ (”Schneeflöckchen”)
sehr schnell.
Die Figur des Väterchen Frost und das Jolkafest wurden in
Russland so erfolgreich, dass auch nach Wiedereinführung
des Feiertages für das orthodoxe Weihnachtsfest die meisten
Russen an ihm festhalten.
18. Die Bescherung durch
das „Christkind“ ist ein
katholischer Brauch
Keineswegs, denn das „Christkind“ als Gabenbringer
für die Kinder wurde ausgerechnet von Martin Luther (1483-1546) “erfunden”.
Im ausgehenden Mittelalter wurden die Kinder durch den Heiligen.Nikolaus
am 6.Dezember beschenkt. Die Protestanten lehnten die katholischen
Heiligen, also auch den Heiligen Nikolaus ab, konnten aber den
Brauch des Schenkens am Nikolaustag nicht abschaffen. Martin
Luther verlegte den Schenktermin auf Weihnachten und ersetzte
kurzerhand den Heiligen.Nikolaus durch das Christkind, das in
der Nacht auf den 25. Dezember Geschenke verteilt.
Erst im 19. Jahrhundert zog das “evangelische” Christkind
zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum auch bei den Katholiken
ein.
Zeitgleich spielte das Christkind im protestantischen Weihnachtsbrauch
eine immer geringere Rolle und wurde schließlich vom stark
durch den Nikolaus geprägten Weihnachtsmann verdrängt.
So kam es, dass das eigentlich protestantische Christkind heutzutage
hauptsächlich bei katholischen Familien einkehrt.
19. Zu Knut werfen die Schweden
ihre Weihnachtsbäume zum
Fester hinaus
Entgegen der amüsanten Werbung einer bekannten Möbelmarktkette
schwedischer Herkunft besteht keine Gefahr für Fußgänger
in schwedischen Städten einen gebrauchten Weihnachtsbaum
auf den Kopf zu bekommen. Der wahre Kern der Werbung: mit dem
Tjugondag Knut am 13.Januar endet in Schweden die Weihnachtszeit,
die genau einem Monat zuvor mit dem Fest der Santa Lucia begonnen
hatte. Zu Knut trifft man sich noch einmal mit den Verwandten,
plündert gemeinsam alles Essbare am Weihnachtsbaum und wirft
ihn dann hinterher aus der Wohnung, was nur selten völlig
wörtlich zu verstehen ist, und nur in ganz extremen Ausnahmefällen
durch das Wohnzimmerfenster einer Etagenwohnung erfolgt.
Insbesondere für die Kinder ist dies noch einmal ein festlicher
Höhepunkt. Die Bezeichnung „Knut“ geht dabei
auf einen Gedenktag für den dänischen König Knud
den Großen zurück, der der Überlieferung nach
am 13. Januar des Jahres 1086 ums Leben kam.
20. Weiße Weihnacht früher
der Normalfall
Das hängt sehr davon ab, wann „früher“ ist
und in welcher Gegend man lebt. Bis ins 19. Jahrhundert herrschte
in Europa eine Kälteperiode, die ihren Höhepunkt in
der „Kleinen Eiszeit“ des 16. und 17. Jahrhunderts
hatte. Damals entstanden sowohl prachtvollen Winterbilder der
niederländischen Landschaftsmaler wie auch die Geschichten
von entsetzlichen winterlichen Hungersnöten, die in Märchen
wie Hänsel und Gretel ihren Niederschlag fanden. Auf kürzere
Sicht gesehen gehören einiger der Winter der letzten 10
Jahre zu den mildesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen,
allerdings gabt es auch in den letzten Jahre einige spektakuläre „Schneewinter“,
die dank der selektiven Erinnerung besonders im Gedächtnis
bleiben. Die Vorweihnachtszeit 2005 war in Deutschland überdurchschnittlich
schneereich und kalt, die des Jahres 2006 nahezu schneefrei und
die mildeste seit 15 Jahren.
In der Ebene, vor allem in Norddeutschland, ist Schnee zu Weihnacht
ein eher seltenes Ereignis, das im langjährigen Durchschnitt
im Raum Hamburg etwa in einem von neun Jahren auftritt. Das hängt
auch mit dem „Weihnachtstauwetter“ zusammen, einer
in den meisten Jahren auftretenden Wettersingularität: um
den 20. Dezember setzen sich meistens westliche Luftströmungen
und damit milde Meeresluft durch.
21. Die Drei Heilige Könige waren drei, heilig und Könige
Der Evangelist Matthäus erwähnte nur Weise aus dem
Morgenland. Im Neuen Testament steht weder, dass sie Heilige
noch Könige, noch zu dritt gewesen seien.
Das Matthäusevangelium berichtet wörtlich von Magoi
aus dem Osten, die den neugeborenen König der Juden suchen,
weil sie seinen Stern im Aufgang gesehen haben (Mt 2,1-2). Magoi
wird im Griechischen allgemein für Magier verwendet, aber
auch für die iranisch-medische Priesterkaste aus dem Priesterstamm
der Mager. Von daher könnte es sich um persische oder mesopotamische
(chaldäische) Sterndeuter handeln. Also keine Könige,
sondern entweder zorastische Priester oder chaldäische Astrologen.
Bereits die Weisen aus dem Morgenland sind eine geschönte Übersetzung,
die „Könige“ der katholischen Tradition nur
aus der Kirchengeschichte zu erklären. Die Dreizahl wird
auf die drei Geschenke (Gold, Weihrauch, Myrrhe) zurückgeführt
- auf frühen Gemälden sind zwischen zwei und acht Magoi
abgebildet. Seit der Renaissance werden die drei Weisen manchmal
als Jüngling, reifer Mann und Greis dargestellt, häufiger
jedoch als der Bezug den zu drei damals bekannten Erdteilen Europa,
Asien, Afrika, wobei der afrikanische König oft als dunkelhäutiger „Moor“ dargestellt
wurde.
22. C+B+M steht für die Namen der Heiligen Drei Könige
Der mit Kreide zum Dreikönigstag an die Haustür geschriebene
Segen C+B+M steht nicht für „Caspar und Balthasar
und Melchior“, sondern für die Anfangsbuchstaben der
Wörter im lateinischen Segensspruch: Christus mansionem
benedicat, Christus segnet dieses Haus.
23. Der Brauch, sich zu Weihnachen zu Beschenken, stammt erst
aus dem 19. Jahrhundert.
Nein. Das ist eine moderne Legende, die erst im Zuge der Kritik
am „bürgerlichen Konsumterror“ entstand. Wahr
daran ist, dass die feierliche Bescherung sich in der Biedermeierzeit
in der heute üblichen Form herausbildete.
Die Geschenke zu Weihnachten haben vielfachen Ursprung. Zu Beginn
des neuen Jahres wurden schon im republikanischen Rom die „öffentlichen
Bediensteten“ von der Bevölkerung mit kleinen Aufmerksamkeiten
beschenkt, so wie heute noch z. B. Müllmänner oder
Briefträger. Sklaven erhielten von ihren Herren zum selben
Anlass Gaben im oftmals bereits vorher festgelegten Umfang. Ein
weiterer Ursprung der Weihnachtsgeschenke könnte in den
vorchristlichen Opfern zum Fest der Wintersonnenwende liegen.
Oft wurde nämlich nur ein Teil der Opfergabe wirklich den
Göttern dargebracht, d. h. dem menschlichen Gebrauch entzogen,
der Rest kam den Teilnehmern des Opferfestes zu Gute.
Eine – wahrscheinlich historische nachgeschobene – Deutung
sieht in den Geschenken ein Symbol für die Gaben der Weisen
aus dem Morgenlande, die nach der Weihnachtslegende dem eben
geborenen Jesuskind ihre Gaben darbrachten.
Sicher ist, dass bereits im 16. und 17. Jahrhundert das Beschenken
der Kinder zu Weihnachten einen festen, wenn auch von Obrigkeit
und Kirche nicht immer gern gesehenen Platz einnahm. Ab dem 18.
Jahrhundert wurden auch Weihnachtsgeschenke an Erwachsene üblich.
24. Jesus wurde an einem 25. Dezember geboren
In den Evangelien ist kein Datum für den Geburtstag Jesu überliefert.
Als sich im Laufe des 3. Jahrhunderts bei den Christen der Brauch
einbürgerte, Jesu Geburt zu feiern, lag das Fest am 6. Januar,
dem späterer Erscheinungsfest.
Nun gab es um die Wintersonnenwende herum im römischen Reich
ein wichtiges Fest, die Saturnalien, zu Ehren des Göttes
Saturn, eine Art: „Karnevalsfest“. Ab dem 2. Jahrhundert
breitete sich die Verehrung des altiranischen Göttes Mithras
vor allem in der Legion aus. Züge des Mithras vermischten
sich mit denen des Sonnengott Sol; es entstand der Kult des „Sol
Invictus“ (unbesiegte Sonne), dem schärfsten Konkurrenten
des Christentums im 4. und 5. Jahrhundert. Der jährliche
Sieg des „Sol Invictus“ über das Dunkel wurde
kurz nach der Sonnenwende, am 25. Dezember, gefeiert, symbolisiert
als Geburt des Sonnenkindes.
Um von der Popularität dieses Festes zu profitieren, verlegte
der römische Bischof Liberus das Fest der Geburt Jesu auf
den diesen Tag. Infolgedessen drangen auch viele mit dem Sonnengott
verbundene Vorstellungen in das christliche Fest ein.
Tatsächlich kann man, nimmt man das Lukas-Evangelium beim
Wort, sowohl den 25. Dezember wie den 6. Januar ausschließen.
Denn bei Lukas steht, dass zu der Zeit, da Jesus geboren wurde,
die Hirten ihre Tiere nachts noch im Freien ließen. Dies
wäre im Dezember ungewöhnlich gewesen, da die Nächte
in der Gegend um Bethlehem sehr kalt sein können. Ab Oktober
wurden die Herden eigentlich nicht mehr im Freien gehütet.
Auch scheint es eher unwahrscheinlich, dass die Römer eine
Volkszählung, wie sie ja in der Bibel beschrieben ist, mitten
im Winter durchgeführt hätten.
Das WurzelWerk bedankt sich vielmals
bei Martin für
die mehr als reichhaltige Artikelspende und bei Ebensang für
die
sichtlich erfolgreiche Kontaktvermittlung.
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