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Das System, das ich hier vorstelle, hab ich nicht aus einem Kodex
aus Birkenrinde, den die Walküren nach der Übersetzung
wieder mit nach Wallhall nahmen, und es wurde auch nicht in meiner
Familie von Generation zu Generation unter Lebensgefahr durch die
finsteren Jahrhunderte überliefert, sondern es ist das Ergebnis
von etwas Kenntnis der Materie, etwas Meditation und etwas logische
Spekulation.
Fakt ist, dass die Anfänge der Jahreszeiten, besonders die
Sonnwenden, eine wichtige Rolle im rituellen Leben unserer germanischen
VorfahrInnen spielten. Nimmt leut die Folge der Jahreszeiten als
Kreis wahr — was die Alten nachweislich taten — so ist
die natürlichste Art, einen Kreis in Sektoren zu schneiden,
die Sechsteilung — wie jede/r weiß, der/die jemals ein
wenig mit einem Zirkel und einem Blatt Papier herumgespielt hat.
Nimmt leut als Anfangspunkt dieser Teilung eine der Sonnenwenden
und als Kreis die Ekliptik, so erhält leut durch halbieren
der Sektoren welche mit einem Winkel von 30° — und die
sind identisch mit dem Platz, den auf der Ekliptik die Sternzeichen
einnehmen.
Bei nochmaligem Halbieren erhalte ich 24 Sektoren zu je 15°
— die Frage ist jetzt nur noch, an welcher Stelle des Zodiacs
ich beginnen soll, das Fuþark einzutragen. Bei dieser Entscheidung
ist die Bedeutung der einzelnen Runen eine große Hilfe.
Freyrs
ætt
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Fehu
— Vieh
Sonnwend ist vorbei, und das Vieh auf den Weiden wird langsam
fett. Fehu ist auch der Buchstabe f und steht sowohl für
Freyr als auch für seine Schwester Freya, die Göttin
der Liebe, die daher leicht mit Venus verwechselt wird. Doch
Freyas Kult verschmilzt bei manchen Stämmen mit dem von
Frigg, Wotans Gemahlin, die mehr mit Juno zu tun hat (und
mit der Sonnwend begann ursprünglich der Juni!); sie
ist also eher die Göttin der ehelichen Liebe, auch wenn
sie Loki in der Lokasenna beschuldigt, es mit jedem der anwesenden
Asen und Alben getrieben zu haben.Zusammen mit den sieben
folgenden Runen bildet Fehu die erste der drei aus je acht
Runen bestehender Familie, genannt Freyrs ætt. |
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Uruz
— ur
Ich muss mal einen Archäozoologen fragen, ob die Auerochsen
Ende Krebs Brunftzeit haben... Scherz beiseite: die Runen
stehen für Paare von Prinzipien, Kräften &c.,
und die erste der beiden repräsentiert den aktiven Aspekt
(Yang), während die zweite den passiven (Yin) vertritt.
Fehu ist die Rune der Energie an sich, und Uruz verleiht ihr
erst die Form.
Nach dem gregorianischen Kalender sind wir zwischen dem 7.
und 22.7., und die Feldfrucht beginnt zu reifen. |
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þurisaz
— þurse
Riese – ist laut vielen Runenkundigen auch die Rune
þunars oder þórs, des Donnergottes. Jeder,
der mal ein Sommergewitter erlebt hat, weiß, wie gut
diese Rune Anfang Löwe passt. |
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Ansuz
— Ase
ist die Rune Wotans oder Odins, der Wind, Regen und Schnee,
aber auch Poesie, Weisheit und Magie bringt. Er brachte uns
die Runen, indem er neun Tage und Nächte an der Weltesche
Yggdrasil hing. Die Erntezeit beginnt, also ist das Wetter
(und dessen eventuelle magische Beeinflussung) lebenswichtig. |
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Raiðo
— rad, ritt, reise
eine Rune des Wandels. Es ist Anfang Jungfrau, und der nahende
Herbst macht sich bemerkbar. Manchen Stämmen erschien
es vielleicht als gute Idee, ins Gebiet ihrer Nachbarn zu
reiten, um dort zu ernten! |
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Kenaz
— kienspan, Feuer
aber — moderner (laut Igor) — auch ein Parabolspiegel
— Viele verwenden sie als Schutzrune. In den alten Zeiten
war es recht wichtig, die Ernte vor Ungeziefer (und bewaffneten
Nachbarn) zu schützen. |
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Gebo
— Gabe
als Gabe und Gegengabe empfanden die heidnischen Bauern Ernte
und Aussaat. Eigentlich passt diese Idee auch gut zum Sternzeichen
Waage, in das die Sonne eben eingetreten ist. |
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Wunjo
— Wonne
die Freude über das Ende der Schufterei auf den Äckern
gipfelte in sexueller Ekstase — und im Juni häuften
sich die Geburten. Wunjo ist die letzte Rune in Freyrs ætt. |
Hels
ætt
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Hagalaz
— Hagel
Ich weiß nicht genau, ob’s Anfang Skorpion (Ende
Oktober) besonders oft hagelt, jedenfalls verschlechtert sich
das Wetter gegen Samhain im Normalfall zusehends. Soweit ich
weiß, feierten die Germanen allerdings weder Samhain
noch Imbolg, nur die Sonnwenden und Tagundnachtgleichen. Vielleicht
fürchteten sie Hel zu sehr, um kommen und gehen ihres
ætts zu feiern. Sie hätte ja ersteres als Einladung
zum bleiben und Zweiteres als Beleidigung auffassen können.
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Naudiz
— Not
Es ist nur natürlich, dass sich Bewohner eines kalten
Landes sorgen machten, wenn der Winter nahte. |
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Isa
— Eis
Anfang schütze, 22. November bis 7. Dezember... muss
ich mehr sagen? |
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Jera
— Jahr
die form der Rune sagt einiges aus. sie ähnelt dem Yin-Yang
und symbolisiert Anfang und Ende, Geburt und Tod. Jera ist
nicht die letzte Rune des Fuþark, aber des Jahres, denn
Jul, die Wintersonnwend, war das Neujahrsfest der GermanInnen. |
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Eiwaz
— Eibe
laut Igor Warneck das Symbol des ewigen Lebens und Tor zwischen
den Welten; für mich ähnelt sie eher einem Schlüssel,
vielleicht dem zur Unterwelt oder zum unbewussten. jedenfalls
war Eiwaz mein Schlüssel zum Runenkalender. ursprünglich
hatte ich gemeint, das Fuþark müsste mit Frühlingsbeginn
einsetzen, das hätte sie Anfang Waage platziert, aber
als ich mich in die Bedeutung der Runen versenkte, "raunte"
mir Eiwaz, dass ihr platz auf dem rad nach Jul ist, in den
Raunächten, wenn Wotan mit der wilden Jagd — den
Einheriern — unterwegs ist, Hel mit den Strohtoten und
den von hinten erschlagenen Feiglingen und Berchta (manche
meinen, das sei bloß ein Beiname Hels) mit den toten
Kindern (seit der Christianisierung: den ungetauften) sowie
den ungeborenen. noch dazu ist Eiwaz die 13. Rune! und wenn
wir die Runen den 24 stunden des Tages zuordnen (dürfte
etwas unwahrscheinlich sein, dass das die alten GermanInnen
taten, aber wer weiß...), gehört Eiwaz zur Geisterstunde
nach Mitternacht... |
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Perþro
— Pferch
auch Symbol des Mutterleibs. Perþro ist die Rune der
Geburt. natürlich gibt’s im Capricornus, neun Monate
nach dem Lenzäquinox, eine menge Geburten, und auch die
Lämmer werden jetzt geworfen (eher ein Argument dafür,
demnächst imbolg oder oimelc [= schafsmilch] zu feiern,
trotz des oben gesagten), doch hier geht es noch um mehr,
wie die nächste Rune erklärt: |
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Algiz
— Elch
die Rune ähnelt einem Mann mit erhobenen armen und ist
ein Symbol für Leben. Eine Kopf stehende Algiz ist ein
Todessymbol und kann auf mittelalterlichen Grabsteinen gefunden
werden ("Betrachten Sie sich in diesem Zusammenhang das
von der Friedensbewegung gewählte Sinnbild und entscheiden
sie selbst, wo der Fehler lag", so Warneck). was aus
Hels Schoss kommt, leben oder Tod, hängt davon ab, wie
lange die Wintervorräte reichen. |
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Sowilo
— Sonne
nicht sigiz — sieg, wie manche behaupten, und die Rune
stellt auch keinen Blitz dar, sondern einen Sonnenstrahl.
Sowilo passt gut als letzte Rune in Hels aett, da die Tage
nach imbolg oder Lichtmess immer länger werden und der
Lenz unleugbar naht. |
Tyrs
ætt
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Tiwaz
— tiusz, Tyr, Tiu, Ziu
der Name ist der des Jupiter oder Zeus, vom indogermanischen
*djew-s, was soviel wie Gott bedeutet, aber die Funktion ist
die des Mars. das bild ist das eines Speers oder Pfeils. Tiwaz
ist die Rune des unbesiegbaren göttlichen Kriegers und
symbolisiert in diesem Kontext die Kräfte des nahenden
Frühlings, die den Winter bekämpfen – und
schließlich besiegen. |
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Berkana
— Birke
für die alten GermanInnen war die Birke das Symbol der
großen Göttin in all ihren Aspekten, und Igor schreibt:
"Berkana... ist eine sehr sanfte Rune mit venusartigen
Charakterzügen..." lustig... Venus und Mars sind
ein liebespaar, und tiwaz und Berkana bilden das erste runenpaar
in Tyrs ætt:
Zu Berkana Tagen (heuer 16. – 30. fische) zählt
der internationale Frauentag (Zufall?), und am ende gebiert
die Göttin den neuen Astrozyklus, denn der erste tag
der nächsten Rune ist das Äquinox. |
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Ehwaz
— Pferd
(was halt die germanische Lautverschiebung aus dem indogermanischen
*ekwos machte...) gilt wegen der innigen Beziehung zwischen
Pferd und Reiter (sigmund, schau åwa!) als Eherune.
ähnliches gilt für |
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Mannaz
— Mensch
aber die betrifft eher die Harmonie zwischen einem Mann und
seiner anima bzw. einer Frau und ihrem animus. natürlich
ist der lenz die Jahreszeit von Handlungen, die zu hochzeiten
führen können (sowie der hochzeiten selbst). bei
solchen Handlungen mag Pferden eine gewisse rolle zukommen
(z.B. beim Brautraub). |
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Laguz
— Lauch
das einzige Gemüse im Fuþark. ich halte sie für
die Stellvertreterin allen Grünzeugs, das Anfang Taurus
aus dem Schoß der Erde wiederkehrt. laut Igor ist Laguz
ein Flusssymbol und stärkt unter anderem die Fruchtbarkeit...
hm... so ein Lauch ist gewiss dicker und länger als ein
Spargel, oder?
Seinen Platz im Fuþark hat sich der Lauch auf jeden
Fall redlich verdient, da leut ihn auch winters ernten kann,
rettete sein Vitamin-C AhnInnen vor den gefürchteten
Skorbut. |
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Ingwaz
— ing oder yngvi
ist ein älterer Name Freyrs. und wieder die Fruchtbarkeit...
dargestellt wird ein ei, obwohl schon mai ist und Ostara vor
einem Monat war. hm... seht euch mal Laguz und Ingwaz nebeneinander
an. was würde wohl Freud dazu sagen? |
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Dagaz
— Tag
diese Rune gefiel mir auf den ersten blick. jetzt weiß
ich, wieso: sie ist meine Geburtsrune. Igor sagt viel über
Dagaz’ mystische Qualitäten. dass sie eher "sonnenauf-
und -untergang" bedeute als schlicht "tag"
und die heilige hochzeit der Gegensätze symbolisiere,
und hier sitze ich und denke über dinge wie mystischen
Materialismus nach. puh! die tage sind übrigens jetzt
ganz schön lang. |
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Oþalas
— Heimat
ist die letzte Rune von Tyrs ætt und des gesamten Fuþark,
das Symbol des Endes einer reise, der Heimkehr. Oþalas
letzter tag, der 31. oder (meistens) 32. Zwillinge, bringt
uns die Sommersonnwend, und das rad dreht sich weiter, Richtung
Fehu... |
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