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Alles
Käse?
Ein Satz, wie ihn jeder kennt der versucht, aus der
Flut esoterischer „Bedienungsanleitungen zur Erleuchtung“,
brauchbare Anregungen herauszulesen. Mit dem schalen Nachgeschmack,
welchen abgestandenes Zuckerwasser hinterlässt, wird der ernsthaft
Suchende der „innovativ-modernen“ Runenliteratur für
gestresste Manager wahrscheinlich den Rücken kehren.
Die Überlegung, die zumeist in weiterer Folge angestellt
wird, dass die Runen als alte Schriftzeichen wohl schon vor dem
neuzeitlichen Eso-Boom literarisch abgehandelt wurden, führt
einen dann ins Antiquariat. Dort kann man, wenn man überhaupt
was findet, ähnliche Sätze wie diesen lesen:
"Für den
nordischen Recken schafft das Runenheil Schirm und Schutz vor minderrassigen
Strahlungen, wenn er es nicht verabsäumt täglich in züchtiger
Gymnastik und Gesang dieses zu erwirken…"
Hier stellt sich zum schalen Nachgeschmack letztlich gelbbitterer
Brechreiz ein und meist endet an dieser Stelle die Suche nach Runenweisheit.
Falls besonders Hartgesottene weitermachen bricht dann der Widerstand
spätestens an der streng wissenschaftlichen Literatur, welche
oft wegen der vorhergehenden schlechten Erfahrungen in letzter Konsequenz
zu Rate gezogen wird.
"Konkrete,
zwingende Beweise für die Verwendung der Runen im magisch-kultischen
Kontext liegen nicht vor, vor allem die von der Esoterik aufgestellte
Behauptung Runen werden im Rahmen eines yoga-ähnlichen Systems
gestellt und gesungen, können als romantische Phantasterei
abgetan werden."
Nun, mit solchen wissenschaftlichen Fakten konfrontiert, stellt
sich höchstwahrscheinlich endgültig Resignation ein und
das Raunen der Runen ist kein Thema mehr. Eine solche Entscheidung
ist durchaus nachvollziehbar jedoch nicht unbedingt nötig und
unter Umständen sogar falsch.
Frustration
macht sich breit, was tun?
Die Runen und die ihnen innewohnenden Kraft können
aber weder für die gegenwärtige Wellness- und Konsum-Hysterie
noch für die lebensverachtende Stumpfsinnigkeit der „superdeutschen“
Vergangenheit verantwortlich gemacht werden. Ebenso wenig wie das
Fehlen von Beweisen für eine romantische Verwendung der Runen
im Gegenzug beweisen könnte, dass dem nicht so war.
Hier ist wie so oft, und vor allem in naturreligiösem Zusammenhang
die eigene Empfindung gefragt. Dies gilt für die Verwendung
literarischer Empfehlungen genauso wie für mündliche Ratschläge
von anderen Praktizierenden. Kritisch betrachten, ausprobieren,
persönlich-empirische Entscheidungen treffen und somit Erfahrungen
zu sammeln heißt der von mir vorgeschlagene Weg.
Meine eigenen Erlebnisse mit dem Raunen der Runen auch in Kombination
ist den entsprechenden Körperhaltungen (Stadhagaldor
/ Stadha = Stellung, Galdor = magischer Gesang) sind
dargestellt, dass es sich nicht mehr nach wissenschaftlichen Beweisen
verlangt. Die daraufhin manchmal auftretende Frage nach der Möglichkeit,
dem Placebo-Effekt aufzusitzen ist dann die, im Schamanismus oftmals
so genannte, „langweiligste Frage der Welt.“ Es ist
gemäß des naturreligiösen Pragmatismus unwesentlich
über wie und ob mental zu onanieren, wenn es vom Bauch her
stimmt und das Ergebnis passt.
Dass runisch-kanalisierte Feinkraftströme erfahr- und erlebbar
sind bedarf keiner Diskussion ganz gleich ob im „alten Germanien“
geraunt wurde oder nicht. Entscheidend ist hier für mich nur,
was man heute mit dieser Tatsache macht. Welche Bedeutung und Wirksamkeit
die einzelnen Runen früher bei den Stämmen (denn als solche
verstanden sich die Menschen damals; nicht als eine „germanische
Nation“) innehatten kann ansatzweise durch archäologische
Funde, Textbruchstücke, die Edden sowie den so genannten Volksglauben
rekonstruiert werden. Von dieser Basis aus muss nun freilich wieder
experimentiert werden. Unzählige Komponenten spielen hier eine
Rolle. Raunt man Runen in der Gruppe oder allein im Freien oder
im Zimmer, raunt (Galdar) man überhaupt oder stellt
man die Rune nur (Stadha), usw.
Wie
tun?
Von starkem Einfluss ist natürlich die eigene
Grundhaltung, der persönliche momentane Zustand, der Antrieb
aus dem heraus man sich mit den Runen kurzschließt. Es dürfte
jedem klar sein, dass es einen Unterschied macht, ob ich eine Rune
nach der Ostara-Reinigungszeit an einem still-glucksenden, sonnenbeschienenen
Bächlein raune von Glück der Stunde erfüllt oder
ob ich dieselbe Rune in einem verrauchten, lauten Bierlokal nach
dem Konsum von drei Krügerln sieben Stunden nach dem ich in
meiner Firma die Kündigung bekommen habe, vor mir besinge.
Dieses Beispiel ist zugegebenermaßen ein wenig drastisch,
jedoch kann ich nun an dieser Stelle, zur Veranschaulichung, ein
kleines Experiment anbieten.
Stellt euch am Morgen ins Wohnzimmer mit dem Gesicht nach Norden
und raunt die Isa Rune desgleichen am Abend und mit dem Gesicht
nach Süden gewandt – Ihr werdet sehen, was ich meine.
Wichtig ist, dass klar ist, dass es hier nicht um Wertung geht,
sondern um nutzbare Erkenntnisse.
Auch soll nicht wundertätiges Wirken erstrebt oder erwartet
werden - wenngleich es trotzdem sein kann, dass beispielsweise die
Wolkendecke aufreißt und die Sonne durchkommt, wenn man in
harmonischer Weise die Sowelo Rune raunt. Es geht dann zu
ermöglichen und somit auch zu spüren wie die segnende
Kraft über die bei der Algiz Runenstellung empor gestreckten
Hände hereinströmt und wie sie sich beispielsweise auf
ein die Wasserweihe bzw. Lebensleite empfangendes Neugeborenes überträgt.
Es ist schon aufgrund der Formen und der Namen der Runen klar
wohin sie gehören, was sie ermöglichen wie die Wellen
und Ströme wirken und fließen. In Form und Klang von
Uruz liegt bereits die fraglose Sicherheit, dass diese Rune
die Kraft der Erde in einen Rekonvaleszenten holt und ihm bei der
Erholung unterstützt, wie sie ebenso die Heilung der geschändeten
Erde selbst ermöglichen könnte (würden sich genug
Menschen finden sie zu Stellen zu raunen und ihr einen Platz in
ihrem Bewusstsein einzuräumen) gerade weil die Beschäftigung
mit einer Sache bereits deren Änderung, Fixierung oder Erfassbarkeit
bewirkt.
Mein
Vorschlag
Wie bereits gesagt, geht hinaus die Runen zu erleben
- mit einem Partner in einer lauen Wonnemondnacht, raunt dem wanischen
Geschwister- und Liebespaar Freyr und Freyja Lust mit Fehu
Lust zu und erlebt die Antwort. Macht euch in einer stürmischen
Nebelmondnacht allein auf um Wodan zu begegnen, indem ihr einen
Becher Met trinkt und anschließend Ansuz in den Sturm
brüllt. Was auch immer ihr tut, fürchtet euch nicht vor
den Runen ihrer missbräuchlichen Verwendung oder der Verwirrung
ihrer Macht.
Sie werden das sein, was ihr zulasst, dass sie sind, so wie man
nur dann lebt wenn man zulässt, dass man lebt!
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