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Als ich damals die ersten Zeilen überflogen hatte, war ich
tief enttäuscht. Wo waren die großen Abenteuer, die Drachen
und Heldentaten? Keine Spur von einem Hauch von "Der Herr der
Ringe". Stattdessen schwer verständliche Verse und in
fast jedem Absatz unbekannte Namen und Begriffe. Ich legte die Edda
vorerst enttäuscht weg.
Jahre später griff ich erneut zu diesem Buch. Wissensdurstig
entschlüsselte ich Zeile um Zeile, schlug bei unklaren Begriffen
in den Mythologiewörterbüchern nach. Ich diskutierte mit
anderen Menschen, die über die Edda Zugang zum Glauben der
alten Germanen zu erlangen versuchten. Langsam lichtete sich der
Nebel. Je mehr ich las, je mehr ich verstand, desto faszinierender
wurde die Edda für mich. Heute genieße ich es aus ihr
zu lesen. Immer noch entdecke ich neue Zusammenhänge, immer
noch begeistern mich neue Geschichten.
Heute erzählen mir viele "Neulinge", wie es ihnen
mit Edda geht. Mir fällt auf, vielen geht es, wie mir früher.
Deswegen möchte ich Tipps geben, wie die ersten Schritte mit
der Edda möglicherweise etwas erleichtert werden können.
Tipp
1 - Lerne über den Ursprung der Edda
Bevor du mit der Edda beginnst, könnte es ratsam sein, sich
ein wenig über den Ursprung dieses Werks zu informieren. Es
gibt im Internet und in vielen Literaturlexika zahlreiche Informationen
über die Entstehung der Edda und zu ihrem Autor Snorri Sturluson.
Führe dir vor Augen, dass die Edda vor über 700 Jahren
niedergeschrieben wurde! Überlege dir, warum sie in Versen
und nicht als Roman geschrieben wurde! Denke auch darüber nach,
ob es vielleicht einen driftigen Grund gab, warum vielleicht das
eine oder andere nur indirekt formuliert wird!
Tipp
2 - Organisiere dir gute Bücher
Die Edda wurde in Altisländisch verfasst, es gibt verschiedene
Übersetzungen mit unterschiedlicher Qualität. Es gibt
natürlich keine Idealübersetzung, denn vieles ist Geschmackssache.
Ich bevorzuge die Übersetzung von Hugo Gering, weil sie sich
am meisten am Originaltext hält. Leider ist diese Übersetzung
nur mehr schwer erhältlich.
Wenn du die Edda liest, bedenke auch, viele Übersetzungen stammen
aus dem 19. Jahrhundert und enthalten Begriffe, die im 21.Jahrhundert
nicht mehr modern sind. Auch ein gutes Mythologiewörterbuch
sollte in deinem Bücherregal stehen. Ich kann in diesem Fall
Rudolf Simek: "Lexikon der germanischen Mythologie" empfehlen.
Tipp
3 - Lese die Edda auch mit anderen
Manchmal mag es ratsam sein, gewisse Stellen aus der Edda gemeinsam
mit anderen zu lesen. Vielleicht gibt es ja auch in deiner Nähe
eine Uni, an der Skandinavistik angeboten wird und wo du den einen
oder anderen Vortrag besuchen kannst.
Viel wurde mir auch klar, nachdem ich wichtige Textstellen auswendig
gelernt habe.
Tipp
4 - Keine Panik vor den vielen Namen
In vielen Absätzen tauchen immer wieder neue Namen auf, doch
oft sind viele Begriffe nur Synonyme. Vor allem Odin hat viele Beinamen
und tritt mit immer wieder mit unter einem anderen Pseudonym auf.
Walvater, Wotan, Wodan, Skilfing, Thundr, Hroptatyr, Gangleri,
Es hilft sich eine Liste der Beinamen einzelner Götter zu machen.
Tipp
5 - Lies Kapitel mehrmals und nach Lust und Laune
Oft reicht es nicht, einzelne Kapitel einmal zu lesen, um sie zu
verstehen. Lies Kapitel mehrmals! Es ist auch nicht zwingend notwendig
das Buch von vorne bis nach hinten durchzulesen. Du kannst immer
wieder ein Kapitel zufällig auswählen und darin lesen.
Tipp
6 - Sorge für die richtige Lesestimmung
Ein wenig Met kann da nicht schaden, auch die richtige Musik im
Hintergrund kann den Geist erleuchten. Es muss nicht unbedingt Wagner
sein, empfehlenswert sind auch Werke wie Edvard Griegs "Peer
Gynt" "Nicht meide den Met, doch maßvoll trinke,
Ersprießliches sprich oder schweig'!"
Tipp
7 - Erkenne die Funktionen der Figuren
In vielen Geschichten gibt es ähnliche Abläufe und Personen,
die immer wieder zu bestimmten Zeitpunkten auftreten. Ist etwas
Hinterhältiges geschehen, hat oft Loki die Hand im Spiel. Gibt
es mit Riesen Probleme, schwingt Thor seinen Hammer. Kennst du die
Funktion einzelner Figuren, fällt das Lesen leichter.
Tipp
8 - Suche Parallelen mit anderen Götterwelten
Du wirst dich wundern, wie viele Ähnlichkeiten es mit anderen
Götterwelten gibt. Bei den Griechen wird Prometheus an die
Wand geschmiedet, in der germanischen Mythologie ist es Loki. Manche
Menschen vergleichen Herkules mit Thor.
Versuche Zusammenhänge herzustellen! Überlege dir, warum
es diese Ähnlichkeiten gibt!
Tipp
9 - Der Reiz der Interpretation
Die Edda ist kein Werk, über die wir alles wissen. Vieles liegt
im Dunkel und einiges kann nur interpretiert werden. Wenn jemand
sich damit brüstet die Edda verstanden zu haben und alles zu
interpretieren weiß, ist dies vielleicht sogar ein Anzeichen
dafür, dass er nichts verstanden hat.
"Ein unkluger Mensch, meint alles zu wissen, wenn er behaglich
im Winkel weilt, und weiß dennoch nichts zu erwidern, wenn
ein andrer sein Urteil wünscht."
Tipp
10 - Sei beharrlich!
Wenn du beim ersten Mal nicht alles verstehst, gib nicht auf! Für
mich ist die Edda wie ein großes Puzzle, das nach und nach
zusammensetzt werden muss. Du wirst sehen, nach einiger Zeit wird
vieles klarer.
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