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Auch als landwirtschaftliches Orakel hat der Holunder einen Namen im Brauchtum.
So, wie der Holunder blüht und auch Früchte ansetzt, so werden auch die Weinreben fruchten. So viele Tage vor Johannis der Holunder blüht, so viele Tage früher kann das Getreide geerntet werden.
Wenn der Holunder sehr lange blüht, wird auch die Ernte länger sein, weil sie dann vermutlich mehrfach unterbrochen wird.
Blüht er ungleich, so fällt auch die Ernte ungleich aus.
Sind an einem Holunder gleichzeitig Blüten und Beeren zu finden, so steht ein strenger Winter ins Haus.
Werden zur Weihnacht an einem Holunderbusch frische Triebe entdeckt, so steht ein zeitiger Frühlingseinbruch bevor.
Als Glücksbringer und Talismane gelten Holunderzweige, die von einem Busch geschnitten wurde, der unter einer Mauer herauswächst oder an dessen Zweigen ein Bienenstock zum ersten Mal geschwärmt hat.
Auch wurde vorn dem Holunder gesagt, dass man unter seinen Zweigen vor Mückenstichen und Schlangenbissen sicher sein soll.
Der verbreitete Volksglauben, dass man vor einem Holunder den Hut ziehen soll, hat vermutlich seine Wurzeln darin, dass geglaubt wurde, dass in den Zweigen des Holunders die (Haus)Geister einer Familie oder gar des Ortes, an dem der Holunder wächst, leben sollen.
Es gibt aber auch die Annahme, dass der Spruch ursprünglich in dem Glauben wurzelt, dass eine Göttin oder Gott den Baum bewohnt.
Eine weitere, vom christlichen Volksglauben geprägte Vorstellung betrifft den sehr intensiven Geruch der Holunderblüten.
Demnach soll sich Judas Ischariot, der Jesus verriet, an einem Holunderbaum erhängt haben.
Ein anderer Volksglauben besagt, dass das Kreuz, an das Jesus genagelt wurde, aus Holunderholz gefertigt war.
Aus diesem Grund soll der Holunder auch die Wohnstätte von Dämonen und Geistern sein.
Das bereits angesprochene Tabu, Holunderholz als Feuerholz zu verwenden, kann auch seine Wurzeln darin haben, dass man glaubte, dass der Holunder nur dort wächst, wo Menschenblut vergossen wurde und dass der Rauch dieses Holzes den Teufel anlockt, der dann durch den Kamin kommt.
Die Zauberstäbe der Hexen sowie Amulette gegen den Zauber von Hexen sollen aus diesem „Teufelsholz“ gemacht sein.
So soll ein in der Nacht des 30. April geschnittener und über der Haustür angebrachter Holunderzweig vor Hexen schützen. Wird der Zweig aber in das Haus getragen, so bringt er den Tod mit sich.
Werden Kinder mit einer Rute aus Holunderholz geschlagen, so sollen diese nicht mehr weiter wachsen.
Holunder, der an Beltane gesammelt wurde, soll besonders wirksam für Heilung und Magie sein.
Viele glauben, dass er seine größte Macht erhält, je näher er zur Mitternacht geerntet wurde.
Holunderzweige sind sehr einfach auszuhöhlen, weswegen sie vermutlich auch für die Herstellung von (Pan-)Flöten benutzt wurden.
Von Plinius soll überliefert worden sein, dass der Holunder bei der Herstellung von Posaunen eine Rolle gespielt haben soll. Die Posaunen sind Instrumente, die mit der Luft in Verbindung stehen. Wahrscheinlich gab der Holunder deshalb auch den Windinstrumenten seine Kraft.
Einer Deutung des Märchens Frau Holle zufolge, stehen die kleinen Blütensternchen des Holunders für den Schnee und der Saft der schwarzen Beeren für das Pech.
Bindet man einen Faden bei abnehmenden Mond an einen Holunder mit dem Spruch »Guten Morgen, Herr Flieder – Ich bringe dir mein Fieber – ich binde dich an – Nun gehe ich in Gottes Namen davon«, so hilft dies gegen Fieber. Auch andere Krankheiten kann man auf ähnliche Weise los werden. Manchmal muß man allerdings danach den Ast abschneiden, da sonst die Krankheit in den Früchten fortbesteht und auf andere übertragen werden könnte. Auch ein Zettel mit dem Namen des Kranken, der in ein zuvor gebohrtes Loch in einen Ast gesteckt wird, kann zur Genesung führen.
Gegen Zahnschmerz soll folgendes Mittel helfen: Man beiße in einen Holunderast, ziehe dann den mittleren Wipfel mit der Hand auf deren Seite der schmerzende Zahn liegt herunter und spricht: »Meine Zähne tun mir weh, – ein schwarzer, ein roter, ein weißer (vgl. Wurmsegen) – ich wollte, dass sie sich verbluteten – Im Namen Gottes« usw.
Um eine Blutung zu stillen, soll man einen Holunderzweig hineintauchen mit dem Spruch: »Ich verbinde diesen Verband in Gottes Hand. Im Namen« usw. So wie das Blut am Zweig trocknet, wird auch die Blutung stoppen.
Auch Wundverbände oder Kleidungsstücke eines verhexten Menschen wurden in seine Zweige gehängt oder unter ihm vergraben, um Fluch oder Krankheit auf den Baum zu übertragen.
Man vergrub auch die Nachgeburt unter dem Holunder oder das Badewasser der Säuglinge wurde dort ausgeschüttet, um eine Verbindung zwischen dem schützenden Holunder und dem Kind herzustellen.
Besonders viel heilende Kraft steckt in einem Holunder, der auf einer Weide wächst. So soll die zwischen Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt vor Neumond zwischen 11 und 12 mittags geschnittene Rute eines solchen Holunders gegen Epilepsie und Dämonen helfen.
Die Blüten sind am wirksamsten, wenn sie zur Sommersonnwende oder am Johannistag mittags oder vor Sonnenaufgang gepflückt werden.
Sonstiges
In einer Variante des sogenannten keltischen Baumhoroskop steht der Holunder (Ruis) für die Zeiträume 19. März – 27. März und 17. September – 25. September. In dieser Zeit geborene, sollen gutmütige, diplomatische Familienmenschen sein, die eine gute Menschkenntnisse besitzen. Sie sind sehr hilfsbereit, können aber auch sehr abweisend sein, wenn sie sich ausgenutzt fühlen. Bei Ungerechtigkeiten neigen sie zu Reaktionen, die auf andere sehr extrem wirken können.
Magische Eigenschaften sind Schutz, Heilung, Wohlstand, Exorzismus, Schlaf, Energie, Liebe, Neubeginn, Tod, die dreifache Göttin, Tor zur Unterwelt. Der Schwarze Holunder ist eine sehr starke Schutzpflanze, zum Beispiel gegen alles Böse und gegen Schwarze Magie.
So soll Holunder, der am Körper getragen wird, vor Angriffen jeglicher Art schützen.
Wird ein Holunderbusch vor einem Hauseingang oder einen Garten gepflanzt, so soll er das Haus vor Blitzschlag, aber besonders auch vor bösen Mächten und bösem Zauber schützen.
Außerdem soll er dem Haus und seinen Bewohnern Wohlstand bringen.
Wird ein Holunderstrauch innerhalb des Hauses über Eingängen oder Fenstern gehängt, soll er die Räume und die Menschen vor Unheil und bösen Menschen bewahren.
Werden Holunderstöcke im Haus ausgelegt, so sollen sie das Haus vor Räubern und Schlangen beschützen. Einem Holunderbusch wird außerdem die Kraft zugesprochen, jeden bösen Zauberer dazu zu zwingen, den Zauber, den er gegen einen Menschen gewirkt hat, wieder zurück zu nehmen. Wer die Beeren des Schwarzen Holunders bei sich trägt, soll vor Bösem und Negativität geschützt sein.
Wenn jemand einen Ort, eine Person oder einen Gegenstand segnen will, so soll dieser im Namen des Entsprechenden Holunderbeeren und –blätter in alle vier Himmelsrichtungen und dann einen Teil davon auf den zu segnenden Gegenstand, die Person oder Ort streuen. Wenn ein Paar heiratet, so soll ein Talisman aus Holunderholz ihnen Glück für ihre Ehe bringen. Und um die eigene Treue oder die des Partners zu versichern, soll das Tragen von Holunder gegen die Verlockung des Fremdgehens schützen.
Um ein Ungeborenes zu schützen, so soll eine schwangere Frau ebenfalls einen Talisman aus Holunderholz bei sich tragen.
Wer Geisterwesen herbeirufen möchte, der soll aus einem Holunderzweig eine Flöte schnitzen und sich damit an einen, von menschlichem Treiben sicheren Ort begeben und auf der Holunderflöte spielen. Der grüne Saft der Holunderblätter sollte dazu befähigen, Feen zu sehen, wenn er auf die Augenlider aufgetragen wird.
Die weißen Blüten und die roten, reifen Beeren sollten in keinem Liebeszauber fehlen, während die Zweige für Bannzauber verwendet werden können.Der Holunder entspricht im Tarot der Karte der Hohen Priesterin.
In Dänemark wird der Holunder sehr stark mit den Riten der Sommersonnenwende in Verbindung gebracht.
Wer sich an diesem Tag in einem Holundergehölz aufhält, der soll dort einen idealen Platz haben, um in die Welt der Feen einzutreten.
Wer Feen und Devas zu sehen wünscht, soll zur Sommersonnenwende Holunderblüten in einen Kelch (als Wein oder anderes Getränk) oder in die Räucherung geben.
Um das eigene Heim zu schützen, kann der Holunder unterschiedlich verarbeitet werden.
So können die dünnen, elastischen Zweige zu Kreuzen oder Pentagrammen gebunden oder geflochten werden; getrocknete Beerendolden aufgehängt oder aus dem Laub Talismane oder Amulette gemacht werden.
All diese Dinge können dann im Haus über der Tür und den Fenstern aufgehängt werden.
Natürlich kann der Holunder auch für Haus- und Heimsegnungen benutzt werden.
Holunder erleichtert das Überschreiten von Schwellen und kann dementsprechend angewendet werden (z. B. bei Einschlafproblemen, bei schamanischen Reisen in die Unterwelt, Kontaktaufnahme mit den Ahnen, bei Übergangsriten oder um jemanden das Sterben zu erleichtern). Als Räucherung dient der Holunder dem Kontakt mit dem eigenen Schatten, kann aber auch zur Reinigung von Räumen (bzw. Erdung negativer Energien) angewendet werden und zur Heilung traumatischer Erinnerungen.
| Planet: |
Venus, Erde, Saturn |
| Element: |
Wasser, Luft / (Feuer) |
| Geschlecht: |
weiblich |
| Götter: |
Hel, Holle/Holda/Hulda,
Freya, Hekate, Cerridwen, Venus, Berchta/Percht, Puschkaitis,
Sidhe |
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