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Dies war einer der ersten Sätze, die Frau Dr. Brigitte Klemme (Gundermannschule – Deutschland) während meiner Ausbildung zum Kräuterpädagogen, zu uns Absolventen sagte. Natürlich wurde diese Entscheidung relativiert mit evolutionären Erklärungen wie, im Vordergrund stehe die Arterhaltung und wenn es einen langen kalten Winter gäbe, dann würden mehr Blüten, als in einem milden Winter, entstehen.
Trotzdem hatte sich dieser Satz bei mir so eingeprägt, dass er mich nicht mehr los ließ. Das Wort „entscheidet“ impliziert doch, dass hier eine „Intelligenz“, ein „Bewusstsein“ vorhanden ist. Eine „Intelligenz“ die sich dem Menschen entzieht. Und doch…. Woher hatten die „Alten“ ihr Wissen? Nur durch Beobachtung oder auf Grund von Versuch und Irrtum?
Ich begann zu recherchieren und entdeckte Altes und auch Neues, dass ich Euch hier präsentieren möchte. Ich möchte Euch auf eine Reise einladen in das Reich des Unsichtbaren und doch immer Präsenten – in das Reich unserer heimischen Pflanzen.
Überlebensstrategien der Pflanzen
Genau wie Tiere sind auch viele Pflanzen bedrohte Lebewesen mit einem festen Platz innerhalb der Nahrungskette. Um nicht gefressen zu werden haben sie verschiedenste Mechanismen ausgebildet. So sind Pflanzen von nahem betrachtet wahre Überlebenskünstler. Sie ringen um ihre Nährstoffe, um den besten Platz, darum neuen Raum zu erobern und sich auszudehnen. In diesem lautlosen Kampf ums Überleben agieren auch alltägliche Gewächse mit verblüffenden Tricks.
Mechanische Abwehrtechniken
Schutz durch Bitterstoffe und Gifte
Setzt auf Angriff: die Tomatenpflanze
Eine Pflanzenimperialistin: die Brombeere
Kampf um Licht und Nährstoffe
Mechanische Abwehrtechniken
Im Laufe der Evolution haben Pflanzen viele Abwehrmechanismen entwickelt, die Angreifern den Appetit verderben sollen. Der Weißdorn zum Beispiel, schützt sich mit Dornen vor hungrigen Weidetieren. Unscheinbare Gräser fügen auch uns Menschen scharfe Schnitte in die Finger zu, wenn wir achtlos hineingreifen. Diese Wunden entstehen durch eine Reihe winziger Schneiden aus Kieselsäure. Auch mit den Brennhaaren der Brennnessel hat fast jeder schon mal Bekanntschaft gemacht. Bei der leichtesten Berührung brechen die Köpfchen dieser feinen Nadeln ab. Es entsteht eine Spitze, die sich in die Haut bohrt. Gleichzeitig fließt schmerzender Nesselsaft in die Wunde. Ein Kaninchen, das sich voller Lust über die saftigen Blätter einer Brennnessel hermacht, wird das nie wieder tun. Bei dieser Kost wird seine empfindliche Nase allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen.
Schutz durch Bitterstoffe und Gifte
Neben diesen mechanischen Taktiken zur Feindesabwehr schützen sich viele schmackhafte Gewächse mit chemischen Maßnahmen. Kürbisse zum Beispiel enthalten in ihrer Urform Bitterstoffe. Bei den Kultursorten sind diese Bitterstoffe herausgezüchtet worden. Damit fällt aber auch der Schutz vor Pflanzenfressern weg, was wiederum Insektizide notwendig macht. Auch Enzian, Wermut, der große Ampfer und viele andere Kräuter und Sträucher legen es darauf an schlecht zu schmecken.
Ein weiterer Schutz vor dem Gefressenwerden bietet die Einlagerung von Gift. Als die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert die Kartoffel in Europa einführten, wurden viele Menschen schwer krank. Der Grund: Statt der Knolle hatten sie die giftigen Blätter und Stängel der Kartoffelpflanze gegessen. Ein in unseren Wäldern häufig vorkommendes Gewächs ist der Adlerfarn. Um Insekten abzuschrecken sind seine weichen, jungen Wedel mit Blausäure gefüllt. Ausgewachsen ist der Adlerfarn auch für größere Tiere attraktiv. Jetzt setzt er eine noch stärkere Waffe ein: Die Wedel der alten Pflanze enthalten eine gefährliche Mischung von Giften, die zur Erblindung führen können.
Setzt auf Angriff: die Tomatenpflanze
Einige wichtige Kulturpflanzen wie Tabak und Tomate verlassen sich nicht darauf Insekten lediglich zu vertreiben. Sie töten ihre Angreifer - wenn auch indirekt. Wie die wilde Kartoffel und der Tabak hat die Tomatenpflanze Drüsenhaare auf den Oberseiten ihrer Blätter entwickelt. Wenn zum Beispiel eine Blattlaus ein Blatt annagt, sondern die Drüsenhaare ein hellgrünes, klebriges Sekret ab. Die Blattlaus verfängt sich darin und muss verhungern. Das Drüsensekret der Tomatenblätter ist auch verantwortlich für den typischen Geruch der Pflanze.
Eine Pflanzenimperialistin: die Brombeere
Normalerweise bescheiden sich auch Pflanzen nicht mit dem Ort, an dem ihr Samen einst auskeimte. Wie alle Lebewesen haben sie das Bestreben sich fortzupflanzen und auszudehnen. Ein gutes Beispiel für den floralen Eroberungstrieb ist die Brombeere. Um ihr Territorium zu erweitern bildet sie lange Triebe aus, die im Wind bewegt werden. Jeder Trieb besitzt scharfe, nach hinten gerichtete Stacheln, hervorragend geeignet um sich zum Beispiel an Nachbarpflanzen festzuhaken. Auf diese Art werden benachbarte Sträucher mit der Zeit von der Brombeere überwuchert. Immerhin wächst die Lieferantin schmackhafter Beeren bis zu fünf Zentimetern pro Tag. Gelangen die Triebe zum Boden, schlagen sie dort sofort kleine Wurzeln. Damit ist ein neuer Nährstoffzugang erobert. Ihre scharfen Stacheln nützen der Brombeere nicht nur bei der Sicherung neuer Territorien. Sie schützen sie auch vor dem Angriff hungriger Tiere.
Kampf um Licht und Nährstoffe
Der natürliche Bewuchs Mitteleuropas besteht aus Buchen-, Eichen- und Bruchwald. Wenn wir der Natur freien Lauf ließen, würden sich in einigen hundert Jahren wieder genau diese Wälder bei uns ausbreiten. Wie Pflanzengesellschaften sich gegenseitig in zeitlicher Abfolge verdrängen (Sukzession), lässt sich zum Beispiel nach einem Waldbrand gut beobachten. Nach der Vernichtung der Bäume kommen jetzt Pflanzen zum Zuge, deren Samen zuvor jahrelang in der Erde geruht haben. Sie treffen auf ideale Bedingungen zum Wachsen - auf viel Licht und viele Nährstoffe. Erst Besiedler sind zum Beispiel Fingerhut und Brennnesseln.
Nach einigen Jahren haben diese Gewächse den größten Teil der Nährstoffe im Boden verbraucht. Die Zeit ihrer Herrschaft ist vorbei. Nun kommt die Chance für Pflanzen, deren Samen reichhaltig mit Nährstoffen ausgestattet sind. Birken finden jetzt optimale Lebensbedingungen: Sie überwachsen mit der Zeit alle anderen Pflanzen und nehmen ihnen das Licht, so dass sie nicht weiter wachsen können. Doch inzwischen schießen junge Buchen und Eichen nach oben. Vor ihnen müssen eines Tages auch die Birken kapitulieren. Die weißstämmigen Bäume leben nicht länger als fünfzig Jahre. Nun ist die Zeit der Buchen und Eichen gekommen.
Symbiose mit Insekten
Wusstet Ihr dass, durch Raupen geschädigte Pflanzen ein spezielles Sekret ausstoßen, um Wespen anzulocken, die ihrerseits wieder die Schädlinge töten und ihre Eier in ihnen ablegen? Intelligent, nicht wahr?
Übrigens, wusstet Ihr, dass es da ein kleines aber feines
Museum gibt, wo noch viel mehr über dieses Thema und anderes spannendes über unsere heimischen Pflanzen zu sehen gibt? Vielleicht treffen wir uns ja dort...
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