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Queckengrasland
In überdüngten Wiesen sind die Gehalte potentieller Heilpflanzen
an sekundären Inhaltsstoffen meist gering und die Nitratgehalte
hoch. Die Qualität der Pflanzen ist durch hohe Stickstoffgaben
und nicht immer erkennbare Herbizideinsätze stark beeinträchtigt.
Intensive Wiesen erscheinen meist dunkelgrün oder blaugrün,
was auf den hohen Stickstoffgehalt zurückzuführen ist.
Blühende Verdichtungszeiger wie der Kriechende Hahnenfuß oder
Lückenbesiedler wie Löwenzahn und Sauerampfer sind Folge
der häufigen Arbeitsgänge mit schweren Maschinen. Üblicherweise
gibt es keine Streuschicht und keine alten Gräserhorste, was
das Queckengrasland von gut stickstoffversorgten Brachen unterscheidet.
Im Queckengrasland findet man Arten, die für gewöhnlich
in periodisch überschwemmten Gebieten wachsen. Deshalb heißen
diese Wiesen auch Flutrasengesellschaften. Erst seit den 1970er
Jahren werden sie auch für trockenere Standorte beschrieben.
Durch übermäßige Düngung und zu häufigen
Schnitt (viermal und mehr) entsteht eine artenarme Pflanzengesellschaft,
in der Wurzelunkräuter dominieren. Die meisten Kräuter
können sich nicht regenerieren oder keine Samen ausbilden.
Dieses Futter, das entweder frisch oder siliert an die Tiere verfüttert
wird, schadet ihnen wegen der Einseitigkeit eher, als es ihnen
nützt. Die Quecke, in großer Menge genossen, vermindert
ebenso wie die Brennessel die Fruchtbarkeit der Tiere. Heil- und
Gewürzpflanzen, für Tiere genauso wie für Menschen
wichtiger Teil des Speisezettels, fallen den extremen Bedingungen
zum Opfer.
Äcker
Das Wort Acker leitet sich wahrscheinlich aus dem indogermanischen
agros ab. Dieses bedeutet: „der Ort, an dem gesammelt/geerntet
wird“ (Kluge 1995, 13). Während auf Wiesen und Weiden
die Sammlerinnen oft dasselbe ernten wie die BäuerInnen und
deren Tiere, und nur die Giftpflanzenernte zugleich das Ziel einer
Unkrautdezimierung verfolgt, ist auf Äckern die Spontanvegetation
unerwünschte Konkurrenz zur angebauten Frucht, die mit verschiedenen
Mitteln in Schach gehalten wird.
Fast alle der stärkehaltigen Samenfrüchte stammen aus
kontinentalen Steppen und Halbwüsten Vorderasiens. Die meisten
Ackerunkräuter stammen ebenfalls von dort. Viele von ihnen,
wie die Melde- und Senfarten, sind verwilderte Kulturpflanzen.
Und viele Kulturpflanzen sind, wie Roggen und Hafer, aus alten
Ackerunkräutern hervorgegangen (Hanf 1990).
Für Ackerkulturen wird der Boden alljährlich umgebrochen.
Ziel ist eine gesäte Kultur, deren Speicherorgane oder Samen
zur gleichen Zeit, am Ende ihres artspezifischen Vegetationszyklus,
geerntet werden. Die spezifischen Wuchsbedingungen der vegetationsarmen
Halbwüstenstandorte, aus denen die Kulturpflanzen stammen,
werden alljährlich mit der Bodenbearbeitung reproduziert.
Die regelmäßige Zerstörung der Vegetation begünstigt
kurzlebige, sommer- oder winterannuelle Pflanzenarten. Dabei haben
die Unkräuter vorallem gegenüber dem Sommergetreide Startvorteile,
da sich ihre Samen schon in der Erde befinden und zum Teil schon
gekeimt haben, wenn das Getreide gesät wird (Hanf 1990). Im
bereits angewurzelten, aber noch niedrigen Getreide konnten die
Rosetten mancher Unkräuter als Wildgemüse gesammelt werden
(Feldsalat).
Einige Ackerunkräuter (z.B. Ackerhellerkraut, Senf, Amaranth)
besitzen schmackhafte Samen, die man bei Gelegenheit vom Feldrand
mitnehmen kann. Diese Gelegenheit haben am ehesten die Leute, die
auf dem Acker zu tun haben. Sie wissen, wie er bewirtschaftet wird
und ob er sich zum Sammeln eignet. Sie sind es auch, für die
das Sammeln auf dem Acker keinen Umweg bedeutet, und die deshalb
diese Gratisernte von Blättern, Blüten und Samen am ehesten
betreiben und die sich am ehesten berechtigt fühlen, den Acker
zu diesem Zweck zu betreten. Heute sind das ganz wenige Leute,
da gerade der Ackerbau stark mechanisiert worden ist.
Obwohl Äcker als Sammelorte sehr ergiebig wären, werden
sie von den Sammlerinnen gemieden. Im Zweifelsfall entscheiden
sich die Sammlerinnen gegen das Sammeln. Nur die Biobäuerinnen
sammeln auf Äckern, und zwar auf ihren eigenen.
Im Sommer kann im Getreide das Unkraut nicht mehr bekämpft
werden, ohne die Kultur zu schädigen. Was jetzt noch wächst,
kann sich ungehindert entwickeln und zur Blüte kommen. Deshalb
können im reifenden Getreide die Blüten einiger Heilpflanzen
gesammelt werden. Vor allem in den Randbereichen der Felder, wo
der Pflug wendet und daher das Getreide sowieso nicht besonders üppig
wächst, findet man in herbizidfrei bewirtschafteten Äckern
Kornblume, Kamille, Stiefmütterchen, Schafgarbe und Mohn.
Weiter ins Feld hineingehen sollte man zu diesem Zeitpunkt nicht
mehr.
Während (früher) das Getreide breitwürfig gesät
wurde, wurden Hackfrüchte in Reihen gepflanzt. Durch den großen
Reihenabstand blieb der Acker zugänglich, bis beim Bestandsschluss
die Kulturpflanzen den Acker eindeutig dominierten. Die im Frühling
beim Hacken ausgerissenen Huflattichrhizome, Quecken- und Distelwurzeln
konnten gleichzeitig als Wildgemüse dienen. Dabei konnte die
Pflege optimal mit der Ernte kombiniert werden. In der bäuerlichen
Landwirtschaft war diese Ernte einkalkuliert und zum Teil sogar
Bestandteil der Bezahlung der TaglöhnerInnen, die die Felder
gehackt haben (Auerswald 1996, 249). Auf biologisch bewirtschafteten Äckern
wäre es auch heute möglich, die herausgeeggten Queckenwurzeln
einzusammeln, ich habe aber keine Sammlerin gefunden, die das macht.
Im Ökolandbau werden die Hackfrüchte und das Hacken in
der weiten Reihe zur Unkrautregulierung eingesetzt. Häufiges
Hacken schwächt die polykormen Unkräuter und ermöglicht
gleichzeitig den annuellen Unkräutern, mehrmals im Jahr zu
keimen und zu wachsen. Deshalb bietet der Hackfruchtacker während
der ganzen Vegetationsperiode junge Wildgemüsepflanzen. Die
gute Nährstoffversorgung macht die Pflanzen zart und die Blätter
mastig. Da sie viel Platz haben, sind die einzelnen Pflanzen groß.
Die Ernte geht recht schnell.
Anders als bei der Wurzelernte sind bei den Blattunkräutern
das Jäten und das Ernten nicht die selbe Tätigkeit. Als
Wildgemüse will man möglichst saubere Blätter von
bestimmten Pflanzen. Man schneidet oder reißt die Pflanzen
daher ab. Das wirft die Unkrautpflanzen in ihrer Entwicklung zurück,
aber es reicht nicht, um sie zu vernichten. Beim Hacken werden
alle Unkrautpflanzen ohne Selektion aus der Erde gerissen und mit
dieser zum Teil verschüttet. Gleichzeitiges Hacken und Ernten
würde lange dauern und schmutziges Gemüse bringen. Daher
ernte ich auf meinem Selbsterntefeld das Wildgemüse vor oder
nach dem Unkrautrupfen auf einem noch nicht gejäteten Stück
Feld.
Der Begriff Brache
Die Brache ist ursprünglich Teil des Bewirtschaftungszyklus
und soll den Wert einer Bewirtschaftungsfläche für die
Bewirtschaftung erhöhen, regenerieren. Die Wortbedeutung kommt
möglicherweise vom vorherigen und darauf folgenden Umbrechen
(Thürmer 1991, 53).
Brachen erfüllten dabei verschiedene Zwecke, z.B. den der
Viehweide, der Düngung, der Bodenregeneration oder der bäuerlichen
Landreserve. Ihre Nutzung war streng geregelt (Bauer 1995, 90).
Die Funktion der Brachenutzung als Landreserve war zum Teil politisch
motiviert. Ungenutztes Land fiel in manchen Gebieten an die Lehnsherren
zurück und kann auch heute in einigen Orten Österreichs
von der Obrigkeit in Wald umgewidmet werden. Die pragmatische Absicht
für eine Minimalpflege von Land durch extensive Nutzung oder
durch Landschaftspflege besteht oft darin, Flächen in Wert
zu halten, die sonst verbuschen und verwalden würden. Dahinter
steckt vorausschauendes Offenhalten der Möglichkeiten für
die Wiederbewirtschaftung, die im Moment nicht möglich ist.
Der Brachenutzung, deren Ziel die Regeneration der Wirtschaftsgrundlage
Land ist, steht das Brachfallen entgegen, das eine Degeneration
des Landes als Wirtschaftsgrundlage für den Ackerbau zur Folge
hat.
„Der Prozess des Brachfallens bezeichnet... einen Vorgang,
in dessen Verlauf die bäuerliche Nutzung großer Flurteile
zeitweise oder dauerhaft vollkommen aufgegeben wird, weil derzeit
kein Nutzungsinteresse
besteht. Die ausgeprägtesten Bracheprozesse in der Geschichte
waren:
·
die spätmittelalterlichen Wüstungsperioden des 14./15.
Jahrhunderts
·
die Interimswüstungen des 17. Jahrhunderts nach dem Dreißigjährigen
Krieg;
·
die Sozialbrache ab Anfang der 1950er Jahre dieses Jahrhunderts“ (Bauer
1995, 90).
Brachfallen ist Entaktualisierung als Bewirtschaftungsfläche
und darauf folgendes Verwildern, Degenerieren. „Die Dynamik
von Brachfallen, Nutzung und Wegfall von Brache bis hin zur heutigen
Brachesubventionierung spiegelt dabei wechselnde individuelle und
gesellschaftliche Inwertsetzungen, die stets in engem Zusammenhang
mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen
sowie mit technischen Fortschritten stehen“ (Bauer 1995,
91).
Die Chancen einer erneuten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung
sinken mit steigendem dafür nötigen Aufwand. Als weitere
Möglichkeiten bleiben eine weitere Sukzession oder, je nach
Standort und Lage der Fläche und Entscheidung der Beteiligten,
eine ,Aufwertung‘ durch Bebauung. Spätestens mit der
Bebauung ist die Fläche endgültig versiegelte Wirklichkeit
und dem Zugang und der Nutzung der Allgemeinheit entzogen. Brache
und Landwirtschaft gelten unterschwellig als vorläufige, provisorische
Wirklichkeit, als Landreserve für spätere Bebauung. Die
weißen Flecken auf dem Stadtplan von Wien sind Äcker
und Spekulationsbrachen.
Ende Teil IV
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