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Saure Magerrasen (Borstgrasrasen)
Saure Magerwiesen waren in der mineraldüngerlosen Zeit häufig.
Sie stocken entweder auf sauer verwitterndem Gestein oder in hohen
Lagen, wo die basischen Mineralsalze ausgewaschen werden. Heute
befinden sie sich meist an den Rändern der Wirtschaftsflächen,
die geschnitten, aber nicht gedüngt werden, oder auf Almen
in höheren Lagen. Die feuchten Borstgrasrasen sind aufgrund
ihrer extremen Standortbedingungen eher artenarm. Nur wenige von
Sammlerinnen begehrte Pflanzen sind dort zu finden.
Die Sammlerinnen, die ich interviewt habe, haben als Pflanze, die
sie hauptsächlich auf sauren Magerrasen (vor allem in Nadelwäldern
oder auf dem sauer verwitternden Granit, oder im Gebirge, wo die
lange Schneebedeckung reduzierende [= versauernde] Bedingungen
im Boden schafft) sammeln, nur die Heidelbeere genannt. Da sie
dort wenig Konkurrenz hat, bildet sie eine eigene Zwerggehölzschicht,
die sich gut abkämmen lässt. Im Mühlviertel wächst
an den sauren Wegböschungen für die BäuerInnen gut
erreichbar die Preiselbeere (Kurz 1998, 28).
Arnika wächst in ungedüngten Feldraine auf saurem Ausgangsgestein.
Diese Standorte sind durch die heutigen Bewirtschaftungsformen
selten geworden. Durch die Verknappung der Sammelorte wird die
Möglichkeit, Arnika zu sammeln, so stark eingeschränkt,
dass die Sammlerinnen, die ich befragt habe und die die Pflanze
genannt haben, selber nicht mehr Arnika sammeln.
Erfolge bei der Wiederbesiedlung von Weiden mit Arnika beobachtete
Michael Machatschek, als er durch intensive Beweidung hagerer Alpflächen
in der Schweiz offene Stellen in der Weidenarbe erzeugte (Machatschek
1999, 25). Diese Art von Beweidung, die den Boden aushagert, ist
für BäuerInnen jedoch nur sinnvoll, wenn es nicht anders
geht. Das Vieh kann nicht an Gewicht zulegen, die Weidequalität
wird auf einem für die Tiere schlechten Zustand stabilisiert.
So etwas machen BäuerInnen nur in Notzeiten oder auf den Weidetriften,
den Wegen zur Weide. Arnika selbst ist für die Tiere giftig
und wird deshalb gemieden.
Magerrasen sind im Wiener Raum auf der Perchtoldsdorfer Heide,
im Lainzer Tiergarten und an den Donaukanal-Hochwasserschutzböschungen
zu finden. Ein großer Teil davon wird nur mehr aus Landschaftspflegegründen
gemäht, oder um Straßen- und Wegböschungen von
Gehölzen freizuhalten. Nicht immer wird das Mähgut abtransportiert – wozu
auch, wenn es nicht gebraucht wird, sondern entsorgt werden muss?
Durch die liegende Streuschicht verändern sich langsam die
Bodenbedingungen und der Pflanzenbestand.
Wirtschaftsgrünland
Von den Magerrasen zu den Fettwiesen gibt es alle Übergänge.
Feuchtigkeit und Stickstoffangebot können sich hier zum Teil
gegenseitig kompensieren. Im Wirtschaftsgrünland gibt es standortabhängig
die unterschiedlichsten Pflanzengesellschaften. Die bestandsbildenden
Kräuterarten darunter sind Grundnahrungsmittel für das
Vieh und fast immer auch für Menschen genießbar. Je
höher die Nährstoffversorgung durch Düngung, desto
weniger wirken sich die anderen Standortfaktoren wie Bodenfeuchte,
pH-Wert des Bodens, Wasserversorgung (in einem gewissen Rahmen),
auf den Pflanzenbestand aus. Die feuchten Extremstandorte unter
den Wirtschaftswiesen sind relativ artenarm. Zu ihnen zählen
die Pfeifengraswiesen, deren Heu nur als Streu oder für Pferde
verwendet werden kann. Mit steigendem Nährstoffniveau steigt
auch die Anzahl der essbaren und der heilenden Arten, bis in der
Glatthaferwiese das Optimum erreicht wird. Steigt allerdings die
Nährstoffversorgung noch weiter, sinkt die Artenzahl wieder,
bis im herbizidbehandelten Vielschnittgrasland der Tiefpunkt erreicht
wird.
Glatthaferwiesen sind die optimalen, nachhaltig bewirtschaftbaren
Wirtschaftswiesen. Auf ihnen wächst wegen des dreischichtigen
Aufbaus hochwertiges Heu in großer Menge. Auf den Wiesen
wachsen viele unterschiedliche Kräuter, die das Vieh gesund
erhalten. Die Lebensform der in diesen Bilderbuchwiesen zu findenden
Kräuter ist fast immer staudisch. Nur wenige Arten sind zweijährig.
Einjährige Pflanzen fehlen weitgehend (Auerswald 1996, 256).
Viele der bestandsbildenden Arten sind auf den ein- bis zweimaligen
Schnitt angewiesen. Wird seltener gemäht, fällt zu wenig
Licht auf den Boden oder es entwickelt sich eine Streuschicht,
die Jungpflanzen am Durchbrechen hindert. Wird häufiger oder
zu früh gemäht, können die meisten Stauden nicht
genügend Speicherstoffe und die Zweijährigen keine Samen
bilden. Es gibt in Glatthaferwiesen nur wenige Giftpflanzen. Eine Übersicht
der wichtigsten bestandsbildenden Kräuter in Glatthaferwiesen
(Auerswald 1996, 256) zeigt, dass von den 90 häufigsten Wiesenkräutern
zumindest 67 ungiftige, mehr oder weniger schmackhafte Heil- oder
Nahrungspflanzen sind. Nur vier (getrocknet ungiftige) Hahnenfußarten,
das Jakobsgreiskraut und die Herbstzeitlose sind ausgesprochene
Giftpflanzen.
Ab den 1920er Jahren wurde mit mäßigen Mineraldüngergaben
und standortbezogenen Geländemeliorationen die Grünlandwirtschaft
ertragreicher gemacht (Lührs 1994). Feuchtwiesen wurden durch
Drainagierung in Glatthaferwiesen umgewandelt. Trockenwiesen wurden
mit Industrieabwässern oder mit Flusswasser, das solche enthielt,
berieselt. Borstgrasrasen und Trockenrasen wurden aufgedüngt.
Schwierig zu bewirtschaftende Äcker wurden in Wiesen verwandelt
und haben sich bei guter handwerklicher Bewirtschaftung zu Glatthaferwiesen
entwickelt. Die Glatthaferwiesen erreichten ihren zeitlichen
Verbreitungsschwerpunkt (Auerswald 1996, 289).
„Im Unterschied zu den Extremstandorten mit geringer Arten- und
hoher Individuenzahl kann hier eine Lese der Spontanvegetation
nicht auf eine oder wenige Arten konzentriert aus dem Vollen greifen,
weil bei hoher Artenzahl die Individuenzahl gering ist und zudem,
namentlich beim Grünland, verschiedene Wuchshöhen bestehen.
Man muss erst zwischen den Pflanzen hindurchgreifen, wenn man es
auf eine bestimmte Art abgesehen hat. Aber in diesem Fall stößt
man auf eine große Anzahl essbarer Pflanzen, ... Um satt
zu werden, muss man im Prinzip nur – beinahe wie die Kühe – aufpassen,
bestimmte Kräuter ohne die mühelos zu unterscheidenden
Gräser aufzulesen“ (Bellin 2000, 179).
Der Haken an Glatthaferwiesen als Sammelorte ist, dass sie, wenn
das Gras hoch steht, nicht betreten werden sollen, da das den Ertrag
für die BäuerInnen senkt. Glatthaferwiesen sind daher
als Sammelorte nur im Frühling, solange sich das Gras wieder
aufstellt, und nach dem Schnitt, sowie im Herbst flächig betretbar.
In der übrigen Zeit muss man sich beim Sammeln von Fettwiesenpflanzen
auf die Ränder beschränken.
Das Sammeln von Wiesenspinat lässt sich mit diesen Sammelregeln
allerdings gut vereinbaren, weil junge und zarte Pflanzen bevorzugt
werden, die noch nicht so viele Bitterstoffe enthalten. Diese findet
man im Frühling, bevor die Obergräser die Wiese dominieren.
Auch die gute Nährstoff- und Wasserversorgung im Frühjahr
führt zu milderen Pflanzen, die ihre Energie ins Wachstum
stecken statt in Fraßhemmstoffe. Nach der Mahd gibt es noch
einmal Gelegenheit, sich mit Wiesenspinaten zu versorgen. Werden
Glatthaferwiesen stärker gedüngt und öfter gemäht,
sinkt die Artenzahl, und der Nitratgehalt in den Pflanzen steigt.
Nach und nach werden die zarteren Kräuter und die langsamwüchsigen
Arten verdrängt. Übrig bleiben die vielschnittverträglichen
und Wurzelausläufer bildenden Arten und die Lückenbesiedler
des Queckengraslandes.
Ende Teil III
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