|
Grünland
Die Produktionsabsicht auf dem Grünland ist Viehfutter. Dabei
wird im Gegensatz zum Acker der spontane Aufwuchs geerntet. Mähen
und Beweiden erzeugen und stabilisieren die spezifischen Vegetationsgesellschaften.
Bis ins 19. Jahrhundert gab es, außer an Gewässern,
nur wenig ertragreiches Dauergrünland. Als Weide dienten neben
den Wiesen der Wald und seit der Entwicklung der Dreifelderwirtschaft
der Brachacker. Auch das Nachbeweiden der Stoppeläcker nach
der Getreideernte und das Beweiden des jungen Getreides bis zum
Bestandsschluss war üblich. Die Weidetiere hielten das Unkraut
im Zaum, sorgten für zusätzlichen Austrieb der Getreidepflanzen
und traten Mauslöcher zu.
Das Winterfutter stammte genauso wie die Einstreu zu einem großen
Teil von den Bäumen. Der Nährstofftransfer von Wald und
Weide auf die Äcker war notwendig, weil es noch keinen Kunstdünger
gab und der durch die Ernte erfolgte Massenentzug ersetzt werden
musste. Unter besseren Standortbedingungen gab es Gras als natürliche
Vegetation Mitteleuropas nur dort, wo umgestürzte Bäume
kurzfristig Licht auf die Erde ließen. Wo in der Folge das
Wild oder Weidetiere die Bäume stark verbissen hatten, konnte
sich eine parkähnliche Waldweidelandschaft entwickeln. Mit
der Entwicklung der Glas- Salz- und Eisenhüttenindustrie und
des Bergbaus wurde das Interesse der Grundherren am Holz der Wälder
größer, und sie schränkten die LandbewohnerInnen
in ihrer Nutzung des Waldes für Holz, Streu, Futter und Weide
ein. In der Folge wurde das Grünland immer wichtiger für
Vieh und Ackerfruchtbarkeit.
Im Grünland wachsen, aus der Sammlerinnenperspektive betrachtet,
vor allem die Pflanzen des Wiesenspinats, der Frühlingskräutersuppen
und die Heilkräuter des Hochsommers. Im Allgemeinen haben
die Sammelpflanzen des Grünlandes weniger Nährstoffe
und weniger Blattmasse als die Frühlingsgeophyten und Früchte
des Waldes. Dafür enthalten sie viele sekundäre Inhaltsstoffe,
oft sind sie daher bitter oder scharf. Man muss sie untereinander
oder mit Gartengemüse kombinieren, damit sie als Nahrungspflanzen
genießbar sind. Je schlechter eine Wiese mit Nährstoffen
oder Wasser versorgt ist, umso mehr verschiebt sich das Spektrum
der Arten von den Gemüsepflanzen zu den Gewürz-, Kur-
oder Heilpflanzen.
Weiden
Die Beweidung wirkt sich anders auf die Pflanzendecke aus als das
Mähen, und mit steigendem Weideeinfluss ändert sich auch
die Artenzusammensetzung und das Erscheinungsbild einer Wiese.
Die Pflanzen, die sich auf einer gut bestoßenen Weide halten
können, müssen trittresistent sein. Lückenbesiedler
wie Thymian und Gänseblümchen finden gute Bedingungen
vor, wo die Tiere den Boden aufgerissen haben und die Vegetation
kurz halten. Konkurrenzschwache Arten wie der Frauenmantel und
kriechende Pflanzen wie Weißklee und kriechendes Fingerkraut
profitieren von der besseren Belichtung, weil die Weidetiere das
Gras kurz halten. Quecke und Distel werden durch regelmäßiges
Verbeißen zu vermehrtem Austrieb angeregt und bilden Herden.
Auf Geilstellen wachsen der Ampfer und die Brennessel, die sonst
im gepflegten Grünland nichts verloren haben und vom Vieh
gemieden werden. Wiesenbocksbart und Wiesenbärenklau sind
hingegen Leckerbissen für die Tiere und können sich auf
der Weide meist nicht halten. Im großen und ganzen ist das
Erscheinungsbild einer Weide heterogener als das einer Wiese. Pflanzen,
die wirksame Fraßhemmungen (Gifte, Dornen, schlechten Geschmack
oder harte Fasern) besitzen, breiten sich als Weideunkräuter
aus, wenn die Weide nicht gepflegt wird und der Tierbesatz zu gering
ist.
Bei fehlender Weidepflege können sich Gehölze ausbreiten,
welche die ursprüngliche Vegetation allmählich verdrängen.
Auf Trockenrasen können Wacholder, Heckenrose, Weißdorn
und Schlehe diese Veränderung einleiten, auf der Perchtoldsdorfer
Heide bei Wien lösen Steinweichsel und Föhre an einigen
Stellen die Steppenvegetation ab.
Da die Weidevegetation dem Betritt durch das Vieh angepasst ist,
dürfen auch die Sammlerinnen zumindest Rinderweiden jederzeit
betreten. Viele Wanderwege führen über Weidegatter durch
die Weiden hindurch.
Rosettenpflanzen haben einen sehr tief liegenden Vegetationspunkt,
so dass sie von Rindern, die ihre Nahrung mit der Zunge umschlingen,
nicht erfasst werden. Andere Wildgemüse in sammelwürdiger
Menge findet man auf einer Weide nur in den Regenerationszeiten,
in denen sich darauf keine oder wenige Weidetiere (z.B. auf großen
Standweiden oder auf Almen) befinden. Menschen und ihre Haustiere
haben nämlich in dieser Beziehung einen ähnlichen Geschmack.
Pflanzen mit Fraßhemmstoffen treten auf Weiden gehäuft
auf und sind zudem größer als die Pflanzen in ihrer
Umgebung. Die Heilpflanzen darunter sind auf diese Weise einfach
zu sammeln. Aus Sicht der BäuerInnen sind sie Weideunkräuter
(z.B. Arnica, Herbstzeitlose).
Wiesen
Im Grünland können die Standortbedingungen und die Pflege
zu sehr unterschiedlicher Vegetation führen. Eine extensive
Bewirtschaftung, bei der dem Nährstoffentzug keine oder wenig
Nährstoffzufuhr entgegengesetzt wird, ist dabei nicht zu verwechseln
mit dem Brachfallen, wo kein Nährstoffentzug mehr stattfindet,
und der Boden aus der Luft eutrophiert wird. Intensive Bewirtschaftung
meint sowohl hohen Arbeitseinsatz als auch intensive Düngung.
Basische Trocken- und Halbtrockenrasen
Ein großer Teil heutiger und früherer Hutweiden gehört
zu den Trocken- und Halbtrockenrasen oder Magerrasen. Der ständige
Nährstoffentzug hat zu sehr standortabhängigen Vegetationsgesellschaften
geführt. Durch Beweidung oder einmal jährliches Mähen
werden die Bestände stabilisiert bzw. sind sie entstanden.
Vor der Erfindung des Kunstdüngers, und bevor die großzügige
Zufütterung von importiertem Futter durch billige Transporte
rentabel wurde, waren magere, trockene und basische Trespenwiesen
und die ebenfalls sehr nährstoffarmen sauren und feuchten
Borstgrasrasen das häufigste Grünland. Sie wurden ausgehagert
, weil ihre Nährstoffe auf den Äckern gebraucht wurden.
Und aus dem selben Grund wurden sie kaum gedüngt. Magerrasen
wurden durch die nährstoffzehrende Bewirtschaftung geschaffen
und werden aufgrund der geänderten Wirtschaftsweisen seltener,
und damit die an magere Standorte gebundenen Pflanzen, unter denen
sich viele Heilpflanzen befinden.
Auf den Trockenrasen müssen sich die Pflanzen gegen extreme
Witterungsbedingungen wie Frost, Sonnenstrahlung und Trockenheit
schützen. Sie machen das unter anderem durch die Einlagerung
von ,Frostschutzmitteln‘ wie Zucker, Salzen und anderen sekundären
Pflanzeninhaltsstoffen. Mineralstoffe sind in Trockenrasenböden
meistens in großer Menge vorhanden, weil sie durch die Verdunstung
des Grundwassers über die Kapillaren nach oben gezogen werden.
Die Pflanzen müssen diesem Salzüberschuss im Boden in
ihrem eigenen Wasserkreislauf ebenfalls Salze entgegensetzen, da
die Osmose sie sonst austrocknen würde. Da die Pflanzen es
schwer haben, sich unter diesen widrigen Umständen zu regenerieren,
besitzen sie meistens Mechanismen, um Fraßschäden abzuwehren.
Das können Kieselsäureeinlagerungen, ätherische Öle
oder Gifte sein.
Die meisten Pflanzen der meistens auch sehr artenreichen (70-80
Arten) Trockenrasen können daher als Tee oder Gewürz
verwendet werden. Große Mengen dieser Kräuter sind weder
für Menschen noch für Tiere genießbar. Die Kräuter
sind eher kleinwüchsig, zum Teil in Polstern oder Horsten
wachsend. Fast alle sind mehrjährige Stauden. Meistens sind
es Blätter und Blüten, welche die gesamte Vegetationsperiode über
gesammelt werden können. Vor der Mahd ist das Sammeln allerdings
aussichtsreicher als danach. Meistens ist es kein Problem, wenn
man in die Bestände hineingeht. Sowohl der Boden als auch
die Vegetation sind relativ trittfest.
Sammelpflanzen, die vor allem in trockenen Magerrasen (Wiesen und
Weiden) zu finden sind, sind Thymian, Wundklee, Kleiner Wiesenknopf,
Dost, Blutwurz, Bibernell, Echte Schlüsselblume, Kaiserknopf,
Tausendguldenkraut, Feldmannstreu, Gamander, Odermennig, Johanniskraut,
Wacholder, Hornklee, Katzenpfötchen, Heilziest, Quendel, Veilchen,
Erdbeere.
Ende Teil II
|