 Andrea
Heistinger, Arche Noah, Pro Specie Rara (Hrsg.)
loewenzahn / Studien Verlag
Preis: € 39,- / sFr 55,60
ISBN: 3-7066-2352-8
Eine Tomate ist rot und rund, eine Gurke grün und gerade,
und Paprika wird im genormten Rot-Gelb-Grün-Trio verkauft.
Die Norm wird vorgegeben von den (angeblich) notwendigen Transport-
und Vermarktungsstrukturen, sowie von den maschinellen Anforderungen
im Anbau. Der genormte Geschmack dieser Gemüse ist (immer
wieder) gar kein Geschmack.
Das Durchsetzen dieser genormten Vorstellungen hat beinahe zum
Verschwinden vieler Sorten , die aus dieser Norm fallen, geführt. Eine Tomate darf birnenförmig oder/und gelb sein, eine Karotte
lila und Melanzane kirschrot.
Wie ich zu diesem Gemüse komme und wie ich selber einen Beitrag
dazu leisten kann, dass diese Sorten erhalten bleiben erfahre ich
im „Handbuch Samengärtnerei“
Andrea Heistinger, eine junge studierte Landwirtin – u.a.
ehemalige Hirtin und Sennerin - und eine exzellente, auch feministische
Wissenschaftlerin hat diese neue Klassikerin geschrieben. Sie hat
es geschafft, altes Wissen von GärtnerInnen und BäuerInnen
in ein modernes politisches Handbuch zusammenzufassen und das noch
dazu in Frauensprache. Ein Juwel von einem praktischen und politischen
Buch, in dem auch die Wissenschaft nicht zu kurz kommt. Wissensvermittlung
vom Feinsten!
Warum aber Gemüse selber
vermehren?
Viele alte und seltene Sorten sind im – von der patriarchalen
Wirtschaft dominierten - Saatguthandel gar nicht erhältlich.
Sie können nur selbst vermehrt und auf diese Weise auch erhalten
und weitergegeben werden. Viele GärtnerInnen erzählen
mit Freude von "ihren" Sorten, ihrem Bemühen um
eine außergewöhnlich schöne Pflanze, einer reichlichen
Samenernte oder besonderen Techniken der Saatgutgewinnung. Und
diejenigen leisten damit auch Widerstand gegen die herrschenden
Normen bei der Herstellung von Nahrung!
Dass meine eigene Samenproduktion etwas mit dem Überleben
der Vielfalt auf dieser Welt zu tun hat, weiß ich erst jetzt
und die feministisch - politische Bedeutung dieser gärtnerischen
Arbeit war mir nicht bewusst!
Dieses Buch vermittelt mir auf 418 Seiten mit unzähligen
Farbfotos, Skizzen und Tabellen umfangreiches Wissen; und zeigt,
wie es geht: Vom eigenen Gemüse nicht nur Früchte, sondern
auch Samen für das kommende Jahr zu ernten:
· Wie lange dauert es?
· Was brauche ich?
· Wie kann ich meine gelben Zucchini weitervermehren?
· Was kann ich zur Erhaltung der Vielfalt beitragen?
Außerdem erfahre ich alles über Verkreuzungsmöglichkeiten,
Auslesekriterien, Kulturgeschichte der Gemüse, Pflanzenkrankheiten
und vieles mehr.
Das Zeit, viel Zeit, ein wichtiger Faktor ist, damit Vielfalt
entstehen kann und erhalten werden kann, verstehe ich spätestens
beim Betrachten der wunderschönen Fotos. Das Layout des Buches
ist einfach schön und die Verbindung von Jahrhunderte altem
(Frauen-) wissen mit modernem Design ist vorzüglich gelungen.
Echt fesch, kann ich nur sagen und ich mag schöne Bücher!
Dieses Buch wird mich sicher Jahr(zehnt)e begleiten und es wird
in die Regale vieler meiner Freundinnen – nicht nur der Gartenbesitzerinnen – wandern.
HerausgeberInnen:
http://www003.24on.cc/583/Andrea/CV%20AndreaHeistinger040210.htm
http://www.arche-noah.at Gesellschaft
zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt http://www.psrara.org/
Stiftung Pro Specie Rara
Andrea Heistinger
Jahrgang 1974, Studium der Landwirtschaft an der BOKU/Wien. Freiberufliche
Agrarwissenschafterin, Autorin und Erwachsenenbildnerin. Arbeitsschwerpunkte:
Biologische Pflanzenzüchtung, bäuerliches und gärtnerisches
Erfahrungswissen zu Kulturpflanzen, Frauen in der Landwirtschaft.
Publikationen: Die Saat der Bäuerinnen, Saatkunst und Kulturpflanzen
in Südtirol, Innsbruck 2001 und zahlreiche Fachartikel.
Andrea Heistinger lebt und arbeitet im Waldviertel/Österreich
und in Südtirol/Italien.
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