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Das Bedürfnis alleine nach Konsum von Rauschmitteln sollte
uns zwar zu denken geben, doch mehr sollte uns zu denken geben,
dass der Grossteil der Menschen nicht in der Lage ist diese Bedürfnisse
kontrolliert zu stillen. Deswegen denke ich, dass es präventiv
an Aufklärung über Rauschmittel generell fehlt. Wir lernen
zwar anhand von Rollenbild und Vorbildern wie man mit Alkohol umgeht,
jedoch nicht wie man dies mit anderen Drogen tut, da die meisten
davon kriminalisiert wurden und illegal sind.
Vor allem Jugendliche begannen in den letzten Jahren regen Austausch
von Anwendungsmöglichkeiten psychoaktiver Pflanzen zu betreiben.
Leider mit mangelnden Informationen und teilweise gefährlichen
Experimenten damit. Nebenwirkungen und hohe Risiken werden dabei
wenig bedacht, da es dazu keine Aufklärung im Umfeld gibt.
Dadurch denke ich, dass es notwendig ist, dem Bereich der natürlichen
Drogen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und offen darüber zu
sprechen, was es für Drogen gibt und welche Risiken dabei zu
beachten sind. Nur ein natürlicher Umgang und eine offensive
Aufklärung, ohne diese Drogen zu kriminalisieren, kann es verhindern,
dass solche, teilweise hoch gefährlichen, Pflanzen eingenommen
werden ohne dem Konsumenten all zu großen Schaden zuzufügen.
Leider wird durch die gesetzliche Kriminalisierung von psychoaktiven
Pflanzen ein Rahmen geschaffen, der es für viele nur noch interessanter
erscheinen lässt mit psychoaktiven Pflanzen zu experimentieren
und dies kann lebensgefährlich sein!
Doch spricht man über Nebenwirkungen und Risiken, darf man
auch die Wirkung nicht unter den Tisch fallen lassen! Hier steht
man jedoch als Informationsträger an der Grenze der Gesetzwidrigkeit,
da man nur allzu leicht in das Fahrwasser des - Auffordernden zu
Drogenkonsum - wird. Doch die Realität zeigt, dass durch Unterdrückung
von Informationen und Kriminalisierung nur das Gegenteil bewirkt
wurde und wird. Nur darüber zu berichten wie schädlich
und gefährlich gewisse Pflanzen sind, wäre also nur die
halbe Wahrheit.
Paracelsus sagte: „In allen Dingen ist ein Gift, und es
gibt nichts ohne ein Gift. Es hängt allein von der Dosis ab,
ob ein Gift ein Gift ist oder nicht.“
Dieser Ausspruch zeigt bereits, dass auch so genannte Heilpflanzen
giftig sind und nicht nur psychoaktive Pflanzen; bzw. auch dass
psychoaktive Pflanzen heilen können. So kann der Fingerhut
(Digitalis) in hohen Dosen tödlich sein, in geringer Dosis
ist es ein sehr bekanntes Herzmittel.
Es gibt fast keine Kultur in der alten oder in der neuen Welt,
wo nicht mindestens ein bekanntes Rauschmittel oder Halluzinogen
eine bedeutende Rolle spielt. Ausnahmen sind hier die Eskimostämme,
die Ureinwohner Australiens oder die Eingeborenenstämme Neuseelands.
Jedoch sollte immer beachtet werden, dass Rauschpflanzen früher
aus religiösen Gründen bei Riten verwendet wurden oder
zu medizinischen Zwecken für Heilungen und erst später
zu Rauschdrogen wurden, mit denen sich heute unsere Jugendlichen
versuchen „vollzudröhnen“ um Spass zu haben. Pflanzen
wurden als Geschenke und Verbindung zu den Göttern und Wesenheiten
gesehen und galten als heilig. Das sollten sie für uns auch
heute noch sein, wenn wir mit ihnen in Kontakt treten.
Es waren die Ureinwohner und Eingeborenenstämme, die ihre
Gemeinschaften mit Hilfe von psychoaktiven Pflanzen leiteten. Sie
waren mit den Pflanzen ihrer Umgebung vertraut und hatten ein spirituelles
Verhältnis zu diesen Pflanzen und ihrer Wirkung. Rituale wurden
und werden teilweise von einer Person, die dazu erwählt wird
oder von einer ganzen Gemeinschaft zum Zwecke von Visionen oder
als Kontakt zu Göttern verwendet oder um Probleme des Stammes
zu klären. Dabei gibt es ganz spezielle Techniken und vor allem
Regeln, die von jedem einzelnen eingehalten werden. Fast in allen
Traditionen waren die Rauschmittel den Männern vorbehalten
und wurden zumeist erstmalig beim Initiationsritus zum Erwachsenwerden
eingenommen.
Nachweisbare Ausnahmen sind hier die Einnahme von Fliegenpilz in
Sibirien, die Einnahme von den heiligen Pilzen (Peyote) in Mexiko
und die Einnahme der Ibogawurzel in Afrika. Da der Genuss von Rauschmittel
für Frauen mit Fehlgeburten oder Missbildungen der Kinder einhergehen
kann, ist dies teilweise verständlich.
Eine der bekanntesten Rauschdrogen war Soma aus dem altindischen
Raum, die verehrt und auch als Gottheit personifiziert wurde.
In Afrika ist die Ibogawurzel sehr bekannt. Buschmänner zerreiben
die Wurzel und schmieren ihren Saft auf die Kopfhaut, die zuvor
eingeritzt wurde, damit die Inhaltsstoffe schnell in die Blutbahn
gelangen können.
Im Asiatischen Raum gab es viele verschieden Halluzinogene mit denen
die Schamanen arbeiteten. Von dort aus verbreitete sich Marihuana-Haschisch
und auch die Verwendung von Fliegenpilz und Stechapfel.
Fliegenpilz wurde vor allem von sibirischen Schamanenstämmen
benutzt.
In Europa wurden psychoaktive Pflanzen im Mittelalter bekannt als
man Hexen verdächtigte, damit magische Gebräue zu mixen
um damit Dämonen zu rufen und andere zu verhexen. Als Ingredienzen
wurden Pflanzen aus der Gattung der Nachtschattengewächse angegeben.
Stechapfel (Datura), einer der Bestandteile, kommt auf der ganzen
Welt in unterschiedlichen Arten vor und wird überall, wo er
wächst rituell eingesetzt. In Kanada kauten die Indianer gerne
Kalmus, der eine leicht euphorisierende Wirkung aufweist, bei hoher
Dosierung jedoch halluzinogen wirkt und Wahnbilder entstehen lässt.
Als Räucherung wirkt Kalmus Geist aufhellend und stärkt
die Konzentration.
Vor allem in Mexiko waren und sind Rauschmittel ein wichtiger Bestandteil
der Kultur. Deswegen sind auch hier die meisten Informationen über
Pflanzen und deren Einnahmemöglichkeiten überliefert.
So ist beispielsweise der Kaktus Peyote aus mexikanischen Riten
nicht wegzudenken. Peyote steht für den Hirschen und den Mais,
was die Lebensgrundlage für die Indianer war und gilt auch
heute noch als heilig.
Oder der Samen der Trichterwinde - Ololiuqui - ist ein bedeutsames
Halluzinogen in der aztekischen Religion.
In Südamerika wurden vor allem Brugmansia-Arten (Nachtschattengewächs,
das mit Datura-Stechapfel verwandt ist) bei rituellen Zeremonien
verwendet, es kann oral eingenommen oder als Räucherung zu
Visionen führen.
In Peru und Chile wird rituell Tabaco del Diabolo geraucht. Doch
das bekannteste Rauschmittel ist sicher der Ayahuasca-Trank, der
zu rituellen Zeremonien verwendet wird und aus verschiedenen Halluzinogenen
besteht.
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