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Das winzige Gänseblümchen (bellis perennis) ist ein wahrer
Riese. Es hat eine starke Ausstrahlung und lässt Kummer und
Leid für kurze Zeit verschwinden. Den germanischen Stämmen
verkündete das blühende Gänseblümchen die Anwesenheit
des Sonnengottes Baldur. Nachts oder bei trübem Wetter hält
die Blume ihr Köpfchen geschlossen, aber sobald ein Sonnenstrahl
sie berührt, entfaltet sie ihre ganze Schönheit. Der lateinische
Name kommt ja von bellus = schön und perennis = ausdauernd,
was sehr gut gewählt ist, da das Gänseblümchen ja
das ganze Jahr über blüht. Ich erinnere mich, dass eine
ganze Wiese von Schnee bedeckt war, nur ein winziges Stückchen
war frei: dort reckte ein Gänseblümchen sein vorwitziges
Köpfchen heraus.
Aber nicht nur Baldur, sondern auch die großen Göttin
in ihrer Erscheinung als Freya oder Ostara hat Verbindungen zu dieser
Pflanze. Wie bei vielen Dingen haben das Christentum Dingen übernommen
und daher hat das Gänseblümchen, als Botin der Göttin,
in Maria auch dort seinen Platz.
Auch bei den Kelten spielte das Massliebchen eine große Rolle
(mas = Anger). So ist die Göttin die kosmische Gänsemagd,
die wie die Dorfmädchen die Gänse am Morgen (Frühling)
auf den Anger und abends (Herbst) wieder in den dunklen Stall führt.
Wenn wir Seelen mit den Gänsen vergleichen, dann ist die Göttin
auch hier die "Gansemagd".
Bei Kelten und den frühen Germanen war die Göttin die
warme, gütig strahlende Sonne: In Grimms Märchen strahlten
die Haare der Gänsemagd beim Kämmen wie die Sonne. Aber
wie bei allen Dingen hat auch der Aberglaube hier sein Opfer gefunden:
Da das Gänseblümchen angeblich "böse" war,
versuchte man es im 18. Jahrhundert sogar auszurotten - was natürlich
nicht gelang. Der Ursprung dieses Aberglaubens ist schwer aufzuspüren,
einer könnte die Verbindung zu Maria Magdalena sein, die für
die unehelichen Kinder zuständig war. Eine alte Überlieferung
sagt auch, dass die Göttin Artemis von einem Ungeheuer verschlungen
worden ist, sie aber unversehrt aus ihm herauskam (die Kirche hat
anstelle von Artemis dann die Heilige Margarete von Antiochien und
Satan gesetzt).
Magisches
Pflänzchen
Nun zur magischen Seite des Gänseblümchens: Ich habe ja
schon ihre Bedeutung als Kinderblume angeführt. Der Blumenkranz
hat aber seinen Ursprung nicht in der Zier, sondern im Glauben,
dass damit der "Gichter" (Augenüberdrehen, Zuckungen,...)
vertrieben werde könne. Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle
schreibt in seinem Büchlein, dass der Gänseblümchenengel
den Kindern sehr gesonnen sei: " Eine Prise Massliebchen jedem
Kindertee beigefügt, lässt Kinder, die trotz guter Kost
nicht gedeihen wollen, auf die Beine kommen."
Natürlich gehört das Gänseblümchen auch in jede
gute Frühlings-Hexen-Suppe; oder in den Salat. Mein Jüngster
mampft sie gleich von der Wiese weg genau wie ich es damals getan
habe.
Ich bin - wie auch eine Münchner Kräuterfrau aus dem
Bekanntenkreis von Storl - der Meinung, dass das Gänseblümchen
Glück und Verstand verleiht, aber auch ein sonniges Gemüt.
Vor mehr als 2 Jahren habe ich mich in den Garten gesetzt und gewartet,
mehrere Pflanzen haben sich gemeldet - ich bin in Verbindung getreten
und es war phänomenal. Danach habe ich mit Hilfe der Pflanzendevas
ein Pflanzenamulett hergestellt (Blütenkopf in Harz gegossen
und gemeinsam aufgeladen). Das Gänseblümchen nehme ich
noch heute gerne vor wichtigen Entscheidungen, Gesprächen oder
ähnlichen Situationen in meiner Hosen- oder Rocktasche mit.
Was
sagt die Medizin dazu?
Medizinisch wirken die Blümchenköpfe frisch
oder getrocknet als Tee oder Aufguss zubereitet, schleimlösend,
adstringierend, blutreinigend, leicht abführend, leicht schmerz-
und krampfstillend. Zu den Inhaltsstoffen zählen Saponine,
Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonide, Schleimstoffe, etwas ätherisches
Öl und organische Säuren (Apfel-, Essig-, Wein- und Oxalsäure).
Als Heilmittel für Leberbeschwerden, Hauterkrankungen und bei
chronischen katarrhischen Leiden der Bronchialschleimhaut wird es
schon in den ältesten Kräuterbüchern erwähnt.
Rezepte:
Hustentee:
Huflattich, Thymian, Wegerich, Gänseblümchen
Frisch gepresster Saft gilt als Hausmittel bei Erkältungen,
Magen und Darmbeschwerden..
Gänselblüchen-Tee:
Die Blüten von Mai bis August sammeln,
da sie hier am meisten Kraft haben, im Schatten trocknen. 1 Teelöffel
Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen,
10 Minuten ziehen lassen.
Astrologischer Aspekt: Nicholas Culpeper ordnet die Pflanze der
Venus im Krebs zu. Er sieht in ihr ein Blutverdünnungsmittel
(was auch stimmt, durch die Saponine und Flavonide). In Milch gekochtes
Gänseblümchen oder Daysi (Days eye) ist auch noch hilfreich
für die Lungen.
Tipp
Bevor ich den Rasen mähe, sammle ich noch die
Gänseblümchen ein und danke der Göttin für ihre
Umsicht. Als Letztes vielleicht noch was zum Ausprobieren: Im Volksglauben
heißt es, dass ein bei zunehmenden Mond oder Vollmond umgesetztes
Gänseblümchen sich in ein gefülltes Tausendschönchen
verwandelt, vielleicht probiert ihr das ja einmal aus!
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