Wisst ihr, dass es zwar das
Frauenstimmrecht in der Schweiz noch nicht solange gibt, aber
die Frauen immer
gemeint haben: "Das
ist nicht so schlimm, denn wir sagen den Männern eh was
sie wählen sollen".
Kurt Lussi führte uns in die Schweizer Kantone mit vielerlei
Bräuchen, Geschichten, historischen Begebenheiten und netten
Geschichten. Die Bräuche aus der Schweiz finden sich teilweise
in ganz Europa wieder. In der Schweiz ist vieles noch sehr urtümlich
und original erhalten. Denn erst im 18. Jhd. hat man wie Kurt es
nennt – die Gewänder gewechselt.
St. Nikolaus wird aus heutiger Sicht von einigen Forschern als
etwas dargestellt, das aus neuzeitlichen Burschenschaftsbräuchen
herausgewachsen ist. Betrachtet man die Quellen, meint Kurt Lussi,
würde das stimmen, aber nur im Falle eines katholischen Europas.
Eine Zeit, in der diese Gewänder gewechselt wurden. Aber in
der Schweiz war es immer ursprüngliches Brauchtum, heidnisches
Brauchtum. Die Klausjagd – oder St. Nikolausjagd waren Züge
von kleinen Gruppen, den „Dreichlern“. Sie trugen Glocken
mit sich, um zu Lärmen. In einer Sänfte sitzend kam der
Nikolaus mit ihnen von Ort zu Ort. Kurt beschreibt die Schwingung
der Glocken, die in den engen Gassen ein Vibrieren auslösen
würden und bei den Zaungästen ein Gefühl der Gelöstheit
hervorrufen würden.
Begleitet wurden diese Umzüge von Geißlklöpfern
die mit Schafgeißeln zusätzliche Schnalzgeräusche
machten. Das sind Perchtengestalten, die den Umzug begleiten und
die wir auch in Österreich kennen. Diese archaischen Bräuche
werden heute in der Schweiz in vielen Gegenden fast unverändert
praktiziert. Lärmbräuche, um die Dämonen zu vertreiben
gibt es im gesamten deutschsprachigen Raum auch heute noch – doch
leider eher als touristische Attraktion.
„Predigt ist für
die Dummen, die Gescheiten können
selber denken!“
Ein alter Spruch, der aufzeigen soll, dass das Heidnische sich
nicht ganz vom Christentum vereinnahmen ließ. Und in der
Schweiz gibt es noch Orte, in denen wenig christliches verbreitet
ist, sondern im Gegenteil dazu die „alten“ Bräuche
noch gelebt werden.
 Früher gab es viele magisch ansinnende Erkrankungen und ihre
Namen kennt man vielleicht heute noch. Denn in unserer deutschen
Sprache ist noch viel vorhanden was aus den ursprünglichen
Brauchtümern stammt. „Den Zipperer haben“, kommt
vom Zipperlein, ein Zwerg, ein Dämon, der im Weißwein
sitzt und seltsame Dinge auslöst wenn man diesen trinkt. „Vom
Schlaf getroffen“ wurde man von einem Dämonen, der einen
im Schlaf „gepackt“ hat. Oder der berüchtigte „böse,
stechende Blick“ von dem man es mied getroffen zu werden,
da er negative Kräfte übertrug. Da man nicht „verhext“ werden
wollte, kannte man viele Schutzzeichen und Gegenstände, um
den negativen Zauber abzuwehren. Besonders Eisen und spitze Gegenstände
waren hierzu sehr beliebt.
Abwehrmittel gab es auch im Christentum
viele wie z.B. das heilige Lorettokind, das gegen Krankheit wirkte.
Doch das Heidnische galt
als unheilig, und wurde mit dem heiligen Christlichen vertrieben.
Geisterwege
Der Brauchtumsglaube sieht Geister als Seelen der Toten an, die
andauernd unterwegs sind. Sie halten sich gerne bei bestimmten
Wegen und Kreuzungen auf. Und es gibt auch heute noch Wege, die
von Menschen gemieden werden, da man weiß, dass diese Wege
krank machen!
Kurt Lussi zeigte uns dazu ein Bild von einem Lochstein und meinte,
dass die Toten durch den Lochstein ziehen würden. Denn, wenn
man durch den Lochstein sähe, gäbe einem das helle Licht,
das man sehen würde ein friedliches Gefühl. Der Anblick
des hellen Lichtes erinnerte mich an die Erzählungen von Nahtoderlebnissen,
bei denen fast alle Betroffenen von einem gleißenden Licht
sprechen, in das man hineingeht und dabei alles als sehr friedlich
empfindet.
Doch was hat alpenländisches magisch-religiöses
Brauchtum zu tun mit dem Schamanenkongress auf dem wir uns eigentlich
befinden? Kurt Lussi sieht universelle Gemeinsamkeiten im Brauchtum und in
der Ausübung magischer Riten in allen Kulturen. Unsere Wurzeln
wurden durch die Christianisierung beschnitten. In anderen Kulturen
war dies nicht so stark oder kaum der Fall gewesen und die Traditionen
lebten so weiter. So können wir etwa über das Wissen über
andere Kulturen zu unseren eigenen Wurzeln finden.
Das heißt, dass das Grundprinzip überall das Gleiche
ist und die Wege sich ähneln. Ein Kongress oder Veranstaltungen,
bei denen Menschen aus verschiedenen Kulturen sich austauschen
können über ihre Bräuche und Riten, sind Wegkreuzungen
die uns näher zueinander führen können.
„Wenn man etwas verändern will, reicht es nicht, das
Hemd zu wechseln, da man danach immer noch verschwitzt ist. Man
muss beginnen in sich etwas zu ändern!“
Unsere Kultur enthält genauso viel Wissen wie andere Kulturen,
nur ist es Knochenarbeit dieses Wissen wieder auszugraben, da es
verschüttet ist. Deswegen ist es hilfreich zu sehen, wie Buddhisten
oder peruanische Schamanen arbeiten und welche Erklärungen
sie machen. Dadurch können wir Rückschlüsse darauf
ziehen, wie die Dinge bei uns früher gehandhabt worden sein
könnten oder welche Bedeutung sie gehabt hätten. Denn
z.B. Geburtssteine oder Lochsteine gibt es überall und das
Wissen von anderen Kulturen kann uns helfen, unsere Lücken
zu schließen.
Da unser Fokus schon sehr lange auf die Äußere - die
materielle Welt - gerichtet war, haben wir uns umso mehr von den
Inneren Welten wegbewegt. Um zu erkennen und zu verstehen, müssen
wir uns wieder auf die Wurzeln besinnen. Das wichtigste ist dabei
die Liebe, die vielen von uns abhanden gekommen ist wiederzufinden!
Für Kurt ist Schamanismus „angewandte Liebe“.
Das hat nichts mit Sex zu tun. In der Begegnung mit Schamanen können
wir diese Liebe spüren, wie sie lebendig ist. Denn Schamanen
sind nicht Leute, die im Kreis sitzen und trommeln und komische
Getränke trinken, sondern sie sind Menschen, die Liebe leben
und an sich arbeiten. Sie versuchen ihre Sensibilität zu intensivieren
und ihre Verbundenheit, ihre Liebe zum Leben zu stärken.
Dr. Kremser (Prof. der Kultur- und Sozialanthropologie in Wien)
erzählte uns vom Lebenskanal in jedem Menschen. Kurt Lussi
sieht Lebenslinien, die wie ein Kreuz in jedem Menschen angeordnet
sind. Wenn wir uns also hinstellen und die Arme ausstrecken, verläuft
eine Linie von Kopf bis Fuß und eine andere von einer Hand
zur Anderen. Der Kreuzungsmittelpunkt ist unser Lebenszentrum.
In dieses Lebenszentrum ziehen sich unsere Energien zurück,
wenn wir sterben.
Das Kreuz ist also ein wichtiges Symbol, dass nicht nur im Christentum
eine wichtige Rolle spielt!
Wie heilt ein Schamane?
Kurt meint, dass dies durch die Energie der Liebe in Form einer
nonverbalen Kommunikation geschieht. Schamanen schauen ins Herz
der Menschen und beginnen dort zu heilen.
Durch psychoaktive Pflanzen können Türen geöffnet
werden und so sieht der Schamane Energieströme besser und
ebenso ihre Blockaden. Dort setzt die „Therapie“ an
und nach diesem Prozess wird jenes be- und verarbeitet, was der
Schamane an Blockaden gesehen hat.
Das Problem in Europa ist, dass psychoaktive Pilze verboten sind
und unser natürlicher Zugang dazu verschüttet ist. Von
uns hat kaum einer den Umgang und Respekt gegenüber diesen
Pflanzen gelernt. Wir kennen nur einen materiellen Zugang als Rauschmittel
und nicht den rituellen Kontext, der das eigentlich wichtige ist.
Pilze sind in Mexiko heilig und man nennt sie auch das Blut Christi.
„Gracias dios mios“ – Ich danke dir mein Gott,
dass Du mich diesen Pilz finden hast lassen der mir den Zugang
zu dir
gewährt.
Was ist das Hauptziel von Begegnungen und Veranstaltungen?
Zeichen
zu setzen und voneinander zu lernen, sich auszutauschen und miteinander
zu schweigen, wo reden nicht notwendig ist.
„Wenn wir die Menschen dazu
bringen, dass sie sich vom Äußeren – Materiellen
- soweit trennen, dass sie sich auf die inneren Werte konzentrieren
und dort ihre Entwicklungen machen, dann gibt es eine Basis,
auf der man nicht mehr diskutieren muss, denn wir sind einer
Meinung
und führen einen Dialog anstatt zu streiten!“
 Kurt sagte auch, dass die Verbindung der Völker die Spiritualität
sei, in der wir Gemeinsamkeiten betonen müssten um Brücken
zu bauen, die uns allen als Basis dienen können.
Über diesen Ansatz und das Bewusstmachen warum wir hier am
Kongress wären, führte er uns langsam zu unseren Wurzeln
um den Übergang zu all den Gegenständen zu schaffen,
die er bei sich hatte. Gegenstände aus dem Brauchtum, die
uns viel zu erzählen hatten (wie etwa: Hexenschlüssel,
Pentagramme in alten Ziegeln, Rosenkränze mit Reliquien usw.).
Ebenso wurden viele Bilder gezeigt, bei denen es um die Thematik
des Lichtes und die Symbolik ging, die uns später bei unserem
Ausflug in die Kirche in Hadersdorf wieder begegnete. Denn Licht
ist Erkenntnis!
Und wer weiß, vielleicht hat Kurt ja mal Zeit und beehrt
uns hier in Österreich und bringt all die netten Dinge mit,
die mich so fasziniert hatten.
|