Betreut von MartinM
Die Geschichte des Druidentums   Teil III
Philip Shallcrass, der Leiter des Britischen Druidenordens hat hier einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Druidentums verfasst, der von Shina Edea ins Deutsche übertragen wurde.

Druiden und Römer, ca. 43 CE – 410 CE
Wir wissen von Julius Cäsar, dass Druiden aus den weitesten Teilen sich regelmäßig in den nemetonae trafen und dass Studenten von überall aus Europa nach Britannien reisten, um Instruktionen im Druidentum zu erhalten - da sie daran glaubten, dass die druidische Kraft in Britannien noch immer am reinsten war, da sie daher stammte. Andere Schreiber beziehen sich auf die Druiden, die aus Eingeweiden von Ritualopfern divinieren oder aus dem Flug oder Gesang der Vögel - beide Praktiken waren überall in der alten Welt bekannt.
Der im ersten Jahrhundert tätige römische Schreiber, Plinius der Ältere, gibt eine Einsicht von weiß gekleideten Druiden, welche auf Eichen klettern um heilige Misteln zu schneiden und zwar mit einer goldenen Sichel. Der Mistelzweig wurde, von am Fuß des Baumes wartenden Helfern in einen weißen Stoff eingeschlagen. Zwei weiße Bullen wurden während dieser Zeremonie gesegnet. Manche römischen Schreiber warfen den Druiden vor, sie würden Menschenopfer an einer riesigen Waage abwägen. Neben solchen Anschuldigungen finden sich ebenso Beschreibungen von riesigen Flechtwerkfiguren in welchen man Tiere und Menschen verbrannt hätte. Man fand nie Beweise solcher Anschuldigungen. Der beste Beweis für Menschenopfer kommt aus der Eisenzeit, in der man Überreste in Torfsümpfen in Britannien und Europa fand. Manche von ihnen scheinen zu einem rituellen Zweck gemacht worden zu sein und bestätigen ebenso die Wassermärsche für die Ritualopferung. Da Schreiber uns auch erzählen, dass die Kelten an ein Leben nach dem Tod glaubten, welches aus großer Freude und Schönheit bestand ist es wahrscheinlich, dass diese Ritualopfer sich freiwillig hergaben.

Die Verbindung zwischen Britannien und dem römischen Reich war sehr komplex. Die Briten hatten schon immer über den Kanal hinweg mit ihren Nachbarn auf dem europäischen Festland gehandelt. Als Gallien - das heutige Frankreich - in das römische Reich integriert wurde, ging der Handel trotzdem weiter. Die Stammeshäuptlinge in Südbritannien importierten römischen Wein, Geschirr und andere Luxusgüter. Als Julius Cäsar sich also entschied Britannien um 55 BCE einzunehmen, war es eines seiner Ziele Roms politische Gunst zu erhalten - er hatte also vielleicht einen freundlicheren Empfang erwartet, als jenen der ihn tatsächlich erwartete. Fakt ist, dass die einheimische Bevölkerung sich zusammenschloss und die Truppen bekämpfte. Ihre leichten Rüstungen machten sie zu einem viel besser beweglicheren Ziel als die langsamen Fußsoldaten Roms. Julius wurde also dazu gezwungen zum Festland zurückzukehren. Britannien wurde daraufhin etwa 100 Jahre von Rom in Ruhe gelassen, bis der Eroberer Claudius - wieder aus politischen Gründen - eine große Armee sandte, deren Auftrag es war alle Siedlungen zu zerstören die sie sahen, ebenso die Heiligtümer.

Das Jahr 60 CE war sehr bedeutend für die Geschichte des Druidentums. Boudicca, Herrscherin von Iceni, leitete eine Revolte gegen die römischen Feinde, zerstörte dabei ganze Städte mit ihren windeseiligen Angriffen. Ihre Rage war verständlich. Ein römischer Gouverneur tötete ihren Mann und schlug sie selbst zu Boden, wo sie mit ansehen musste, wie ihre zwei Töchter vergewaltigt wurden. Mit einer Armee an ihrer Seite holte sie zur Rache aus. Währenddessen lauerte ein großer Teil der römischen Armee im Norden von Wales und bereitete einen Angriff auf Anglesey vor. Warum? Weil Anglesey eine Hochburg des Druidentums war und Druiden als höchst problematisch angesehen wurden, da sie solch einen Respekt von der Bevölkerungen empfingen; ebenso von den Chefs der Stämme, von denen jeder einen Druiden als Ratgeber hatte.
Tacitus hinterließ uns eine Beschreibung der Legionen - von denen viele römische Gallier waren, welche einberufen worden waren - die nun in einer Linie vor Anglesey standen. Sie wurden mit Druiden konfrontiert, welche gegenüber am anderen Strand auf hohen Plätzen standen, ihre Arme hoben und über die Gegner Flüche aussprachen. Zwischen den Fronten rannten schreiende Frauen hin und her, gekleidet in zerrissene schwarze Roben. Diese Frauen dürften Priesterinnen der Britischen Kriegsgöttin „Scaldcrow“ gewesen sein. Die Truppen standen aufgereiht, warteten auf den Punkt der Terrors, in denen ihre Feldherren sie auf die Feinde losschickten und mit dem Tote bestraft würden, falls sie nicht angreifen würden. Als sie die Meeresenge überquerten und auf die Druiden zukamen, schlachteten sie alle die sie fanden in einer Art von Blutrausch nieder, und verbrannten alle heiligen Stätten und zerstörten die Altäre.

Die Rebellion von Boudicca wurde ebenso niedergeschlagen und die römische Armee verbrannte viele einheimische Schreine in Südbritannien. Die politischen Einflüsse der Druiden wurden herabgesetzt, aber sie hörten nicht auf zu existieren, besonders nicht in Schottland und Irland, die noch unerreichbar für die Legionen waren. Im Rest Britanniens wurden viele romanisch- britische Tempel errichtet und zwar auf den Trümmern der alten Schreine. In diesen Tempeln wurden die römischen Gottheiten neben den einheimischen verehrt. Wir können nur in manchen Fällen darauf schließen, dass diese Tempel von Druiden geleitet wurden. Obwohl eine Serie von Erlässen Druiden für vogelfrei erklärte, scheint es nicht so, als hätten diese sich durchgesetzt und erst recht nicht in den Stämmen, die den römischen Belagerern freundlich gesinnt waren. Wahrscheinlich war es dann, dass die Druiden begannen sich dem römischen Leben anzupassen, wie die anderen Menschen es taten. Sie verließen ihre Hügel und zogen in neue Städte, die nach römischem Vorbild gebaut wurden. Da die Wohnsitze der Römer mehr Komfort baten, waren sie vermutlich sogar glücklich. Trotzdem wurden die Hügelbauten noch immer als heilig betrachtet.

Als das Christentum aufkam, welches Britannien um 200 CE erreichte, setze dem Druidentum ebenfalls kein Ende. Viele heidnische Römisch-britische Tempel wurden noch weitere 3 Jahrhunderte genutzt. Ein Beispiel ist der Schrein am Iron Age Hill Fort am „Meiden castle“ in Dorset, welches im frühen 5. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde, gleich am Ende der römischen Herrschaftsperiode. Als das Christentum Dominanz erreichte, wurden viele heidnische Stätten und Rituale ins christliche übertragen. Die druidischen Schulen, welche in Britannien, Irland und Gallien existiert haben sollen, wurden weitergenutzt als bardische Schulen, als weltliche Schulen oder vielleicht als christliche Klöster. Die heidnischen Götter welche für das Volk zu wichtig waren, wurden zu christlichen Heiligen gemacht. Als die priesterlichen Funktionen des Druidentums mehr oder weniger von den christlichen Priestern übernommen wurden, wurden viele der heidnischen Priester zu Barden, die ja im Europa der Eisenzeit eine kleine Gruppe des Druidentums waren. Bardische Initiierte schrieben auch weiterhin Göttinneninspirierte Gedichte um die heiligen Lehren der heidnischen Vorgänger am Leben zu halten - während Christlichen Schreiber, beginnend im 6. Jahrhundert, begannen heidnische Mythen und Legenden aufzuzeichnen.


Licht im dunklen Zeithalter, ca. 410 – 1200
Die Zeit um 410 – 700 CE wird oft das dunkle Zeitalter genannt. Heidnische Eindringlinge reisten durch das Land, bedrohten die Macht des römischen Imperiums, das nun nominell Christentum heißt. Britannien, welches den Schutz genoss, der ihm durch das Teilsein am römischen Imperium etwa 4 Jahrhunderte zuteil wurde, wurde nun von Invasoren wie Sachsen, Angeln, Juten und anderen in Stücke geteilt. Diese nahmen das Land der romanisierten Briten von Süd bis Ost in Beschlag. Sie benutzten ihre eigenen Gottheiten, unter denen Wotan der oberste war. Um 500 wurde dem Sachseneinmarsch von einer großen Schlacht am berg Badon Einhalt geboten. Von dem glorreichen Anführer der Briten in dieser Schlacht sagt man, dass er ein Artorius sei, oder Arthur, von welchem spätere legenden berichten und ihn zum König der Briten erklären. Während dieser schweren Zeiten wurden keltische - wahrscheinlich irische Gelehrte - in ganz Europa gerühmt, aufgrund der Tiefe ihres Wissens. Sie übersetzten die großen Werke des klassischen Altertums und schrieben Abhandlungen in Bereichen von Astronomie bis Zoologie. Ihre Liebe zum Lernen scheint ein Erbe von ihren druidischen Vorfahren zu sein.
Die selbe Periode brachte eine literarische Fülle in den bardischen Schulen hervor, welche legendäre Figuren wie Taliesin, Myrddhin, dessen Geschichte von Geoffrey of Monmouth später in die romantische Figur des Merlin verwandelt wurde, den Magier König Arthurs und Aneirin, dessen großes Werk „The Gododdin“ vielleicht das früheste überlieferte, britische Gedicht ist. Der historische Taliesin war am Hofstaate Uriens, welcher das große Königreich Rheged regierte, das den größten Teil des englischen Nordwestens bedeckte. Seine Gedichte handelten meist von den Kämpfen seines Herrn gegen die Angelsächsischen Feinde, welche ihre Königreiche entlang der Ostküste erbauten. Taliesiens Name war aber ebenso Teil vieler mystischer Geschichten, die erst in späteren Jahren entstanden, wie etwa „Cad Goddeu“, der Schlacht der Bäume.

Myrddhin Wyllt, auch „Myrddhin der Wilde“ genannt, war Barde des Gwenddoleu, welcher ein Gebiet nördlich von Hadrians Wall regierte. Gwenddoleu und all seine Armeen wurden in einer blutigen Schlacht am Ende einer langen Belagerung um 573 getötet. Myrrdhin war der einzig Überlebende und was er erlebt hatte machte ihm zu schaffen. Er zog sich auf eine Felsspitze im Wald von Celyddon zurück und lebte in Freundschaft mit den Tieren. Rhydderch Hael, der Herrscher, der Gwenddoleu getötet hatte schenkte ihm Zuflucht, aber Myrddhin fand es unmöglich wieder mit Menschen zu leben und kehrte in den Wald zurück, wo er bis ans Ende seiner Tage verblieb und den Ruf eines inspirierten Propheten bekam.
Aneirin war ein Barde, möglicherweise der Höchste, am Hofe des Mynyddog Mwynfawr („der Großzügige“), wessen Hautsitz in Din Eidyn war, dem heutigen Edinburgh. Mynyddog was der Oberhaupt des Gododdin Stammes, dessen Königreich von Rheges nach Bernicia reichte. Um das Jahr 600, als Mynyddog seine drei Hundert Krieger ein Jahr lang an seinem Hofe bewirtet hatte, schickte er sie und andere, die seinem Ruf folgten nach Süden, der alten Römerstraße entlang bis Catraeth, um es von den Angeln - die unter der Herrschaft Aethelfriths standen - zurückzuerobern. Aneirin beschreibt die Angeln als zahlreich, 54,000 oder 100,000 sollten es gewesen sein, obwohl wir hier von etwas poetischer Übertreibung ausgehen können. Die Gododdin Kämpfer sollen 2,000 Angeln erschlagen haben, bevor sie selbst zu Boden gingen und nur drei von ihnen überlebten. Auch Aneirin selbst, der uns erzählt, dass er mit „blutüberströmtem Körper durch die Kraft der Poetik“ überlebt hat. Die folgende Strophe erlaubt einen Einblick in die Gruppe von Kriegern, die nach Catraeth hinabgingen.

Männer gingen nach Catraeth für Krieg und Schlacht, auf mächtigen Rössern; die Fußsoldaten mit ihren Schilden und prächtigen Speeren, geschärften Lanzen, und ihre Mäntel leuchten, und ihre Waffen glänzen. Brechen durch feindliche Armeen. Fünf mal Fünfzig fielen durch das Schwerte des Rhufawn Tall, welcher auf den Altären Gold darbrachte, und Geschenke aus Edelstein.
Die Poesie des Aneirin zeigt deutlich die sozialen Funktionen der Barden der Zeit auf. Er kombiniert die Rollen von Historiker und Unterhalter, während sein Gesang an die Gefallenen den Respekt aufrecht erhält, die für die Aufrechterhaltung der Aristokratie so wichtig ist um zu überleben.

Die große Sammlung von Walisischen Mythen und Legenden , die als „The Mabinogion“ bekannt sind und wahrscheinlich im 9. Jahrhundert als Ergebnis der damaligen Entscheidungen der nordwalisischen Könige verfasst wurden, welche den Barden auftrugen, so viel wie möglich von den Lehren für die Nahfahren zu erhalten. Große Irische Epen, wie „Lebor Gabala Erinn“, das Buch der irischen Inbesitznahme und „Tain bo Cuailgne“, dem Rinderangiff von Cooley wurden im selben Jahrhundert niedergeschrieben. In beiden Ländern wurden diese Sammelaktivitäten wahrscheinlich durch die Angriffe der Wikinger zunehmend Bedeutender. Texte, die in dieser Periode zusammengetragen wurden, enthalten sehr viel Information über heidnische Götter und Helden und ebenso über Druiden und Druidentum, obwohl sie zu einer Zeit entstanden, in der das Druidentum bereits nicht mehr existierte, aber noch immer einen letzten Einfluss hatte.
Die Könige von Cashel in Südirland hielten alle sieben Jahre große Stammesversammlungen ab. Sie erhielten noch immer „Geschenke“ von einem Druiden aus einem ihrer Unterstämme. Solche Druiden handelten wie ihre Vorfahren vor der Auslöschung es taten, und standen dem König mit rat zur Seite. In Wales im 12 Jahrhundert schrieben selbst Barden noch immer von existierenden Druiden.


Philip Shallcrass


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