In memoriam Madame Mim::
Gleichgültigkeit - zwei Blicke aufs Thema

Diesmal machen sich Martin und Anufa Gedanken zum Thema "Gleichgültigkeit" ...

Den Anfang macht MartinM mit

"Gleichgültigkeit ist die schlimmste Einstellung"

Ein wichtiger Gedanke aus einem wichtigen Buch.

Es mag ja sein, dass die Gründe für Empörung heute nicht mehr so deutlich zu erkennen sind. Wer befiehlt und wer entscheidet? Wir haben es nicht mehr mit einer kleinen Elite zu tun, deren Machenschaften leicht zu durchschauen sind. Die Welt ist groß, und wir spüren deutlich, wie sehr die Dinge miteinander verschränkt sind. Aber in dieser Welt gibt es Dinge, die unerträglich sind. Wer sie sehen will, muss genau hinsehen. Ich sage den jungen Leuten: Wenn ihr nur ein wenig sucht, werdet ihr solche Dinge finden. Am schlimmsten ist es, wenn man sagt: "Damit habe ich nichts zu tun. Das ist mir egal." Wer sich so verhält, verliert eine der wesentlichen und unverzichtbaren Eigenschaften, die den Menschen ausmachen: die Fähigkeit zur Empörung und das Engagement, das daraus erwächst. [...]“

Stéphane Hessel, „Empört euch!“


Das Gegenteil von Liebe ist nicht etwa Hass (schließlich gibt es auch Hassliebe), sondern Gleichgültigkeit

Gleichgültigkeit ist eine der meist unterschätzten menschlichen Eigenschaften. Die Fähigkeit der meisten Menschen (ich nehme mich da nicht aus), Dinge, die sie vermeintlich nichts angehen, zu ignorierend, ist erstaunlich. Douglas Adams karikierte diese Fähigkeit, indem er das PAL-Feld (Problem-anderer-Leute-Feld) "erfand".

Ein PAL-Feld beruht auf der angeborenen Neigung der Leute, nicht zu sehen, was sie nicht sehen wollen, nicht erwartet haben oder nicht erklären können. Sie erklären es einfach zum Problem anderer Leute und nehmen es deshalb nicht wahr. Es ist viel einfacher und wirkungsvoller als ein normales Unsichtbarkeitsfeld, kann obendrein über hundert Jahre lang mit einer einfachen Taschenlampen-Batterie betrieben werden, und ist so wirksam, dass ein Raumschiff, dass mitten im Spiel auf dem Lord’s Cricket Ground landete, von den Zuschauer überhaupt nicht wahrgenommen wurde.

Als satirische Science Fiction ist Gleichgültigkeit noch zum Lachen. Wenn ich mir jedoch vor Augen halte, dass der „Holocaust“, der millionenfache industriell betriebene Massenmord in den von Nazi-Deutschland beherrschten Ländern, nur deshalb funktionieren konnte, weil sehr viele Menschen es „gar nicht so genau wissen“ wollten, oder sich dachten, dass sei zwar schlimm für die Juden (Kommunisten, Zigeuner, Bibelforscher, Homosexuellen usw., usw.), aber das ginge einen „einfachen Menschen“ nichts an, und „die da oben“ würden sich schon „was dabei gedacht“ haben. (So dachten durchaus auch Nicht-Deutsche; ich betone das, weil es z. B. Franzosen gibt, die meinen, dieses Nicht-Wissen-Wollen sei typisch für die obrigkeitshörigen, rohen und tumben „Boches“. Was natürlich nichts daran ändert, dass es unter anderem auch die autoritären Traditionen Deutschlands und ein beinahe ebenfalls „traditionell“ zu nennender skrupelloser Opportunismus der deutschen Eliten (und auch, vielleicht mitunter sogar ausgeprägter, jener der österreichischen Eilten) waren, die den „Holocaust“ erst möglich machten.

Das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte wurde durch Wegsehen und Nicht-wahrhaben-wollen erst möglich!

So, wie unsere Kultur nun einmal strukturiert ist, und unser Denken, das durch diese Kultur geprägt ist, funktioniert, wären scharf umrissene Kriterien meiner Ansicht nach unangebracht. Sie würden als verbindliche Regeln interpretiert werden.So, wie die „Political Correctness“ oft zur reinen Sprachregelung degeneriert, oder „Moral“ zum Einhalten eines Moralkodex mit Gesetztbuchcharakter.

Daher der Rat: Vertraue dir selbst! Du weißt am besten, was du nicht erträgst.

Ab hier folgt Anufa mit


Wuascht!!!

Was in Deutschland unter "Gleichgültigkeit" läuft, das fällt in meiner Gegend unter "wuascht", wobei das durchaus auch einen eher grantigen Unterton haben kann.
Wenn mir etwas egal ist, dann ist es mir auch wurscht (die etwas hochdeutschere Schreibweise), wenn mir etwas wurscht ist, dann kann es mir auch egal sein. Wenn mir aber etwas mit Nachdruck "wuascht" ist, dann ist es mir eindeutig nicht egal. Hier die Auflösung:
Wenn mir etwas "wurscht" im Sinne von "egal" ist, dann ist das ein Sachverhalt, wie ihn Martin in seinem Artikel geschrieben hat.
Wenn mir etwas "wuascht, mit Nachdruck" ist, dann wende ich mich eher mehr oder minder zornig von etwas ab, das ich vermeintlich nicht beeinflussen kann, trotzdem aber beschissen finde.
Das wären dann zwei völlig unterschiedliche Ausgangspositionen und ich denke, dass die zweitere durchaus der Anfang einer Veränderung sein könnte ...


Deeees is ma wuuuascht ...

Ich gehe mit Martin absolut konform, dass diese Sichtweise - gelinde gesagt - schwierig für ein sinnvolles menschliches Zusammenleben ist. Wenn Ausblenden, Wegsehen und Schön- oder Garnichtmehrreden zum Alltag werden, dann steht für mich das auf dem Spiel, was ich "menschlich" nenne. Natürlich obliegt es jedem selbst, die persönlichen Schmerzgrenzen festzulegen. Ein Grund, warum ich z. B. die Posts einiger Bekannter in Sozialnetzwerken durchaus verstehen kann, die ankündigen, jeden zu "sperren", der Gräuelbilder von Misshandlungen oder Opfern jeglicher Art (menschlich oder tierisch) postet. Sich mit diesen Bildern und Informationen zu überfluten bringt imho genauso nichts, wie sich diesen völligst zu entziehen. Die Schmerzgrenze des Einzelnen ist eben individuell und was einer noch locker wegsteckt treibt den anderen in Depressionen. Da ist für mich, wie in vielen anderen Fällen auch, differenzierte Herangehensweise am sinnvollsten. Wie immer gibt es dabei Vorteile und auch Nachteile ...
Ich persönlich bevorzuge die bewusste Konfrontation in Maßen (nicht in Massen) weil ich der Ansicht bin, dass mich früher oder später so gut wie alles "was angeht" und sich die Realität dadurch, dass ich sie nicht zur Kenntnis mehme, auch nicht ändert. Sie ändert sich zwar von alleine auch nicht, wenn ich ihrer bewusst bin, aber ich erhalte die Chance von mir aus etwas  zu verändern, das eventuell einen Unterschied macht. Das würde ich "Eigenverantwortung" nennen ...

Ich bin deshalb auch eher Nutzer des zweiten "wuascht".


Auf dem Weg zum Wutbürger?!

Mir entfleucht schon hie und da mal so ein, mit Nachdruck hinter mich geworfenes, "Wuuuuuascht!!!!", wenn ich kein sinnvolles Ergebnis einer Situation erkennen kann. Dann wende ich mich zornig (ob der verschwendeten Energie und Zeit) ab und suche das Weite. Lösung ist das natürlich auch keine, aber in Ermangelung an Alternativen, fällt mir nichts Besseres ein, das ich dann tun könnte.
2010, wie Wikipedia mich aufklärt, hat sich das Wort "Wutbürger" etabliert und wurde sogar zum "Wort des Jahres" gewählt. Ich halte es da lieber mit Roland Düringer der daraus den "Mutbürger" gemacht hat. Für mich ist es durchaus ein Anfang, sich zu ärgern - aber eben auch erst der Anfang. Ohne Mut stagniert der Ärger in der typisch Österreichischen "Matschkerei", dem "Granteln", mit etwas Mut und einem gemeinsamen Ziel ließe sich etwas bewegen. Die Frage, die sich mir an dieser Stelle immer stellt ist: Wer in welchem Maße bereit ist welches Ziel gemeinsam zu verfolgen ... und natürlich wie lange und um welchen Preis!!!

Falls Ihr dazu Gedanken habt, die Ihr mit uns (und natürlich den WurzelWerk-Lesern) teilen wollte, dann schreibt uns doch einfach einen Kommentar hier im Blog, eine Mail an redaktion (klammeraffe) wurzelwerkPUNKTat oder ein Post auf Facebook.


MartinM & Anufa


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